Umweltminister Krischer: Klimakrise wird gravierende Folgen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur haben

Umwelt- und Verkehrsminister stellt Hydrologischen Status-Bericht vor: Trinkwasserversorgung gesichert, Großteil der Grundwassermessstellen am Minimum, Situation auf den Wasserstraßen angespannt

26. August 2022
Oliver Krischer

Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer hat vor weitreichenden Folgen eines ungebremsten Klimawandels in Nordrhein-Westfalen für die Bevölkerung, die Umwelt und die Wirtschaft gewarnt.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer hat vor weitreichenden Folgen eines ungebremsten Klimawandels in Nordrhein-Westfalen für die Bevölkerung, die Umwelt und die Wirtschaft gewarnt. „Wir erleben es auch in diesem Sommer wieder: Die Klimakrise trifft uns mit voller Wucht. Die Tage mit Temperaturen von mehr als 30, manchmal sogar 40 Grad werden in Zukunft noch mehr zunehmen“, sagte Minister Oliver Krischer bei der Vorstellung des aktuellen Hydrologischen Status-Berichtes des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Duisburg. Schon jetzt sei das Jahr 2022 gemessen an der durchschnittlichen Temperatur von Januar bis Juli bereits das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ab 1881. Dies mache sich auch an der Anzahl der warmen Kenntage bemerkbar: so wurden beispielsweise am Düsseldorfer Flughafen bis zum 24. August schon 46 Sommertage mit Temperaturen von mehr als 25 Grad und 16 heiße Tage mit mehr als 30 Grad gemessen – der Durchschnittwert der vergangenen 30 Jahre lag bei 28 Sommertagen und 6 heißen Tagen. „Durch die Klimakrise werden Wetterextreme wie das Hochwasser im letzten Jahr oder die Trockenperiode in diesem Sommer öfter auftreten. Klimaschutz und Klimaanpassung sind deshalb Daseinsvorsorge“, so Krischer.

Das Jahr 2022 setzt somit den bereits beobachteten massiven Erwärmungstrend der vergangenen Jahre fort. Neben den seit Aufzeichnungsbeginn gestiegenen Lufttemperaturen und den Änderungen der Niederschlagsmuster haben die heißen und trockenen Sommer 2018 und 2019, die Starkregenereignisse in den Jahren 2014, 2016 und 2021 sowie die 2019 in Nordrhein-Westfalen gemessenen Hitzerekorde den Klimawandel stärker ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Im Jahr 2018 wurde mit 76 Sommertagen in Nordrhein-Westfalen ein neues Maximum erreicht. Im darauffolgenden Jahr wurden am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst mit Höchsttemperaturen von 41,2 Grad Celsius neue Höchstwerte in Deutschland aufgestellt. Laut Klimabericht 2021 NRW war das Jahr 2020 das wärmste in Nordrhein-Westfalen seit Messbeginn. 13 der vergangenen 20 Jahre zählten zu den wärmsten Jahren seit Aufzeichnungsbeginn. „Die Klimakrise wird gravierende Folgen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur haben“, sagte Minister Krischer.

Deutlich wird dies auch über den aktuellen Hydrologischen Status-Bericht des LANUV, erklärte die Präsidentin des LANUV, Dr. Sibylle Pawlowski: „Niedrigwasser und steigende Wassertemperaturen haben weitreichende Folgen für die Ökologie der Flüsse, Bäche und Seen. Wenn Niederschläge fehlen, trocknen die Böden aus und es kann sich kein Grundwasser neu bilden.“ Eine anhaltend heiße und trockene Wetterlage habe neben den hydrologischen Auswirkungen auch direkte Folgen für die menschliche Gesundheit. „In den stark bebauten und versiegelten Städten bilden sich Hitzeinseln. Die Temperaturen sinken nachts kaum ab, es kommt zu tropischen Nächten. Das kann zu massiven Gesundheitsproblemen bei Bürgerinnen und Bürger führen“, ergänzt Pawlowski.

Die wichtigsten Kenngrößen des Hydrologischen Status-Berichtes:

Niederschlag
Insgesamt fielen bis zum 25.8.2022 in der Vegetationsperiode 2022 seit April rund 263 Millimeter (mm) Niederschlag. Das Gesamtdefizit der bisherigen fünf Vegetationsmonate beträgt minus 135 mm im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten der Jahre 1881 bis 2017.

Grundwasser
Mitte August sind an 73 Prozent der Grundwassermessstellen niedrige bis sehr niedrige Stände zu beobachten (Vormonat: 49 Prozent). 21 Prozent zeigen ein absolutes Minimum (Juli: 10 Prozent). Der Anteil der niedrigen bis sehr niedrigen Messstände ist damit im August 2022 im Vergleich zum Vorjahr deutlich höher.
Die langanhaltende Trockenheit führt zu reduzierten Sickerwasserraten und verringert damit unter anderem die Grundwasserneubildung.

Fließgewässer
Die Fließgewässer zeigen in fast ganz Nordrhein-Westfalen eine deutlich ausgeprägte, teilweise extreme Niedrigwassersituation. Die Situation hat sich im August weiter verschärft und ist mit der Situation im August 2018 vergleichbar. An knapp 20 Prozent der Pegel des LANUV wurden im aktuellen Jahr 2022 bereits niedrigere Wasserstände gemessen als in der gesamten Trockenperiode 2018-2020.

Wasserstraßen
Die derzeitige Niedrigwassersituation betrifft die Rheinschifffahrt. Die Schiffbarkeit der westdeutschen Kanäle in Nordrhein-Westfalen ist derzeit nicht betroffen. Die Bundeswasserstraße Rhein ist elementar für die Versorgungssicherheit in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2021 insgesamt ca. 112,1 Millionen Tonnen via Binnenschiff transportiert.

Die niedrigsten Pegelstände am Rhein wurden Mitte August mit 32 Zentimeter am Pegel Düsseldorf (2018: 23) und 152 Zentimeter am Pegel Duisburg-Ruhrort (2018: 153) erreicht. Trotzdem ordnete das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein bisher keine Einschränkungen der Schifffahrt an.

Talsperren
Der Füllstand der nordrhein-westfälischen Talsperren profitiert noch geringfügig von den Niederschlägen im Winter und Frühjahr. Seit Juni sinken die Füllstände kontinuierlich. Derzeit geben die meisten Talsperren auch aufgrund von Zuschusspflichten deutlich mehr Wasser ab, als zufließt - dies ist grundsätzlich jahreszeitlich typisch.

Bodenfeuchte
Der Boden ist aufgrund der niedrigen Niederschläge landesweit auch bis in größere Tiefe zu trocken, in weiten Teilen deutlich zu trocken. Die Bodenfeuchte hat im August vor allem in den tieferen Bodenschichten weiter abgenommen und nähert sich dem Zustand 2018 an. In weiten Landesteilen ist in der oberen Bodenschicht aktuell kein pflanzenverfügbares Wasser mehr vorhanden.

Gewässertemperaturen
Trocken- und Hitzeperioden bedeuten Stress für das Leben im und am Gewässer. Die direkten Folgen sind in Fließgewässern und Seen Niedrigwasser bis hin zum Trockenfallen, erhöhte Wassertemperaturen und sinkende Sauerstoffkonzentrationen. Betroffen sind davon vor allem kleinere Gewässer.


Die Temperaturen der großen Flüsse Rhein, Weser, Lippe und Ems liegen derzeit noch mehrere Grad unter dem Orientierungswert (für diese Gewässer: 28 Grad Celsius). Am Rhein wurde die höchste Temperatur am 4. August in Bad Honnef mit 26,7 Grad Celsius gemessen und liegt aktuell bei 24,5.

In den letzten Wochen wurden dagegen an kleineren Flüssen Überschreitungen der Orientierungswerte für die Wassertemperatur beobachtet: an der Erft, Wupper, Ruhr, Inde und Rur.

Nordrhein-Westfalen wird mit Trinkwasser aus Grundwasser, Uferfiltrat und Talsperren versorgt. Minister Krischer stellte unter anderem mit Blick auf die Füllstände der Talsperren fest, dass auch nach den Erfahrungen der Trockenjahre 2018 bis 2020 die Versorgung mit Trinkwasser für das Land grundsätzlich sichergestellt sei.

Trotzdem sieht der Minister in Zukunft das Thema „Wasser“ von größerer Bedeutung. „Die Klimakrise wird Wasser zu einem knappen Gut machen. Wasser ist Lebensgrundlage für Mensch, Umwelt und Wirtschaft. Und es ist unser Lebensmittel Nummer eins“, betonte Minister Krischer.  „Wir wollen es schützen und in Zukunft verfügbar halten. Dabei hat die Sicherung der Trinkwasserqualität für uns oberste Priorität. Wir werden ihr Vorrang vor anderen Nutzungen geben.“

Das Land will dabei eng mit den Kommunen zusammenarbeiten. So wurde etwa 2016 im Landeswassergesetz geregelt, dass die Gemeinden Wasserversorgungskonzepte erstellen müssen. Darin werden an die lokale Situation angepasste Maßnahmen erarbeitet, wie etwa die Bereitstellung von Trinkwasser bei hohem Bedarf und die Ausfallsicherheit. Die Wasserversorgungskonzepte werden 2023 zum zweiten Mal erarbeitet und 2024 von den 396 Städten und Gemeinden den Bezirksregierungen vorgelegt.

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