Dauerhafter Schutz für den Hambacher Wald: Breite Allianz unterzeichnet Erklärung
Ministerien, Kommunen, Naturschützer, Landwirtschaft und RWE einigen sich auf großflächige Waldvernetzung und künftiges Wildnisentwicklungsgebiet
Der dauerhafte Erhalt des Hambacher Waldes und seine ökologische Vernetzung sind geklärt. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Ministerien, Kommunen der Region, der RWE Power AG, Vertretern des Naturschutzes und der Landwirtschaft hat ein umfassendes Konzept erarbeitet.
Der dauerhafte Erhalt des Hambacher Waldes und seine ökologische Vernetzung sind geklärt. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Ministerien, Kommunen der Region, der RWE Power AG, Vertretern des Naturschutzes und der Landwirtschaft hat ein umfassendes Konzept erarbeitet. Eine gemeinsame Erklärung, die die bislang offenen Fragen zur Zukunft des Hambacher Waldes beantwortet, unterzeichneten die Beteiligten am Dienstag, 9. Juni 2026, gemeinsam im Umweltministerium. Demnach sollen die Wälder unter Schutz gestellt und alle Flächen künftig in öffentliches Eigentum überführt werden. Der Hambacher Wald selbst wird ein Wildnisentwicklungsgebiet und die benachbarten Waldflächen werden durch breite neue Waldkorridore vernetzt. Bis Ende 2026 werden die festgehaltenen Eckpunkte nun konkretisiert und in einem verbindlichen, öffentlich-rechtlichen Vertrag fixiert.
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur: „Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen und RWE als Partner – das ist keine Selbstverständlichkeit, das ist das Ergebnis harter Arbeit. Strukturwandel und demokratische Prozesse gelingen nur durch ständigen Austausch und Verhandlung. Der Hambacher Wald wird jetzt zu dem, was das Rheinische Revier insgesamt ist – eine Region, die ihre industrielle Vergangenheit nicht verdrängt, sondern in eine nachhaltigere, sichere Zukunft überführt.“
Umweltminister Oliver Krischer: „Das ist ein historischer Tag, der ein neues Kapitel für den Hambacher Wald aufschlägt. Er wird nun dauerhaft zu einem Ort des Schutzes, der Vielfalt und der Verantwortung für kommende Generationen. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, die das möglich gemacht haben.“
Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen: „Der Hambacher Wald, einer der bekanntesten Wälder Deutschlands, wird unter Schutz gestellt und damit dauerhaft für die Menschen in Nordrhein-Westfalen gesichert. Mit dieser Entscheidung schaffen wir eine klare Perspektive. Durch die Vernetzung der drei Wälder verbinden wir wertvolle Lebensräume und ermöglichen Tier- und Pflanzenarten, sich auszubreiten. Das ist Strukturwandel, der ökologische Verantwortung ernst nimmt.“
Der Hambacher Wald im Rheinischen Revier zwischen Köln und Aachen zählt zu den bekanntesten Waldgebieten Deutschlands.
Er besitzt eine hohe ökologische Bedeutung, beherbergt seltene Tier- und Pflanzenarten und gilt als wertvoller Lebensraum für zahlreiche geschützte Arten.
Dr. Frank Weigand, Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG: „RWE ist und bleibt ein verlässlicher Partner der Region. Mit den heute vereinbarten Eckpunkten bekräftigen wir unsere Zusage: Wir sind bereit, den Hambacher Forst in die öffentliche Hand zu übertragen. Zugleich richten wir unseren Blick auf die abschließende Rekultivierung des Tagebaus mit dem künftigen Hambacher See und attraktiven Landschaften für die Region.“
Holger Sticht, BUND-Landesvorsitzender: „Mit der heute unterzeichneten gemeinsamen Erklärung besteht die Chance, die ökologische Wiederbelebung der durch die Tagebaue geschundenen Region einen wichtigen Schritt voranzubringen. Wir freuen uns, dass der BUND-Vorschlag, den Hambacher Wald als Wildnisentwicklungsgebiet zu sichern, auf eine solch breite Zustimmung fiel. Jetzt gilt es, die Empfehlungen zügig umzusetzen. Damit kann ein wichtiger Beitrag zur endgültigen Befriedung der Region geleistet werden.“
Georg Gelhausen, Bürgermeister der Gemeinde Merzenich: „Für die Region ist die heutige Unterzeichnung ein Meilenstein in eine gute Zukunft. Sie gibt uns Sicherheit. Mit dieser breiten Unterstützung wird es jetzt darum gehen, gemeinsam den Hambacher Wald für die Menschen der Region wieder als Erholungsraum erleb- und nutzbar zu machen.“
Die Einigung im Detail
Vom Wirtschaftswald zur echten Wildnis: In zwei Schritten wird der Hambacher Wald einer ungestörten, natürlichen Entwicklung überlassen. Spätestens im Jahr 2035 wird er in öffentliches Eigentum übertragen und durch das Land als Wildnisentwicklungsgebiet ausgewiesen. Damit steht er unter Naturschutz. Bereits zuvor wird er von RWE nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt und kann sich zur Wildnis entwickeln.
Grüne Korridore für die Natur: Um die Lebensräume zu verbinden, entstehen zwei Waldverbundkorridore. Ein Korridor verknüpft den Hambacher Wald mit der Steinheide. Der andere Korridor verbindet den Hambacher Wald mit dem Merzenicher Erbwald. Dies stellt die großflächige Waldvernetzung sicher. Die Verbundkorridore werden als Ökokonto entwickelt und können so Eingriffe an andere Stelle im Revier ausgleichen und die Beanspruchung von Landwirtschaftsflächen schonen.
Neues Naturschutzgebiet: Der Merzenicher Erbwald wird durch die Bezirksregierung als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Wald wird für die Bevölkerung auf Fuß- und Radwegen erlebbar sein und sein Baumbestand dauerhaft gepflegt.
Naturerleben mit Respekt: Die geplante Rad- und Fußwegeverbindung „Hambach LOOP“ wird räumlich integriert. Sie ermöglicht den Menschen, die Natur zu erleben während gleichzeitig sensible Waldbereiche geschützt sind. Im Hambacher Wald folgt der Hambach LOOP der Trasse der ehemaligen A4.
Alle Unterzeichnenden bekennen sich zu diesem Ausgleich zwischen Ökologie und Raumentwicklung. Die Erklärung beinhaltet zudem, dass der Abschluss des Tagebaus, die Wiedernutzbarmachung sowie die Befüllung des Tagebausees durch diese Naturschutzmaßnahmen ohne Einschränkungen fortgeführt werden können.
Weitere Informationen:
- Karten der aktuellen und zukünftigen Waldgebiete für die Berichterstattung zum Download: https://www.umwelt.nrw.de/system/files/media/document/file/karten_erklaerung_hambach.pdf
- Fotos der Unterzeichnung für die Berichterstattung (werden im Laufe Tages eingefügt): https://www.umwelt.nrw.de/bildergalerie/erkaerung-zum-hambacher-wald
- Die vollständige Erklärung zum Download: https://www.umwelt.nrw.de/system/files/media/document/file/erklaerung_hambach.pdf
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