Ministerpräsident Hendrik Wüst reist in die Republik Türkei

Ministerpräsident Wüst: Es ist an der Zeit, ein neues Kapitel in den Beziehungen zur Türkei aufzuschlagen

28. September 2026
Empfang zum Tag der Deutschen  Einheit in der Deutschen Botschaft in Ankara

Am Montagmorgen, 28. September 2026, ist Ministerpräsident Hendrik Wüst zu einer Reise in die Republik Türkei aufgebrochen. An drei Tagen besucht er Ankara und Istanbul.

Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Am Montagmorgen, 28. September 2026, ist Ministerpräsident Hendrik Wüst zu einer Reise in die Republik Türkei aufgebrochen. An drei Tagen besucht er Ankara und Istanbul. Dort wird er politische Gespräche führen, mit Vertretern der Zivilgesellschaft sowie mit Unternehmerinnen und Unternehmern zusammenkommen. Begleitet wird Ministerpräsident Wüst von einer Delegation aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Anlass der Reise sind das 80-jährige Bestehen Nordrhein-Westfalens und das 65. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Ein weiterer Anlass sind die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit, die von der Deutschen Botschaft Ankara zusammen mit dem Land Nordrhein-Westfalen als Co-Gastgeber ausgerichtet werden. Es ist die erste Reise eines nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten in die Türkei. 

Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Keine Region ist gesellschaftlich und wirtschaftlich so eng mit der Türkei verbunden wie Nordrhein-Westfalen. Rund eine Million Menschen mit Wurzeln in der Türkei leben in Nordrhein-Westfalen, das sind ein Drittel aller Türkeistämmigen in Deutschland. Sie sind selbstverständlicher Teil unseres Landes. In unsicheren Zeiten sind stabile Partnerschaften wichtiger denn je. Deshalb wollen wir die Zusammenarbeit dort vertiefen, wo gemeinsame Interessen bestehen. Europa und die Türkei rücken durch die weltweiten Veränderungen näher zueinander. Als NATO-Mitglied mit hohem politischem und militärischem Gewicht kann die Türkei eine wichtige, konstruktive Rolle bei den Herausforderungen dieser Zeit einnehmen. Nordrhein-Westfalen sieht sich auch mit Respekt für die Lebensgeschichten von so vielen Menschen in einiger eigenen Verantwortung. Es ist an der Zeit, ein neues Kapitel in den Beziehungen zur Türkei aufzuschlagen. Denn gerade als gute und enge Partner können wir kritische Fragen und Themen, wo wir unterschiedlicher Auffassung sind, einfacher ansprechen und für Verbesserungen eintreten. Wir wollen den Blick auf das Positive richten für eine gestärkte Zusammenarbeit in der Zukunft.“

Zum Auftakt seines Besuchs wird Ministerpräsident Wüst gemeinsam mit dem Henkel-CEO Carsten Knobel das Henkel-Werk in Elmadağ bei Ankara besuchen. Es ist der größte Henkel-Produktionsstandort für Konsumgüterprodukte in der Region und beliefert von dort aus den Mittleren und Nahen Osten, sowie Afrika. Anschließend wird Ministerpräsident Wüst am Atatürk-Mausoleum Anıtkabir einen Kranz niederlegen. Am Nachmittag wird er politische Gespräche führen. Anschließend wird der Ministerpräsident an einem C-Level Investorengespräch mit Spitzenvertreterinnen und -vertretern türkischer Unternehmen zusammenkommen und den Wirtschafts- und Investitionsstandort Nordrhein-Westfalen vorstellen. 

Zu den thematischen Schwerpunkten der Reise gehören der Ausbau der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und geopolitischen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei. Für nordrhein-westfälische Unternehmen gewinnt die Türkei angesichts geopolitischer Umbrüche als Produktionsstandort und zur Diversifizierung von Lieferketten an Bedeutung. Umgekehrt wirbt die Landesregierung vor Ort um den Ausbau türkischer Investitionen in Nordrhein-Westfalen. Ein weiteres Ziel ist, die über Jahrzehnte gewachsene Migrationsgeschichte sichtbar zu machen, die beide Länder verbindet. Die Reise des Ministerpräsidenten würdigt somit auch die Lebensleistung der Menschen, die seit dem Anwerbeabkommen von 1961 als sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland und insbesondere nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind. 

Ankara

Am Dienstag, 29. September 2026, wird Ministerpräsident Wüst seine politischen Gespräche in Ankara fortführen. Anschließend fungiert er beim Empfang zum Tag der Deutschen Einheit in der Deutschen Botschaft in Ankara als Co-Gastgeber. Zu dem Empfang werden rund 1.500 Gäste erwartet. Nordrhein-Westfalen prägt die Veranstaltung mit eigenen Elementen, etwa bei der kulinarischen sowie bei der musikalischen Umrahmung.

Istanbul

Am Dienstagabend reist Ministerpräsident Wüst gemeinsam mit der Delegation weiter nach Istanbul. In der Kulturakademie Tarabya wird er die Mevlüde-Genç-Medaille an den aus Nordrhein-Westfalen stammenden Fußballspieler und ehemaligen Kapitän der Deutschen Fußballnationalmannschaft İlkay Gündoğan für sein besonderes gesellschaftliches Engagement verleihen. 

Am Mittwoch, 30. September 2026, nimmt Ministerpräsident Wüst unter anderem an einer NRW-Türkei-Wirtschaftskonferenz teil, die die landeseigene Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft NRW.Global Business gemeinsam mit dem türkischen Außenwirtschaftsrat DEIK ausrichtet. 

Zum Abschluss der Reise unternimmt Ministerpräsident Wüst mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen einen historischen Stadtspaziergang durch die Viertel Tophane und Karaköy, in denen sich einst die deutsche Anwerbestelle für die Arbeitsmigration befand. Die Stationen zeichnen die ersten Schritte der Menschen nach, die sich auf den Weg in ein neues Leben nach Deutschland gemacht haben.

Hintergrund Anwerbeabkommen

Das Anwerbeabkommen wurde am 30. Oktober 1961 durch den Austausch von Verbalnoten zwischen dem Auswärtigen Amt in Bonn und der Türkischen Botschaft geschlossen. Ziel war es, zunächst für zwei Jahre Arbeitskräfte für die stark wachsende deutsche Wirtschaft zu gewinnen. In den darauffolgenden zwölf Jahren reisten rund 867.000 Frauen und Männer aus der Türkei nach Westdeutschland ein, vor allem ins Rheinland und ins Ruhrgebiet, um dort in den Zechen, an Förderbändern und in den Fabrikhallen zu arbeiten. 1964 wurde die ursprünglich vorgesehene Befristung auf zwei Jahre aufgegeben, ein dauerhafter Aufenthalt wurde möglich. Durch den erleichterten Nachzug holten viele Eingewanderte ihre Familien nach. Aus einem befristeten Arbeitsaufenthalt wurde für viele eine neue Heimat. Diese Entwicklung prägt Nordrhein-Westfalen bis heute.

Hintergrund Nordrhein-Westfalen und die Türkei

Nordrhein-Westfalen ist Heimat für rund eine Million Menschen mit Wurzeln in der Türkei, knapp 500.000 von ihnen mit türkischer Staatsangehörigkeit. Das ist ein Drittel aller in Deutschland lebenden Menschen mit türkischem Pass. Die größten Gemeinschaften bestehen in Köln, Duisburg, Dortmund, Gelsenkirchen und Düsseldorf.

Nordrhein-Westfalen ist eine zentrale Drehscheibe der deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen. Das jährliche Handelsvolumen liegt stabil bei 10 bis 12 Milliarden Euro und damit bei rund einem Fünftel des gesamten deutsch-türkischen Handels. Im vergangenen Jahr kamen aus der Türkei die meisten ausländischen Direktinvestitionen nach Nordrhein-Westfalen. Zwischen 25.000 und 30.000 kleine und mittlere Betriebe im Land werden von Menschen mit Wurzeln in der Türkei geführt.

Auch gesellschaftlich reichen die Verbindungen weit. Mehr als die Hälfte aller Studierenden aus der Türkei in Deutschland ist an nordrhein-westfälischen Hochschulen eingeschrieben. Rund 35 Städtepartnerschaften verbinden beide Länder, fast jede zehnte Kommune des Landes hat einen türkischen Partner. Und mit vier Generalkonsulaten der Republik Türkei beherbergt Nordrhein-Westfalen mehr türkische Auslandsvertretungen als jedes andere Bundesland.

Fotos der Reise des Ministerpräsidenten finden Sie fortlaufend hier: https://www.land.nrw/mediathek

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