Minister Liminski übergibt in Warschau Briefe von NS-Opfern an Gedenkstätten und diplomatische Vertretungen

Reise des Europaministers in die polnische Hauptstadt

23. Oktober 2026
Porträtfoto

Europaminister Liminski ist am Donnerstagabend, 22. Oktober 2026, nach Warschau gereist. Am Freitag, 23. Oktober 2026, folgt er einer Einladung der polnischen Regierung zur Übergabe persönlicher Briefe von Opfern des Nationalsozialismus sowie weiterer sensibler Dokumente an Gedenkstätten und diplomatische Vertretungen.

Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei

Europaminister Nathanael Liminski ist am Donnerstagabend, 22. Oktober 2026, nach Warschau gereist. Am Freitag, 23. Oktober 2026, folgt er einer Einladung der polnischen Regierung zur Übergabe persönlicher Briefe von Opfern des Nationalsozialismus sowie weiterer sensibler Dokumente an Gedenkstätten und diplomatische Vertretungen. An der Zeremonie im polnischen Ministerium für Kultur und nationales Erbe nehmen auch die polnische Kulturministerin Marta Cienkowska und Wojciech Soczewica, Generaldirektor der Auschwitz-Birkenau-Stiftung, teil.

Mit der Einladung würdigt die polnische Regierung den Einsatz Nordrhein-Westfalens für einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Gegenständen von NS-Opfern. Dazu gehören die Bundesratsinitiative des Landes zum Verbot des kommerziellen Handels mit solchen Gegenständen und der Einsatz von Minister Liminski für die Absage einer geplanten Auktion mit entsprechenden Erinnerungsstücken.

Minister Liminski: „Diese Einladung aus Polen bedeutet mir als deutschem Politiker sehr viel. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Großteil der Nazi-Verbrechen auf polnischem Boden und gegen polnische Menschen begangen worden sind. Es ist zudem ein wichtiges Zeichen, dass wir diese historischen Dokumente heute in vertrauensvolle Hände übergeben. Nachdem die Nazis versucht haben, ihre Opfer systematisch zu entmenschlichen und ihnen jede Individualität zu nehmen, dürfen wir nicht zulassen, dass ihre persönlichen Gegenstände Jahrzehnte später erneut zu bloßen Nummern in Auktionsportalen und Katalogen werden. Wo Erinnerung zur Ware wird, gerät die Würde ins Wanken. Hinter jedem Brief, jedem Tagebuch und jedem Kleidungsstück steht ein Mensch mit einer eigenen Lebensgeschichte. Diese Erinnerungsstücke sind keine Kuriositäten für Kataloge, sondern gehören in Archive und Museen. Das bisherige Verbot, mit NS-Propagandamitteln zu handeln, wollen wir auch auf die persönlichen Gegenstände der Opfer erweitern und so eine gesetzliche Lücke schließen.“

Am 12. Juni 2026 hat der Bundesrat auf Initiative Nordrhein-Westfalens einstimmig eine Gesetzesinitiative zum Verbot des kommerziellen Handels mit persönlichen Gegenständen von Opfern aus der Zeit des Nationalsozialismus beschlossen. Der Gesetzentwurf sieht ein grundsätzliches Verbot des kommerziellen Handels mit Gegenständen vor, die einen unmittelbaren Bezug zu den Opfern und ihrem Verfolgungsschicksal haben. Ausnahmen sollen insbesondere für Museen, Archive und Bibliotheken sowie für berechtigte Interessen der Wissenschaft und historischen Aufarbeitung gelten. Nun muss sich der Deutsche Bundestag mit dem Vorhaben befassen.

Politische Gespräche

Minister Liminski nutzt den Aufenthalt in Polen außerdem für politische Gespräche. So trifft er unter anderem Paweł Szefernaker, Kabinettschef des Präsidenten, Paweł Kowal, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im polnischen Parlament (Sejm), und Henryka Mościcka-Dendys, Leiterin des Auswärtigen Dienstes, Generaldirektorin des polnischen Außenministeriums und Vorsitzende des Beirats für die deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Minister Liminski: „Polen und Nordrhein-Westfalen sind sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich eng miteinander verbunden. Diese enge Partnerschaft gibt uns die Kraft, die notwendigen Reformen in Europa voranzubringen. Das gilt mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen zum Finanzrahmen und den notwendigen Anstrengungen für weniger Bürokratie und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Und es gilt auch mit Blick auf die Zeitenwende. Die Europäische Union ist gefordert, Verteidigung als eigene Aufgabe zu begreifen, Fähigkeiten aufzubauen, gemeinsam zu planen und zu beschaffen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges steht Polen eng an der Seite der Ukraine. Gemeinsam setzen wir der Aggression aus Moskau Humanität und Solidarität entgegen. Wir müssen unsere gemeinsame Verantwortung für Frieden, Freiheit und Sicherheit ernst nehmen und Europa in die Lage versetzen, seine Interessen und Werte wirksam zu schützen.“

Enge Verbindung zwischen Polen und Nordrhein-Westfalen

Polen ist für Nordrhein-Westfalen ein Schwerpunktland. Rund 211.000 Menschen mit polnischer Staatsbürgerschaft, die keinen deutschen Pass haben, lebten im Jahr 2025 in Nordrhein-Westfalen.

Minister Liminski: „Die Polonia ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und verbindet Nordrhein-Westfalen und Polen auf besondere Weise. Jede vierte Person mit polnischer Staatsangehörigkeit in Deutschland lebt in Nordrhein-Westfalen. Mit 83 Städtepartnerschaften und 209 Schulpartnerschaften pflegen wir diese engen Beziehungen auch vor Ort. Diese gewachsenen Verbindungen sind ein großer Gewinn für unser Land und eine wichtige Grundlage für unsere Partnerschaft mit Polen.“

Neben den persönlichen Verbindungen liegt Polen nach Frankreich und vor Italien auf Rang fünf der nordrhein-westfälischen Handelspartner. Ein besonderer Fokus Nordrhein-Westfalens liegt auf der Woiwodschaft Schlesien, mit der seit dem Jahr 2000 eine offizielle Regionalpartnerschaft besteht. Um diese Partnerschaft noch stärker in Gesellschaft, Kultur, Sport und Wissenschaft zu verankern, hat Ministerpräsident Hendrik Wüst im Mai 2026 im Rahmen seiner Reise nach Polen die Initiative „Botschafterinnen und Botschafter NRW–Schlesien“ gestartet.

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