Minister Krischer: Gesundheitsschutz hat Vorrang

Umweltministerium informiert zu Schimmelbildung und Legionellenwachstum durch unsachgemäßes Lüften und Erwärmen – Gefahr durch falsche Brennstoffe bei Holzöfen

8. November 2022
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Die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelöste Gasmangellage hat bereits jetzt spürbare Auswirkungen auf das Heizverhalten der Bürgerinnen und Bürger auch in Nordrhein-Westfalen: Viele Menschen etwa werden ihre Holzöfen im Winter gezielt und stärker als in den vergangenen Jahren zum Heizen nutzen.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelöste Gasmangellage hat bereits jetzt spürbare Auswirkungen auf das Heizverhalten der Bürgerinnen und Bürger auch in Nordrhein-Westfalen: Viele Menschen etwa werden ihre Holzöfen im Winter gezielt und stärker als in den vergangenen Jahren zum Heizen nutzen. Holz wird daher als Brennstoff immer beliebter. Gleichzeitig greifen die Menschen zu weiteren Energiesparmaßnahmen, die aber bei unsachgemäßer Anwendung langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. „Wir stehen vor einer tiefgreifenden Zäsur und es ist richtig, dass sich die Menschen nach Maßnahmen umschauen, wie sie Gas einsparen und Wärme erzeugen können. Dies darf aber nicht auf Kosten der Gesundheit gehen oder zu Sachschäden in den eigenen vier Wänden“, sagte Umweltminister Oliver Krischer. Drei Bereiche sollten dabei besonders berücksichtigt werden: „Schimmelbildung durch unsachgemäßes Lüften, Legionellenwachstum durch zu starke Temperaturreduzierung des Warmwasserbereiters und gesundheitsgefährdende Gase durch nicht zugelassene Brennstoffe bei Kaminöfen“, warnte Minister Krischer.

Bei allen Bemühungen ist es wichtig, die Gesundheitszuträglichkeit der Wohnverhältnisse im Blick zu behalten. Wenn nicht genügend gelüftet wird, kann in älteren Gebäuden an Außenwänden, Fensterlaibungen oder hinter Möbeln Schimmel entstehen. Schimmel kann Allergien und Atemwegserkrankungen auslösen und Asthmaerkrankungen verstärken. Auch Atemwegsinfektionen durch Schimmelpilze sind möglich. Deshalb ist es so wichtig, Schimmel durch ausreichendes Lüften zu vermeiden. Hinweise, wie das bei gleichzeitigem Energiesparen möglich ist, finden sich im untenstehenden Info-Kasten „Schimmel“. Wenn doch Schimmelprobleme auftauchen, muss der Schimmel so schnell wie möglich fachgerecht entfernt werden.

Auswirkungen und weitere Informationen zum Thema finden Sie auf dem Innenraumluft-Portal des Ministeriums: https://www.innenraumluft.nrw.de/4_schadstoffe/schimmelpilze.php

Info-Kasten „Schimmel“

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt: „Die wichtigste Regel lautet in der Heizperiode: Mehrfach täglich stoßlüften statt dauerhaft kipplüften! Öffnen Sie die Fenster möglichst komplett für wenige Minuten. So wird die Luft im Raum schnell ausgetauscht, ohne dass die Wände innen auskühlen. Sind die Fenster wieder geschlossen, muss die Heizung danach nur die frische Luft erwärmen, nicht die massiven Bauteile. Das geht viel schneller und braucht deutlich weniger Energie. Noch schneller und sparsamer geht der Luftaustausch übrigens vonstatten, wenn gegenüberliegende Fenster oder Türen gleichzeitig geöffnet werden, also Durchzug entsteht.“ Das ist vor allem für Bäder nach dem Duschen und Küchen nach dem Kochen wichtig. https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/energie/heizen-und-warmwasser/heizen-und-lueften-so-gehts-richtig-10426

Auch das Umweltbundesamt (UBA) hält Hinweise für eine sinnvolle Absenkung der Raumtemperatur bereit und klärt auf, was zu beachten ist, um kein Schimmelproblem entstehen zu lassen. Laut UBA sollte die Raumtemperatur tagsüber 19 oC nicht unterschreiten (nachts ist etwas weniger möglich) und je mehr Personen in einer Wohnung leben, desto häufiger muss ein Luftaustausch erfolgen. https://www.umweltbundesamt.de/themen/faq-absenkung-der-raumtemperatur-in-herbst-winter

In Warmwasserkreisläufen sollte die Wassertemperatur immer ausreichend hoch sein, damit es nicht zu einem gefährlichen Legionellenwachstum kommt. Legionellen können sonst beim Duschen mit den Wassertröpfchen eingeatmet werden und schwerwiegende Lungen-Infektionen auslösen.

Legionellen können beim Menschen zu schweren Erkrankungen führen. Die Infektion erfolgt durch das Einatmen kleinster legionellenhaltiger Wassertröpfchen, die sich in der Luft befinden. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Um das Risiko eines Legionellenwachstums möglichst klein zu halten, soll die Temperatur im gesamten Warmwasserkreislauf mindestens 55 °C und am Ausgang des Warmwasserbereiters mindestens 60 °C betragen. Weitere wichtige Informationen und Tipps zur Vermeidung von Legionellen finden sich im Info-Kasten „Legionellen“.

Info-Kasten „Legionellen“

Legionellen sind natürlicherweise in der Umwelt vorkommende Bakterien, die sich bei Temperaturen zwischen 20 °C und 55 °C auch in Warmwassersystemen vermehren können. Über Aerosole, die zum Beispiel während des Duschens entstehen, können Legionellen eingeatmet werden und eine schwere Lungenentzündung auslösen.

Für Trinkwasserinstallationen mit einer Großanlage zur Warmwasserbereitstellung schreibt das technische Regelwerk daher vor, dass der Warmwasserkreislauf so betrieben werden muss, dass die Temperatur im gesamten Leitungssystem mindestens 55 °C und am Ausgang des Warmwasserbereiters mindestens 60 °C beträgt. In diesem Temperaturbereich können Legionellen sich nicht vermehren.

Weitergehende Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes:

https://www.umweltbundesamt.de/dokument/energiesparen-bei-warmwasserbereitung-vereinbarkeit

Zu Beginn der Heizperiode sollte unbedingt geprüft werden, ob der Schornstein und das Rauchrohr des Ofens frei sind. Wenn der Kamin länger nicht benutzt wurde, könnte sich beispielsweise ein Vogelnest darin befinden. Wenn Abgase nicht ungehindert durch den Schornstein abziehen können, dringen sie in den Wohnraum ein und können schwere Vergiftungen verursachen. Auch die Dichtungen des Ofens müssen deshalb überprüft werden. Die Auskleidung des Feuerraums darf nicht beschädigt sein, damit es nicht zu Überhitzungen kommt.

Wenn die Feuerstätte sauber und intakt ist, kommt es darauf an, sie korrekt entsprechend der Bedienungsanleitung zu betreiben. Dazu wird ausschließlich trockenes, unbehandeltes Holz verwendet. Unter ausreichender Luftzufuhr wird das Holz von oben angezündet. So ist das Feuer nach kurzer Zeit rauchfrei. Brennt der Ofen optimal, entstehen weniger Schadstoffe, die die Außenluft belasten können.

Aber auch eine direkte Belastung der Innenraumluft kann entstehen, wenn durch unsachgemäßen Betrieb des Ofens oder nicht ausreichende Luftzufuhr Kohlenmonoxid entsteht. Und das kann eine unmittelbare Gesundheitsgefahr zur Folge haben! Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Informationen zur Vermeidung bereit:

https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2022/38/kohlenmonoxid___unsichtbare_gefahr_beim_heizen_mit_holz-308559.html

Die Verknappung und Verteuerung von Holz mag dazu verleiten, auf andere brennbare Stoffe zurückzugreifen. So dürfen etwa keinesfalls feuchtes oder behandeltes (imprägniertes, lasiertes, lackiertes, beschichtetes) Holz, Holzfaser- oder Pressplatten sowie fossile Brennstoffe in Holzfeuerungsanlagen verbrannt werden. Auch Papierbriketts oder die Verbrennung von Altpapier sind nicht erlaubt. Die Verbrennung von Abfall, wie zum Beispiel Hausmüll, kann sogar gesundheitsgefährdende Gase freisetzen und ist verboten. Sie verursacht eine enorme Geruchsbelästigung, die häufig zu berechtigten Nachbarschaftsbeschwerden führt. Außerdem können Schäden an den Schamotte- und Metallteilen des Kaminofens sowie am Schornstein entstehen.

Bei der Verbrennung unzulässiger Stoffe handelt es sich um einen Verstoß gegen die Erste Bundes-Immissionsschutzverordnung, die nur die Verbrennung der in der Verordnung genannten Brennstoffe in jeweils dafür geeigneten Feuerungsanlagen zulässt.

Info-Kasten „Heizen mit Holz“

Viele Menschen entscheiden sich in der aktuellen Knappheit fossiler Brennstoffe bewusst für die Alternative Holz. Mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz können fossile Brennstoffe eingespart und der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen gemindert werden. Bei der Verbrennung von Holz können aber auch größere Mengen an Feinstaub entstehen, der die Gesundheit belastet. Mit modernen Holzfeuerungsanlagen kann die Staub- und Geruchsentstehung bei richtiger Handhabung auf das technisch mögliche Minimum reduziert werden.

Richtig Heizen mit Holz schont Umwelt, Gesundheit und Ressourcen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat dazu eine Broschüre veröffentlicht und gibt darin grundlegende Informationen und Hilfestellungen zur umweltgerechten Nutzung bei privaten Feuerungsanlagen

https://www.lanuv.nrw.de/publikationen/details?tx_cartproducts_products%5Bproduct%5D=1175&cHash=cf0bd567f12f910904ca33545fd08d1e

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