Grundlage für alles Leben – Nordrhein-Westfalen legt Landeswasserstrategie vor und ruft zur Beteiligung auf
Strategie setzt auf Klimaresilienz, Wasserqualität und nachhaltige Nutzung der Ressourcen
Wasser wird knapper, Extremwetter häufiger – und die Anforderungen an Gewässer, Versorgung und Schutz wachsen. Nordrhein-Westfalen reagiert darauf mit einer neuen Landeswasserstrategie.
Wasser wird knapper, Extremwetter häufiger – und die Anforderungen an Gewässer, Versorgung und Schutz wachsen. Nordrhein-Westfalen reagiert darauf mit einer neuen Landeswasserstrategie. Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr hat die „NRW-Zukunftsstrategie Wasser – H₂O NRW“ erarbeitet und startet jetzt die abschließende Beteiligung von Fachöffentlichkeit und Verbänden. Damit beginnt die Phase, die der Strategie durch Dialog und fachlichen Austausch den letzten Schliff geben wird.
Der jetzt vorliegende Strategieentwurf ist das Ergebnis intensiver Arbeit der vergangenen Monate. Ausgewertet wurden die Ergebnisse von verschiedenen Workshops, der Auftaktveranstaltung und zahlreichen Fachgesprächen. Hinweise, Anregungen und Maßnahmenvorschläge aus diesem Prozess sind in die Strategie eingeflossen. Auf dieser Grundlage liegt nun der Entwurf für die künftige Wasserpolitik des Landes vor.
„Wasser entscheidet über Lebensqualität, wirtschaftliche Entwicklung und den Schutz unserer Natur, es ist die Basis allen Lebens. Deshalb wollen wir diese Strategie mit breiter Beteiligung aufbauen. Wir laden deshalb alle Akteurinnen und Akteure ein, den Entwurf zu prüfen, zu kommentieren und mit uns zu verbessern. Wir haben in Nordrhein-Westfaleb eine starke Wasserwirtschaft und enormes Fachwissen. Mit der Zukunftsstrategie schaffen wir einen gemeinsamen Rahmen“, sagte Umweltminister Oliver Krischer.
Antworten auf neue Herausforderungen
Inhaltlich bündelt die Zukunftsstrategie ihre Ziele und Maßnahmen in vier eng miteinander verknüpften Clustern: Resilienz, Sicherheit, Gestaltung und Zusammenarbeit. Sie reagieren auf die zentralen Herausforderungen des Klima- und Strukturwandels – von Niedrigwasser und Starkregen über Hochwasser- und Daseinsvorsorge bis hin zu Energiewende, Strukturwandel und grenzüberschreitender Kooperation. Ein Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Resilienz von Gewässern und Wasserhaushalt: durch ein besseres Grundwasser- und Niedrigwassermanagement, den Schutz gesunder Böden als Wasserspeicher, blau-grüne Infrastruktur in Städten und strukturreiche Flüsse als Lebensräume. Gleichzeitig soll die Wasserqualität weiter verbessert werden, indem Schadstoffeinträge konsequent reduziert werden. Drei Beispiele:
Systematisches Wassermanagement mit Talsperren
Nordrhein-Westfalen besitzt die größte Anzahl an Talsperren in Deutschland und damit eine besondere wasserwirtschaftliche Infrastruktur, die für Trinkwasserversorgung, Mindestabflüsse in Trockenzeiten und Hochwasserschutz wichtig ist. Die Talsperren sollen künftig nicht nur als reine Trink- oder Hochwasserspeicher genutzt werden, sondern in ein Gesamtsystem eingebunden werden, das Grundwasservorräte stabilisiert und während längerer Trockenperioden Menschen und Ökosysteme zuverlässig versorgt. Wasserbewirtschaftung und Landschaftsentwicklung sollen damit konsequent zusammengedacht werden, statt nur punktuelle Maßnahmen umzusetzen.
Verbindung von Hochwasserschutz mit Ökologie
Naturnahe Maßnahmen wie Auenrenaturierungen, Uferrandstreifen oder die Wiederanbindung von Überschwemmungsflächen ermöglichen es den Flüssen, bei Hochwasser mehr Wasser aufzunehmen und kontrolliert abzugeben. Gleichzeitig fördern diese Maßnahmen die biologische Vielfalt, verbessern die Wasserqualität und stabilisieren die Gewässerökologie. Beide Aspekte sollen so zusammengedacht werden, dass sie sich gegenseitig verstärken.
Gezielte Verringerung von Schadstoffbelastungen
Neben klassischen Chemikalien rücken vor allem sogenannte Spuren- und Mikroschadstoffe in den Fokus – also Rückstände von Arzneimitteln, Industrie- und Alltagschemikalien, die über Abwasser, Landwirtschaft oder Regenabflüsse ins Wasser gelangen. Besonders problematisch sind langlebige Stoffe wie PFAS („Ewigkeitschemikalien“), die sich kaum abbauen. Auch mikrobiologische Risiken wie antibiotikaresistente Keime in Kläranlagen und Gewässern werden ausdrücklich benannt. Ziel der Strategie ist es, diese Belastungen besser zu erfassen, zu reduzieren und strengere Anforderungen an Einleitungen und Behandlungstechnologien zu entwickeln – damit Trink- und Gewässerqualität langfristig gesichert werden.
Dabei setzt das Land gezielt auf eine stärkere Vernetzung der Akteure – innerhalb von Nordrhein-Westfalen, mit Nachbarländern und zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden. Die Strategie versteht sich ausdrücklich als Angebot, neue Formen der Kooperation zu entwickeln und wasserwirtschaftliche Leistungen sichtbarer zu machen.
Die Zukunftsstrategie Wasser ist als lernender Prozess angelegt. Ziele und Maßnahmen sollen regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden.
Weitere Informationen:
- NRW-Zukunftsstrategie Wasser – H₂O NRW auf den Seiten des Landtags NRW: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV18-4677.pdf
- Die Strategie wird über die Beteiligungsplattform des Landes Nordrhein-Westfalen Beteiligung.NRW zur Verfügung gestellt. Hier kann der Entwurf kommentiert werden:
https://beteiligung.nrw.de/k/-Scg5qscU
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