Gesundheitsminister Laumann stellt Eckpunkte für eine zukunftsfeste ambulante medizinische Versorgung vor
Minister Laumann: Wir brauchen mehr Steuerung, klare Zuständigkeiten und eine verbindliche erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten
Das Gesundheitssystem steht nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Nordrhein-Westfalen ist hier bereits vorangegangen und hat im stationären Bereich seine neue Krankenhausplanung erfolgreich umgesetzt.
Das Gesundheitssystem steht nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Nordrhein-Westfalen ist hier bereits vorangegangen und hat im stationären Bereich seine neue Krankenhausplanung erfolgreich umgesetzt. Für den ambulanten Bereich hat das Gesundheitsministerium den Prozess „Versorgung der Zukunft“ initiiert und im Austausch mit relevanten Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitswesens 15 konkrete Maßnahmen für notwendige Strukturreformen erarbeitet. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat die Eckpunkte am Dienstag, 3. März 2026, in einer Pressekonferenz mit beteiligten Akteuren vorgestellt.
„Unser Gesundheitssystem steht angesichts des demografischen Wandels vor großen Herausforderungen. Die Gesellschaft wird immer älter und braucht häufiger kontinuierliche medizinische Versorgung, gleichzeitig fehlt es zunehmend an Fachkräften in der medizinischen Versorgung. Die damit einhergehenden Herausforderungen lassen sich nicht mit Einzelmaßnahmen lösen, sondern erfordern ein Gesamtpaket. Entscheidend sind dabei eine gezielte Steuerung, klare Zuständigkeiten und für die Patientinnen und Patienten eine verbindliche Anlaufstelle im Gesundheitssystem durch Primärversorgungspraxen. So können die vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen gezielter eingesetzt werden, ohne Abstriche bei der Versorgungsqualität. Im Mittelpunkt steht immer eine verlässliche und qualitativ hochwertige Versorgung, denn: das Gesundheitssystem ist für die Patientinnen und Patienten da und nicht umgekehrt“, erläutert Laumann.
Der 15-Punkte-Plan betrachtet verschiedene Aspekte der Versorgung:
- Der Weg in die ambulante medizinische Versorgung soll über eine verbindliche Ersteinschätzung erfolgen. Durch die Weiterentwicklung der bundesweit einheitlichen und kostenfreien Rufnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigungen soll der Versorgungsprozess besser strukturiert und gesteuert werden.
- Innerhalb des Systems sollen Primärversorgungspraxen mit einem klar definierten Auftrag für eine koordinierte Versorgung sowie ein Überweisungssystem für die fachärztliche Behandlung für eine bessere Steuerung sorgen.
- In ihrem Alltag sollen Praxen durch Bürokratieabbau, stärkere Teamstrukturen, Dauerverordnungen und -überweisungen sowie den Ausbau digitaler Prozesse entlastet werden.
- Zugleich legt das Papier einen Fokus auf begleitende Rahmenbedingungen, die für die Umsetzung der skizzierten Maßnahmen wichtig sind. Dazu zählen verbindliche Regelungen für die Ergebnisse der Ersteinschätzung und entsprechende Versorgungsangebote, eine Weiterentwicklung des Vergütungssystems sowie Maßnahmen zur Stärkung von Gesundheitskompetenz und Prävention
„Die Herausforderungen lassen sich in der ambulanten Versorgung nur gemeinsam lösen. Deshalb haben wir den Prozess ‚Versorgung der Zukunft‘ ganz bewusst im engen Austausch mit den relevanten Akteuren des Gesundheitswesens gestartet. Unser Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und auf dieser Grundlage Eckpunkte für eine zukunftsfähige ambulante Versorgung zu beschreiben. Mit diesem Gesamtpaket an Maßnahmen setzt Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Impuls für eine strukturierte, bedarfsgerechte, patientenorientierte und zukunftssichere ambulante ärztliche Versorgung“, so Laumann.
Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein: „Ein Primärversorgungssystem darf nicht bedeuten, dass jede Patientin und jeder Patient pauschal vom Hausarzt gesteuert wird. Wir brauchen in der Patientensteuerung differenzierte Angebote je nach Bedarfsfall und Patientengruppe. Die 116 117 kann hier sinnvoll steuern und Haus- oder Facharzttermine vermitteln. Das alles funktioniert nur, wenn wir die entsprechenden Ressourcen jetzt und in Zukunft sicherstellen: Die 116 117 mit solider Finanzierungsgrundlage ausbauen, fachärztliche Ressourcen sichern, Praxisteams interprofessionell stärken und Bürokratie konsequent abbauen.“
Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen: „Das Eckpunktepapier ist ein wichtiger Schritt für die ambulante Versorgung. Es muss allen im Gesundheitswesen klar sein, dass ein ungesteuerter Zugang zur Versorgung mit den vorhandenen Kapazitäten nicht mehr leistbar ist. Kluge Patientensteuerung ist das Gebot der Stunde, sie muss für Patienten und Ärzte gleichermaßen Anreize setzen. Wir haben den Patientenservice 116 117 in Westfalen-Lippe bereits zukunftsfest aufgestellt und vernetzen uns mit den Rettungsleitstellen der 112. Diesen Weg gilt es fortzusetzen und die 116 117 zur zentralen Plattform des Gesundheitswesens auszubauen – wir stehen dafür bereit.“
Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen: „Als Hausärztin weiß ich, dass die Patienten einen festen Ansprechpartner benötigen, der sie sicher durch unser Gesundheitssystem führt. Strukturierte Ersteinschätzung, qualifizierte Überweisungen, das Sammeln von Patientenbefunden und das Übertragen in die elektronische Patientenakte: Das und mehr kann eine Primärversorgungspraxis für sie übernehmen. Das heute hier vorgestellte Eckpunktepapier greift unsere Arbeit in Westfalen-Lippe auf und gibt Impulse, die Chancen der Digitalisierung und der Telemedizin zu nutzen. Es stärkt eine moderne Versorgung und das Modell der Teampraxis mit arztentlastenden Berufen und Praxis-Patienten-Kontakten. Denn in gut organisierten Teampraxen liegt die Zukunft.“
Dirk Ruiss, Leiter der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen des Verbandes der Ersatzkassen e. V.: „Ein moderner Zugang und gezielte Steuerung in die Versorgung braucht zeitgemäße digitale Lösungen. Dazu gehört ganz vorne eine standardisierte Ersteinschätzung über ein digitales Navigationstool. Neben der 116 117 kann das telefonisch aber auch über eine Krankenkassen-App erfolgen. Ergänzend braucht es eÜberweisungen, eine moderne digitale Arzt- zu-Arzt- Kommunikation sowie eine bundesweit einheitliche digitale Terminvergabe. Zusammen entsteht so ein verlässliches Steuerungssystem, das Praxen entlastet und Patientinnen und Patienten klare Orientierung bietet.“
Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg: „Unsere ambulante Gesundheitsversorgung zeigt aktuell erhebliche Defizite bei der Steuerung des Zugangs, aber auch beim zielgenauen Einsatz medizinischer Ressourcen. Die Probleme sind offensichtlich, deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt unmittelbar ins Handeln kommen. Wir müssen schrittweise ein gut ausgestaltetes Primärversorgungssystem etablieren, das auf eine Vernetzung der verschiedenen Disziplinen und Versorgungsebenen setzt. Nur so können wir das Vertrauen der Menschen in das Gesundheitssystem erhalten, das zu den Grundfesten unserer Gesellschaft gehört.“
Die folgenden Institutionen haben sich – in Ergänzung zu teilweise bereits eigens erarbeiteten Reformkonzepten – intensiv an dem diesen Eckpunkten zugrundeliegenden Dialogprozess des Gesundheitsministeriums beteiligt. Sie begrüßen den hier vorgestellten Reformansatz grundsätzlich, machen sich jedoch nicht jeden einzelnen Vorschlag zu eigen:
- AOK NordWest
- AOK Rheinland/Hamburg
- Ärztekammer Nordrhein
- Ärztekammer Westfalen-Lippe
- BKK-Landesverband NORDWEST
- Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein e.V.
- Hausärztinnen- und Hausärzteverband Westfalen-Lippe e.V.
- IKK classic
- Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
- Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe
- KNAPPSCHAFT
- Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
- Verband der Ersatzkassen e.V. Landesvertretung Nordrhein-Westfalen
Die Kurz- und Langfassung des Eckpunktepapiers sind abrufbar unter https://www.mags.nrw/ambulante-versorgung-zukunftsfest-gestalten .
Hintergrundinformationen
Das Gesundheitsministerium hat im Sommer 2024 den Prozess „Versorgung der Zukunft“ gestartet. Zusammen mit den relevanten Akteuren des nordrhein-westfälischen Gesundheitswesens – Krankenkassen, Ärzteschaft, Patientinnen- und Patientenvertretung, Verband der medizinischen Fachberufe, Pflegekammer und weiteren – hat das Ministerium die ambulante ärztliche Versorgung unter die Lupe genommen. Aus diesem Prozess heraus ist der 15-Punkte-Plan des Ministeriums entstanden, der im Grundsatz von den meisten Partnerinnen und Partnern geteilt wird, auch wenn diese sich aus ihrer eigenen Interessenlage heraus nicht jeden einzelnen Punkt und jede einzelne Formulierung zu eigen machen.
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