EWI-Gutachten zeigt Auswirkungen eines Kohleausstiegs bis 2038
27. August 2019

EWI-Gutachten zeigt Auswirkungen eines Kohleausstiegs bis 2038

Minister Pinkwart: Wir brauchen Strompreisentlastungen für die Industrie und Anreize für den Neubau flexibler Kraftwerke, um die Versorgung zu sichern

Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (WSB-K) hat Ende Januar 2019 ihren Abschlussbericht vorgelegt und eine schrittweise Beendigung der Kohleverstromung in Deutschland bis 2038 empfohlen.

 
Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie teilt mit:

Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (WSB-K) hat Ende Januar 2019 ihren Abschlussbericht vorgelegt und eine schrittweise Beendigung der Kohleverstromung in Deutschland bis 2038 empfohlen. Im Auftrag des Wirtschafts- und Energieministeriums des Landes hat das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) nun erstmals die Auswirkungen des Kohleausstiegs bis 2038 mit Fokus auf Strommarkt, CO2-Emissionen und ausgewählte energieintensive Industrien analysiert.
 
Die Studie kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen:

  • Die Umsetzung des von der Kommission empfohlenen Kohleausstiegspfads ermöglicht trotz angenommener steigender Stromnachfrage die Erreichung des Klimaziels im Energiesektor.
  • Im Kohleausstiegsszenario kommt es zu einem erheblichen Anstieg der Großhandelsstrompreise: von 34 Euro/MWh im Jahr 2017 über 58 Euro/MWh im Jahr 2030 auf bis zu 77 Euro/MWh im Jahr 2045. Der deutsche Großhandelsstrompreis steigt im Vergleich zu Wettbewerbsländern (u.a. China, Frankreich, Großbritannien, Japan, Niederlande, USA) zwischen 2017 und 2030 verhältnismäßig stark, wodurch sich die relative Wettbewerbsposition der stromintensiven Unternehmen verschlechtert.
  • Auf den vorzeitigen Ausstieg aus der Kohleverstromung entfallen bezogen auf das Jahr 2030 insgesamt zusätzliche Kosten in Höhe von knapp 5 Euro/MWh gegenüber dem Referenzszenario ohne Kohleausstieg.
  • Die Branchen Eisen- und Stahl, Aluminium, Chemie und Papier sind aufgrund ihrer hohen Stromkosten- und Handelsintensität besonders von Strompreiserhöhungen betroffen.
  • Beihilfezahlungen zur Kompensation indirekter CO2-Kosten (sog. Strompreiskompensation) könnten den Anstieg der Strompreise begrenzen und die Wettbewerbsposition deutscher stromintensiver Unternehmen unterstützen.
  • Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit sind Spitzenlastkraftwerke notwendig, die nur in wenigen Stunden des Jahres zum Einsatz kommen. Der notwendige Zuwachs an Backup-Kapazitäten beträgt zwischen 2020 und 2025 etwa 22 GW. Durch den Strommarkt lassen sich diese Kapazitäten derzeit nicht finanzieren: Die Finanzierungslücke beträgt bis zu 6 Euro/MWh. 

Wirtschafts- und Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Nordrhein-Westfalen ist im Hinblick auf die Energieversorgung und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen vom geplanten Ausstieg aus der Kohleverstromung in besonderem Maße betroffen. Um die Klimaschutz-Ziele mit den Interessen der Wirtschaft in Einklang zu bringen, muss der Kohleausstieg – wie von der Kommission ‚Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘ empfohlen – durch besondere Maßnahmen beim Strompreis flankiert werden. Dazu gehören Ausgleichsmaßnahmen, die die Verbraucher entlasten und die Verstetigung und Fortentwicklung der Strompreiskompensation für die energieintensiven Industrien.“
 
Konkret bedeutet dies:

  • Der Netzausbau ist unverzichtbar und muss schnell in die Umsetzung kommen, damit die Bürgerinnen und Bürger, die vielen Unternehmen und die energieintensive Industrie in Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft sicher mit Strom versorgt werden.
  • Die EEG-Umlage kann nicht wie bisher bestehen bleiben. Mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien muss der Bund Entlastungen für die Stromverbraucher einführen.
  • Die Stromsteuer muss sinken, damit Energie auch in Zukunft bezahlbar bleibt. 

Minister Pinkwart: „Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Der vorzeitige Ausstieg aus der Kohleverstromung wird zu einem zusätzlichen spürbaren Anstieg der Großhandelsstrompreise führen. Gleichzeitig entsteht ein Mangel an gesicherten Erzeugungskapazitäten. Neben Strompreisentlastungen für die Industrie brauchen wir deshalb Anreize für Neubau und Vorhaltung von flexiblen Kraftwerken, die die Versorgungssicherheit gewährleisten. Wenn wir die Klimaziele mit einer leistungsfähigen Wirtschaft erreichen und die Grundlage für unseren Wohlstand erhalten wollen, muss die Bundesregierung ihren Ankündigungen Taten folgen lassen und die Empfehlungen der Kommission eins zu eins umsetzen.“
 

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