WLE-Reaktivierung: Bund und Land sichern Finanzierung für Strecke Münster – Sendenhorst

Nach mehr als 50 Jahren sollen wieder Personenzüge auf der Strecke im Münsterland rollen

16. Oktober 2026
phb Zug Sitze

Für die Reaktivierung der Bahnstrecke Münster – Sendenhorst stellt der Bund rund 161 Millionen Euro bereit, das Land weitere 9 Millionen Euro.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Für die Reaktivierung der Bahnstrecke Münster – Sendenhorst stellt der Bund rund 161 Millionen Euro bereit, das Land weitere 9 Millionen Euro. Die entsprechende Förderzusage des Bundes liegt nun vor. Damit sind neben dem Baurecht auch die finanziellen Voraussetzungen für die Umsetzung des Vorhabens erfüllt. Das Land hatte zuvor bereits die Planungskosten mit mehr als 6 Millionen Euro gefördert.

„Diese Strecke war einst relevanter Teil des Alltagsverkehrs in der Region, und das soll sie wieder werden. Mit der gesicherten Finanzierung können wir Gleise erneuern, Bahnübergänge sicherer gestalten und neue barrierefreie Haltepunkte schaffen“, sagte Verkehrsminister Oliver Krischer bei der Übergabe der Förderzusage an die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE) am Freitag, 16. Oktober 2026, in Münster.

Im Jahr 1903 war die Verbindung Münster – Sendenhorst eröffnet worden. Damit erhielt die Stadt mit ihren heute knapp 15.000 Einwohnern einen direkten Bahnanschluss. Mit der zunehmenden Motorisierung in den 1960er und 1970er Jahren gingen die Fahrgastzahlen zurück, so dass der Betrieb schließlich eingestellt wurde. Die letzten Fahrgäste fuhren planmäßig im September 1975 auf der Strecke. 

Künftig sollen dort wieder Nahverkehrszüge fahren. „Mit der Finanzierungszusage kommt das ehrgeizige Nahverkehrsprojekt jetzt von der Planungs- in die Umsetzungsphase“, betont NWL-Geschäftsführerin Christiane Auffermann. „Für die beteiligten Kommunen und die Menschen in der Region ist das eine sehr gute Nachricht.“

Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr Stefan Schnorr: „Die Reaktivierung der Strecke Münster-Sendenhorst ist ein tolles Beispiel dafür, was bewegt werden kann, wenn Bund, Land und Wirtschaft an einem Strang ziehen. Mit der Zusage des Bundes für die Gewährung von rund 160 Millionen Euro Bundesfinanzhilfen kann nun die Infrastruktur der Westfälischen Landes-Eisenbahn GmbH reaktiviert werden. Möglich wird das durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, mit dem der Bund den Ausbau der Verkehrssysteme S-Bahn, Stadt- und Straßenbahn fördert und so eine bessere Anbindung des ländlichen Raumes an die Metropolregionen schafft. Künftig profitieren Zehntausende Menschen von einer schnellen, zuverlässigen und klimafreundlichen Verbindung nach Münster. Damit stärken wir sowohl die Pendlerverkehre als auch die Entwicklung der gesamten Region.“

Für die Wiederaufnahme des Personenverkehrs muss die Strecke umfassend modernisiert werden. „Wir freuen uns, dass nun die für das Projekt wichtige Finanzierungssicherheit vorliegt. Wir werden nun umgehend die notwendigen Vorbereitungen treffen, um weitere Bauleistungen zur Aufnahme der Bauaktivitäten ausschreiben zu können“, erläutert WLE-Geschäftsführer Detlef Berndt die nächsten Schritte. Bereits Ende Januar hatte die Bezirksregierung Münster einen Planfeststellungsbeschluss erlassen und der WLE damit formal das Baurecht erteilt. Die WLE ist zuversichtlich, dass das Oberverwaltungsgericht Münster die anhängigen Verfahren zu ihren Gunsten entscheiden wird.

Die Bundesmittel decken rund 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten des Projekts, dessen Gesamtkosten sich auf rund 187 Millionen Euro belaufen. Das Land Nordrhein-Westfalen bringt sich mit der Kofinanzierung der Kosten ein und hat in der Vergangenheit bereits erhebliche Teile der Planungskosten zur Reaktivierung übernommen. Dritter Finanzierungspartner ist die WLE als Infrastrukturbetreiberin der Strecke.

Die Reaktivierung der rund 21 Kilometer langen Strecke zwischen Münster Hauptbahnhof und Sendenhorst gehört zu den ersten Projekten im Rahmen der geplanten S-Bahn Münsterland. Als Linie S 68 wird sie künftig Sendenhorst und Albersloh im Kreis Warendorf sowie die Münsteraner Stadtteile Wolbeck, Angelmodde, Gremmendorf, Loddenheide und die Halle Münsterland mit dem Stadtzentrum verbinden. Verantwortlich für die Ertüchtigung der Strecke ist die Westfälische Landes-Eisenbahn. Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) verantwortet als zuständiger Aufgabenträger die Gesamtprojektleitung und wickelt als Bewilligungsbehörde für das Land die Förderung ab.

Vertreter der beteiligten Kommunen begrüßen die Förderzusage des Bundes. „Die WLE-Reaktivierung stärkt die Schiene in Münster und schafft für viele Pendler eine attraktive Alternative zum Auto“, betont Tilman Fuchs, Oberbürgermeister der Stadt Münster. „Mit der Finanzierung ist ein weiterer wichtiger Meilenstein geschafft.“ Der Landrat des Kreises Warendorf, Dr. Olaf Gericke, sowie die Bürgermeisterin von Sendenhorst, Katrin Reuscher, unterstreichen die Bedeutung des Projekts für den ländlichen Raum: „Die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Strecke wird die Anbindung für die Kommunen im Kreis deutlich verbessern“, so Gericke. „Der Förderbescheid ist deshalb ein wichtiger Schritt zu mehr umweltfreundlicher Mobilität und mehr Lebensqualität für die Menschen in der Region“, ergänzt Reuscher.

Die Reaktivierung der Strecke Münster - Sendenhorst schafft künftig ein staufreies und umweltfreundliches Nahverkehrsangebot in der Region. Ziel ist es, die Anbindung an den Hauptbahnhof Münster zu verbessern, die Straßen zu entlasten und CO2-Emissionen einzusparen. Auf der nicht elektrifizierten Strecke sollen batterieelektrische Züge eingesetzt werden. Die Fahrzeit zwischen Sendenhorst und Münster Hauptbahnhof wird künftig rund 30 Minuten betragen. Der NWL erwartet mehr als 10.000 Ein- und Aussteiger pro Werktag. 

Die Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehr auf der Strecke ist integraler Bestandteil der landesweiten Betriebskonzepte „Zielnetz 2032“ und „Zielnetz 2040“, mit denen das Verkehrsangebot in Nordrhein-Westfalen ausgebaut werden soll.

Kontakt

Pressekontakt

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Telefon: 0211 4566-172
E-Mail: presse [at] munv.nrw.de

Bürgeranfragen

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Telefon: 0211 4566-0
E-Mail: nrwdirekt [at] nrw.de