Deutscher Fußverkehrskongress: Bund, Land und Kommunen zeigen in Bielefeld, wie Gehwege sicherer und barrierefrei werden
10-Punkte-Plan für sicheres Zufußgehen vorgestellt / „Walk-shops“ präsentieren praktische Lösungen
In diesem Jahr trafen sich rund 500 Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden in Bielefeld, um zu beraten, wie Städte und Gemeinden das Zufußgehen sicherer und attraktiver machen.
Fast jeder Weg beginnt oder endet zu Fuß. In der Verkehrsplanung kam der Fußverkehr in der Vergangenheit trotzdem oft zu kurz. Damit sich das ändert, haben Bund, Land und Kommunen den Deutschen Fußverkehrskongress als großes Netzwerktreffen etabliert. Der diesjährige Kongress wurde ausgerichtet durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Verkehr, die Stadt Bielefeld und die AGFS NRW. In diesem Jahr trafen sich rund 500 Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden in Bielefeld, um zu beraten, wie Städte und Gemeinden das Zufußgehen sicherer und attraktiver machen. Im Mittelpunkt standen Lösungen für die kommunale Praxis: von freien Gehwegen über barrierefreie Kreuzungen bis zu sicheren Schulwegen. Bund, Länder und Kommunen setzen dabei mehrere Hebel an.
Mit der 2025 beschlossenen Fußverkehrsstrategie hat der Bund erstmals einen bundesweiten strategischen Rahmen für die Förderung des Fußverkehrs geschaffen. Die Strategie stellt den Fußverkehr als gleichberechtigte Verkehrsart in den Mittelpunkt. Im Fokus stehen mehr Sicherheit, Barrierefreiheit, Lebensqualität, Gesundheit sowie Klima- und Umweltschutz. Die Strategie richtet sich vor allem an Länder und Kommunen, die für die konkrete Gestaltung des Fußverkehrs vor Ort zuständig sind, und soll ihnen Orientierung für eine fußgängerfreundliche Gestaltung ihrer Verkehrssysteme geben.
Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr: „Zu Fuß gehen ist die einfachste und gesündeste Form der Mobilität. Mit unserer Fußverkehrsstrategie unterstützen wir die Länder und Kommunen dabei, die Bedingungen für den Fußverkehr in Deutschland weiter zu verbessern. Denn unser Anspruch ist klar: Wir wollen sichere, barrierefreie und verlässliche Wege in der Stadt und auf dem Land. Wenn das Zufußgehen attraktiv und sicher ist, kommt das unser aller Lebensqualität und Gesundheit zugute.“
Nordrhein-Westfalen stellte beim Kongress zehn Punkte für einen starken Fußverkehr vor. Das Land setzt dabei auf Maßnahmen, die Menschen im Alltag direkt spüren. Ein Beispiel sind Schulstraßen: Vor Schulen bleibt die Straße zu Beginn und Ende des Unterrichts für Autos gesperrt, Kinder kommen so sicherer zur Schule. Seit Januar 2024 regelt ein Erlass des Landes, wie Kommunen Schulstraßen einrichten können. Inzwischen gibt es in Nordrhein-Westfalen 93 Schulstraßen. Über einen landesweiten Wettbewerb fördert das Land zudem digitale Schulstraßen in Wesseling, Lohmar und Bocholt. Ergänzend unterstützt das Land Elternhaltestellen in etwa 250 Metern Entfernung zur Schule, damit weniger Autos direkt vor dem Eingang halten.
Auch auf dem Gehweg selbst soll es weniger Hindernisse geben. Das Ministerium entwickelt Empfehlungen, wie Kommunen mit E-Scootern und Fahrrädern auf Gehwegen umgehen können. Zudem setzt sich das Land dafür ein, dass Leihangebote an feste Stationen gebunden sind und digitale Sperrzonen das Abstellen an ungeeigneten Stellen verhindern. Kommunen, die bei einem Fußverkehrs-Check Schwachstellen vor Ort aufdecken, erhalten Fördermittel für die bauliche Umsetzung.
„Ein E-Scooter quer auf dem Gehweg, Elterntaxis vor dem Schultor, eine Ampel, die zu früh auf Rot springt: Solche Hürden entscheiden jeden Tag darüber, ob Menschen gerne zu Fuß gehen. Die Schulstraßen zeigen, wie schnell sich das ändern lässt. Wo morgens keine Autos mehr vor der Schule halten, kommen Kinder sicher zum Unterricht. Solche Lösungen bringen wir gemeinsam mit den Kommunen in die Fläche“, betonte Verkehrsminister Oliver Krischer.
Auch die Gastgeberstadt Bielefeld hat den Fußverkehr strategisch verankert. 2023 wurde die Fußverkehrsstrategie der Stadt politisch beschlossen. Sie setzt unter anderem auf sichere und komfortable Wege, attraktive öffentliche Räume, gute Erreichbarkeit sowie gleichberechtigte Teilhabe. Beim Kongress wurde die kommunale Praxis auch unmittelbar vor Ort erlebbar: „Walkshops“ führten durch unterschiedliche Bielefelder Stadträume und griffen Fragen der Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und Stadtentwicklung auf.
„Wie gut eine Stadt zu Fuß funktioniert, merkt man jeden Tag: Sind Wege sicher und komfortabel? Komme ich gut zur Haltestelle, zum Einkaufen oder durch mein Quartier? In Bielefeld haben wir mit unserer Fußverkehrsstrategie klare Ziele formuliert. Der Kongress ist eine gute Gelegenheit, unsere Erfahrungen mit anderen Kommunen zu teilen und zugleich neue Ideen für die weitere Umsetzung mitzunehmen“, sagte Martin Adamski, Beigeordneter für Umwelt, Mobilität, Klimaschutz und Gesundheit der Stadt Bielefeld.
Das kommunale Netzwerk AGFS NRW stellte beim Kongress seine neue Ausstellung „Mach den ersten Schritt!“ sowie den überarbeiteten Handlungsleitfaden Fußverkehr vor. Beide Angebote unterstützen Kommunen dabei, Fußverkehr als fachübergreifende Aufgabe in Verwaltung und Planung zu verankern und konkrete Verbesserungen vor Ort auf den Weg zu bringen.
„In den Kommunen wird aus guten Zielen konkrete Fußverkehrsförderung. Dafür braucht es Wissen, geeignete Instrumente und vor allem ein gemeinsames Verständnis über Fachgrenzen hinweg. Mit unserer neuen Ausstellung und dem überarbeiteten Handlungsleitfaden geben wir den Kommunen zwei Werkzeuge an die Hand, die sie genau dabei unterstützen“, sagte Christine Fuchs, Vorständin der AGFS NRW, über die Angebote.
Unter dem Motto „Wir gehen den nächsten Schritt!“ standen beim 6. Deutschen Fußverkehrskongress insbesondere konkrete Lösungen für die kommunale Praxis im Mittelpunkt. Das Programm reichte von Verkehrssicherheit, Recht und Fußwegenetzen über Straßengestaltung, Barrierefreiheit und Klimaanpassung bis zu sicheren Schulwegen, Kommunikation, Evaluation und Digitalisierung. Ergänzt wurde das Fachprogramm durch Walkshops in Bielefeld, eine studentische Poster-Ausstellung und einen Markt der Möglichkeiten.
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