Starke Partnerschaft: Justizvollzug setzt Kooperation mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag fort
Justizminister Dr. Benjamin Limbach hat gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Westdeutschen Handwerkskammertages Alexander Hengst und dem Hauptgeschäftsführer des WHKT Dr. Florian Hartmann im Rahmen einer Feierstunde eine neue Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, mit der das Projekt „Handwerk im Hafthaus“ um weitere fünf Jahre verlängert wird.
Justizminister Dr. Benjamin Limbach hat am Donnerstag, 30. April 2026 gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) Alexander Hengst und dem Hauptgeschäftsführer des WHKT Dr. Florian Hartmann im Rahmen einer Feierstunde eine neue Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, mit der das Projekt „Handwerk im Hafthaus“ um weitere fünf Jahre verlängert wird. Ziel der Vereinbarung ist eine bessere Vernetzung des Ausbildungsgeschehens in den Justizvollzugsanstalten mit den Bedarfen des Handwerks.
Das Projekt trägt insbesondere dem Umstand Rechnung, dass die Einstellung entlassener Strafgefangener keine Selbstverständlichkeit ist.
„Wir betreiben im Justizvollzug in Nordrhein-Westfalen zahlreiche professionell und technisch modern ausgestattete Werkstätten und beschäftigen qualifiziertes Ausbildungspersonal, das im Regelfall über eine Meisterqualifikation im entsprechenden Beruf verfügt. So können wir Inhaftierten hochwertige berufliche Bildungsmaßnahmen anbieten, die die Grundlage für die Rückkehr in ein Leben in sozialer Verantwortung bilden können“, beschreibt Justizminister Limbach das berufsbezogene Konzept des Justizvollzugs. „In unserem Modellprojekt haben wir allerdings die Erkenntnis gewonnen, dass berufliche Qualifizierungen im Vollzug dann besonders erfolgversprechend sind, wenn wir es schaffen, potenzielle Arbeitgeber von der Qualität unserer Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zu überzeugen und auf diese Weise dazu beizutragen, Vorurteile gegenüber Inhaftierten abzubauen.“
Hier setzt die neu aufgelegte Kooperationsvereinbarung an. In Ergänzung zum Übergangsmanagement wurde in den beiden Pilotanstalten, der Justizvollzugsanstalt Heinsberg und der Justizvollzugsanstalt Bochum-Langendreer, gemeinsam mit den Handwerkskammern Aachen und Dortmund ein Netzwerk zur möglichst direkten Vermittlung von Inhaftierten in Handwerksbetriebe geknüpft. Mit den Werkstatt-Tagen als Teil des Projekts „Handwerk im Hafthaus“ wurde ein bislang einzigartiger Ansatz entwickelt, der Betriebe mit Inhaftierten bereits während der Haftzeit zusammenbringt. In diesem Rahmen können sich interessierte Betriebe in den beiden Justizvollzugsanstalten einen persönlichen Eindruck von den Ausbildungswerkstätten verschaffen und sowohl mit dem Ausbildungspersonal des Vollzugs als auch mit den Gefangenen unverbindlich ins Gespräch kommen. Dabei stehen ihnen dort auch die Ausbildungsberatungen der Handwerkskammern und die zuständigen Agenturen für Arbeit für weitergehende Informationen zur Verfügung.
Alexander Hengst, Vizepräsident des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), erzählt von den bisherigen Erfahrungen: „Wie gut dieses Konzept funktioniert, machen wir unter anderem daran fest, dass von unserem Besuchsangebot bislang rund einhundert Betriebe Gebrauch gemacht haben. Ein Großteil dieser Betriebe hat nach dem Besuch in einer der beiden Justizvollzugsanstalten die Absicht bekundet, einer ehemals inhaftierten Person eine zweite Chance zu geben.“ Den Projektpartnern geht dabei Qualität vor Quantität, wie Hengst betont: „Bei der Zusammenarbeit mit dem Justizvollzug legen wir sehr viel Wert darauf, dass die Chemie zwischen Betrieb und dem ehemaligen Inhaftierten passt. Nur so sind langfristige Beschäftigungsverhältnisse möglich. Das zeigt übrigens auch der erfolgreiche Abschluss der Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsverträge, die wir in den vergangenen vier Jahren im Rahmen des Projekts verzeichnen konnten und die zu soliden Beschäftigungsverhältnissen geführt haben.“
„Neben der Fortführung der Werkstatt-Tage werden sich die beteiligten Projektpartner auch mit bildungspolitischen Fragestellungen befassen“, wie WHKT-Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Hartmann berichtet: „Teilqualifizierungen, die gegenwärtig in Abstimmung mit den Fachverbänden und Gewerkschaften für einige Handwerksberufe entwickelt werden, bieten großes Potenzial für den sinnvollen Einsatz in den Justizvollzugsanstalten Heinsberg und Bochum-Langendreer.“
In den nächsten fünf Jahren werden die Partner gemeinsam mit den Handwerkskammern Aachen und Dortmund Wege erarbeiten und erproben, mit denen der Erwerb der Handlungskompetenz, beispielsweise für den Beruf des Malers und Lackierers, bescheinigt werden kann. Dadurch soll den Gefangenen die Möglichkeit gewährt werden, die während der Haftzeit erworbenen berufsbezogenen Kompetenzen nach der Haftzeit - unabhängig vom Lebensmittelpunkt - auf die reguläre Ausbildungszeit anrechnen lassen zu können. Handwerkskammern anderer Bundesländer haben bereites Interesse an dem Projekt signalisiert.
Über das Projekt „Handwerk im Hafthaus“
Im September 2021 hat das Justizministerium mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag erstmalig eine Kooperationsvereinbarung für das Projekt „Handwerk im Hafthaus“ geschlossen. Diese sollte vor dem Hintergrund des bestehenden Fachkräftemangels im Handwerk und im Interesse einer nachhaltigeren Vermittlung von Inhaftierten im Anschluss an ihre Haft eine bessere Verzahnung der Ausbildung innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern erreichen.
Für die Kooperation wurden die Justizvollzugsanstalt Heinsberg, wo jugendliche Inhaftierte aus einer größeren Anzahl handwerklicher Berufe entsprechend der festgestellten Bedarfe und Neigungen ausgebildet werden können, und die Justizvollzugsanstalt Bochum-Langendreer – Berufsförderungsstätte – ausgewählt, weil in dieser zentralen Ausbildungseinrichtung des offenen Vollzuges erwachsene Männer und Frauen ebenfalls in unterschiedlichen handwerklichen Berufen ausgebildet werden. Diese Partnerschaft wird jetzt fortgesetzt: Dabei liegt der Fokus darauf, das Aus- und Weiterbildungsprogramm in den Justizvollzugsanstalten gemeinsam um sog. Teilqualifizierungen im Handwerk zu erweitern. Zudem soll das Netzwerk der Projektpartner auf geeignete Justizvollzugsanstalten des Landes ausgedehnt werden.
Weitere Informationen zur Kooperation, zu den Werkstatt-Tagen und über das, was die Partner bisher erreicht haben, finden sich unter: https://www.handwerk-im-hafthaus.de