RWI – Leibniz-Institut legt NRW-Konjunkturbericht „NRW-Wirtschaft 2026: Neue Belastungen durch den Iran-Krieg“ vor

Ministerin Neubaur: Die politische Ursache lautet: Einseitige Abhängigkeit. Nordrhein-Westfalen zieht die Konsequenzen

28. Mai 2026
in einem Graph malt eine Person mit einem schwarzen Stift einen Pfeil nach oben zu einem Euro-Zeichen

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert für die nordrhein-westfälische Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent, ähnlich wie für Deutschland insgesamt (0,6 Prozent).

Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie

Der Iran-Konflikt ist die zweite Energiekrise innerhalb von fünf Jahren und er trifft ein Europa, das seine Lektion aus der Abhängigkeit von russischem Gas noch nicht vollständig gezogen hat. Nordrhein-Westfalen zieht sie. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert für die nordrhein-westfälische Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent, ähnlich wie für Deutschland insgesamt (0,6 Prozent). Der erneute Anstieg der Energiekosten trifft gerade die energieintensive Industrie, die vielfach in Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist. Am Arbeitsmarkt geht die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Rekordjahren leicht zurück (um 7.000 Personen), während die Arbeitslosenquote von 7,8 auf 7,9 Prozent etwas ansteigt.

Eine spürbare Erholung prognostiziert das RWI für das kommende Jahr 2027. Die nordrhein-westfälische Wirtschaft soll demnach um 0,8 Prozent wachsen. Die konjunkturelle Erholung sorgt dann außerdem für 19.000 zusätzliche Beschäftigte und einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent. Der Beschäftigungsaufbau erfolgt damit in Nordrhein-Westfalen mit 0,3 Prozent weiterhin etwas schneller als im Bund (+0,2 Prozent).

Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie: „Die politische Ursache lautet: einseitige Abhängigkeit. Erst russisches Gas, jetzt der Irankrieg mit Folgen für Rohstoffpreise und Lieferketten – das ist ein Muster. Wer sich erpressbar macht, macht sich verwundbar und zahlt – mit hohen Preisen, mit Versorgungssicherheit, mit wirtschaftlicher Stärke. Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist die rentabelste Investition, die wir tätigen können. Nordrhein-Westfalen investiert, baut Erneuerbare aus und schafft damit qualifizierte Arbeitsplätze – jede dritte ausgeschriebene Stelle hat bereits einen Bezug zur Green Economy. Für zukünftige wirtschaftliche Stärke müssen wir heute die Grundlage legen. Nordrhein-Westfalen hat vorgelegt, jetzt muss der Bund liefern.” 

Ralf Stoffels, Präsident IHK NRW: „Die nordrhein-westfälische Wirtschaft steht weiterhin unter erheblichem Druck. Die aktuellen geopolitischen Krisen, steigende Energiepreise und die anhaltende Verunsicherung bei Unternehmen und Konsumenten bremsen die konjunkturelle Entwicklung spürbar aus. Viele Betriebe reagieren zurückhaltend und verschieben Investitionen. Damit das Potenzial unserer Unternehmer zur Entfaltung kommen kann, braucht die Wirtschaft jetzt dringend strukturelle Entlastungen und Reformen. Dann kann in Nordrhein-Westfalen auch in einem schwierigen internationalen Umfeld die Zuversicht wachsen und das Land auf einen Wachstumskurs zurückkehren.“

Prof. Dr. Torsten Schmidt, Konjunkturexperte des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: „Der Iran-Krieg trifft Nordrhein-Westfalen härter als das übrige Bundesgebiet. Weil Kraftstoffe einen höheren Anteil an den Importen ausmachen und die energieintensive Industrie ein größeres Gewicht hat, schlagen die höheren Energiepreise stärker durch. Besonders Chemie und Metallerzeugung, die sich gerade zu stabilisieren begannen, geraten erneut unter Druck. Die öffentlichen Investitionen halten die NRW-Konjunktur derzeit über Wasser. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität wirkt 2026 mit einem Impuls in Höhe von 0,2 Prozent des BIP, im Folgejahr mit 0,4 Prozent. Der Nordrhein-Westfalen-Plan kommt im Laufe des Jahres hinzu – der Bau, vor allem der Tiefbau, ist einer der wenigen Bereiche mit klar aufwärtsgerichteten Aussichten.“

Das RWI – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht im Auftrag des Wirtschafts- und Klimaministeriums jährlich drei Konjunkturberichte. Der aktuelle Bericht liefert eine aktualisierte Jahresprognose für die nordrhein-westfälische Wirtschaft für 2026 und eine erste Prognose für 2027. IHK NRW stellt dazu die aktuellen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfragen für Nordrhein-Westfalen zur Verfügung.

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