Pakt für Hochwasserschutz wächst weiter: Land und Region Obere Lippe besiegeln engere Zusammenarbeit

Zweite Unterzeichnung für das Emscher-Lippe-Gebiet in Rüthen / Minister Krischer besichtigt Hochwasserrückhaltebecken „Pöppelsche“ im Kreis Soest

8. Oktober 2026
jemand geht in grünen Gummistiefeln über eine Wiese

Am Donnerstag, 8. Oktober 2026, haben die Partner im Rathaus Rüthen den Regionalpakt für Hochwasserschutz für das Gebiet der Oberen Lippe unterzeichnet.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Das Land Nordrhein-Westfalen, die Wasserverbände und die Kommunen bauen ihre Zusammenarbeit beim Hochwasserschutz weiter aus. Am Donnerstag, 8. Oktober 2026, haben die Partner im Rathaus Rüthen den Regionalpakt für Hochwasserschutz für das Gebiet der Oberen Lippe unterzeichnet. Das Abkommen knüpft direkt an die erste Unterzeichnung für die Emscher-Lippe-Region vom Juli 2026 an. Mit dem Beitritt des Wasserverbands Obere Lippe (WOL) und der lokalen Kommunen wächst die Allianz, die den Hochwasserschutz entlang der Flüsse künftig aus einem Guss plant. 

„Ein Fluss fragt nicht, wer für welchen Abschnitt zuständig ist. Wenn wir die Menschen wirksam vor Hochwasser schützen wollen, müssen wir ihn von der Quelle bis zur Mündung als Ganzes betrachten“, sagte Umweltminister Oliver Krischer in Rüthen. „Der Klimawandel verändert unsere Gewässer schon heute. Das nächste Extremwetter wird kommen. Mit dem Pakt für Hochwasserschutz bereiten wir uns gemeinsam besser auf Starkregen und Hochwasser vor.“

Wie Vorsorge schon jetzt funktioniert

Vor der Unterzeichnung im Rathaus besuchte der Minister gemeinsam mit Volker Karthaus, dem Geschäftsführer des Wasserverbands Obere Lippe, das Hochwasserrückhaltebecken Pöppelsche. Die Anlage zeigt, wie technischer Schutz in der Praxis funktioniert: Ein 17,5 Meter hoher Erddamm fängt bei starkem Regen bis zu 1,59 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Pöppelsche und dem Hoinkhauser Bach auf. Über einen Grundablass fließt das Wasser nur gedrosselt ab. So staut sich die Welle im Becken auf und die Hochwasserspitze wird gekappt. Das schützt gezielt die Menschen flussabwärts: Ohne das Becken würde die Pöppelsche den Fluss Gieseler überlasten und bei Extremwetter Siedlungen wie Lippstadt-Bökenförde oder den Ort Bad Westernkotten überfluten.

„Der Wasserverband Obere Lippe bringt beim Hochwasserschutz jahrzehntelange Erfahrung mit – das zeigt das Rückhaltebecken Pöppelsche eindrucksvoll. Doch extreme Wetterereignisse machen nicht an Verbands- oder Kreisgrenzen halt. Mit dem neuen Regionalpakt heben wir die Kooperation mit den Kommunen auf ein neues Level. Durch die engere Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch in der Projektabwicklung können wir den Schutz der Menschen an unseren Gewässern in Zukunft verbessern“, sagt Volker Karthaus, Geschäftsführer des Wasserverbands Obere Lippe.

In dem Pakt verpflichten sich die Partner zu fünf Zielen:

  1. Sie betrachten Flussgebiete als Einheit und arbeiten grenzüberschreitend zusammen.
  2. Sie beschleunigen Planungen und Genehmigungen.
  3. Sie sichern aktiv Flächen für künftige Rückhalteräume.
  4. Sie nutzen digitale Werkzeuge, um besser zu planen und zu warnen.
  5. Sie stärken die private Eigenvorsorge der Bürgerinnen und Bürger.

Die Ziele des Paktes werden mit konkreten Projekten verfolgt. Dem Pakt ist eine umfangreiche Maßnahmenliste beigefügt mit bislang 28 vereinbarten Projekten, die für die kommenden Jahre geplant sind. Die ersten konkreten Vorhaben wurden bereits von Emschergenossenschaft, Lippeverband, Wasserverband Obere Lippe und den Kommunen angemeldet. 

Entscheidend ist außerdem die schnelle Umsetzung in die Praxis.

Dafür sorgt zum Beispiel die Digitalisierung von Förderanträgen, und eine neue Hochwasserschutzplattform ist im Aufbau. Sie wird künftig Planungen und Informationen so bündeln, dass dringend benötigte Schutzprojekte schneller umgesetzt werden können.

Hintergrund: Landesweiter Pakt für Hochwasserschutz

Der Regionalpakt für die Emscher-Lippe-Region ist Teil des landesweiten „Pakts für Hochwasserschutz“, den Umweltminister Oliver Krischer im Februar 2026 in Düsseldorf mit den kommunalen Spitzenverbänden, Wasserverbänden und Bezirksregierungen geschlossen hat. Diese große Allianz legt das Fundament, um Schutzmaßnahmen künftig über Gemeindegrenzen hinweg gemeinsam zu planen, Prozesse zu beschleunigen und technischen mit naturnahem Hochwasserschutz zu vereinen. Um die Kommunen bei diesen Aufgaben zu entlasten, garantiert das Land langfristige finanzielle Sicherheit: In den kommenden zwölf Jahren fließen mindestens 1,1 Milliarden Euro Landesmittel in den Hochwasserschutz.

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