Ein Stollen für zwei Herausforderungen: Mehr Wasser in Dürrezeiten, mehr Schutz bei Starkregen

Minister Krischer übergibt Förderbescheid für „Weheüberleitung“ in Stolberg: Bedeutendste Investition in das Talsperrensystem der Eifel seit mehr als 40 Jahren

8. Oktober 2026
Weheüberleitung in Stolberg

Dürre und Starkregen können nah beieinander liegen. Was wie ein Widerspruch klingt, ist eine der großen Herausforderungen des Klimawandels: Während lange Trockenphasen die Wasserversorgung belasten, können heftige Niederschläge innerhalb kürzester Zeit zu Hochwasser führen.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Dürre und Starkregen können nah beieinander liegen. Was wie ein Widerspruch klingt, ist eine der großen Herausforderungen des Klimawandels: Während lange Trockenphasen die Wasserversorgung belasten, können heftige Niederschläge innerhalb kürzester Zeit zu Hochwasser führen. Wie beide Extreme abgepuffert werden können, zeigt die geplante „Weheüberleitung“. In Stolberg bei Aachen soll dafür ein fünf Kilometer langer unterirdischer Stollen den Hasselbach mit der Wehebachtalsperre verbinden. In Trockenzeiten liefert er Wasser, bei Starkregen leitet er Hochwasser in die Talsperre ab und schützt dadurch Siedlungen und Industriegebiete in Stolberg und Eschweiler.

Die Errichtung der Talsperren in der Eifel im 20. Jahrhundert war ursprünglich eine Maßnahme, die dem Schutz der Industrie an Rur und Inde diente. Die Weheüberleitung hilft erneut der Wirtschaft in der Region, die beides braucht: ausreichend Wasser und Schutz vor Hochwasser. Mit 89 Millionen Euro sorgt das Land dafür, dass Betriebe mit hohem Wasserbedarf auch in Trockenzeiten sicher versorgt sind – zum Beispiel die traditionsreiche Papierindustrie in Düren. So bleiben Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort erhalten. Das zusätzliche Wasser schafft außerdem die Grundlage dafür, dass sich neue Unternehmen in der Region ansiedeln können, etwa aus der Lebensmittelproduktion. Denn mit Hitze und Trockenheit wird Wasser künftig knapper. 

Genauso entscheidend ist der Hochwasserschutz: Die Flut 2021 verursachte in der Region Schäden in dreistelliger Millionenhöhe, viele Betriebe standen wochen- oder monatelang still. Die Weheüberleitung senkt dieses Risiko künftig deutlich. So stellt sich das Rheinische Revier auf die Folgen des Klimawandels ein und bleibt ein verlässlicher Standort für Industrie und Gewerbe.

Das Prinzip des Projekts wird bereits an mehreren Stellen im Harz und im Bergischen Land an der Dhünntalsperre eingesetzt. An der Wehebachtalsperre entsteht nun eine moderne Weiterentwicklung für die durch den Klimawandel veränderten Anforderungen: Durch den Bau eines fünf Kilometer langen Stollens soll einerseits zusätzliches Rohwasser für die Trinkwasserversorgung insbesondere in Trockenzeiten bereitgestellt werden und anderseits der Hochwasserschutz für die Unterlieger durch Ableitung einer Wassermenge von bis zu 12 Kubikmeter pro Sekunde verbessert werden. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt mit 89 Millionen Euro. Die übrigen 11 Millionen trägt die Betreibergesellschaft (WAG). 

Umweltminister Oliver Krischer „Der Klimawandel stellt unsere Wasserwirtschaft vor mehrere Herausforderungen gleichzeitig. Mit der Weheüberleitung schaffen wir deshalb eine Infrastruktur, die auf verschiedene Extreme reagieren kann. Dieses Projekt ist die bedeutendste Investition in das Talsperrensystem der Eifel seit mehr als 40 Jahren.“

Zusätzliches Wasser in Trockenzeiten

Die Wehebachtalsperre versorgt unter anderem die Stadt Düren mit mehr als der Hälfte ihres Trinkwassers. Weil sich die Talsperre nur aus dem Regen im eigenen Einzugsgebiet speist, sank ihr Beitrag zur regionalen Wasserversorgung in den Trockenjahren 2018 bis 2022 massiv. Der neue, rund 3,5 Meter breite Stollen leitet künftig zusätzliches Wasser aus dem Hasselbach in die Talsperre. Das sichert nicht nur das Trinkwasser der Bevölkerung, sondern hilft auch dem wasserintensiven Industriestandort Düren. Ein besonderer ökologischer Vorteil: Das Wasser fließt durch das natürliche Gefälle komplett ohne den Einsatz von Energie in die Talsperre.

Hochwasserschutz für Stolberg und Eschweiler

Dreht sich die Wetterlage, kann der Stollen Hochwasser aus dem Hasselbach in die Wehebachtalsperre ableiten. Das entlastet die Flüsse Vicht und Inde deutlich. Der Hochwasserpegel am Hasselbach in Zweifall sinkt dadurch bei extremen Ereignissen um bis zu 74 Prozent und an der Vicht bei Stolberg und Eschweiler um ca. 15 Prozent.

Interesse anderer Länder am Planungsprozess

Üblicherweise dauern die Planung und Genehmigung für ein derart komplexes Bauwerk fünf bis zehn Jahre. Die WAG als zuständiger Wasserversorger hat die Erstellung von Gutachten und Planunterlagen sowie das erforderliche Planfeststellungsverfahren zusammen mit den Genehmigungsbehörden in zwei Jahren umgesetzt. Das wurde vor allem durch die enge Abstimmung aller Beteiligten möglich und blieb nicht unbemerkt: Wasserverbände aus Sachsen und dem Harz haben ihr Interesse an den Planungsprozessen angemeldet. 

Der Bund, das Land und die EU unterstützen den Strukturwandel des Rheinischen Reviers mit mehr als 14,8 Milliarden Euro. Das Land flankiert die Förderung von EU und Bund mit eigenen Haushaltsmitteln. Bislang sind 996 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 3,6 Milliarden Euro bewilligt.

Weitere Informationen: 

Fotos von der Bescheidübergabe sowie Grafiken und Darstellungen der geplanten Weheüberleitung für die Berichterstattung: https://www.umwelt.nrw.de/bildergalerie/foerderbescheid-weheueberleitung-stolberg 

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