Aus Abbruch und Bodenaushub wird Baustoff: Land und vero schließen Branchenvereinbarung Kies und Sand
Ministerin Neubaur: Bauschutt ist kein Abfall, sondern Rohstoff – das spart Ressourcen, erschließt wirtschaftliche Potenziale und schont die Umwelt
Umweltminister Krischer: Je mehr Baustoffe wir wiederverwenden, desto weniger Fläche geht für neue Abgrabungen verloren
Ohne Kies und Sand kann kein Gebäude und keine Brücke gebaut werden. Doch die Ressourcen sind begrenzt. Statt Kies und Sand für jedes Bauvorhaben neu zu gewinnen, können aus Rückbau- oder Abbruchmaterial sowie Bodenaushub wertvolle Recyclingbaustoffe gewonnen werden. Die Landesregierung und der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie vero wollen Kreislaufwirtschaft im Bausektor vorantreiben und nachhaltiges Bauen fördern. Das ist Kern der Branchenvereinbarung Kies und Sand, die nun geschlossen wurde. Ziel ist es, die Aufbereitungskapazitäten für mineralische Abfälle perspektivisch um knapp fünf Millionen Tonnen pro Jahr auszubauen und Sekundärrohstoffe besser zu nutzen. Rechtliche Hemmnisse sollen dafür schrittweise abgebaut werden. vero hat zudem den Aufbau eines Kompetenzzentrums für Recyclingbaustoffe zugesagt.
Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Was heute aus einem alten Bürogebäude herausgebrochen wird, kann morgen in einer neuen Schule oder Straße stecken. Bauschutt ist kein Abfall. Er ist ein Rohstoff, den wir im Land schon haben. Jede Tonne Recyclingbaustoff ersetzt Kies und Sand, die sonst neu abgebaut werden müssten. Das macht unsere Baustoffindustrie unabhängiger und schafft Wertschöpfung in Nordrhein-Westfalen. Wir sorgen für verlässliche Regeln, schnellere Genehmigungen und geeignete Flächen. Damit gute Recyclingbaustoffe schneller auf die Baustelle kommen.“
Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer: „Am Niederrhein sehen die Menschen jeden Tag, wie der Abbau von Kies und Sand ihre Landschaft verändert. Die zusätzlichen Aufbereitungsanlagen, die vero zugesagt hat, können diesen Druck senken: Je mehr Baustoffe wir wiederverwenden, desto weniger Fläche geht für neue Abgrabungen verloren. Als Land gehen wir dabei selbst voran: Beim Bau und bei der Sanierung unserer Straßen wollen wir deutlich mehr Recycling-Baustoffe einsetzen.“
vero-Präsident Christian Strunk: „Mit dieser Vereinbarung gehen die Bau- und Rohstoffindustrie und das Land Nordrhein-Westfalen gemeinsam einen wichtigen Schritt für eine leistungsfähige Kreislaufwirtschaft. Unsere Unternehmen übernehmen Verantwortung und werden in den kommenden Jahren zusätzliche Kapazitäten für die Aufbereitung mineralischer Rohstoffe schaffen. Gleichzeitig brauchen wir dafür verlässliche Rahmenbedingungen, geeignete Flächen und praxistaugliche Genehmigungsverfahren.“
Hintergrund
Kies und Sand sind zentrale Rohstoffe der Bauwirtschaft. Zugleich fallen in Nordrhein-Westfalen mehr als 40 Millionen Tonnen mineralischer Bau- und Abbruchabfälle im Jahr an: Davon entfallen circa 26 Millionen Tonnen auf Bodenaushub, circa zehn Millionen Tonnen auf Bauschutt und circa vier Millionen Tonnen auf Straßenaufbruch. Besonders der Stoffstrom „Boden und Steine“ bietet Chancen, bislang ungenutzte Potenziale zu heben.
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