Ministerpräsident Hendrik Wüst verleiht den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an zwölf Bürgerinnen und Bürger

Ministerpräsident Wüst: Ordensträger sorgen mit ihrem Engagement für eine wehrhafte Demokratie, eine solidarische Gesellschaft, bestmögliche Bildung und eine vielfältige Kulturlandschaft.

23. August 2022
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Ministerpräsident Hendrik Wüst hat anlässlich des 76. Landesgeburtstags zwölf Persönlichkeiten für ihr außerordentliches Engagement mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet

Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsident Hendrik Wüst hat anlässlich des 76. Landesgeburtstags zwölf Persönlichkeiten für ihr außerordentliches Engagement mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Mit dem Orden ehrt die Landesregierung traditionell ehrenamtlich besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger für ihre herausragenden Verdienste um das Gemeinwohl und um das Land Nordrhein-Westfalen. Die Verleihung fand im Ständehaus K21 in Düsseldorf statt.

Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Auch in Zeiten großer Herausforderungen können wir uns auf Menschen verlassen, die mit viel Zeit, Kraft und Herzblut dabei mithelfen, unsere Gesellschaft zusammenzuhalten. Sie sorgen mit ihrem Engagement für eine wehrhafte Demokratie, eine solidarische Gesellschaft, bestmögliche Bildung und eine vielfältige Kulturlandschaft.“ Der Ministerpräsident weiter: „Mit dem Landesverdienstorden danken wir den Menschen, die sich dafür einsetzen, dass unser Land ein sicheres Zuhause und eine lebenswerte Heimat für alle Menschen sein kann. Den Geehrten sage ich: Tragen Sie den Landesverdienstorden mit Stolz – Sie sind Vorbilder.“

Ausgezeichnet mit dem Landesverdienstorden wurden:

Barbara und Karlheinz Bentele, Köln

Seit rund 30 Jahren engagiert sich das Ehepaar für Menschen, die ganz besondere Unterstützung brauchen, um so selbstbestimmt wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Das tun Barbara und Karlheinz Bentele zum Beispiel im und für den „Kölner Lebenshilfe e. V.“

Bettina Busch, Köln

Nach einem persönlichen Schicksalsschlag gründete Bettina Busch 2010 gemeinsam mit ihrer Mutter die Eckhard-Busch-Stiftung. Hier bekommen psychisch erkrankte Menschen und ihre Angehörigen konkrete Hilfe. Bettina Busch engagiert sich auch im „Aktionsbündnis Seelische Gesundheit“ und ist maßgeblich beteiligt an der „KölnBonner Woche für seelische Gesundheit“.

Helmut Heinen, Köln

Der Ehrenpräsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und Herausgeber der „Kölnischen Rundschau“ ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Köln ebenso aktiv wie im Beirat an der Forschungsstelle für Medienrecht an der Technischen Hochschule Köln, in der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, der Historischen Gesellschaft Köln, dem Förderverein Romanische Kirchen Köln, dem Stifterrat des Wallraf-Richartz-Museums, als Vorsitzender des Kuratoriums des Theodor-Wolff-Preises und in der Kulturstiftung Kölner Dom.

Ingrid Krebs, Aachen

Die Aachenerin engagiert sich bereits seit fast 50 Jahren ehrenamtlich im sozialen, kirchlichen und gesundheitlichen Bereich. Im Jahre 1990 gründete sie für Betroffene und ihre Angehörigen die „Huntington-Selbsthilfegruppe Aachen“, die schon bald die meistbesuchte Selbsthilfegruppe dieser Art in ganz Deutschland war. Bis heute leitet Ingrid Krebs diese Gruppe, die eng mit dem Aachener Universitätsklinikum zusammenarbeitet. Außerdem organisiert sie Hilfslieferungen für Kinderheime in Rumänien.

Franz-Josef Legewie, Köln

Der ehemalige Lehrer und Schulrektor engagiert sich seit mehr als 40 Jahren für das friedliche, für alle gewinnbringende Zusammenleben von Einheimischen und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Er setzt sich erfolgreich für Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und Teilhabe aller Menschen unterschiedlicher Herkunft und aus allen Generationen ein.

Dr. Arnulf Lehmköster, Vreden

Bis 2013 leitete er als Chefarzt die von ihm gegründete „Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie“ am St. Marien-Hospital in Borken. Seit 1990 ist er aktives Mitglied des Vereins „Interplast Germany e.V.“ und gründete 1997 dessen Sektion Vreden. Interplast unterstützt und rettet durch plastische Operationen das Leben von Menschen in Kriegs- und Krisengebieten, die sich eine solche Behandlung nicht leisten können.

Sylvia Löhrmann, Solingen

Bis heute setzt sich die ehemalige Schulministerin, die sich in ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete in der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Landtag engagierte, für eine lebendige Erinnerungskultur ein. Auch am Erfolg des bundesweiten Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ hat die Generalsekretärin des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ maßgeblichen Anteil.

Prof. Bernd Mathieu, Baesweiler

Der langjährige Chefredakteur der Aachener Zeitung bzw. der Aachener Nachrichten kümmerte sich als Honorarprofessor auch um den journalistischen Nachwuchs und baute einen eigenen Studiengang mit auf. Als Kuratoriumsmitglied der „Europäischen Stiftung Aachener Dom“ konnte er 2018 ein besonders schönes Jubiläum mitfeiern: 40 Jahre UNESCO-Welterbe.

Prof. Steven Sloane, Berlin

Der Musikdirektor des Jerusalem Symphony Orchestra, war fast drei Jahrzehnte lang Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker. Dieses Orchester formte er zu einem der profiliertesten und mehrfach ausgezeichneten Klangkörper in Nordrhein-Westfalen. Als künstlerischer Direktor der Kulturhauptstadt RUHR.2010 gestaltete er das kulturelle Leben und förderte auch so den heute hervorragenden Ruf des Reviers als Kulturregion. Verdient machte er sich außerdem um die Entstehung des Anneliese Brost Musikforums Ruhr.

Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Münster

Heinrich Sümmermann ist seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Heimatbotschafter Nordrhein-Westfalens. Als Vorstandsmitglied und Vorsitzender der „Westfalen-Initiative“ arbeitete er erfolgreich dafür, die unterschiedlichen Regionen Westfalens zusammenzuführen und ihnen zu einem neuen Selbstbewusstsein zu verhelfen.

Dr. Ekkehard Thiesler, Münster

Dr. Ekkehard Thiesler setzt sich gegen antisemitischen Hass und Vorurteile ein. Als Mitglied im Finanzausschuss der internationalen Auschwitz-Birkenau-Stiftung legte er die Grundlagen dafür, dass die Gedenkstätte auch für künftige Generationen als Ort der Erinnerung an das Menschheitsverbrechen des Holocaust und als Mahnmal gegen die Unmenschlichkeit erhalten bleiben kann. Er engagierte sich außerdem viele Jahre im Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe und für die Johanniter Unfall-Hilfe.

Die Laudationes an die neuen Ordensträgerinnen und Ordensträger im Wortlaut:

Es gilt das gesprochene Wort.

Barbara Bentele und Dr. Karlheinz Bentele aus Köln

Seit fast drei Jahrzehnten setzt sich das Ehepaar Barbara und Karlheinz Bentele für Menschen mit Behinderungen ein, insbesondere für Menschen mit Mehrfach- und Schwerstbehinderungen.

Karlheinz und Barbara Bentele, selbst Eltern eines seit der Geburt schwerstbehinderten und pflegebedürftigen Sohnes, sind seit 1993 für den Verein „Lebenshilfe Köln“ aktiv.

Bis zur Geburt ihres Sohnes im Jahr 1984 arbeitete Barbara Bentele als Bibliothekarin. Karlheinz Bentele war unter anderem in verschiedenen Bundes- und Landesministerien beschäftigt, so von 1991 bis 1996 als Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Finanzministerium.

Von 1996 bis 2007 war er Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes. Sie, liebe Frau Bentele, unterstützten den Verein Lebenshilfe von 2000 bis 2019 als Mitglied des Vorstandes.

Vor allem kümmerten Sie sich hier um die Bedürfnisse und die Teilhabe von Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen.

Ob bei der Planung inklusiver Veranstaltungen oder Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche – stets war es Ihnen besonders wichtig, dass Menschen mit komplexen Behinderungen gleichberechtigt daran teilhaben können. Ein weiterer Schwerpunkt Ihrer Vorstandsarbeit lag im Bereich Wohnen.

So waren Sie intensiv an der Entwicklung innovativer Wohnprojekte beteiligt. Sie gehörten zu den Initiatoren und Gründungsmitgliedern des „Vereins der Freunde und Förderer des Behindertenzentrums Dr. Dormagen“ in Köln und waren dort von 2007 bis 2015 als Vorstandsmitglied aktiv.

Karlheinz Bentele unterstützt seine Frau bei ihrer Vorstandstätigkeit bei der Lebenshilfe Köln mehr als tatkräftig.

Durch seine politische Tätigkeit ist er hervorragend vernetzt.

Und er nutzt seine zahlreichen Kontakte, um auf die Belange von Menschen mit Behinderung aufmerksam zu machen mit dem Ziel, ihre Lebensqualität zu verbessern.

Insbesondere setzen sich die Eheleute Bentele für die Interessen von Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf ein. Das tun sie mit sichtbarem Erfolg.

Darüber hinaus war Karlheinz Bentele viele Jahre im Landesverband der „Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen e.V.“ sehr aktiv.

So gehörte er von 2007 bis 2017 dem Vorstand an und hatte das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Lebenshilfe NRW inne.

In dieser Funktion vertrat er das Land Nordrhein-Westfalen von 2012 bis 2015 in der „Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.“.

Auch hier konnte er seine Erfahrungen aus dem politischen Bereich gewinnbringend für die Anliegen von Menschen mit Behinderung einsetzen.

Erst vor wenigen Monaten, Ende 2021, gründete das Ehepaar Bentele eine eigene Stiftung, die „Florian-Bentele-Köln-Stiftung – Lebenshilfe Köln e.V.“. Die Stiftung möchte Maßnahmen fördern, die eine wirksame Hilfe für Menschen jeden Alters mit geistiger Behinderung bedeuten.

Die Eheleute Bentele sind herausragende Botschafter für die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung.

Mit ausgeprägter sozialer Kompetenz, mit Zuversicht und Humor, mit Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen engagieren sie sich für Toleranz, Verständnis und ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung.

Liebe Barbara Bentele, lieber Karlheinz Bentele, für Ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Menschen, die Ihre und unsere Unterstützung brauchen, danke ich Ihnen heute mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bettina Busch aus Köln

Der Tod ihres Vaters im Jahr 2000 ist für Bettina Busch ein gewaltiger Schock. Mehr noch: Er verändert ihr Leben für immer.

Eckhard Busch leidet schon in jungen Jahren an Depressionen. Als bei ihm eine weitere schwere Krankheit diagnostiziert wird, sieht er für sich keinen Ausweg und setzt seinem Leben ein Ende. Mit nur 59 Jahren.

Depressionen waren lange Zeit ein Tabu-Thema. Und das, obwohl fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens psychisch erkrankt. Doch darüber wurde oft geschwiegen. Viel zu oft.

Viele Erkrankte schämten sich, weil Depression als persönliche Schwäche oder als vorübergehendes Stimmungstief, das jeder einmal hat, angesehen wurde. Ein großer, oft fataler Irrtum!

Das Schweigen über Depressionen ist für Bettina Busch unerträglich.

Sie ist sicher: Mit frühzeitiger und gezielter Hilfe kann man Erkrankten ein dauerhaft besseres Leben ermöglichen.

Und so reift ihr Entschluss: Sie möchte sich um psychisch kranke Menschen und deren Angehörige kümmern. Das tut sie zunächst in unterschiedlichen Organisationen. In dieser Zeit wird in ihr der Wunsch, eine eigene Organisation zu gründen, immer stärker.

2010 gründet Bettina Busch zusammen mit ihrer Mutter die „Eckhard Busch Stiftung“ für psychisch erkrankte Menschen und ihre Angehörigen. Aufklärung und Hilfe für Betroffene, gesellschaftliche Akzeptanz der Krankheit Depression und die Förderung von Forschungsprojekten – das sind die drei wichtigsten Ziele der Stiftung. Mit ganzer Kraft setzt sich Bettina Busch dafür ein.

Neben der Verwaltung der Stiftung setzt sie mit Projekten wie „Kino zeigt Seele“ besondere Akzente. Jahr für Jahr werden hier Filme gezeigt, die sich mit psychischen Erkrankungen beschäftigen.

Mit „Kunst für die Seele“ legt Bettina Busch den Grundstein für ein weiteres Projekt. Hier können psychisch kranke Menschen Kunst gemeinsam erleben und darüber ins Gespräch kommen.

Das sind nur zwei von vielen Bausteinen für die Rückkehr in ein Leben ohne Depression. Benefizveranstaltungen, Fundraising, Verbands-, Lobby- und Pressearbeit – all das gehört für Bettina Busch ebenfalls dazu, wenn man wie sie eine erfolgreiche Stiftung leitet.

Mit großem Erfolg veranstaltet die Eckhard Busch-Stiftung 2017 erstmals einen Informationstag zur Borderline-Persönlichkeitsstörung – mit Vorträgen, Workshops und einem abschließenden Kinofilm zum Thema.

Noch im selben Jahr wird die Stiftung mit dem Anti-Stigma-Preis der „Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde“ ausgezeichnet. Bettina Busch engagiert sich außerdem im „Aktionsbündnis Seelische Gesundheit“.

Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Organisation der alle zwei Jahre stattfindenden KölnBonner Woche der seelischen Gesundheit.

Und sie bringt die „Grüne Schleife“ nach Deutschland, ein Zeichen der Solidarität mit psychisch erkrankten Menschen – angelehnt an die „Rote Schleife“ für die Solidarität mit HIV-Infizierten.

Liebe Bettina Busch, einen geliebten Menschen zu verlieren, ist immer furchtbar. Für Sie war der Selbstmord Ihres Vaters der entscheidende Anlass dafür, Menschen mit seelischen Erkrankungen aus der Tabuzone zu holen und ihnen frühzeitig zu helfen.

Dafür setzen Sie sich seit mehr als einem Jahrzehnt ein, und das mit großem Erfolg für die Menschen, die sich Ihnen anvertrauen.

Dafür danke ich Ihnen heute mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Helmut Heinen aus Köln

Freier, kritischer und unabhängiger Journalismus ist das Gegengift für Fake News und Verschwörungstheorien, Manipulation und Propaganda.

Was damit angerichtet wird, sehen wir zurzeit an vielen Stellen, bei uns in Deutschland, in Europa und weltweit.

Es bleibt überlebenswichtig für die Demokratien der freien Welt, dass es Institutionen und engagierte Menschen gibt, die für Presse- und Meinungsfreiheit einstehen. Zu ihnen zählt Helmut Heinen.

Er leitet den Heinen-Verlag in Köln und ist unter anderem Herausgeber der „Kölnischen Rundschau“.

Der erfolgreiche Medienprofi verbindet sein berufliches mit ehrenamtlichem Engagement für seine Branche.

Das tut er zum Beispiel seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich im Verband der Zeitungsverleger in Nordrhein-Westfalen und bundesweit. Seit 2016 ist er Ehrenvorsitzender des Verbandes, den er zuvor 16 Jahre lang, von 2000 bis 2016, leitete.

Er ist Vorsitzender des Kuratoriums für die Vergabe des Theodor-Wolff-Preises, Beiratsmitglied an der Forschungsstelle für Medienrecht an der Technischen Hochschule Köln und Vorsitzender des Ausschusses für Medien der Industrie- und Handelskammer Köln. Helmut Heinen bringt also an vielen Stellen seinen reichen Erfahrungsschatz ein.

Helmut Heinen zeichnet zugleich eine starke soziale Ader aus.

Er übernimmt den Vorsitz der Altenhilfe der Kölnischen Rundschau, „Die gute Tat“. Bedürftige ältere Menschen werden ebenso unterstützt wie Pflegeheime. Auf Initiative von Helmut Heinen erfüllt die Aktion „Wünsch dir was“ Herzenswünsche von Menschen, die sie sich niemals leisten könnten. Dabei packt er auch schon mal persönlich die Geschenkpakete ein. Seit den 1990er Jahren unterstützt er die „Deutsche Stiftung Weltbevölkerung“, die sich insbesondere um die Lebenschancen junger Menschen in Ostafrika kümmert.

2020 wird Helmut Heinen Vorstandsvorsitzender des Vereins.

Als gebürtiger Kölner ist der Verleger der Geschichte und dem kulturellen Leben in seiner Heimatstadt natürlich besonders verbunden.

Sichtbar wird das durch sein Engagement in der „Historischen Gesellschaft Köln“, im Förderverein „Romanische Kirchen Köln“, im Stifterrat des Wallraf-Richartz-Museums und vor allem seit 2016 als Vorsitzender der „Kulturstiftung Kölner Dom“.

Viel zu tun also für Helmut Heinen und die Stiftung, um den Kölner Dom für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Lieber Helmut Heinen, ein unabhängiger, kritischer und seriöser Journalismus ist für eine funktionierende Demokratie und einen freiheitlichen Rechtsstaat unverzichtbar.

Für beides kämpfen Sie seit Jahrzehnten eindrucksvoll. Dass Sie darüber hinaus noch Zeit und Kraft finden, sich auch ehrenamtlich zu engagieren, ist umso beeindruckender.

Als Anerkennung für Ihre Verdienste um die Pressefreiheit und um Ihre Heimatstadt Köln verleihe ich Ihnen den Verdienstorden unseres Landes.

Ingrid Krebs aus Aachen

„Huntington“ – den meisten Menschen dürfte diese Krankheit unbekannt sein. Der Gendefekt, der das Gehirn betrifft, kann Bewegungsstörungen, psychische Veränderungen bis zur Demenz und Sprachprobleme zur Folge haben. Besonders tückisch: „Huntington“ ist vererbbar, nicht heilbar und dazu noch sehr selten. Gerade das macht es für Betroffene noch schwieriger, weil der Austausch mit anderen Betroffenen und ihren Angehörigen fehlt. Ingrid Krebs weiß, was Huntington bedeutet. Denn auch ihre Familie ist davon betroffen. 1990 gründet sie in Aachen eine Huntington-Selbsthilfegruppe. Schon bald ist sie eine der meistbesuchten Selbsthilfegruppen für diese Erkrankung in ganz Deutschland.

Seit nunmehr über 30 Jahren steht Ingrid Krebs Betroffenen und ihren Angehörigen als kompetente und einfühlsame Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Die Aachener Gruppe arbeitet eng mit der Huntington-Ambulanz am Universitätsklinikum Aachen zusammen. Dort hat sich ein eigener Bereich auf die Erforschung und Behandlung der seltenen Krankheit spezialisiert. In der „Huntington-Selbsthilfe Nordrhein-Westfalen“, einem Zusammenschluss von zehn Selbsthilfegruppen, ist Ingrid Krebs seit 2012 stellvertretende Vorsitzende.

Vor drei Jahren wurde Ingrid Krebs zum Ehrenmitglied der Deutschen Huntington-Hilfe ernannt. Ingrid Krebs engagiert sich auch in ganz anderen Bereichen für ihre Mitmenschen. Schon in den 1980er Jahren kümmert sie sich um Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler.

Sie hilft bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und begleitet die Neuankömmlinge bei Behördengängen, damit sie in der Region heimisch werden können. Und obwohl sie selbst keine Wurzeln in Schlesien hat, leitet sie lange Zeit eine Kindertrachtengruppe der schlesischen Landsmannschaft, singt, tanzt und bastelt mit den Kleinen.

Kinder liegen Ingrid Krebs besonders am Herzen. Als sie vom Leid der Kinder in rumänischen Kinderheimen erfährt, organisiert sie ohne Zögern Hilfslieferungen. Den ersten Lastwagen mit Hilfsgütern fahren sie und ihre Projektpartnerin persönlich nach Rumänien.

Hier entsteht eine dauerhafte Verbindung zu einem Kinderheim in der rumänischen Kleinstadt Lugoj.

Im Laufe der Jahre versorgen die beiden Frauen mit ihrem Team hunderte Heimkinder und zahlreiche kleine Patientinnen und Patienten des angrenzenden Krankenhauses mit Spielwaren, Kinderkleidung, warmen Decken, Medikamenten und mit Geld.

Liebe Ingrid Krebs, das schwere Schicksal Ihrer Familie hat Sie nicht entmutigt, im Gegenteil: Sie haben daraus die Kraft geschöpft, anderen Betroffenen bei ihrem Leben mit der Huntington-Krankheit beizustehen.

Und Sie sind zur Stelle, wenn andere Menschen Hilfe brauchen, allem voran Kinder, denen es am Nötigsten fehlt und die unter Umständen leben, die wir uns kaum vorstellen können. So werden Sie zu einem Vorbild für viele Menschen, die Ihnen begegnen.

Mit Dank und großem Respekt vor Ihrer Lebensleistung verleihe ich Ihnen den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Franz-Josef Legewie aus Köln

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und zwar seit Jahrzehnten.

Tatsache ist auch: Deutschland braucht mehr Einwanderinnen und Einwanderer, wenn es seinen Wohlstand halten will.

Und wenn auch in Zukunft Dienstleistungen angeboten werden sollen, die wir lange für selbstverständlich gehalten haben, zum Beispiel in den Pflegeberufen. Nordrhein-Westfalen hat seit gut 200 Jahren Erfahrung mit Einwanderung.

Wo Integration gelingt, hat das sehr viel mit Menschen wie Franz-Josef Legewie zu tun. Für Franz-Josef Legewie zählt nicht die Herkunft. Für ihn zählt der Mensch. Bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte spricht er deshalb auch von „Inländern mit verschiedenen Wurzeln“ oder von Kindern mit „ausländisch klingenden Namen“. Er weiß, wovon er spricht. Denn im Stadtteil Köln-Buchheim, wo er über Jahre eine Grundschule leitet, leben viele Inländer mit den unterschiedlichsten Wurzeln. Franz-Josef Legewie sieht darin vor allem eines: die Chance, voneinander zu lernen. Mitte der 1980er Jahre kommt Franz-Josef Legewie im Rahmen einer Studienreise in Kontakt mit dem „Deutsch-Türkischen Verein Köln“ und wird zunächst Mitglied, dann sein Vorsitzender.

Seitdem widmet er sich der deutsch-türkischen Verständigung.

Mittlerweile übersetzt der Deutsch-Türkische Verein sein Kürzel DTVK auch mit „Demokratie Teilhabe Vielfalt Köln“. Und das trifft es auf den Punkt. Längst hat sich der Verein für Menschen aus allen Teilen der Welt geöffnet.

Ein vielfältiges Miteinander, Chancengleichheit und Teilhabe aller Menschen unterschiedlicher ethnischer, religiöser und kultureller Herkunft – darauf legt der DTVK ganz besonderen Wert.

Mit speziellen Angeboten für Eltern, für Frauen und für Senioren, mit einer eigenen Integrationsagentur und mit Sprachkursen gibt er wertvolle Hilfestellung in fast allen Lebenslagen.

Wer möchte, kann sich hier informieren oder am besten sogar selber engagieren. Hilfe zur Selbsthilfe – vor allem darum geht es den Aktiven und Unterstützern des Deutsch-Türkischen Vereins Köln.

Und um Demokratie, um Teilhabe und Vielfalt.

Als ehemaligem Lehrer und Schulrektor liegt Franz-Josef Legewie die Bildungspolitik besonders am Herzen. Immer mehr entwickelt sich der Verein zu einem interkulturellen Zentrum der Stadt Köln und wird anerkannter Träger von Weiterbildungsmaßnahmen.

„Miteinander leben – voneinander lernen“, so lautet auch das Motto der Schule, die Franz-Josef Legewie leitete. Der DTVK trägt mit seiner Schulsozialarbeit und Betreuungsarbeit im Ganztagsbetrieb ganz erheblich dazu bei, dass das Miteinander-leben vor Ort gelingt. Und das Voneinander-lernen ebenfalls.

Gleiche Bildungschancen für alle - auch im „Veedelsbeirat“ des Kölner Stadtviertels Mülheim und im Integrationsrat der Stadt Köln setzt sich Franz-Josef Legewie dafür ein.

Das Kölner „Eckpunktepapier zur Integration von zugewanderten Kindern und Jugendlichen“ trägt auch seine Handschrift. Heute gilt es als Handlungsempfehlung zur schulischen Integration in Köln.

Lieber Franz-Josef Legewie, nur mit einer gelungenen Integration von „Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln“ kann eine Gesellschaft zusammenwachsen und zusammenhalten.

Für Ihren herausragenden Beitrag dazu verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dr. Arnulf Lehmköster aus Vreden

Humanitäre Hilfe – was sie wirklich bedeutet und was Menschen wirklich leisten, die sich dieser Aufgabe mit ganzem Herzen verpflichtet fühlen, zeigt Arnulf Lehmköster seit Jahrzehnten. Bis zu seinem Ruhestand leitet er fast 25 Jahre lang als Chefarzt die von ihm aufgebaute Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie am St. Marien-Hospital in Borken.

Bis 2019 ist er als Facharzt im Ruhestand für die Krankenhäuser Stadtlohn und Coesfeld tätig. Und nicht nur das. Seit über 30 Jahren engagiert sich Arnulf Lehmköster ehrenamtlich als plastischer Chirurg für „INTERPLAST-Germany e.V.“.

Vor 25 Jahren gründete er die Sektion Vreden dieses Vereins. Die Aktiven von „Interplast“ und ihre zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern wollen durch plastische Operationen das Leben von Menschen in Krisengebieten erleichtern.

Sie helfen Menschen, die zum Beispiel Gesichts- oder Handfehlbildungen, schwere Verbrennungsnarben oder Hauttumore haben.

Die allermeisten Patienten könnten sich eine solche Behandlung niemals leisten. Sie sind dringend auf die Hilfe von Interplast angewiesen. Und die bekommen sie.

Bei zahlreichen Einsätzen in Afghanistan, Jemen, Nepal, Ruanda, Uganda und Indien wirkt Arnulf Lehmköster mit. Dafür opfert er einen Großteil seines Urlaubs. So hat er beispielsweise im „Karilash Cancer Hospital MSA“ in Indien zehn Tage lang von früh bis spät rund 30 Operationen durchgeführt – vor allem bei Kindern, die unter den verschiedensten Deformationen litten.

Gleichzeitig bildet er die Ärzte und medizinisches Personal vor Ort aus, so dass sie solche Operationen selbstständig durchführen können. Und er überlässt ihnen seine eigenen Operationsinstrumente im Wert von mehreren Tausend Euro.

In den beiden Partnerkrankenhäusern in Ruanda und Uganda haben Mitarbeiter der Häuser durch den Lockdown in der Corona-Zeit ihren Job verloren.

Damit ihre Familien nicht Hunger leiden müssen, organisiert und finanziert Interplast Vreden unter Federführung von Arnulf Lehmköster dringend benötigte Lebensmittel, außerdem Hygieneartikel und Stoff zum Nähen von Mund-Nasen-Schutzmasken.

Noch im März dieses Jahres waren Arnulf Lehmköster und sein Team für 15 Tage im Kamuli-Mission Hospital in Uganda, um dort über 50 Operationen durchzuführen.

Und das unter den immer schwierigeren Bedingungen durch die Corona-Pandemie oder die Behörden vor Ort.

Tatsache ist: Die Not in Afrika verschärft sich immer weiter.

Wer kein Geld hat und wer nicht auf eine Organisation wie Interplast hoffen kann, bekommt keine medizinische Versorgung.

Aber die Lage wird immer dramatischer, jetzt noch verschärft durch die fast vollständig ausbleibenden Getreidelieferungen aus der Ukraine.

Umso mehr ist die Solidarität aller gefragt, die hier helfen können, auch direkt und ganz persönlich wie die Vredener Sektion von Interplast mit Arnulf Lehmköster.

Jede Hilfe zählt. Jede Hilfe ist wichtig und oft überlebenswichtig.

Lieber Arnulf Lehmköster, Sie geben seit vielen Jahren vielen Menschen in aller Welt ein Stück Lebensqualität und so ein Stück Menschenwürde zurück.

Für die großartige humanitäre Hilfe, die Sie natürlich vor allem als Mensch und Mediziner, aber auch als Bürger Nordrhein-Westfalens leisten, danke ich Ihnen mit großem Respekt mit dem Verdienstorden unseres Landes.

Sylvia Löhrmann aus Solingen

Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, Energiekrise, Inflation, Klimawandel – über all diesen „Brennpunkt“-Themen treten manche Erfolgsgeschichten in den Hintergrund. Leider. Denn es sind ja zum Glück nicht nur aktuelle Herausforderungen, die unsere Zeit und unsere Gesellschaft prägen. Sondern auch wichtige Erfolgsgeschichten, wie jene, die Sylvia Löhrmann mitgeschrieben hat. Nämlich das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Es ist der Verein „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ mit seiner Generalsekretärin Sylvia Löhrmann, der sich darum verdient gemacht hat, jüdisches Leben in Geschichte und Gegenwart sichtbarer zu machen. Und damit auch die Verdienste unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger um unser Land weit über dieses Festjahr hinaus. Dass jüdisches Leben in Deutschland vor bereits 1700 Jahren im heutigen Nordrhein-Westfalen begann, macht uns ebenso stolz wie die Tatsache, dass es heute viele aktive, selbstbewusste jüdische Gemeinschaften bei uns gibt.

Hinter solchen Erfolgsgeschichten stehen immer Menschen. Menschen wie Sylvia Löhrmann. Schon als Jugendliche treibt sie die Geschichte der Shoa um, wie sie selbst einmal gesagt hat.

1985 wird die Lehrerin für Deutsch und Englisch Mitglied bei Bündnis `90 / Die Grünen, kurz darauf Mitglied des Rates der Stadt Solingen und Sprecherin der Ratsfraktion. 1995 wird die praktizierende Katholikin in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt, dem sie 22 Jahre lang angehören wird. Hier ist sie zum Beispiel stellvertretende Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Landtag.

2010 dann der Höhepunkt ihrer politischen Karriere: Sylvia Löhrmann wird Ministerin für Schule und Weiterbildung und stellvertretende Ministerpräsidentin, zwei Ämter, die sie bis 2017 ausübt.

Auch als Ministerin fährt sie weiterhin regelmäßig mit Schülerinneren und Schülern zur Gedenkstätte Auschwitz und zur Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Nach der Landtagswahl zieht sie sich aus der Landespolitik zurück. Aber nicht aus ihrem Engagement für eine lebendige Erinnerungskultur, für die Verständigung zwischen Juden und Deutschen, für die deutsch-israelische Freundschaft.

Dazu gehört für sie die historische Aufarbeitung der Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur in Wuppertal und Solingen zu unterstützen, allem voran das Solinger „Zentrum für verfolgte Künste e.V.“.

Zu seinem fünfjährigen Bestehen gründete sie sogar einen eigenen Förderkreis.

Sylvia Löhrmanns Engagement für eine lebendige Erinnerungskultur ist immer auch Engagement gegen Antisemitismus und Fremdenhass.

Der Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç im Jahre 1993 in ihrer Heimatstadt Solingen war auch für sie ein erschütterndes Ereignis.

Aber sie weiß auch: Aus Fassungslosigkeit darf niemals Tatenlosigkeit werden. Und so ist das tatkräftige Engagement von Menschen wie Sylvia Löhrmann immer auch ein Appell an jede und jeden von uns, ihrem Vorbild zu folgen.

Das waren nur einige, aber besonders wichtige Beispiele für Ihr jahrzehntelanges Wirken, liebe Sylvia Löhrmann.

Dafür danke ich Ihnen herzlich mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Professor Bernd Mathieu aus Baesweiler

Bernd Mathieu steht für einen Typ des Journalisten, der nicht nur über die Themen der Zeit schreibt, sondern der selber tatkräftig dabei mithilft, die Welt vor Ort ein Stück besser zu machen.

Als er 2018 den Posten als Chefredakteur der Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten abgibt, endet eine Ära: Nach mehr als zwei Jahrzehnten ist er der dienstälteste Chefredakteur einer deutschen Tageszeitung. Und nicht nur hier hinterlässt er große Spuren. Viele Jahre lehrt der Honorarprofessor an der Fachhochschule Aachen im Studiengang „Media and Communications for Digital Business“.

Diesen Studiengang hat er selbst mitaufgebaut, weil ihm der journalistische Nachwuchs am Herzen liegt.

Neun Jahre lang ist er Mitglied der Jury des renommierten „Theodor-Wolff-Preises“, mit dem Journalistinnen und Journalisten für herausragende Leistungen ausgezeichnet werden.

Bernd Mathieu ist weit über Aachens Grenzen hinaus bekannt. Der Grund dafür ist sein beeindruckendes soziales Engagement.

Viele Jahre lang ist er Vorsitzender des Hilfswerks „Menschen helfen Menschen“ des Medienhauses Aachen. Vor allem junge Menschen und Familien mit Zuwanderungsgeschichte liegen ihm dabei am Herzen.

Genauso wie die Kunst und Kultur seiner Heimat, für die er sich an ganz verschiedenen Stellen engagiert.

Die „Katholische Stiftung Marienhospital Aachen“ ist ein weiteres Herzensanliegen von Bernd Mathieu. Erst im Juni dieses Jahres wurde er Vorsitzender ihres Kuratoriums.

Als Vorsitzender des Hilfsfonds des Rotary Clubs Aachen hat er früh in der Corona-Pandemie mit einer erfolgreichen Spendensammlung wichtige Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts gesetzt.

Wie so viele Menschen in der Region Aachen gilt seine Leidenschaft dem Aachener Dom, der längst zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Für dieses faszinierende Monument sakraler Baukunst ist Bernd Mathieu gleich zweifach im Einsatz – zunächst im Beirat und später als Kuratoriumsmitglied der „Europäischen Stiftung Aachener Dom“.

2018 konnten er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter ein besonders schönes Jubiläum feiern: 40 Jahre UNESCO-Welterbe Aachener Dom. Er war übrigens die erste Kulturstätte in Deutschland, die von der UNESCO in diese Liste aufgenommen worden ist.

Und dann ist da noch seine Heimatstadt Baesweiler, für die er sich nicht nur politisch engagiert. Im Ortsteil Oidtweiler war er sechs Jahre lang Ortsvorsteher und viele Jahre Mitglied des Pfarrgemeinderates. Baesweiler würdigte seine Verdienste für seine Heimat mit dem „Baesweiler Ehrenlöwen“.

Lieber Bernd Mathieu, nach Ihrer Zeit als Chefredakteur haben Sie mehr Zeit für Ihre anderen Herzensanliegen. Das war schon damals eine gute Nachricht für alle, denen Ihr soziales und kulturelles Engagement zugutegekommen ist. Ich bin sicher, die Zahl der guten Nachrichten aus dieser Richtung hat seitdem noch deutlich zugenommen.

Das Land Nordrhein-Westfalen sagt Ihnen dafür heute ein herzliches Dankeschön und ehrt Sie mit seinem Verdienstorden.

Professor Steven Sloane aus Berlin

„Ich bin und bleibe ein Bochumer.“ Welch ein Statement für die Stadt „tief im Westen, wo die Sonne verstaubt“, der Herbert Grönemeyer einst eine wahre Hymne widmete! „Ich bin und bleibe ein Bochumer“ – dieses Bekenntnis aber stammt von Steven Sloane, geboren in Los Angeles, wohnhaft in Berlin. Fast drei Jahrzehnte lang war er Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker. Heute ist er Musikdirektor des „Jerusalem Symphonie Orchestra“.

Dazwischen liegen zahlreiche weitere Stationen als Dirigent und Professor. Dabei hat er sich um Kunst und Kultur in Nordrhein-Westfalen verdient gemacht. Mittelpunkt seines Wirkens aber war Bochum. Früher die Stadt von Kohle und Stahl, von Fußball und Bier. Manches davon ist Vergangenheit. Heute ist Bochum eine Stadt mit einem außergewöhnlichen Kulturangebot.Das ist auch Steven Sloane zu verdanken.

Mit außergewöhnlichen Programmideen und spannenden Projekten hat er die Bochumer Symphoniker in drei Jahrzehnten zu einem der profiliertesten Klangkörper unseres Landes geformt.

Geradezu legendär ist das von ihm jährlich organisierte Open-Air-Konzert der Symphoniker auf der Bühne am Konrad-Adenauer-Platz vor dem Bochumer Hauptbahnhof.

Gleich zwei Mal wird das Orchester vom Deutschen Musikverleger-Verband für das beste Konzertprogramm ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: „Die vielfältigen und weitreichenden Initiativen schaffen vitale Konzerterlebnisse und erweisen sich als Gewinn für das Kulturleben der ganzen Region.“

Auch die Einladung der Symphoniker zum renommierten Lincoln Center Festival nach New York ist ein eindrucksvoller Beweis für die internationale Reputation des Orchesters.

Als künstlerischer Direktor der Kulturhauptstadt RUHR.2010 gestaltet Steven Sloane das Kulturleben der Region mit.

Mit dem Programm „!SING – eine Metropole singt!“ zum Beispiel bringt er Profimusiker, Amateure und die 1. Internationale Dirigentenakademie Ruhr zusammen.

Immer ist es ihm ein großes Anliegen, Kindern und Jugendlichen die große Welt der Musik nahe zu bringen. Zu den herausragenden Verdiensten von Steven Sloane gehört die Entstehung des Anneliese Brost Musikforums. Mit ihm haben die Bochumer Symphoniker endlich eine Heimat gefunden. Mit beispielloser Energie, Ausdauer und Überzeugungskraft schafft es Steven Sloane mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, dieses ehrgeizige Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen.

Heute ist es ein Glanzstück in der Region und im Kunst- und Kulturland Nordrhein-Westfalen.

Lieber Steven Sloane, Sie werden immer ein Bochumer bleiben.

Was Sie für die Stadt, für die Region, für unser Land getan haben, das bleibt unvergessen und das klingt bis heute nach.

Um auf Herbert Grönemeyer zurückzukommen: Auch Ihnen ist zu verdanken, dass man in Bochum längst nicht nur den „Pulsschlag aus Stahl“, sondern großartige Musik hört.

Darauf sind wir stolz und danken Ihnen heute mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dr. Karl-Heinrich Sümmermann aus Münster

„Heimatbotschafter“ wird Karl-Heinrich Sümmermann genannt. Diesen Titel trägt er sicherlich mit Stolz – und zu Recht.

Seine Heimat, das ist Westfalen in seiner ganzen Breite, Größe und Vielfalt vom Ruhrgebiet über das Sauerland und Münsterland bis ins Paderborner Land. Seit mehreren Generationen besitzt die Familie Sümmermann einen historischen Bauernhof in Fröndenberg.

Mittlerweile hat sich das Anwesen der Familie zu einem beliebten Ausflugsziel mit mehreren Hofläden entwickelt. Ein Café und weitere kulinarische Angebote findet man dort ebenso wie eine Galerie, Kunstwerkstätten und ein Sportcenter. Regelmäßig stellt Karl-Heinrich Sümmermann seine Räumlichkeiten dem Heimatverein Fröndenberg-Frömern und anderen Organisationen für Ausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Gerne trifft man sich auch dort zu einem politischen Austausch. Ein eher untypischer Bauernhof also, aber einer, der schon ein bisschen typisch ist für all das, was Karl-Heinrich Sümmermann sonst so voranbringt. Bei der Vereinigung „Rotary für Münster“ zum Beispiel bemüht sich Karl-Heinrich Sümmermann um Sprachkurse für Zugewanderte. Mit dem Projekt „Sternstrahlen“ fördert er gemeinsam mit anderen Rotariern Kinder aus benachteiligten Familien. Und das ist bei weitem nicht alles.

Fast 20 Jahre lang gehört Karl-Heinrich Sümmermann dem Vorstand des „Vereins Westfalen-Initiative“ an. Von 2011 bis 2014 ist er sein Vorsitzender, anschließend Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung.

Er weiß, dass man die Besonderheiten der einzelnen Regionen achten muss und sie doch zu einem selbstbewussten Westfalen zusammenführen kann.

Es macht eben einen Unterschied, ob man im Münsterland zu Hause ist, in Süd- und Ostwestfalen oder im westfälischen Ruhrgebiet.

So ruft er zahlreiche Projekte ins Leben. Mit dem „Westfalen-Beweger“ beispielsweise wird eine Plattform geschaffen, auf der Vereine, Initiativen und Projektgruppen Informationen austauschen können.

Die „Westfälische Ehrengalerie“ macht herausragende Persönlichkeiten und besondere Leistungen der Region bekannter. Es entsteht auch das „Westfalen-Rätselbuch“, mit dem Grundschulkinder spielerisch viel Neues über ihre Heimat erfahren.

Besonders populär wird der „WestfalenSlam“. Junge Talente beweisen hier in Formaten wie Poetry, Film, Rock und Gaming ihre außerordentliche Kreativität.

Lieber Karl-Heinrich Sümmermann, Sie waren über 20 Jahre lang der Kopf, das Herz und der Motor der Westfalen-Initiative. Ihr Herzensanliegen war und bleibt, ein besonders schönes Stück Heimat voranzubringen: Westfalen. Vielleicht haben Sie in diesen zwei Jahrzehnten gelegentlich die Erfahrung gemacht, die einer meiner Amtsvorgänger aus den 50er Jahren, Fritz Steinhoff, so zusammenfasste:

„Wir Westfalen müssen das halten, was die Rheinländer versprechen.“ Das ist heute selbstredend genau umgekehrt …

Als besondere Anerkennung für Ihr wichtiges und erfolgreiches Wirken für einen der drei schönsten Landesteile Nordrhein-Westfalens verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden unseres Landes.

Dr. Ekkehard Thiesler aus Münster

Das Menschheitsverbrechen des Holocaust bleibt bis heute für viele unfassbar. Es überschreitet unsere Vorstellungskraft, was 1933 begann und was in den Jahren danach geschah. Aber es ist geschehen, in deutschem Namen. Es gehört zu unserer Geschichte, aus der unsere Verantwortung erwächst, den Holocaust niemals in Vergessenheit geraten zu lassen. Und wir müssen alles dafür tun, damit sich solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht wiederholen. Diese Verantwortung endet niemals. Schon deshalb ist es bedrückend zu sehen, wie Holocaust-Leugner und Antisemiten wieder lauter werden. Um es höflich auszudrücken. Das geschieht etwa seit der Corona-Pandemie, in der sich Hass und Hetze von sogenannten Querdenkern oder Verschwörungstheoretikern jeglicher Couleur auch gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger richten. Umso wichtiger also, dass es Menschen gibt, die sich dagegen wehren. Die daran erinnern, was damals geschah. Damit sich Geschichte nicht wiederholt. Diese Menschen gibt es. Einer von ihnen Ekkehard Thiesler.

Alles beginnt 2009. Damals tritt Ministerpräsident Jürgen Rüttgers an Ekkehard Thiesler heran. Er soll im Finanzausschuss der internationalen Auschwitz-Birkenau-Stiftung mitwirken.

Deutschland bringt rund die Hälfte der Stiftungsmittel als „Ewiges Kapital“ ein. Das ist alles andere als ein Verwaltungsjob, sondern eine historisch herausragende, eine politisch wichtige und zugleich moralisch bedeutsame Aufgabe.

Ekkehard Thiesler wird dieser Aufgabe gerecht. Er weiß: Besonders wichtig sind die Instandhaltung und Restaurierung des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

Auschwitz ist weltweit das Symbol für den Holocaust. Die Überreste der Gaskammern, der Krematorien, der Baracken, der Wachtürme und Zäune machen das Leid von mehr als einer Millionen Menschen auch nach Jahrzehnten auf schmerzhafte Weise spürbar.

Der Einsatz für Menschen und für Menschlichkeit prägt Ekkehard Thiesler auch neben seiner beruflichen Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Diakonie.

Der gefragte Finanzexperte ist seit vielen Jahren Mitglied im Aufsichtsrat der Akademien für Kirche und Diakonie, gehört dem Präsidialrat der Johanniter-Unfall-Hilfe an und engagiert sich in verschiedenen Gremien des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe.

Lieber Ekkehard Thiesler, der Kampf gegen das Vergessen ist seit vielen Jahren auch Ihr Kampf. Sie führen ihn vor allem an einem Ort, der sich in das Gedächtnis der Menschheit eingebrannt hat: Auschwitz.

Und Sie führen ihn dafür, dass die Erinnerung wach bleibt und dass jüdisches Leben bei uns nicht nur wieder möglich ist, sondern zu einem wertvollen Teil unserer Gesellschaft und unserer Kultur wird.

Dass jüdisches Leben in seinem ganzen Reichtum und in seiner ganzen Vielfalt in Deutschland möglich geworden ist, ist ein Glücksfall unserer Geschichte. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte das wohl niemand für möglich gehalten. Wir werden alles dafür tun, damit das so bleibt, damit jüdisches Leben hierzulande blüht und gedeiht.

Dank Menschen wie Ekkehard Thiesler wird uns das gelingen, auch und gerade bei uns in Nordrhein-Westfalen. Dafür, lieber Ekkehard Thiesler, danke ich Ihnen herzlich mit dem Verdienstorden unseres Landes. 

Über den Landesverdienstorden

Der Verdienstorden des Landes ist eine der höchsten Auszeichnungen und wurde 1986 aus Anlass des 40. Geburtstages des Landes Nordrhein-Westfalen vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau gestiftet. Als Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste für die Allgemeinheit wird er an besonders engagierte Persönlichkeiten verliehen. Seither wurde der Landesverdienstorden an 1713 Bürgerinnen und Bürger verliehen.

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