Ministerpräsident Hendrik Wüst besucht japanische Projekte zur Bekämpfung von Einsamkeit / Treffen mit Wirtschaftsminister Nishimura

Ministerpräsident Wüst: Einsamkeit ist vielschichtig, alters- und kulturunabhängig / Japanischer Umgang mit Einsamkeit zeigt: Mensch und Technologie können sich nicht nur ergänzen, sondern auch bereichern

6. Juni 2023
6. Juni 2023 - Ministerpräsident Hendrik Wüst besucht Tokio und Kawasaki

Ministerpräsident Hendrik Wüst hat am zweiten Tag seiner Japanreise zwei beispielhafte Projekte zur Bekämpfung von Einsamkeit besucht.

Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsident Hendrik Wüst hat am zweiten Tag seiner Japanreise Dienstag, 6. Juni 2023, zwei beispielhafte Projekte zur Bekämpfung von Einsamkeit besucht: den Komodo Yume Park in Kawasaki und das Avatar Robot Café Dawn in Tokio. Beide Projekte ermöglichen Menschen die (Wieder-)Teilhabe am sozialen Leben. Am Tag zuvor konnte Ministerpräsident Wüst sich bereits mit führenden Professorinnen und Professoren zum Thema austauschen. Einsamkeit ist eines der Schwerpunktthemen auf der Asienreise von Ministerpräsident Wüst.

Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Japan und Nordrhein-Westfalen stehen beim Thema Einsamkeit vor ähnlichen Herausforderungen. Die Corona-Pandemie hat viele Menschen über eine lange Zeit vom gesellschaftlichen Leben isoliert. Auch das Thema der immer älter werdenden Gesellschaft gewinnt in beiden Ländern zunehmend an Bedeutung. Mir liegt das Thema Einsamkeit persönlich ganz besonders am Herzen. Die Reise nach Japan möchte ich ganz bewusst nutzen, um zu erfahren, wie unser internationaler Partner dem Thema Einsamkeit begegnet. Der Austausch mit führenden Experten hat noch einmal deutlich gemacht: Einsamkeit ist vielschichtig, alters- und kulturunabhängig. Die sozialen, gesundheitlichen und auch wirtschaftlichen Folgen sind teils gravierend. Einsamkeit braucht einen ganzheitlichen Ansatz und die ganze Aufmerksamkeit der Politik.“

Mit dem Komodo Yume Park und dem Avatar Robot Café Dawn konnte Ministerpräsident Hendrik Wüst zwei konkrete Projekte kennenlernen, die eindrucksvoll zeigen, wie Einsamkeit wirksam begegnet werden kann. Im Komodo Yume Park wird jungen Menschen, die sich etwa aufgrund von Schulangst im Alltag isoliert haben, ein Ort geschaffen, an dem sie wieder zurück ins Sozialleben finden können – ein Ort, der ihnen Raum zu Individualität und Entwicklung bietet. Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Ich bin tief beeindruckt, mit welchem Engagement und welcher persönlichen Ansprache der Leiter des Parks Nishino Hiroyuki diesen Ort für die Kinder und Jugendliche zu einem Zuhause macht. Einem Ort, an dem Spielen und Lernen wieder Spaß macht, an dem sich die Kinder und Jugendlichen aufgehoben und willkommen fühlen.“

Im Avatar Robot Café bekommen Menschen mit Beeinträchtigungen die Chance, wieder am Arbeitsleben teilzuhaben – indem sie von zuhause aus Bedien-Avatare im Café steuern und so mit Gästen interagieren und kommunizieren können als wären sie vor Ort.

Dieses Projekt macht deutlich, was durch Innovation möglich ist. Und es zeigt auch: Mensch und Technologie können sich nicht nur ergänzen, sondern auch bereichern. Ich bin dankbar für den wertvollen Erfahrungsaustausch zu den Maßnahmen und Strategien, die Japan in der Prävention und Bekämpfung von Einsamkeit nutzt. Diese wertvollen Eindrücke werde ich mit nach Deutschland nehmen. Wir werden auch zukünftig mit unseren japanischen Partnern zu diesem Thema im Austausch bleiben, um voneinander zu lernen und gegenseitig von den Erfahrungen zu profitieren“, so Wüst weiter.

Die Landesregierung setzt sich im Rahmen ihrer Regierungsarbeit mit vielfältigen Maßnahmen für die Bekämpfung von Einsamkeit ein.

Gespräch mit Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura

Neben den Besuchen der beiden Sozialprojekte stand am Dienstagnachmittag in Tokio ein bilaterales Gespräch mit dem japanischen Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie Yasutoshi Nishimura auf dem Programm. Minister Nishimura begrüßte dabei eine hochrangige Wirtschaftsdelegation, die Ministerpräsident Hendrik Wüst auf seiner Reise nach Japan begleitet. Inhaltliche Schwerpunkte des Gesprächs waren Zukunftsthemen wie beispielsweise die Herausforderungen bei der Transformation der Wirtschaft. Nordrhein-Westfalen strebt ebenso wie Japan eine Energiewende an. Ziel ist es, durch eine verstärkte Zusammenarbeit bei den Erneuerbaren Energien eine nachhaltige Energieversorgung für beide Seiten gewinnbringend auszubauen.

Ministerpräsident Hendrik Wüst unterstrich im Gespräch mit Wirtschaftsminister Nishimura auch die besondere Bedeutung Japans als strategischer Werte- und Wirtschaftspartner in Asien. Aus Sicht Nordrhein-Westfalens sind die hiesigen japanischen Direktinvestitionen der zentrale Pfeiler der Wirtschaftsbeziehungen. Die zweithöchsten Direktinvestitionen in Nordrhein-Westfalen kamen 2020 mit knapp 16 Milliarden Euro aus Japan. Ministerpräsident Wüst betonte, dass Nordrhein-Westfalen sich dafür einsetzen werde, für japanische Investoren noch attraktiver zu sein und zum führenden Europastandort für die japanische Wirtschaft zu werden.

Ausweiterung der Zusammenarbeit im Bereich Patentrecht

Ebenfalls am Dienstag traf Ministerpräsident Wüst den Chief Judge des Intellectual Property High Court (IPHC) Tokyo Ichiro Otaka zum Gespräch. Nordrhein-Westfalen und Japan wollen ihre Zusammenarbeit zukünftig im Bereich Patentrecht weiter intensiveren. Begleitet wurde er bei dem Gespräch durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf Dr. Werner Richter. Ziel des Gesprächs ist, den regelmäßigen Fachaustausch zwischen dem OLG Düsseldorf und dem IPHC auszubauen.

Diese würde nicht nur die internationale Bedeutung des Gerichtsstandorts Düsseldorf und dessen Sichtbarkeit im japanischen Raum steigern, sondern auch die Attraktivität des Standorts Nordrhein-Westfalen für japanische Unternehmen weiter fördern.

Das deutsche und das japanische Patentrecht weisen große Ähnlichkeiten auf. Die erste Fassung des japanischen Patentgesetzes, das Ende des 19. Jahrhunderts verabschiedet wurde, basierte auf deutschem Recht.


Gegenstand des Gesprächs war auch der von der Europäischen Union geschaffene Unitied Patent Court, ein europäisches Gericht, das am 1. Juni 2023 mit einer lokalen Kammer auch am Standort Düsseldorf seine Arbeit aufgenommen hat. Mehrere Richterinnen und Richter aus dem OLG-Bezirk Düsseldorf wirken an diesem Gericht mit. Damit wird die grenzüberschreitende Durchsetzung von Patenten ermögicht und der Schutz geistigen Eigentums verbessert.

Hintergrund Komodo Yume Park

Der Kodomo Yume Park (deutsch: Kindertraumpark) ist eine Anlage in der Stadt Kawasaki, die aus einer weitläufigen Freifläche, dem sogennannten Free Space „En“, und einem multifunktional genutzten Gebäudekomplex besteht. Er wurde 2003 mit dem Ziel eröffnet, zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention beizutragen. Trägerorganisation des Free Space „En“ ist der Verein „Free Space Tamariba“. Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche Selbstwertgefühl entwickeln, Lebensfreude gewinnen und die Möglichkeit erhalten, sich frei zu entfalten. Der Free Space „En“ ist ein offener Treffpunkt, in dem vom Schulleben isolierte junge Menschen eine kostenlose Lern- und Spielförderung angeboten wird.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen sie bei der Lebensbewältigung, bereiten sie auf die Aufnahmeprüfungen an Junior oder Senior HighSchools vor und helfen, einen Wiedereinstieg in das Bildungssystem erfolgreich zu gestalten. Die Anwesenheit im Free Space wird gleichgesetzt mit der Anwesenheit an einer Schule. Zielgruppe von Free Space Tamariba sind sogenannte „Hikikomori“. Damit werden junge Menschen bezeichnet, die länger als ein halbes Jahr nicht in die Schule gehen oder arbeiten und sich von der Außen-Kommunikation zurückziehen. Die Anzahl der „Hikikomori“ in Japan wird nach aktuellen Angaben örtlicher Behörden auf rund 1,4 Millionen Menschen geschätzt. Dies entspricht ca. zwei Prozent der Bevölkerung von 15 bis 64 Jahren.

Hintergrund Avatar Robot Café DAWN

Das Avatar Robot Café DAWN wurde am 21. August 2021 von Kentaro Yoshifuji eröffnet. Ein Teil der 70 Plätze des Cafés wird von Kellnern bedient, der andere von Robotern. Die Roboter werden nicht von einer Künstlichen Intelligenz gesteuert, sondern von Menschen, denen es aufgrund einer Beeinträchtigung nicht möglich ist, vor Ort zu arbeiten. Diese „Piloten“ operieren von zu Hause und können dabei mit den Café-Besuchern kommunizieren. Oft sind die Piloten auf Tablets am Roboter sichtbar. Die Roboter mit der Bezeichnung „OriHime-D“ sind rund 120 cm groß und kommunizieren mit den Gästen über Lautsprecher, Mikrofon und Kamera. Die Steuerung der Roboter durch die Piloten erfolgt mittels Augen-, Maus- und/oder Smartphone-Eingabe. Für Piloten mit Sprachproblemen besteht die Möglichkeit, dass der Roboter eine künstliche Stimme erzeugt.

Das Café ist barrierefrei und kann von Rollstuhlfahrern genutzt werden. Zusätzlich gibt es Netzteile zum Ausleihen, um medizinische Geräte aufladen zu können. Kentaro Yoshifuji gründete das Café, um Menschen mit einer Krankheit, die sie an ihre Wohnung bindet, eine neue Möglichkeit zu geben, am sozialen und Erwerbsleben teilzuhaben und mit anderen Menschen zu kommunizieren. Er selbst konnte als Schüler aus gesundheitlichen Gründen zeitweise nur unregelmäßig am Schulleben teilhaben.

Ministerpräsident Hendrik Wüst ist noch bis zum 9. Juni 2023 in Japan. Es ist seine erste außereuropäische Reise in dieser Legislaturperiode als Ministerpräsident.

Kontakt

Pressekontakt

Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0211837-1134
E-Mail: presse [at] stk.nrw.de

Bürgeranfragen

Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0211837-01
E-Mail: nrwdirekt [at] nrw.de