Ministerpräsident Armin Laschet verleiht den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an 13 Bürgerinnen und Bürger

23. August 2021
Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an 13 Bürgerinnen und Bürger

Ministerpräsident Armin Laschet hat 13 Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Ständehaus K21 in Düsseldorf statt. Mit dem Orden ehrt die Landesregierung traditionell ehrenamtlich besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger für ihre herausragenden Verdienste um das Gemeinwohl und um das Land Nordrhein-Westfalen.

Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsident Armin Laschet hat am Montag, 23. August 2021 – dem 75. Landesgeburtstag – 13 Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Ständehaus K21 in Düsseldorf statt. Mit dem Orden ehrt die Landesregierung traditionell ehrenamtlich besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger für ihre herausragenden Verdienste um das Gemeinwohl und um das Land Nordrhein-Westfalen.
 
Ministerpräsident Armin Laschet: „Am 75. Geburtstag unseres Landes Nordrhein-Westfalen den Verdienstorden zu verleihen, ist mir eine besondere Ehre und Freude. Denn die 13 Persönlichkeiten, die wir heute auszeichnen, stehen für einen herausragenden Einsatz für unsere Gesellschaft und für unser Land. Menschen wie sie tragen ein großes Stück dazu bei, Nordrhein-Westfalen lebenswerter zu machen. Sie stehen für den Zusammenhalt und die Solidarität in Nordrhein-Westfalen, die Offenheit, die Vielfalt – für all das, was unser Land ausmacht. Für dieses beeindruckende Engagement bedanke ich mich von Herzen.“

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Über den Landesverdienstorden
Der Verdienstorden des Landes ist eine der höchsten Auszeichnungen und wurde 1986 aus Anlass des 40. Geburtstages des Landes Nordrhein-Westfalen vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau gestiftet. Als Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste für die Allgemeinheit wird er an besonders engagierte Persönlichkeiten verliehen.
 
Ausgezeichnet mit dem Landesverdienstorden am 23. August 2021 wurden:
  • Jürgen Büssow, Düsseldorf
    Jürgen Büssow war von 1995 bis 2010 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Düsseldorf und hatte sich zuvor als Mitglied des Landtags einen Ruf als versierter Medienpolitiker erworben. Er ist Mitgründer und Ehrenvorsitzender des „Vereins 701“ zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern und engagiert sich im Düsseldorfer Verein „grenzenlos“ für sozial benachteiligte Menschen.
  • Wolfgang Drösser, Brühl
    Der frühere Studiendirektor und langjährige Vorsitzende des Vereins für Orts- und Heimatkunde in Wesseling ist seit Jahrzehnten engagierter Heimatforscher und Autor mehrerer heimatkundlicher Standardwerke zu den Städten Brühl und Wesseling und zur christlichen Münzgeschichte. 
  • Hans-Joachim Fasel, Leverkusen
    Sein herausragendes ehrenamtliches Engagement gilt vor allem dem Altenberger Dom. Bereits seit 2001 ist er Vorstandsvorsitzender der „Stiftung Altenberg“. Zugleich kümmert er sich um die historische Sammlung der „Stadtgeschichtlichen Vereinigung Leverkusen“, engagiert sich bei der Lebenshilfe in Leverkusen und unterstützt den Verein „Leverkusen hilft krebskranken Kindern“.
  • Prof. Henrik Hanstein, Zülpich
    Der Leiter des renommierten und international tätigen Kunsthauses Lempertz in Köln war 25 Jahre lang Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Kunsthochschule für Medien in Köln, organisierte Benefizauktionen zu ihren Gunsten und etablierte den „Großen Kunstpreis der Freunde der KHM“. Heute ist er ihr Ehrensenator.
  • Britta Heidemann, Köln
    Die erfolgreiche ehemalige Sportlerin – unter anderem war sie Olympia-Siegerin – engagiert sich für Kinder und Jugendliche in aller Welt, etwa in Uganda und Brasilien. Sie ist Ehren-Botschafterin der Aktion von „Bewegung gegen Krebs“, Botschafterin der „Stiftung Lesen“ sowie Patin des Vereins „KIDsmiling“, eines Projekts für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche.
  • Norbert Hüsson, Düsseldorf
    Der langjährige Bundesvorsitzende der Handwerksjuroren war maßgeblich an der Einführung des „Meister-BAföG“ beteiligt und ist bis heute unter anderem Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Düsseldorf. Seit 2002 setzt er sich als langjähriger Vorsitzender für das Kinder- und Jugendhospiz „Regenbogenland“ in Düsseldorf ein. Durch die Gründung seiner Stiftung ermöglichte er unter anderem einen komplett aus Spenden finanzierten Erweiterungsbau.
  • Gesine Klack, Versmold
    Gesine Klack organisierte in den letzten zwei Jahrzehnten gemeinsam mit der Stadtbibliothek Versmold rund 250 Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Vorträge und Konzerte. Sie setzt sich für die Leseförderung von Kindern ein und führt in Zusammenarbeit mit der Stadt­bibliothek, den Versmolder Kindergärten und Grundschulen zahlreiche Veranstaltungen und Projekte durch, um die Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.
  • Heribert Knecht, Hallenbert
    Heribert Knecht engagiert sich seit 1963 in verschiedenen Funktionen für die Freilichtbühne Hallenberg, die nach mittlerweile rund 100 Inszenierungen mit 1,1 Millionen Besucherinnen und Besuchern seit 1946 zu den erfolgreichsten deutschen Freilichtbühnen gehört. Seit 2012 ist er Vorsitzender – zur Zeit Vize-Vorsitzender – des Verbandes Deutscher Freilichtbühnen Region Nord und Mitglied im Präsidium des Bundes Deutscher Amateurtheater.
  • Alfonso López García, Siegen
    Der studierte Sozialarbeiter gehörte 1984 zu den Gründern des heutigen Integrationsrates Siegen und war bis 1999 dessen Vorsitzender. Bis heute ist er aktives Mitglied des Seniorenbeirats Siegen. 1997 gründete er den „Förderverein für die spanischsprachige Gemeinde Siegerland e.V.“, dem er bis heute vorsitzt, ebenso dem „Interkulturellen Seniorennetzwerk“ zur Förderung der Integration zugewanderter älterer Menschen. 2009 gründete er den „Interkulturellen Chor Siegerland“.
  • Vassilios Nikitakis, Köln
    Vassilios Nikitakis gehörte 1992 zu den Initiatoren des Kölner Bündnisses von Künstlerinnen und Künstlern, das sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zusammenschloss. Zum Auftaktkonzert unter dem bundesweit bekannten Motto „Arsch huh, Zäng ussenander" kamen 100.000 Menschen. Er schrieb die Musik des gleichnamigen Songs, Texter war Wolfgang Niedecken. Seither engagiert er sich bei Flüchtlingsprojekten und in Schulen für kulturelle Vielfalt, Integration und die Rechte von Minderheiten.
  • Manfred Rekowski, Wuppertal
    Für den ehemaligen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland standen stets die Menschen, vor allem die sozial schwachen und benachteiligten, im Mittelpunkt und noch vor der Amtskirche. Bei grundsätzlichen oder hoch aktuellen Themen wie Ökumene, Flüchtlingsfrage und Kirchenasyl befolgte der Seelsorger diesen Grundsatz seines Handelns konsequent und glaubwürdig. Ein Herzensanliegen war ihm außerdem, vor allem junge Menschen zum Engagement für ihre und in ihrer Kirche zu gewinnen und zu ermutigen.
  • Prof. Dr. Wolfgang Schumacher, Mechernich
    Der ehemalige Professor für Geobotanik und Naturschutz in Bonn gilt als „Vater des Vertragsnaturschutzes“. Ihm gelang es früh und zunächst in der Eifel, die Interessen von Naturschützern und Landwirten in Einklang zu bringen, um wertvolle Biotope zu bewahren und zu schützen, mittlerweile sogar deutschland- und europaweit.
  • Jost Springensguth, Münster
    Seit 1998 ist der Journalist und Kommunikationsberater Geschäftsführer der „Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe“, die seitdem den „Internationalen Preis des Westfälischen Friedens“ verleiht – an bekannte Persönlichkeiten ebenso wie immer auch an junge Menschen. Zu den Preisträgern gehörten Helmut Kohl und Helmut Schmidt, Kofi Annan und Kurt Masur, aber auch die Sternsinger oder die „Aktion Sühnezeichen“. Ebenso Mitglied der Jury und des Kuratoriums des „Theodor-Wolff-Preises“ engagiert er sich im Westfälischen Heimatbund.
 
Die Laudationes an die neuen Ordensträgerinnen und Ordensträger im Wortlaut:
 
Es gilt das gesprochene Wort.
 
Jürgen Büssow aus Düsseldorf
Landtagsabgeordneter und Regierungs­präsident – so kennen nicht nur die Düsseldorferinnen und Düsseldorfer Jürgen Büssow. Dabei war sein Weg an die Spitze der Bezirksregierung nicht vorgezeichnet. Denn Jürgen Büssow ist kein studierter Verwaltungsfachmann, sondern gelernter Handwerker.
1946 in Bad Godesberg geboren, schließt er eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker ab, studiert erst dann auf dem zweiten Bildungsweg, nämlich Sozialarbeit und Erziehungswissenschaften, wird Studienleiter in einem Institut der Erwachsenenbildung und Referent bei der Hans-Böckler-Stiftung.
Sein Landtagsmandat legt er im November 1995 nach 20 Jahren nieder, als er von Ministerpräsident Johannes Rau zum Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Düsseldorf ernannt wird. Und das ist er dann 15 Jahre lang mit Leib und Seele.
Immer wieder geht er auch ungewöhnliche Wege – und das im wahrsten Sinne des Wortes. So unternimmt er zum Beispiel Wanderungen und Radtouren durch die Region, begleitet von einem illustren Teilnehmerkreis aus Wirtschaft, Politik und Kunst. Und setzt viele eigene Akzente, von denen nicht nur die Landeshauptstadt und sein Regierungsbezirk sichtbar profitieren.
Das tut er bereits als Abgeordneter. Jürgen Büssow ist Medienpolitiker der ersten Stunde, einer, der den digitalen Fortschritt schon vorantreibt, als andere das Internet noch für eine vorübergehende Mode halten. Und so gestaltet er die rasante Entwicklung der Medienlandschaft in Nordrhein-Westfalen mit: in den Medienkommissionen seiner SPD, im Rundfunkrat des WDR, im Kuratorium des heutigen Fraunhofer-Instituts für „Intelligente Analyse- und Informationssysteme“. Nordrhein-Westfalen soll ein herausragender Standort der Digitalisierung werden. Und das ist gelungen.
 
Lieber Jürgen Büssow, Sie waren zeitlebens ein politischer Kopf und ein scharfer Analytiker. „Er hat das Gras wachsen hören“, wurde Ihnen bei Ihrem Abschied als Regierungspräsident bescheinigt. Oft genug wuchs es Ihnen nicht schnell genug. Eine gewisse Ungeduld blieb eines Ihrer Marken­zeichen als Regierungspräsident, aber auch Ihr Anspruch, Gestalter zu sein. Diesen Anspruch haben viele. Für Sie war er eine Lebenseinstellung. Das hat Düsseldorf, unserer Landeshauptstadt, und damit unserem Land Nordrhein-Westfalen, gutgetan.
 
Jürgen Büssow kennt man auch als Mitgründer und Ehrenvorsitzenden des Vereins „701“, der seit 2005 Künstlerinnen und Künstler fördert, wo es nur geht. Und im Beirat des Düsseldorfer Vereins „grenzenlos“, einer Initiative gegen den Verlust sozialer Kontakte, kümmert er sich von Beginn an um sozial benachteiligte Menschen, die auf die Solidarität einer großen und engagierten Gemeinschaft angewiesen sind.
Lieber Jürgen Büssow, für Ihre vielfältigen Verdienste um Nordrhein-Westfalen und seine Landeshauptstadt danke ich Ihnen heute mit einem Verdienstorden.
 
Wolfgang Drösser aus Brühl
„Heimat ist nicht da oder dort. Heimat ist in Dir drinnen oder nirgends“. Wolfgang Drösser wird genau wissen, was Hermann Hesse mit diesen Worten meinte. Denn der frühere Studiendirektor am Max-Ernst-Gymnasium in Brühl ist leidenschaftlicher Heimatforscher.
Dabei schreckt er auch vor unangenehmen Wahrheiten nicht zurück. Gemeinsam mit seinen Schülerinnen und Schülern recherchiert und schreibt er einen Aufsatz zum Thema „Zwangsarbeit in Brühl“. Wolfgang Drösser organisiert zwischen 1979 und 2001 zahlreiche Schülerreisen nach Polen. Der Besuch der Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz gehört fest zum Programm. Bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Mauer im Jahr 1989 pflegt er eine intensive Partnerschaft mit einem polnischen Gymnasium (in der Hafenstadt Gdynia). So leistet er einen wertvollen Beitrag für die Verständigung zwischen Polen und Deutschland.
Das Thema Nationalsozialismus lässt ihn nicht los. So ist Wolfgang Drösser in einer Publikation über die nationalsozialistische Schutzhaft im heutigen Rhein-Erft-Kreis vertreten. Sie erschien vor zwei Jahren. Aber Wolfgang Drössers eigene Geschichte als Heimatforscher reicht natürlich viel weiter zurück.
1977 tritt er dem Verein für Orts- und Heimatkunde in Wesseling bei, den er zehn Jahre lang leitet. In dieser Zeit erscheinen erstmals die „Wesselinger Heimat- und Geschichtsblätter“. Chefredakteur ist Wolfgang Drösser. Und er forscht akribisch. Sogar im französischen Nationalarchiv in Paris findet er eine Papsturkunde über Ober-Wesseling. In seiner Reihe „Blätter zur Geschichte der Stadt Wesseling“ beschreibt er die Geschichte historischer Gebäude, wichtiger Institutionen oder das Leben der Juden in Wesseling in früheren Zeiten.
Sein Buch „Wesseling, Berzdorf, Keldenich, Urfeld – Geschichte, Bilder, Fakten, Zusammenhänge" erscheint 2008.
Darin stellt Wolfgang Drösser nicht weniger als 13.000 Jahre Stadtgeschichte dar – ein unermesslicher Fundus, der nochmals zeigt, wie weit die Geschichte Nordrhein-Westfalens und seiner Städte in die Vergangenheit zurückreicht.
Und sein Buch „Brühl. Geschichte: Bilder – Fakten – Zusammenhänge“ aus dem Jahre 2005 erlebt sogar eine zweite, überarbeitete Auflage, so stark nachgefragt sind seine Forschungsergebnisse.
Das gilt auch für seine Forschungen zur christlichen Münzgeschichte. Mehrere Bände veröffentlicht Wolfgang Drösser. Sein Buch „Vom Denar zum Euro“ gilt als Standardwerk.
 
Lieber Wolfgang Drösser, Ihr Lebenswerk ist beeindruckend. Das kann nur jemand leisten, der seine Heimat – um an die Worte von Hermann Hesse zu erinnern – tief in sich fühlt. Als Zeichen besonderer Wertschätzung verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
 
Hans-Joachim Fasel aus Leverkusen
Nordrhein-Westfalen ist mit seinen 75 Jahren ein recht junges Land und zugleich eines mit großer Vergangenheit. Großartige Bauwerke aus vergangenen Zeiten bezeugen das, vom „Nassen Limes“, der soeben den Status eines Weltkulturerbes erreicht hat und zu dem unter anderem die alte Römerstadt Xanten gehört, über den Kölner und den Aachener Dom bis hin zum Kloster Corvey in Höxter. Sie und viele andere Bauwerke erzählen eine lange Geschichte.
Die Geschichte des Altenberger Doms reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Längst zählt er zu den bedeutendsten und prachtvollsten sakralen Bauwerken im Bergischen Land. Zu Recht nennt man ihn den „Bergischen Dom“. Eine seiner Besonderheiten: Seit einer Anordnung des Preußischen Königs von 1857 wird der Dom von katholischen und evangelischen Christen gemeinsam genutzt. Wenn man so will, ist der Bergische Dom also ein früher Vorbote der Ökumene. Und ein weiterer Beweis dafür, dass Preußen in manchem moderner war als sein Ruf.
 
Zugleich ist der Altenberger Dom ein wunderbares Beispiel dafür, wie segensreich das ehrenamtliche Engagement bei uns in Nordrhein-Westfalen wirkt. Als Hans-Joachim Fasel in den Ruhestand geht, ist der passionierte Kirchenmusiker bereits Vorsitzender der Stiftung Altenberg. 20 Jahre sind es mittlerweile.
Sein besonderes Interesse gilt der Kirchenorgel. Nach der Restaurierung und Erweiterung dieses Wunderwerks gilt das Instrument als Kathedralorgel von europäischem Rang. Altenberg wird zu einem Zentrum der Kirchenmusik. Viele renommierte Organisten bringen die 6.000 Pfeifen der Orgel zum Klingen.
Ich bin sicher, es hat Ihnen, lieber Herr Fasel, das Herz zerrissen, als sie erfahren mussten, dass auch der Altenberger Dom vom Hochwasser betroffen war und eine Zeitlang für den Publikumsverkehr gesperrt werden musste.
Auch andere kulturelle Schätze unseres Landes liegen Hans-Joachim Fasel am Herzen, so die alte Schiffsbrücke an der Wuppermündung und die historische Sammlung der „Stadtgeschichtlichen Vereinigung Leverkusen“. In der „Villa Römer“ kann die vielfältige Geschichte Leverkusens von der Steinzeit bis zum modernen Industriestandort bestaunt werden.
 
Mehr als 20 Jahre lang leitet Hans-Joachim Fasel zwei Kirchenchöre in Leverkusen und ist Vorsitzender des Gemeinderates der katholischen Kirchengemeinde St. Hildegard in Leverkusen. Außerdem unterstützt er den Verein „Leverkusen hilft krebskranken Kindern“ und engagiert sich bei der „Lebenshilfe Leverkusen“.
 
Lieber Hans-Joachim Fasel, Musik und Geschichte, Kultur und Kirche, dazu noch ein großes Herz für hilfsbedürftige Menschen – in vielen Bereichen haben Sie Ihr Wissen, Ihr Können und Ihre Zeit zum Wohle unseres Landes und seiner Menschen eingesetzt und tun dies bis heute.
So zeigen Sie eindrucksvoll, was Nächstenliebe und Heimatliebe bewirken können. Dafür dankt Ihnen das Land Nordrhein-Westfalen mit seinem Verdienstorden.
 
Professor Henrik Hanstein aus Zülpich
„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Diese despektierliche Frage ausgewiesener Kunstbanausen hat Henrik Hanstein sicherlich schon oft gehört.
Für den ausgewiesenen Kunstexperten ist das kein Problem. Seit 1974 leitet er das renommierte Kunsthaus Lempertz mit Hauptsitz in Köln, und das bereits in fünfter Generation. Mit seinen Niederlassungen in aller Welt zählt Deutschlands ältestes und größtes Auktionshaus zu den bedeutendsten Kunsthäusern in Europa.
Henrik Hanstein hatte das große Glück, seine Leidenschaft zum Beruf machen zu können. Doch auch außerhalb des Auktionshauses ist Henrik Hanstein ein engagierter Kunstliebhaber. Ein Vierteljahrhundert lang sitzt er dem Verein zur Förderung der Kunsthochschule für Medien in Köln vor. 1990 nimmt sie den Studienbetrieb auf. Damals ist sie die einzige Kunsthochschule in Deutschland.
Henrik Hanstein ist ein Förderer der ersten Stunde. Mit Erfolg: Schon nach wenigen Jahren entwickelt die KHM auch internationales Renommee.
Immer wieder organisiert Henrik Hanstein Versteigerungen von Kunstwerken, deren Erlöse der guten Sache, nämlich „seiner“ KHM, zugutekommen. Zu den besonderen Verdiensten von Henrik Hanstein gehört, dass der Verein zusätzlich zu den Kunstförderpreisen der KHM seit 2016 den jährlichen „Großen Kunstpreis der Freunde der KHM“ verleiht, der hoffnungsvollen Nachwuchstalenten der KHM zugutekommt. Als Henrik Hanstein 2017 den Vorsitz des Fördervereins der KHM abgibt, ernennt ihn die Kunsthochschule für Medien zu ihrem Ehrensenator.
 
Hinter vielen Kunstprojekten im öffentlichen Raum verbirgt sich der Name Henrik Hanstein. Organisation und Finanzierung liegen dabei ganz oder teilweise in seinen Händen. Ich nenne hier beispielhaft Kunstwerke im Zülpicher Stadtgebiet: die „Chlodwig-Stele“ und die Skulptur „Ziegenbock“ des bekannten Bildhauers Gerhard Marcks.
 
Lieber Henrik Hanstein, im kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Ihrer Geburtsstadt Köln sind Sie eine feste Größe. Denn Sie haben oft Größe bewiesen und Großes geleistet. Auch Ihnen ist es zu verdanken, dass die Kunst- und Kulturlandschaft Nordrhein-Westfalens heute so reich und so vielfältig ist und dass Kunst und Kultur sozusagen in den Genen unseres Landes liegen. Dafür dankt Ihnen das Land Nordrhein-Westfalen mit seinem Verdienstorden – und das nicht nur an seinem, sondern an Ihrem persönlichen Geburtstag, zu dem ich Ihnen ebenso herzlich gratuliere!
 
Britta Heidemann aus Köln
Fechten gehört zu den ältesten olympischen Disziplinen und aus deutscher Sicht zu den erfolgreichsten. Zahlreiche Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gehen auf das Konto der deutschen Mannschaften.
Eine der erfolgreichsten deutschen Fechterinnen aller Zeiten ist Britta Heidemann. Gold 2008 im Einzel bei den Olympischen Spielen in Peking, Silber mit der Mannschaft 2004 in Athen und 2012 im Einzel in London. Dazu Siege bei Welt- und Europameister­schaften im Einzel und mit der Mannschaft. Als erste Degenfechterin weltweit holt sie das „Goldene Triple“ mit Siegen 2007 bei der Weltmeisterschaft, 2008 bei Olympia und 2009 bei den Europameisterschaften. Britta Heidemann kennt die Kraft des Sports auch abseits der Wettbewerbe. Als Botschafterin von „Bewegung gegen Krebs“ und „Sport für Entwicklung“ setzt sie diese Kraft ein, ob beispielsweise in Uganda mit dem Projekt „Athletics for Developement“ oder in Brasilien, wo sie Kinder und Jugendliche ermutigt, ihre sportlichen Ziele zu erreichen.
 
Das Wohlergehen von Kindern ist Britta Heidemann eine Herzensangelegenheit. Ihr Engagement zeigt das eindrucksvoll, zum Beispiel als Schirmherrin der Sozialkampagne „Kinderträume 2011“, als Patin des Vereins „KIDsmiling – Projekt für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche“ oder als Botschafterin der „Stiftung Lesen“. Außerdem gehört Britta Heidemann als Kuratorin der Stiftung der Deutschen Fußball Liga an. Auch hier geht es um die Integration und Förderung von Kindern und Jugendlichen.
 
Britta Heidemann spricht fließend Chinesisch und gehört in China zu den bekanntesten deutschen Sportgrößen. Als erste ausländische Sportlerin überhaupt trat sie im chinesischen Fernsehen auf, live und vor 150 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern! Seit zehn Jahren ist sie ehrenamtliche Botschafterin der „Deutsch-Chinesischen-Wirtschaftsvereinigung“.
 
Liebe Britta Heidemann, Sie sind eine vorbildliche Botschafterin des Sports. Trotz Ihres internationalen Ruhms sind Sie Ihrer Heimat Nordrhein-Westfalen immer treu geblieben. So unterstützen Sie beispielsweise bis heute den Nachwuchs Ihres Heimatvereins, des TSV Bayer 04 Leverkusen, wo Ihre sportliche Karriere begann. Sie selbst haben einmal gesagt, dass ehrenamtliche Arbeit ein zentraler Stützpfeiler unserer Gesellschaft ist und bleibt. Diese Aussage unterstütze ich aus vollem Herzen und sage Ihnen heute für Ihr vielfältiges Engagement einen herzlichen Dank mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
 
Norbert Hüsson aus Düsseldorf
Norbert Hüsson führt seit jungen Jahren einen vom Vater gegründeten Malerbetrieb. Schon bald engagiert er sich in wichtigen Ehrenämtern. Viele Jahre lang ist er Bundes­vorsitzender der Handwerksjuroren und gilt als einer der Väter des „Meister-BAföG“, mit dem bis heute die Fortbildung zum Meister unterstützt wird. Die Interessen des Handwerks vertritt Norbert Hüsson bis heute als Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Düsseldorf und im Kuratorium des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum.
Doch Norbert Hüsson begnügt sich nicht damit, den eigenen Berufsstand zu vertreten. Er möchte auch jenseits von wirtschaftlichen Interessen Gutes tun. Neben seinem politischen Engagement, etwa in Personalunion als Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU des Kreisverbands Düsseldorf und des gesamten Bezirks Bergisches Land, ist Norbert Hüsson seit langem sozial-karitativ engagiert. Dabei liegt ihm die Kinderhospizarbeit besonders am Herzen. Seit nahezu 20 Jahren ist er aktiv im Förderverein des Kinder- und Jugendhospizes Regenbogenland in Düsseldorf, viele Jahre als sein Vorsitzender. Ihm gelingt es, das bis dahin schwankende Spendenaufkommen zu stabilisieren. Dafür wirbt er erfolgreich auch prominente Mitstreiter als Botschafter des Regenbogenlandes.
Die endgültige Absicherung seiner Finanzierung gelingt ihm mit der Gründung einer eigenen Stiftung. Schon bald startet er das nächste Projekt, einen Erweiterungsbau, der komplett aus Spendengeldern finanziert werden kann. Mehrere Millionen Euro trägt er dafür zusammen. Auch das ein weiteres Beispiel dafür, dass Norbert Hüsson seine Ziele sehr hartnäckig verfolgt – und dass er das erfolgreich tut.
 
Jemand, der sich wie Sie, lieber Herr Hüsson, auf so vielfältige Weise in verschiedenen Lebensbereichen mit hohem Verantwortungs­bewusstsein für das Allgemeinwohl einsetzt, der verdient nicht nur unseren Respekt und unsere Anerkennung, sondern auch den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, den ich Ihnen heute mit Freude überreiche.
 
Gesine Klack aus Versmold
Zwischen Bielefeld, Osnabrück und Münster liegt Versmold mit seinen knapp 22.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Hand aufs Herz: Wer würde in dieser ländlichen Idylle kulturelle Höhepunkte vermuten? Wahrscheinlich niemand, der Gesine Klack nicht kennt.
Ihre Buchhandlung in Versmold macht sie zu einem Ort, an dem man natürlich auch Bücher kaufen kann, aber sie macht noch viel mehr daraus: einen Ort, an dem vielfältige kulturelle Ereignisse stattfinden, die sie von hier aus in derselben großen Vielfalt an verschiedene Orte Versmolds bringt.
Häufig gemeinsam mit Partnern wie der Stadtbibliothek gelingt es ihr im Laufe eines Vierteljahrhunderts immer wieder, Veranstaltungen zu organisieren, die noch lange im Gedächtnis eines begeisterten und treuen Publikums bleiben. Dank ihrer exzellenten Kontakte stellt sie in dieser Zeit nicht weniger als rund 250 Autorenlesungen, Vorträge, Kabarettvorstellungen und Konzerte auf die Beine.
 
Sie holt namhafte Autoren und Künstler in die Stadt, darunter Roger Willemsen, Dieter Hildebrand, Christine Westermann, Jürgen Becker und Wolfgang Niedecken. Veranstaltungsreihen wie der „Lesefrühling“ und der „Leseherbst“ werden zum festen Bestandteil des Kulturjahres in Versmold und im benachbarten Werther. Aktionen wie „Versmold liest ein Buch“ und „Versmold liest Gedichte“ gehen auf die Initiative von Gesine Klack und ihrem Team zurück. Hier entfaltet sich ein kulturelles Angebot, das man in dieser Breite und Qualität eher aus Großstädten kennt.
Auch die Leseförderung von Kindern liegt Gesine Klack am Herzen. Mit großem Engagement verwirklicht sie gemeinsam mit der Stadtbibliothek und den Versmolder Kindergärten und Grundschulen Projekte und Aktionen etwa zum „Welttag des Buches“ oder zum „Bundesweiten Vorlesetag“.
So weckt sie schon bei den Kleinsten große Begeisterung für das Vorlesen und für das selbstständige Lesen und leistet damit nichts weniger als einen wichtigen Beitrag zur Bildung junger Menschen schon in frühen und frühesten Jahren – also genau dann, wenn die Grundlagen für den weiteren Lebensweg gelegt werden.
 
Liebe Gesine Klack, vor zwei Jahren wurde Ihnen bereits der „Versmolder Bürgerpreis“ für Ihr Engagement um Kunst und Kultur verliehen. Heute freue ich mich, Ihre Verdienste mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen zu würdigen. Herzlichen Glückwunsch!
 
Heribert Knecht aus Hallenberg
„Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist viel realistischer als das Leben“ – wusste schon Oscar Wilde. Bei allem, was den berühmten irischen Schriftsteller und Heribert Knecht aus Hallenberg unterscheiden mag – diese Erkenntnis teilen wohl beide. Und anders als Wilde ist Heribert Knecht kein skandal­umwitterter Profi, sondern bodenständiger Amateur im allerbesten Sinne des Wortes.
Seit 1963 setzt sich Heribert Knecht in den verschiedensten Funktionen für die Freilicht­bühne Hallenberg ein: Als Darsteller, Jugendleiter, Regieassistent, Verantwortlicher für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit und als Vorstandsmitglied. Hier setzt er neue Akzente. So zählt die Freilichtbühne Hallenberg schon Ende der neunziger Jahre zu den ersten Bühnen mit eigener Internetpräsenz und zu den ersten, die EDV-gestützt Reservierungs­verfahren und Kartenverkauf einführen.
 
Heribert Knecht hat entscheidenden Anteil daran, dass die Freilichtbühne Hallenberg heute zu den besucherstärksten Theatern gehört. Seit 1946 haben mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher über 100 Inszenierungen bewundern und bestaunen können.
Seit 2012 ist Heribert Knecht Vorsitzender der Region Nord des Verbandes Deutscher Freilichtbühnen, bis März 2019 steht er sogar an der Spitze des Gesamtverbandes.
Zur Zeit ist er sein Vize-Vorsitzender, denn Präsident und Vizepräsident wechseln sich im dreijährigen Turnus ab – ein Modell, das sich in der Politik bestenfalls unfreiwillig durchgesetzt hat. Außerdem ist Heribert Knecht Mitglied im Präsidium des Bundes Deutscher Amateurtheater, dem größten europäischen Fachverband. Hier ist der Hallenberger ein gefragter Gesprächspartner und Ratgeber, etwa dann, wenn es um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für das gesamte Amateurtheater in Deutschland geht.
 
Kulturelle Bildung, Dialog der Generationen und Nachwuchsarbeit sind seine besonderen Anliegen – und seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie selbstverständlich auch, ob und unter welchen Bedingungen die Amateurtheater ihre Spielzeit gestalten dürfen. Morgen, habe ich mir sagen lassen, haben Sie schon wieder die nächste Vorstellung.
 
Lieber Heribert Knecht, mit Ihren vielfältigen Aktivitäten auf ganz unterschiedlichen Bühnen haben Sie sich um unser Land verdient gemacht. Deshalb freue ich mich, Ihnen dafür mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen zu danken.
 
Alfonso López García aus Siegen
„Mein Mutterland ist Spanien – mein Vaterland ist Deutschland“, hat Alfonso López García einmal gesagt. Diesen wunderbaren Satz hat er mit Leben erfüllt. Zu niedrige Löhne und die hohe Arbeits­losigkeit sind ausschlaggebend dafür, dass Alfonso López García im Alter von etwa 20 Jahren seine spanische Heimat verlässt und als sogenannter „Gastarbeiter“ sein Glück in Deutschland versucht – zunächst in Hessen und einige Jahre später in Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt: in Siegen.
Der gelernte Handwerker qualifiziert sich in einem berufsbegleitenden Studium zum Diplom-Sozialarbeiter, findet eine Anstellung beim Caritasverband Siegen-Wittgenstein und ist hier über 35 Jahre lang in der Sozial­beratung tätig. Seitdem setzt er sich unermüdlich für die Belange der zugewanderten Mitbürgerinnen und Mitbürger ein.
 
1984 gehört Alfonso López García zu den Gründungsmitgliedern des Ausländerrates – dem heutigen Integrationsrat – der Stadt Siegen und leitet diesen von 1987 bis 1999 als Vorsitzender. 1997 gründet er den Förderverein für die spanischsprachige katholische Gemeinde Siegen und Umgebung, die „Interkulturelle Gemeinschaft“ und heutige „Spanischsprachige Gemeinde Siegerland“. Vereinsvorsitzender ist er von Beginn an bis heute. Sein Ziel lautet, die spanische Sprache und Kultur zu pflegen und Interessierten zu vermitteln.
Seit 2007 ist Alfonso López García im Seniorenbeirat der Stadt Siegen aktiv. Aus diesem Engagement heraus gründet er das „Interkulturelle Seniorennetzwerk“. Unter seiner Leitung werden verschiedene inter­kulturelle Aktivitäten für Seniorinnen und Senioren organisiert und durchgeführt. Hierzu gehören das Singen mit Flüchtlingen, Seniorentanz oder Seniorenwandern. Außerdem gibt es zur handwerklichen und geistigen Förderung älterer Menschen einmal wöchentlich eine „Seniorenwerkstatt“.
Durch diese gemeinsamen Aktivitäten gelingt es Alfonso López García, die ältere Generation mit Zuwanderungsgeschichte in die Gemeinschaft vor Ort und in der Region zu integrieren. Und der 2009 von ihm initiierte „Interkulturelle Chor Siegen“ – in dem er selber mitsingt – ist schon lange weit über die Grenzen des Siegerlandes hinaus bekannt.
Obwohl er seit mehr als zehn Jahren nicht mehr als Sozialarbeiter tätig ist, hilft Alfonso López García bis heute bei Behördengängen oder bei der Korrespondenz mit Banken und Versicherungen und bietet feste Sprechstunden an. Er kann einfach nicht anders. Und das ist gut so.
 
Lieber Alfonso López García, sowohl Ihr spanisches Mutterland als auch Ihr deutsches Vaterland können sehr stolz auf Sie sein – Sie sind für viele Menschen mit Zuwanderungs­geschichte ein großes Vorbild. Mit großer Hochachtung vor Ihrem Lebenswerk überreiche ich Ihnen den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
 
Vassilios „Nick“ Nikitakis aus Köln
Am 9. November 1992, am Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938, versammelten sich in der Kölner Südstadt 100.000 Menschen, nachdem es in ganz Deutschland zu zahlreichen ausländerfeindlichen Übergriffen gekommen war, etwa in Rostock-Lichtenhagen. Sie protestierten gegen Rassismus und Neonazis. Dazu aufgerufen hatte ein Künstlerbündnis unter dem Motto „Arsch huh, Zäng ussenander“, um, so die Veranstalter, die „weitverbreitete Sprachlosigkeit zu der Entwicklung in unserem Land zu beenden“. Den Text des Titelsongs schrieb Wolfgang Niedecken. Die Musik komponierte Nick Nikitakis. Gemeinsam schufen sie diese Hymne gegen Fremdenfeindlichkeit und zugleich einen starken Appell an jede und jeden von uns, selber aktiv zu werden. Ein Appell, der bis heute aktuell geblieben ist.
 
Nick Nikitakis kommt 1960 im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern von Griechenland nach Köln. Er wird Gitarrist, studiert griechische Musik und Bouzouki, spielt bei verschiedenen Bands mit und gründet Ende der 1990er Jahre seine eigene Band. Kaum ein Musikstil ist ihm fremd, doch ist es der „Rembetiko“, der griechischer Blues, der es ihm besonders angetan hat. Mit der Zeit veröffentlicht er drei eigene Platten – eine davon mit beliebten kölschen Liedern – und spielt als Gastmusiker unter anderem mit Peter Kraus, Reinhard Mey, den Bläck Fööss und den Höhnern. Eine seiner Platten widmet er seinem Idol Mikis Theodorakis.
1992 gehört er zu den Initiatoren für das Bündnis von Künstlerinnen und Künstlern gegen Rassismus. Überall in Deutschland stößt die Aktion auf großes Interesse und viele Nachahmer. Auch in den Jahren darauf gibt es immer wieder Aktionen von Künstlern gegen Rechts. Als 2012 das große Jubiläumskonzert stattfindet, kommen 75.000 Menschen zusammen.
 
Natürlich ist auch Nick Nikitakis dabei. Aber auch in kleinerem Rahmen und ohne große Öffentlichkeit ist er aktiv. So spielt er in einem Flüchtlingszentrum in Köln und beteiligt sich an einem Schulprojekt, bei dem er persönlich Schülerinnen und Schülern Auskunft zu seinem Engagement für Integration und für die Rechte von Minderheiten gibt. Kulturelle Vielfalt, respektvolles Miteinander und der Respekt vor Menschen gleich welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welcher Kultur und welchen Glaubens – das allein zählt für Nick Nikitakis.
Lieber Nick Nikitakis, Sie selbst nennen sich „kölscher Grieche“. Köln wurde für Sie zur Heimat und zugleich sind Sie Thessaloniki stets verbunden geblieben. Beides muss möglich sein. Und beides ist möglich. Dafür haben Sie ein Leben lang gekämpft, stellvertretend für Millionen Menschen, die hier in Nordrhein-Westfalen ein neues Zuhause gefunden haben und oft eine neue Heimat.
 
Darauf sind wir stolz – und auf Menschen wie Sie, auf engagierte Bürger, die sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzen und damit für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Dass wir dieses Ziel eines Tages erreichen werden, verdanken wir auch Menschen wie Ihnen. Für Ihr unermüdliches Engagement auf dem Weg dorthin dankt Ihnen das Land Nordrhein-Westfalen mit seinem Verdienstorden.
 
Manfred Rekowski aus Wuppertal
„Wer auf den Gekreuzigten sieht, sieht auch die Menschen in einem anderen Licht, blickt immer zuerst auf die Opfer, die Verlierer, die Abgehängten. Da ist Gott zu finden – an ihrer Seite. Und blickt erst dann auf uns, die Kirche, die Gemeinden“ – diese Worte stammen aus der ersten Predigt, die Manfred Rekowski vor acht Jahren als neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland hielt. Und diese wenigen Sätze stehen sehr sinnbildlich für die Haltung, für die Überzeugungen und für das Wirken des Kirchenmannes aus Wuppertal.
Geboren im polnischen Masuren, siedelt Manfred Rekowski mit seinen Eltern im Alter von fünf Jahren in die Bundesrepublik Deutschland über. Er studiert Evangelische Theologie und tritt 1986 in Wuppertal-Wichlinghausen seine erste Pfarrstelle an. Nur sieben Jahre später wird er zum Super­intendenten des Kirchenkreises Barmen gewählt, 2005 wird er Superintendent des neugebildeten Kirchenkreises Wuppertal.
Sechs Jahre darauf folgt der nächste wichtige Schritt: Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland wählt Manfred Rekowski zum Oberkirchenrat und damit in die Leitung der zweitgrößten evangelischen Landeskirche Deutschlands. Der Höhepunkt seiner kirchlichen Laufbahn folgt 2013: Das Amt des Präses, das er bis zum Eintritt in den Ruhestand im März dieses Jahres ausübt. Damals sagte er die Sätze, die ich zu Anfang zitiert habe: „„Wer auf den Gekreuzigten sieht, … blickt immer zuerst auf die Opfer, die Verlierer, die Abgehängten. Da ist Gott zu finden – an ihrer Seite.“ Und dort ist auch Manfred Rekowski zu finden. Die Menschen stehen für ihn im Mittel­punkt. So ist ihm besonders wichtig, vor allem jungen Menschen mehr Mitsprache in der Kirche zu geben. Sie sollen mehr Verantwortung in der Amtskirche übernehmen. Unter seiner Leitung wird erstmals 2019 eine Jugendsynode in der Evangelischen Kirche im Rheinland durchgeführt.
 
Ein zweites wichtiges Anliegen ist Manfred Rekowski die Ökumene. Seine Ziele steckt er sehr hoch und spricht sich für einen konfessionsübergreifenden Religions­unterricht und das gemeinsame Abendmahl aus. Noch hat er diese Ziele nicht erreicht. Aber ein Anfang ist gemacht. Die Themen sind in der Welt und werden von vielen Gläubigen weitergetragen. Im Jahr 2016 bestimmt die sogenannte Flüchtlingskrise die politische Debatte in Deutschland und stellt den sozialen Zusammenhalt vor eine große Bewährungs­probe. Manfred Rekowski wird zum Vorsitzenden der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland berufen. Hier zeigt er ein weiteres Mal, wie ernst er es damit meint, dass Gott bei den Opfern, den Verlierern, den Abgehängten zu finden ist.
 
Als Stimme der EKD und als Ansprechpartner für die Politik bringt er die Kirchen und Gemeinden mit den gesellschaftlichen Kräften zusammen. Nach Besuchen an den Brennpunkten der Flüchtlingshilfe in Italien, Südosteuropa und im Nahen Osten ruft er zu einer beherzten Humanität auf. Und auch das Thema „Kirchenasyl“ macht er zu seinem. Das tut er in der Überzeugung, hiermit nicht gegen, sondern für den Staat und unser Grundgesetz mit seinen verbrieften Menschenrechten zu handeln.
In all diesen Jahren hat sich Manfred Rekowski einen herausragenden Ruf als verlässlicher, ehrlicher und beherzter Seelsorger erworben, als einer, der auch und gerade gegen große Widerstände für seine Überzeugungen und Ideale einsteht. Und der fest an der Seite aller steht, die unsere Hilfe und unsere Solidarität brauchen. Manfred Rekowski hat sich um den Zusammenhalt in unserem Land verdient gemacht. Dafür dankt ihm das Land Nordrhein-Westfalen mit seinem Verdienstorden.

Professor Dr. Wolfgang Schumacher aus Mechernich
Wenn von Wolfgang Schumacher die Rede ist, fallen immer wieder Ehrentitel wie „Eifelpapst“ und „Naturschutzpapst“. Das ist er zweifellos. Und außerdem gilt er als der „Vater des Vertragsnaturschutzes“. Das hat natürlich eine Vorgeschichte. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 hat Wolfgang Schumacher den Lehrstuhl für „Geobotanik und Naturschutz“ an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn inne. Zu seinen Forschungs­schwerpunkten gehören die Flora und die Vegetation des Rheinlandes, die biologische Vielfalt der Kulturlandschaft sowie integrative Naturschutzkonzepte.
 
Auch jenseits des Berufes ist Wolfgang Schumacher Naturschützer mit Leib und Seele. Dabei ist er immer bedacht darauf, die Belange des Naturschutzes mit den Interessen der Landwirtschaft in Einklang zu bringen. So holt er die Landwirte zum Schutz von Biotopen mit ins Boot.  Was mit 40 Landwirten in der Eifel eher klein beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem Projekt mit tausenden Landwirten in ganz Deutschland und sogar im europäischen Ausland. Sie alle verpflichten sich zu größerer Rücksichtnahme auf die Natur. Der Rheinische Landwirtschaftsverband bescheinigt ihm, Wolfgang Schumacher überzeuge „uns Bauern sogar von den Dingen, von denen wir gar nicht überzeugt werden wollen“. Und das will etwas heißen!
 
Über viele Jahre begleitete Wolfgang Schumacher die „Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege“, leitete Exkursionen und war Ansprechpartner für Menschen, die sich mit Biologie, Landwirtschaft oder Forstwirtschaft beschäftigen. Am neuen „Naturzentrum Eifel“ in der Gemeinde Nettersheim hat Wolfgang Schumacher einen gehörigen Anteil. Hier werden Ausstellungen zu Natur, Archäologie, Erd- und Kulturgeschichte präsentiert.
 
Auch in anderer Hinsicht ist Wolfgang Schumachers Engagement grenzenlos: So ruft er eine Kooperation der Eifelregion mit der Mittelmeerinsel Sardinien ins Leben. Und auch das „Eifel- und Bördeprojekt“ zwischen Eifel und Köln-Aachener-Bucht, die „Stiftung Rheinische Kulturlandschaft“, die „Stiftung Deutsche Kulturlandschaft“ und das alljährliche „Narzissenfest“ im Naturschutz­gebiet Perlenbach- und Fuhrtsbachtal sind mit dem Namen Wolfgang Schumacher verbunden.
 
Lieber Wolfgang Schumacher, dass Sie als überzeugter Naturschützer sogar mit der Ehrenplakette des Deutschen Bauern­verbandes ausgezeichnet wurden, dürfte Seltenheitswert haben und zeigt ein weiteres Mal, dass Sie alles richtig gemacht haben. Das Land Nordrhein-Westfalen dankt Ihnen für Ihr langjähriges, vielfältiges und erfolgreiches Engagement für den Naturschutz mit seinem Landesverdienstorden.
 
Jost Springensguth aus Münster
Auf die Frage, was Helmut Kohl und Valerie Giscard d’Estaing, Kofi Annan und Helmut Schmidt, Kurt Masur und Daniel Barenboim, die Sternsinger und die Aktion „Schüler helfen Leben“, der Ring deutscher Pfadfinder­verbände und die Aktion Sühnezeichen gemein haben, gibt es eine überzeugende Antwort: Sie alle sind Träger des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens. Denn sie alle haben sich um den Frieden in ihrem Land, in Europa und in der gesamten Welt verdient gemacht. Dass dieser Preis heute ein solch hohes Renommee genießt, das ist zu einem guten Teil dem gelernten Journalisten und Kommunikationsberater Jost Springensguth zu verdanken. Zunächst ehrenamtlich im Vorstand der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe engagiert, wird er 1998 dort der Geschäftsführer. Seine Hauptaufgabe ist der „Internationale Preis des Westfälischen Friedens“.
 
Erster Preisträger ist noch im selben Jahr Václav Havel. Der Jugendpreis geht an „Gesto por la Paz“, einen Zusammen­schluss verschiedener Friedens­organisationen im Baskenland. Auch das ist eine Besonderheit dieses Preises: dass junge Menschen ermutigt werden, sich für den Frieden einzusetzen. Auch das geschieht auf Initiative vor allem von Jost Springensguth. Ebenso am Herzen liegt dem Vollblut-Journalisten die Qualität des Journalismus, und das als klarer Kontrapunkt zu einer immer unübersichtlicheren und hektischeren Medienlandschaft oder dem Aufkommen von Fake News. Zunächst ist er Mitglied der Jury, dann des Kuratoriums des „Theodor-Wolff-Preises“ der deutschen Zeitungen.
 
Und Jost Springensguth liebt seine westfälische Heimat. Neben seinem erfolgreichen Wirken in der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe engagiert sich der damalige Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten im Vorstand des Westfälischen Heimatbundes und später in dessen Kuratorium. Auch hier zeigt er, dass Heimatpflege und die Offenheit für Neues bestens zusammenpassen.
 
Lieber Jost Springensguth, mit Ihren Ideen und Ihrer sprichwörtlichen Energie haben Sie einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, dass die Menschen stolz auf ihre Heimat sein können – und dass das Streben nach Frieden in der Welt keine bloße Hoffnung bleibt, sondern tatkräftig unterstützt werden kann.
 
Dafür danke ich Ihnen mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

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