Ministerin Feller: Die jüdische Geschichte ist auch unsere Geschichte – kein Platz für Antisemitismus

Abschlussbericht des Georg-Eckert-Instituts zur Darstellung der jüdischen Geschichte, Kultur und Religion in Schulbüchern des Landes Nordrhein-Westfalen

8. Februar 2023
PHB Schüler Abitur

Die Darstellung von jüdischer Geschichte, Kultur und Religion in nord-rhein-westfälischen Schulbüchern zeigt Licht und Schatten. Neben sehr guten Darstellungen finden sich auch einzelne Elemente, die antisemiti-sche Vorurteilsstrukturen befördern können.

Schule und Bildung

Die Darstellung von jüdischer Geschichte, Kultur und Religion in nordrhein-westfälischen Schulbüchern zeigt Licht und Schatten. Neben sehr guten Darstellungen finden sich auch einzelne Elemente, die antisemitische Vorurteilsstrukturen befördern können. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung.

Schul- und Bildungsministerin Dorothee Feller hat die Studienergebnisse im Ausschuss für Schule und Bildung vorgestellt und erklärte: „Die Landesregierung nimmt die Ergebnisse der Untersuchung sehr ernst. Schulbücher, die an unseren Schulen eingesetzt werden, dürfen in keinem Fall antisemitische Einstellungen befördern oder stereotype Vorstellungen tradieren.“ Ministerin Feller kündigte an, die Ergebnisse auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Ministeriums für Schule und Bildung mit der Antisemitismusbeauftragten, dem Zentralrat der Juden und dem Verband Bildungsmedien zu bearbeiten und weitere präventive Maßnahmen gemeinsam zu entwickeln.

Die Studie des Georg-Eckert-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass in keinem der untersuchten Schulbücher Anzeichen eines intendierten Antisemitismus festgestellt werden konnten. Dennoch finden sich Textstellen und Bilder, die anti-jüdische Vorurteile möglicherweise befördern
oder ihnen zumindest nicht entgegenwirken. Dies betrifft eine fehlende oder einseitige Darstellung Israels, „gut gemeinte“ Stereotypisierungen oder eine nicht ausreichende Kontextualisierung antisemitischer Terminologien oder Bilddarstellungen. Die Kritik der Studie bezieht sich in der Mehrzahl der Fälle auf Darstellungsweisen, die mit relativ wenig Mühe seitens der Autorinnen und Autoren bzw. der Bildungsmedienverlage behoben werden können.

Abschließend erklärte Schul- und Bildungsministerin Dorothee Feller: „Die jüdische Geschichte ist auch unsere Geschichte. Jüdinnen und Juden sind ein Teil von uns und eine Bereicherung für unser Land. An unseren Schulen gibt es nicht den geringsten Platz für Antisemitismus. Wir werden das Thema weiter aufmerksam begleiten.“

Hintergrund:

Die von Seiten des Zentralrats der Juden geäußerte Sorge, dass die in Deutschland zugelassenen Schulbücher nicht frei von Stereotypen in Bezug auf Juden und Judentum seien, veranlasste die Landesregierung im September 2018, die in den Schulen des Landes Nordrhein-Westfalen verwendeten Schulbücher auf Darstellungen von Jüdinnen und Juden sowie von jüdischer Geschichte, Kultur und Religion untersuchen zu lassen. Das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI) ist mit dieser Aufgabe im März 2019 beauftragt worden. Der Kriterienkatalog für die Untersuchung wurde gemeinsam mit der Antisemitismusbeauftragten und dem Zentralrat der Juden in Deutschland überprüft.

Mit der Analyse wurde im März 2020 begonnen. Untersucht wurden 252 Schulbücher der Fächer Geschichte, Erdkunde, Politik, Wirtschaft, Gesellschaftslehre, Religion (katholischer, evangelischer und islamischer Religionsunterricht), Praktische Philosophie und Deutsch in beiden Sekundarstufen und für alle allgemeinbildenden Schulformen.

Von den untersuchten Schulbüchern sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt 116 Schulbücher nicht mehr zugelassen – aufgrund der neu verabschiedeten Kernlehrpläne im Rahmen der Umstellung von G8 auf G9 sowie der Einführung des Faches Wirtschaft-Politik. Die aktuellen Bildungsmedien der Verlage sind durch eine Vielzahl von Qualitätssicherungsmaßnahmen, u.a. durch enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Institutionen, deutlich weiterentwickelt worden, was den erklärten Zielen des Landes Nordrhein-Westfalen entspricht.

Das Ministerium für Schule und Bildung hat in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Maßnahmen zur Antisemitismusprävention ergriffen, darunter:

  • Im Rahmen des Lernmittelzulassungsverfahrens ist im Jahr 2021 in das übergreifende Kriterium „Das Lernmittel ist frei von jeglicher Form von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ explizit der Prüfpunkt Antisemitismus aufgenommen worden.
  • Das Ministerium für Schule und Bildung kooperiert mit der „Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit – Beratung bei Rassismus und Antisemitismus“ (SABRA) der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. SABRA unterstützt Schulen beim Umgang mit Antisemitismus durch systemische Beratung. Die Servicestelle hat bereits im vergangenen Jahr die Fortbildungsreihe „Kompetent und konsequent gegen Antisemitismus. Intensivlehrgang für Pädagog*innen zum Umgang mit Antisemitismus“ angeboten. Ziel dieser Fortbildungsmaßnahme ist es, Lehrkräfte in den Schulen für Formen des Antisemitismus zu sensibilisieren und in der Entwicklung antisemitismuskritischer Bildungsarbeit zu unterstützen.

Weitere Informationen sowie den Abschlussbericht des Georg-Eckert-Instituts zur Darstellung der jüdischen Geschichte, Kultur und Religion in Schulbüchern des Landes Nordrhein-Westfalen finden Sie unter www.schulministerium.nrw

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