Minister Oliver Krischer: Nationalpark Eifel ist Aushängeschild für Nordrhein-Westfalen

Großschutzgebiet feiert Gründung vor 20 Jahren – Rekordzahlen vorgelegt – Wachstumsmotor für die Region

8. März 2024
Staudamm Eifel

Zum runden Geburtstag legt der einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen neue Rekordzahlen vor und unterstreicht seine Bedeutung für den Artenschutz, die regionale Wirtschaft und als Besuchermagnet.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Zum runden Geburtstag legt der einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen neue Rekordzahlen vor und unterstreicht seine Bedeutung für den Artenschutz, die regionale Wirtschaft und als Besuchermagnet: Mit rund 1,38 Millionen Besuchen pro Jahr (2022/2023) haben sich die Gästezahlen im Nationalpark Eifel seit der ersten Untersuchung im Jahr 2007 (450.000 Besuche) mehr als verdreifacht. Auch die durch Nationalpark-Gäste erwirtschafteten Bruttoumsätze in der Region zeigen einen starken Anstieg von rund 30 Millionen Euro (Studie 2014/2015) auf nun 76 Millionen Euro pro Jahr. Dies entspricht fast 1.350 Vollzeit-Arbeitsplätzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Studie der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität für Bodenkultur Wien zu den sozio-ökonomischen Auswirkungen des Nationalparks Eifel. Vorgestellt wurden die Ergebnisse am Freitag, 8. März 2024, im Rahmen der Feierstunde zum 20-jährigen Jubiläum des Nationalparks.

„Der Nationalpark Eifel ist ein Aushängeschild für Nordrhein-Westfalen. Er ist ein wichtiges Herzstück des Naturschutzes, er bietet tolle Naturerlebnisse für die Menschen und er gibt wertvolle Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung der Region“, so Oliver Krischer, Umweltminister von Nordrhein-Westfalen. „Es ist bewundernswert, was die Region aus ihrem Nationalpark gemacht hat und damit ganz Nordrhein-Westfalen bereichert. Hierfür bedanke ich mich sehr herzlich.“ Die Entwicklung in der Eifel könne laut Krischer auch Beispiel für andere Regionen sein: „Diese Erfolgsgeschichte hier in der Eifel möchten wir fortschreiben und auch anderen Regionen ermöglichen. Hierzu haben wir ein landesweites Findungsverfahren für einen zweiten Nationalpark gestartet, das allen Regionen Nordrhein-Westfalens offensteht. Als Land unterstützen wir interessierte Regionen mit Informations- und Dialogangeboten und haben zugesagt, geeignete Flächen in einen Nationalpark einzubringen.“

Mehr als 11.300 Arten nutzen Nationalpark als Lebensraum

Das Großschutzgebiet in der Eifel wurde 2004 als erster und bislang einziger Nationalpark in Nordrhein-Westfalen gegründet. Er umfasst rund 110 Quadratkilometer und gilt als „Entwicklungs-Nationalpark“, da in einer Übergangszeit noch Maßnahmen zur Renaturierung und Förderung natürlicher Lebensräume umgesetzt werden.

Waren anfangs im Schutzgebiet 230 gefährdete Arten bekannt, konnten Forscherinnen und Forscher mittlerweile mehr als 2.600 Rote-Liste-Arten nachweisen, die im Nationalpark wertvollen Lebensraum finden. Insgesamt leben in dem Schutzgebiet an der belgischen Grenze sogar mehr als 11.300 Arten. Biber, Milane, Mauereidechsen, Wildnarzissen und auch typische Arten für alte Wälder wie der „Urwald-Pilz“ Ästiger Stachelbart nutzen den Nationalpark als Lebensraum. Auch das Vorkommen von Spechten als Charaktervögel naturnaher Wälder verdeutlicht die Bedeutung des Nationalparks.

Zu den Maßnahmen zur Steigerung der Naturnähe gehören die Pflanzung heimischer Baumarten und die Renaturierung von Gewässern. Große Fortschritte konnte die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit der Biologischen Station StädteRegion Aachen e.V. im LIFE+ Projekt „Wald – Wasser – Wildnis“ erzielen. Mit Förderung der EU konnten dabei über 500 Einzelmaßnahmen zur Renaturierung von Wald- und Wasserlebensräumen und zur Entwicklung von Offenlandlebensräumen umgesetzt werden. Rund 80 Kilometer Fließgewässer wurden so wieder durchgängig und naturnäher.

Erfolgsgarant für die ganze Region

Dr. Lutz Dalbeck, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat und Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Düren, blickte mit einem Vortrag auf „20 Jahre Wald, Wasser, Wildnis: Entwicklungen im Nationalpark Eifel“ zurück. Laut Dr. Dalbeck war der damalige Truppenübungsplatz Vogelsang, heute Kernstück des Nationalparks, zu früheren Zeiten ein weißer Fleck auf den Verbreitungskarten der Tiere und Pflanzen in Nordrhein-Westfalen. Doch schon bald habe sich der hohe Wert für den Naturschutz herausgestellt.

Bei der letzten Erfassung wurden 98 Wildkatzen festgestellt, vermutlich sind es deutlich mehr als 100, die im Nationalpark einen Lebensraum finden. Das Wildkatzen-Vorkommen wurde mit Hilfe von Lockstöcken erfasst. Bei dieser Methode werden Holzpflöcke mit Baldriantinktur besprüht. Dadurch werden Wildkatzen angelockt, die sich an den Stöcken reiben und Haarproben hinterlassen. Diese werden anschließend genetisch untersucht, um die Anzahl der Individuen bestimmen zu können.

„In den ersten beiden Jahrzehnten konnten wir große Fortschritte bei der Renaturierung der natürlichen Lebensräume erzielen. Unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ findet die Natur nach und nach auf immer mehr Flächen in ihre eigenen Kreisläufe zurück. Für Besucherinnen und Besucher sind das spannende Erlebnisse, denn nur Nationalparke ermöglichen auf großer Fläche eine natürliche Entwicklung und gleichzeitig Naturerleben und Umweltbildung für die Menschen“, so Michael Lammertz, kommissarischer Leiter der Nationalparkverwaltung. Die Entwicklung der Natur zeigt nun auch eine Sonderausstellung „Wilde Bilder – 20 Jahre Wildnisentwicklung im Nationalpark Eifel“, die Minister Krischer gemeinsam mit Bärbel Höhn, der amtierenden Ministerin bei Nationalparkgründung, eröffnete. Sie zeigt 40 Bildpaare, die spannende Vorher-Nachher-Einblicke in die Entwicklung ausgewählter Naturstandorte gibt.

Die Ergebnisse der sozio-ökonomischen Untersuchung sieht Lammertz als Bestätigung, dass Naturschutz und Tourismus keine Gegensätze sein müssen, wenn sie von Anfang an gemeinsam gedacht und geplant werden. Wichtig sei, dass die Angebote mit den Schutzbestimmungen im Einklang stehen und Naturerlebnisse auch mit dem Umfeld gemeinsam realisiert werden, was durch die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten gut gelinge. Gute Beispiele sind der viertägige Wildnis-Trail, für den mittlerweile 8.240 Wanderer das Arrangement gebucht haben, und die jüngst vom Naturpark Nordeifel im Umfeld des Internationalen Sternenparks Nationalpark Eifel eingerichteten zehn SternenBlicke.

Hohe Akzeptanz und Zufriedenheit mit Nationalpark

Für die sozio-ökonomische Untersuchung unter Leitung von Dr. Stefan Türk (Deutsche Sporthochschule Köln) und Assoc. Prof. Dr. Arne Arnberger (Universität für Bodenkultur Wien) erfolgten automatische Gästezählungen und Interviews mit 1.640 Gästen des Nationalparks. Ausgewertet haben die Wissenschaftler auch, welche Bedeutung der Nationalpark für die Reiseentscheidung hatte. Diejenigen Nationalpark-Touristinnen und -Touristen im engeren Sinne, bei denen der Nationalpark eine große oder sehr große Rolle bei der Reiseentscheidung spielt, machen mittlerweile 77 Prozent der Besuche aus (27 Prozent im Jahr 2007).

Bemerkenswert sind auch die Zufriedenheit mit dem Nationalpark und die hohe Akzeptanz des Schutzgebietes. 99 Prozent der befragten Gäste würden einen Aufenthalt im Nationalpark Eifel weiterempfehlen, 76,1 Prozent der Befragten sogar einen mehrtägigen Aufenthalt mit mindestens fünf Tagen in der Region. 93,7 Prozent aller Befragten waren mit dem Nationalpark als Erholungsgebiet sehr zufrieden oder zufrieden. 89,5 Prozent der einheimischen Nationalparkgäste ist die Existenz des Großschutzgebietes wichtig oder sehr wichtig.

Weiter stärken möchte der Nationalpark gemeinsam mit den Verkehrsverbünden und der Region den öffentlichen Personennahverkehr. Denn trotz der Verbesserungen bei den Freizeitbuslinien durch bessere Taktungen und der Einführung einer neuen Linie („Kermeter-Shuttle“) bevorzugen Gäste die Anfahrt mit dem eigenen Auto (85,3 Prozent), lassen dies während des Aufenthaltes jedoch gerne stehen und nutzen den ÖPNV.

Umfangreiche Umweltbildungs- und Naturerlebnisangebote

Für Besucherinnen und Besucher bietet der Nationalpark ein gut beschildertes Wegenetz von insgesamt 240 Kilometern, Ausstellungen und vielfältige Umweltbildungs- und Naturerlebnisangebote. Neben den hauptamtlichen Rangern unterstützen mehr als 100 ehrenamtlich tätige Waldführerinnen und Waldführer den Nationalpark und führen Gruppen auf ganz individuellen Touren durch das Schutzgebiet. Auch für Schulen, Kinder- und Jugendgruppen gibt es vielfältige Programme: Von der Junior-Ranger-Schulung über Nationalpark-Schulen und -Kitas bis hin zu den Tages- und Mehrtagesprogrammen der Wildnis-Werkstatt, des Nationalpark-Zentrums und des Jugendwaldheims. Gastronomie- und Übernachtungsbetriebe im Umfeld des Nationalparks Eifel haben zudem an der Zertifizierung zu Nationalpark-Gastgebern teilgenommen.

Großes Jubiläumsfest am 10. März

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums hat die Nationalparkverwaltung eine über das Jahr verteilte öffentliche Veranstaltungsreihe geplant. Am 10. März findet im Nationalpark-Zentrum Eifel ein großes Jubiläumsfest statt. An diesem Tag ist nicht nur der Eintritt in die dortige Erlebnisausstellung Wildnis(t)räume frei, sondern es gibt von 10.00 bis 17.00 Uhr auch ein buntes Programm für Jung und Alt. Dazu zählen unter anderem Kinder-Theater, Poetry-Slam, Rangerführungen, Bastelwerkstatt und die Multimedia-Präsentation „Wildes Namibia“.

Neue digitale Broschüre über den Nationalpark Eifel

Mit einer interaktiven und multimedialen Broschüre lädt das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen dazu ein, den Nationalpark Eifel virtuell zu entdecken. Unter www.nationalpark-digital.nrw bündelt die digitale Broschüre „Nationalpark Eifel - Der Wildnis auf der Spur“ vielfältige Informationen und Interaktionen zum Lesen, Stöbern, Klicken, Staunen und Rätseln. Eine Mischung aus Texten, Bildern, aber auch Audios und Filmclips führt durch die Datei. Ein Teil der Broschüre richtet sich dabei speziell an Kinder.

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