Erdmandelgras bedroht Ackerbau in Nordrhein-Westfalen: Ministerium unterstützt die Entwicklung praxistauglicher Bekämpfungsstrategien
Erdmandelgras (Cyperus esculentus) sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus, ist aber ein invasives Problem-Ungras für die landwirtschaftliche und gartenbauliche Produktion. Bei Befall einer Fläche entzieht es den angebauten Nutzpflanzen durch Konkurrenz wertvolles Wasser, Nährstoffe und auch Licht.
Erdmandelgras (Cyperus esculentus) sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus, ist aber ein invasives Problem-Ungras für die landwirtschaftliche und gartenbauliche Produktion. Bei Befall einer Fläche entzieht es den angebauten Nutzpflanzen durch Konkurrenz wertvolles Wasser, Nährstoffe und auch Licht. Innerhalb weniger Wochen können aus einer einzigen Erdmandel mehrere hundert neue Pflanzen durch Tochtermandeln entstehen, mit entsprechend negativen Auswirkungen für die Kulturen. Besonders gefährdet sind Feldfrüchte mit intensiver Bodenbearbeitung, darunter Kartoffeln, Zuckerrüben, Möhren und Zwiebeln. Derzeit zeichnet sich eine Ausbreitung des Erdmandelgrases in Nordrhein-Westfalen ab – genauso wie in anderen Regionen Deutschlands sowie den Nachbarländern. Die wichtige Nachricht: Wer frühzeitig handelt, kann Schlimmeres verhindern.
„Beim invasiven Erdmandelgras gilt: Früherkennung und konsequente Maschinenhygiene sind die wirksamsten Maßnahmen“, so Ministerin Gorißen. „Noch stehen wir an einem Punkt, an dem wir durch frühes Erkennen und konsequentes Handeln größere Schäden in der Landwirtschaft begrenzen können. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir vor den Gefahren von Erdmandelgras für unsere hochwertige landwirtschaftliche Produktion warnen und Schutzmaßnahmen vorstellen. So können wir gemeinsam dafür sorgen, dass Erdmandelgras in Nordrhein-Westfalen eingedämmt wird.“
Erdmandelgras ist extrem anpassungsfähig und schwer zu bekämpfen, wenn es sich einmal in der Fläche etabliert hat. An den Wurzeln bildet es lange unterirdische Ausläufer, sogenannte Rhizome, an denen sich endständig die etwa 10 bis 15 Millimeter großen, meist braunen Erdmandeln bilden. In frühen Befallsstadien besteht noch die Möglichkeit, einzelne Pflanzen händisch zu entfernen. Hat sich das invasive Ungras erstmal auf einer Fläche ausgebreitet, ist eine Bekämpfung nur sehr eingeschränkt möglich und mit erheblichem zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden, denn die Mandeln überstehen auch Frosttemperaturen und bleiben über Jahrzehnte keimfähig. Prävention, ein frühzeitiges Erkennen, konsequente Maßnahmen, aber auch ein transparenter Umgang mit Befallsfällen sind entscheidend, um eine flächenhafte Ausbreitung zu verhindern.
Dr. Arne Dahlhoff, Direktor der Landwirtschaftskammer NRW: „Die zunehmende Ausbreitung des Erdmandelgrases führt bereits heute zu spürbaren Einschränkungen: Auf stark befallenen Flächen ist ein wirtschaftlicher Anbau von Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Möhren oder Zwiebeln kaum noch möglich. Zusätzlich entstehen wirtschaftliche Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch der Bekämpfungsaufwand steigt deutlich im Vergleich zu anderen Ungräsern. Aus diesem Grund verfolgen wir die Entwicklung und Ausbreitung des Erdmandelgrases intensiv und haben bereits umfassende Maßnahmen initiiert.“
Die Landwirtschaftskammer NRW unterstützt Landwirtinnen und Landwirte mit Beratung, Schulungen und Informationsmaterialien. So lernen Landwirtinnen und Landwirte etwa, Schadunkraut sicher zu erkennen.
Möglichkeiten der Prävention und Bekämpfung
Unter anderem am Versuchsstandort in Dülmen arbeitet der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW an praxistauglichen Bekämpfungsstrategien. Die Versuche werden über die Landesinitiative zur Bekämpfung invasiver Schaderreger im Ackerbau vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz mitfinanziert.
Die Herausforderung liegt insbesondere darin, dass chemische Bekämpfungsoptionen allein nicht ausreichen, um einen Befall dauerhaft zu unterdrücken. Die Landwirtschaftskammer verfolgt daher einen integrativen Ansatz, der pflanzenbauliche, organisatorische und technische Maßnahmen kombiniert. Ganz wichtig in der Prävention ist Maschinenhygiene. In Dülmen wird unter anderem die Methode der In-Field-Maschinenreinigung, also eine Reinigung der Maschine direkt vor Ort, erprobt, um eine weitere Ausbreitung des Erdmandelgrases zu verhindern.
Mögliche Maßnahmen der Bekämpfung sind flaches Fräsen von maximal zehn Zentimetern, Hacken, Bodenerhitzung, Strombehandlungen, wechselnde Fruchtfolgen sowie Schwarzbrache – also den Acker vegetationslos lassen – über mindestens zwei bis fünf Jahre.
Der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW beobachtet die Ausbreitung des Erdmandelgrases in Abstimmung mit dem MLV sehr aufmerksam. Hierzu wird derzeit ein Monitoring erarbeitet, um den Ausbreitungsumfang festzustellen.
Weitere Infos unter https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/ackerbau/erdmandelgras.htm
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