125 Jahre Urfttalsperre: Historisches Bauwerk mit Schlüsselrolle für den Hochwasserschutz

Umweltminister Oliver Krischer würdigt beim Festakt in Heimbach die Rolle der Talsperren im Klimawandel

24. Juni 2026
Ein Mann mit braunen kurzen Haaren, Brille, weißem Hemd und schwarzem Jackett lächelt in die Kamera

Mit der Grundsteinlegung der Urfttalsperre begann vor 125 Jahren der Bau der damals größten Talsperre Europas. Seitdem schützt sie die Region vor Hochwasser, sichert Wasserreserven für Trockenphasen und liefert erneuerbare Energie.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Mit der Grundsteinlegung der Urfttalsperre begann vor 125 Jahren der Bau der damals größten Talsperre Europas. Seitdem schützt sie die Region vor Hochwasser, sichert Wasserreserven für Trockenphasen und liefert erneuerbare Energie. Eine besondere Rolle spielte sie auch bei der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021: Im Verbund mit den weiteren Talsperren des Wasserverbandes Eifel-Rur kappte sie die Spitze der zufließenden Hochwasserwelle und bewahrte die tieferliegenden Regionen im Rurtal vor noch verheerenderen Folgen. 

Mehr als 50 Talsperren gibt es in Nordrhein-Westfalen. Sie spielen aufgrund ihrer vielfältigen Nutzung eine Schlüsselrolle für die Klimaanpassung, indem sie unter anderem das Trink- und Brauchwasser sichern, Hochwasser zurückhalten und erneuerbare Energie produzieren. Beim Festakt im historischen Jugendstilkraftwerk Heimbach betonte Umweltminister Oliver Krischer am Mittwoch, 24. Juni 2026, die zentrale Rolle der nordrhein-westfälischen Talsperren für die Zukunft des Landes: 

„Die Erbauer der Urfttalsperre bewiesen vor 125 Jahren enormen Weitblick und wasserwirtschaftlichen Pioniergeist. Heute nehmen Wetterextreme wie die derzeitige Hitze, langanhaltende Dürren, aber auch Starkregen und Hochwasser zu. Deshalb gewinnen Talsperren zusätzlich an Bedeutung. Wir brauchen sie, um unser Land in regenreichen Phasen vor Hochwasser zu schützen und gleichzeitig in Trockenphasen unsere Trinkwasserversorgung zu sichern.“

Dr. Joachim Reichert, Vorstand des Wasserverbands Eifel-Rur: „Die Urfttalsperre ist im besten Sinne ein Generationenbauwerk, das mehr als ein Jahrhundert nach seiner Grundsteinlegung bei der Hochwasserkatastrophe 2021 seine überragende Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Die historische Leistung seiner Erbauer ist Beispiel und Verpflichtung zugleich, das Bauwerk auch für künftige Generationen fit zu halten und an die Anforderungen des Klimawandels anzupassen."

Klimaresiliente Infrastruktur wird geprüft

Die Auswirkungen des Klimawandels stellen die Betreiber von Talsperren landesweit vor wachsende Herausforderungen. Das zeigt sich besonders im zunehmenden Spannungsfeld zwischen den Anforderungen der Wasserversorgung und den Erfordernissen des Hochwasserschutzes. Für den Hochwasserschutz muss ein Becken möglichst leer sein, um zuströmendes Wasser aufzufangen. Für die Wasserversorgung in Dürrezeiten muss es möglichst voll sein. Um diesen Konflikt zu lösen, passen die Betreiber den Betrieb der Anlagen fortwährend an. So ermöglichte die Novelle des Ruhrverbandsgesetzes Ende 2024 eine flexiblere Steuerung der Talsperren an der Ruhr. Zudem prüfen die Verbände an mehreren Talsperren die Einführung zusätzlicher sommerlicher Hochwasserschutzräume.

Gleichzeitig baut das Land die klimaresiliente Infrastruktur weiter aus. Ein zentrales Vorhaben ist die sogenannte „Weheüberleitung“: Dabei soll ein rund fünf Kilometer langer Stollen vom Hasselbach zur Wehebachtalsperre entstehen. Er stärkt die Wasserversorgung im Aachener und Dürener Raum und damit die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region. Durch die Überleitung wird auch für die Unterlieger wie Stolberg und Eschweiler das Hochwasserrisiko signifikant gemindert. Zudem planen die Wasserverbände als Lehre aus der Katastrophe 2021 den Bau neuer Hochwasserrückhaltebecken, etwa an der Vicht oder der Erft. Auch die Machbarkeit neuer oder die Erweiterung von Talsperren – wie z.B. die Platißbach- oder die Perlenbachtalsperre – wird derzeit geprüft.

Hintergrund: Die Urfttalsperre

Zwischen 1900 und 1905 errichteten Arbeiter die 58 Meter hohe Gewichtsstaumauer nach den Plänen des Aachener Professors Otto Intze. Die Anlage fasst bei Vollstau rund 45,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Das Mehrzweckbauwerk dient heute dem Hochwasserschutz, der Stromerzeugung und gleicht niedrige Flusspegel in trockenen Monaten aus.

Weitere Informationen:

Kontakt

Pressekontakt

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Telefon: 0211 4566-172
E-Mail: presse [at] munv.nrw.de

Bürgeranfragen

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Telefon: 0211 4566-0
E-Mail: nrwdirekt [at] nrw.de