Akzeptanzkampagne „anders und gleich - Nur Respekt Wirkt“ startet

17. Oktober 2012

Ministerin Steffens: Vielfalt der Lebensformen bis in den letzten Winkel des Landes respektieren - Akzeptanzkampagne „anders und gleich - Nur Respekt Wirkt“ startet

In Nordrhein-Westfalen neigt immer noch ein Fünftel der Bevölkerung zu homophoben Einstellungen - zu Vorurteilen gegenüber Lesben und Schwulen. Dies bestätigt leider eine Sonderauswertung der Langzeit­studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ zum Thema Homo­phobie in NRW, die das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

In Nordrhein-Westfalen neigt immer noch ein Fünftel der Bevölkerung zu homophoben Einstellungen - zu Vorurteilen gegenüber Lesben und Schwulen. Dies bestätigt leider eine Sonderauswertung der Langzeit­studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ zum Thema Homo­phobie in NRW, die das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld im Auftrag des Emanzipa­tionsministeriums durchgeführt hat. Eine Landeskampagne unter dem Motto „anders und gleich - Nur Respekt Wirkt“ soll nun für ein Klima der Offenheit werben und dazu beitragen, dass Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Identität und geschlechtlichen Orientierung gleich­berechtigt, selbstbestimmt und ohne Angst vor Ausgrenzung und Anfeindung in Nordrhein-Westfalen leben können.

„Ziel der Landesregierung ist ein tolerantes Nordrhein-Westfalen, in dem Vielfalt ganz selbstverständlich gelebt werden kann“, sagte Emanzi­pationsministerin Barbara Steffens bei der Vorstellung der Akzeptanz­kampagne in Düsseldorf. „Auch in Nordrhein-Westfalen sind Menschen immer noch Diskriminierungen und Anfeindungen ausgesetzt, nur weil sie nicht heterosexuell sind. Anlass für zum Teil tiefgreifende Vorurteile ist oft Unwissenheit. Mit der Kampagne 'anders und gleich - Nur Respekt Wirkt' wollen wir auch die Vielfalt der unterschiedlichen Lebensformen öffentlich zeigen und uns für mehr Toleranz gegenüber anderen einsetzen“, so Steffens weiter.

Vorurteile haben oft erhebliche Auswirkungen: Mobbing am Arbeitsplatz und auf dem Schulhof, Ausgrenzungen in Jugendcliquen, Beleidigungen auf der Straße bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Eine Belastung des Alltags und Einschränkung der Lebensqualität sind die Folgen für die Betroffenen.

Nach der Befragung im Rahmen der Studie lehnen 26 Prozent die gleichgeschlechtliche Ehe ab, finden 14 Prozent, dass Homosexualität „unmoralisch“ ist, und bezeichnen es knapp 20 Prozent als „ekelhaft“, wenn sich gleichgeschlechtliche Paare in der Öffentlichkeit küssen.

„Homophobie ist Teil eines Syndroms gruppenbezogener Menschen­feindlichkeit. Wer Vorurteile gegenüber homosexuellen Menschen hat, tendiert mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, auch andere Gruppen ab­zuwerten“, erklärte Beate Küpper, Professorin an der Hochschule Niederrhein und Mitautorin der Studie.

„Mit der Kampagne ‚anders und gleich - Nur Respekt Wirkt’ möchten wir erreichen, dass Klischees abgebaut werden, der Mensch einfach nur als Mensch gesehen und behandelt wird“, meinte Monica Brauer vom Büro, das die Kampagne „anders und gleich - Nur Respekt Wirkt“ im Auftrag der Landesregierung durchführt. Mit Förderung des Ministeriums und unter Mitwirkung der Community (Organisationen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle) hat das Kampagnenbüro (Trägerschaft: LAG Lesben in NRW e.V.) unterschied­liche Medien entwickelt. Sympathische Menschen in den Mittelpunkt rücken vier unterschiedliche Themenmotive mit pfiffigen Slogans: „Auch im Alter bleibt es Liebe“ (lesbisch), „Landliebe in Bewegung“ (schwul), „Wenn es so einfach wäre“ (transsexuell) und „Miteinander kann so leicht sein“ (für die Vielfalt: lesbisch, schwul, bi-, trans-, inter- oder heterosexuell).

Vertiefte Aufklärungsarbeit leisten bislang zwei Broschüren. Die „Fibel der vielen kleinen Unterschiede“ erläutert Begriffe zur sexuellen und geschlechtlichen Identität und informiert über unterschiedliche Lebens­formen. Die Publikation „Regenbogenfamilie werden und sein“ soll helfen, Vorurteile gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Kindern abzubauen. Alle Medien einschließlich aktueller Studien und der Plakatmotive können über das Internetportal www.andersundgleich-nrw.de bezogen bzw. heruntergeladen werden.

Die Plakate werden ab Montag (22. Oktober 2012) rund zwei Wochen lang auf InfoScreens in den Hauptbahnhöfen Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Bielefeld und Bonn zu sehen sein. „Ich wünsche mir aber auch, dass die Kampagne überall in Nordrhein-Westfalen, in den Städten und in den ländlichen Regionen, ankommt. Ich würde mich freuen, wenn auch Kommunen die Materialien bestellen und zu einem Nordrhein-Westfalen beitragen, in dem die Vielfalt der Lebensentwürfe und -formen bis in den letzten Winkel respektiert wird“, betont Ministerin Steffens.

Hintergrund:

• Der Anteil der Lesben und Schwulen in NRW beträgt nach Expertenschätzungen zwischen 5 und 7 Prozent der Bevölkerung.

• In NRW existieren rund 16.400 gleichgeschlechtliche Lebens­gemeinschaften

• In NRW existieren rund 12.000 Eingetragene Lebenspartner­schaften.

• 52 Prozent der Lesben oder Schwulen haben Angst, ihre sexuelle Identität am Arbeitsplatz preiszugeben.

• Für die Sonderauswertung der Langzeitstudie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ zum Thema Homophobie in NRW hat das Ministerium 2380 Euro bezahlt.

• Für die Akzeptanzkampagne „anders und gleich - Nur Respekt Wirkt“ hat das Ministerium in diesem Jahr 80.000 Euro bereit gestellt.

Weitere Informationen zur Studie und Kampagne finden Sie im Internet­auftritt des MGEPA unter http://www.mgepa.nrw.de/ministerium/presse/pressemappen/20121017a_Pressefruehstueck/index.php

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Telefon 0211 8618-4246.

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