Genitalverstümmlung bei Mädchen und Frauen steigt

Porträtfoto von Ministerin Barbara Steffens
29. März 2017

Ministerin Steffens: Genitalverstümmlung bei Mädchen und Frauen steigt – Land fördert Bildungsportal zur Verbesserung von Hilfen

Schutz und Hilfe für von Genitalverstümmelung bedrohte oder betroffene Mädchen und Frauen sollen durch das vom Land geförderte Bildungsportal www.kutairi.de weiter verbessert werden.

 
Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Schutz und Hilfe für von Genitalverstümmelung bedrohte oder betroffene Mädchen und Frauen sollen durch das vom Land geförderte Bildungsportal www.kutairi.de weiter verbessert werden. Nach einer aktuellen Studie ist die Zahl der Betroffenen in den vergangenen zwei Jahren um 28,5 Prozent gestiegen.
 
„Genitalverstümmelung ist eine schwere Körperverletzung und muss gestoppt werden. Mädchen und Frauen leiden ihr Leben lang unter den Folgen. Mit gezielten Informationen und Weiterbildungsangeboten sollen in der Flüchtlingsarbeit, der Migrantinnen-Beratung sowie in Schulen, Kitas, Jugendämtern und im Gesundheitswesen Tätige in die Lage versetzt werden, das Leiden gefährdeter und betroffener Mädchen und Frauen besser zu erkennen und Hilfe anbieten zu können“, erklärte Gesundheits- und Emanzipationsministerin Barbara Steffens zur Freischaltung des Bildungsportals.
 
Betroffene schweigen oft aus Scham. Auf dem Portal KUTAIRI finden beruflich und ehrenamtlich Tätige unter anderem schnell zugängliche Informationen zur weiblichen Beschneidung. Für vertiefendes Hintergrundwissen werden Online-Seminare und Gespräche mit Expertinnen und Experten angeboten.
 
Die Zahl der Menschen, die aus Ländern nach Deutschland kommen, in denen die grausame Praxis der Genitalverstümmlung weit verbreitet ist, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Und damit auch die Zahl der Mädchen und Frauen, die von Genitalbeschneidung betroffen sind: Einer Studie zufolge betrug die Zunahme von Ende 2014 bis Mitte 2016 rund 28,5 Prozent (deutschlandweit von 36.853 auf 47.359). In NRW leben geschätzt aktuell etwa 10.000 Frauen und Mädchen, die genital beschnitten wurden – und nach Expertinnenschätzungen rund 2.000 Frauen und Mädchen, die von Genitalverstümmlung bedroht sind.
 
Mitarbeitende, beispielsweise in Flüchtlingsunterkünften oder Beratungsstellen, haben aber oft kein Vorwissen über die grausame Praxis der weiblichen Beschneidung (Female Genitale Mutilation – FGM). Das von der „Aktion weißes Friedensband“ betriebene und vom Ministerium mit rund 46.300 Euro geförderte Internetportal bietet unter anderem eine 20-minütige Online-Präsentationen mit Chatfunktion zum Einstieg in die Thematik. Zur Vertiefung werden jeweils auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnittene interaktive Web-Seminare angeboten, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander und mit der Seminarleitung direkt sprechen können. Eine Infothek bündelt die Fachinformationen zum Nachlesen.
 
„Die Menschen, die sich für die Flüchtlinge in unserem Land engagieren, stehen ebenso unter großem Zeitdruck wie die Fachkräfte in Medizin, Schule, Kita und Jugendamt. Sie sollen im Bildungsportal KUTAIRI jederzeit die für ihre wichtige unerlässliche Arbeit notwendigen Informationen finden können, die sie brauchen“, sagte Günter Haverkamp, Geschäftsführer des Vereins „Aktion Weißes Friedensband“.
 
Das Bildungsportal KUTAIRI ergänzt die bereits bestehenden Maßnahmen des Landes Nordrhein-Westfalen zur Bekämpfung der Mädchenbeschneidung. Bereits seit 2007 unterstützt das Land den „Runden Tisch NRW gegen Beschneidung von Mädchen“. „Auch im Jahr des zehnjährigen Bestehens setzt sich der Runde Tisch engagiert und kompetent dafür ein, die Leiden beschnittener Mädchen und Frauen zu mindern und vor allem weitere Beschneidungen zu verhindern. Die gemeinsame Arbeit von betroffenen Frauen und Fachleuten aus Berufsverbänden, Ministerien und Beratungsstellen hat zu vielen Projekten geführt, die das Bewusstsein für die Probleme dieser Mädchen und Frauen schärfen“, so Ministerin Steffens. Dazu zählt neben zahlreichen Fachtagungen sowie Aufklärungs- und Informationsmaterialien die seit 2011 vom Ministerium geförderte, landesweit einzige Beratungsstelle „stop mutilation.“ Dort finden betroffene Mädchen und Frauen sowie Angehörige und andere Bezugspersonen Hilfe. Der Verein bietet auch eine gynäkologische Sprechstunde an.

Hintergrund

  • „Eine empirische Studie zur Genitalverstümmelung in Deutschland“, Februar 2017, Netzwerk INTEGRA / Ramboll, gefördert vom Bundesfrauenministerium, abrufbar unter www.netzwerk-integra.de
  • Zahl der Migrantinnen aus Herkunftsländern, in denen Mädchenbeschneidung praktiziert wird (bundesweit): 
    Dezember 2014 137.448  
    Mai 2016 192.441 + 40 %
  • Zahl der Migrantinnen, die von FGM betroffen sind (bundesweit):
    Dezember 2014 36.853  
    Mai 2016 47.359 + 28,5 %
  •  Geschätzt leben in NRW aktuell 10.000 Migrantinnen, die beschnitten wurden und rund 2.000, die davon bedroht sind. 
  • Beratungsstelle stop mutilation, Himmelgeister Straße 107 a, 40225 Düsseldorf, 0211 – 93 88 57 91, www.stop-mutilation.org 
  • Broschüre „Nicht mit mir!“ gegen weibliche Genitalbeschneidung, gefördert vom MGEPA, bestellbar unter info@kutairi.de (Aktion Weißes Friedensband e.V.) 
  • Handreichung für Beschäftigte des Gesundheitswesens „Genitale Beschneidung/Verstümmelung bei Mädchen und Frauen“.
  • Unter dem Titel „FGM – Wissen für Begutachtung und Beratung“ wurde weibliche Genitalbeschneidung als Reihe in das Fortbildungsangebot der Akademie für das öffentliche Gesundheitswesen in Düsseldorf aufgenommen.

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