Neue Quecksilberstudie

Porträtfoto von Minister Johannes Remmel
1. April 2016

Minister Remmel: Neue Quecksilberstudie ist Startschuss für Dialog mit der Industrie in NRW

Das Schwermetall belastet nach wie vor die Umwelt

Auch in Nordrhein-Westfalen überschreitet die Quecksilberbelastung bei fast allen untersuchten Fischen noch immer die bundesweite Biota-Umweltqualitätsnorm (UQN).

 
Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Auch in Nordrhein-Westfalen überschreitet die Quecksilberbelastung bei fast allen untersuchten Fischen noch immer die bundesweite Biota-Umweltqualitätsnorm (UQN). Dies haben Untersuchungen des Landesumweltamtes NRW (LANUV) ergeben. 866 Fische von 17 unterschiedlichen Arten wurden hierfür an festgelegten Messstellen untersucht. Besonders belastet sind die fettreicheren Fische wie Aal, Barbe, Barsch, Karpfen, Döbel oder auch Brassen. Die untersuchten Karpfen wiesen beispielsweise im Mittel Quecksilbergehalte auf, die über dem Neunfachen der UQN von 20 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht liegen.
Mehr als 500 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht wurden in Aalen aus den Gewässern Rhein, Urfttalsperre und Wupper sowie in Barben aus den Gewässern Lippe, Rhein, Sieg und Weser sowie Döbeln aus den Gewässern Dhünn, Rhein und Sieg gefunden. Maximale Gehalte von mehr als 800 Mikrogramm pro Kilogramm Frischgewicht wurden im Rhein (Aal, Messstelle Grietherort, 2009, und Döbel, Messstelle Düsseldorf-Flehe, 2009) und in der Sieg (Barne, Messstelle Menden, 2008) gemessen. Insgesamt hielten von den 866 untersuchten Fischen lediglich 14 Fische (zwei Prozent) die UQN ein. „Dieses Untersuchungsergebnis belegt, wie sehr Quecksilber die Umwelt belastet. Auch wenn die Konzentration in der Atemluft aktuell unterhalb der Werte liegt, die zu einer akuten Gesundheitsgefährdung führen, muss der Eintrag des toxischen Schwermetalls weiter reduziert werden, um die langfristigen Gesundheitsrisiken zu senken“, sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel.
 
Mikroorganismen wandeln Quecksilber in eine giftige Form um: in Methylquecksilber, das im Körper kaum noch abgebaut wird. Darum reichert es sich über die Nahrungskette in größeren und älteren Fischen besonders stark an.
 
Das NRW-Umweltministerium will den Eintrag des gefährlichen Schwermetalls Quecksilber in die Umwelt weiter deutlich reduzieren. Zur Quecksilberproblematik hat das NRW-Umweltministerium ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten fasst Daten zu den Quecksilberemissionen in NRW zusammen und stellt Maßnahmen und Potenziale dar, mit denen sich nach Einschätzung der Gutachter der Quecksilberausstoß aus Industrieanlagen verringern lässt. Nach Berechnungen des Gutachtens könnten durch den Einsatz moderner Technik die Quecksilberemissionen in NRW deutlich gesenkt werden. „Es gibt in NRW noch Potenzial, den Ausstoß des gefährlichen Quecksilbers und damit die Belastung für Mensch und Umwelt zu reduzieren. Dieses Ziel ist auch Handlungsbasis für unsere geplante Quecksilberminderungsstrategie“, sagte Minister Remmel.
 
Industrieanlagen in Nordrhein-Westfalen verursachen mit etwa drei Tonnen Quecksilberemission pro Jahr fast ein Drittel der Quecksilberemissionen in Deutschland. Hauptemittenten in NRW sind die Kohlekraftwerke mit 2,2 Tonnen Quecksilber im Jahr.
Die Braunkohlekraftwerke verursachen dabei die Hälfte der Quecksilberemissionen von Nordrhein-Westfalen (1,5 Tonnen), Steinkohlekraftwerke etwa ein Viertel (0,7 Tonnen).
 
Das Gutachten enthält auch Erkenntnisse zur Quecksilberminderung bei Abfallverbrennungsanlagen und Abfallmitverbrennungsanlagen (Zementwerke). Darüber hinaus werden neben den Luftemissionen auch die Quecksilberemissionen in Gewässer und deren mögliche Minderungstechniken beschrieben.
Auch wenn die Konzentration von Quecksilber in der Atemluft und in Gewässern heute weit unterhalb der Werte liegen, die zu einer akuten Gesundheitsgefährdung führen, wurden 2012 durch Industriebetriebe immer noch etwa acht Tonnen Quecksilber in Deutschland (davon 93 Prozent in die Luft und 7 Prozent ins Wasser) freigesetzt. Dies geht aus dem PRTR-Bericht (Pollutant Release and Transfer Register) für Deutschland hervor.
 
Das in Auftrag gegebene Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass besonders bei den Quecksilberemissionen aus Kohlekraftwerken ein hohes Minderungspotenzial besteht. Die entsprechende Technik sei  bereits auf dem Markt verfügbar. Nach Aussage des Gutachters belaufen sich die Kosten für den Einsatz effizienter Quecksilber-Minderungstechnik auf weniger als ein Prozent der Stromgestehungskosten. „Die Ergebnisse des Gutachtens werden wir innerhalb der Landesregierung und gemeinsam mit betroffenen Unternehmen sowie mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Verbänden diskutieren. Die Industrie in NRW hat ein hohes, international anerkanntes technisches Innovationspotenzial. Dies gilt es zu nutzen, um die Quecksilberemissionen in NRW weiter deutlich zu senken. Ziel ist eine Quecksilberminderungsstrategie, um damit einen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt und der Menschen zu leisten“, sagte Minister Remmel.
 
Durch den Nebeneffekt der Abgasreinigung für Staub, Stickstoffoxide und Schwefeldioxid werden Quecksilberemissionen bereits heute deutlich unter die derzeitigen Grenzwerte gesenkt. In den meisten Anlagen wird aber noch nicht der gemäß Gutachten weiter fortgeschrittene Stand der Technik zu Minderung von Quecksilber eingesetzt. Würde diese Technik eingebaut, so die Gutachter, könnten die derzeitigen  Quecksilberkonzentrationen im Abgas auf unter ein Mikrogramm pro Kubikmeter gesenkt werden. Würden die Minderungstechniken bei allen großen Kraftwerken eingebaut, ergäbe sich laut Gutachten eine Quecksilberminderung um rund 80 Prozent beziehungsweise rund 1,8 Tonnen im Jahr in NRW. Dies entspräche mehr als der Hälfte der Quecksilberemissionen in Nordrhein-Westfalen oder rund 20 Prozent in Deutschland. „Wir sollten jetzt gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um durch geeignete Maßnahmen die Quecksilberemissionen weiter zu senken“, sagte  Minister Remmel und lädt die Betreiber von Industrieanlagen zum Dialog ein. In einem Fachgespräch unter Einbindung wichtiger Akteure sollen die technischen Möglichkeiten diskutiert und gemeinsame Strategien besprochen werden. Gemeinsam getragene Ziele seien ein starkes Signal, um auch bundesweit Fortschritte zu erreichen, so Minister Remmel weiter.

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