Weniger Beton, mehr Grün: Das Land bündelt seine Aktivitäten zur Entsiegelung von Flächen in einer Initiative

Umweltminister Oliver Krischer: Jeder Quadratmeter, den wir entsiegeln und begrünen, hilft den Menschen in unseren Städten

11. September 2026
Ein Mann mit braunen kurzen Haaren, Brille, weißem Hemd und schwarzem Jackett lächelt in die Kamera

Oliver Krischer stellte die Initiative am Freitag in Euskirchen vor. Dort entsteht auf dem sanierten Gelände eines ehemaligen Gaswerks das Quartier „City Süd" auf rund 6.000 Quadratmetern.

Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Rund 12,4 Prozent der Fläche in Nordrhein-Westfalen sind versiegelt. Diese Böden heizen sich im Sommer stark auf und nehmen kaum Regenwasser auf. Das verstärkt die Hitze in den Städten und erhöht die Gefahr von Überflutungen. Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr startet deshalb gemeinsam mit dem Trägerkreis „Allianz für die Fläche“, einem Bündnis von rund 30 Fachleuten, eine Entsiegelungsinitiative. Sie soll die zahlreichen Fördermöglichkeiten, Best Practice-Beispiele, Initiativen und Hilfestellungen bündeln, damit sie in immer mehr Orten im Land genutzt werden. Oliver Krischer stellte die Initiative am Freitag in Euskirchen vor. Dort entsteht auf dem sanierten Gelände eines ehemaligen Gaswerks das Quartier „City Süd" auf rund 6.000 Quadratmetern.

Das Beispiel zeigt, worum es geht: Die Fläche war vollständig überbaut, Boden und Grundwasser waren durch die vorherige Nutzung stark belastet. Nach der Sanierung durch den AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung entsteht dort das Quartier „City Süd“ mit Wohnungen, Büros, einem Hotel und einer Kita. Die Stadt nutzt damit eine alte Industriefläche mitten im Zentrum und spart sich neue Bauflächen am Ortsrand.

„Die Stadt Euskirchen versucht, jede Möglichkeit zum Verzicht auf Flächenversiegelung zugunsten von mehr Grün in der Innenstadt zu nutzen. Gerade erst ist nach dem flutbedingten Abriss des City-Forums mit dem Klostergarten eine große Grünfläche im Herzen von Euskirchen entstanden und auch die City-Süd soll zukünftig Raum für grüne Oasen bieten“, sagte Bürgermeister Sacha Reichelt.

Die Landesregierung hat in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel vorgegeben, die Zunahme der Bodenversiegelung bis 2030 gegenüber 2024 zu verringern. Zudem wurde das Ziel vereinbart, die zusätzliche Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke zeitnah auf 5 Hektar pro Tag und perspektivisch auch weitergehend durch konkrete Maßnahmen mit der Zielsetzung einer vollständigen Flächenkreislaufwirtschaft zu reduzieren. Wer entsiegeln will, findet in Nordrhein-Westfalen schon heute zahlreiche Fördermöglichkeiten, zum Beispiel für Schul- und Kitahöfe, Parkplätze, öffentliche Plätze oder Brachflächen, von denen Bund und Land bis zu 90 Prozent der Kosten tragen. Auch private Eigentümerinnen und Eigentümer erhalten Zuschüsse, etwa über das Haus- und Hofflächenprogramm. Hinzu kommen praktische Hilfen: Der Online-Klimaatlas NRW zeigt auf einen halben Meter genau, wo Flächen versiegelt sind. Das Förder-Navi der Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW führt die passenden Programme auf. Wer Beratung braucht, wendet sich an das ANK-Regionalbüro NRW oder an die Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW beim LANUK.

„An Förderung mangelt es nicht. Mit der neuen Offensive machen wir gute Beispiele bekannt und bringen Land, Kommunen und Wirtschaft zusammen. Jeder versiegelte Quadratmeter, den wir entsiegeln und begrünen, hilft den Menschen in unseren Städten. Euskirchen zeigt, dass das auf innerstädtischen Industriebrachen gelingt“, sagt Minister Oliver Krischer.

Der Trägerkreis „Allianz für die Fläche“ setzt sich seit 2006 für einen sparsamen Umgang mit Flächen in Nordrhein-Westfalen ein. Ihm gehören rund 30 Fachleute aus Ministerien, Kommunen, kommunalen Spitzenverbänden, Verbänden, Kammern, Wirtschaft und Wissenschaft an. Mit einer gemeinsamen Erklärung unterstützen die Mitglieder die Entsiegelungsinitiative: Sie werben in ihren Organisationen und Netzwerken dafür, bringen gute Beispiele ein und teilen ihre Erfahrungen.

„Alte Gewerbeflächen sind fast immer vollständig versiegelt und häufig belastet. Wenn wir sie sanieren und neu nutzen, gewinnen die Städte Bauland und Grün zugleich“, sagt Dr. Roland Arnz, Geschäftsführer des AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung.

Am 17. September 2026 gibt es eine erste Online-Veranstaltung zur Entsiegelungsinitiative.NRW. Sie stellt Zahlen, Fördermöglichkeiten und ein Praxisbeispiel der Stadt Mönchengladbach vor. Weitere Termine folgen.

Weitere Informationen unter:

https://www.umweltportal.nrw.de/themenfeld-flaeche/

https://www.aav-nrw.de/

https://www.klimaatlas.nrw.de/klima-nrw-pluskarte?&itnrw_layer=KO_PLK

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