Prekäre Arbeitsbedingungen bei Fahrern von Essenslieferdiensten: Aktionswoche zur Beratung der Betroffenen

Arbeitsminister Laumann: Menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen entschieden entgegentreten

16. Oktober 2026
Ein Mensch mit schwarzer Kleidung (Kopf ist nicht sichtbar) hält eine Packung eines Pizza-Lieferdienstes in der Hand, die offen ist und eine Pizza mit Tomaten zeigt. Hintergrund ist eine Heizung und ein kleiner Kühlschrank erkennbar.

In der Woche vom 5. bis 9. Oktober 2026 haben die Partnerinnen und Partner im landesweiten Beratungsnetzwerk gegen Arbeitsausbeutung insgesamt 41 Aktionen, darunter Informationsstände, aufsuchende Ansprachen oder Kundgebungen, für Fahrerinnen und Fahrer von Essenslieferdiensten an 34 Orten in ganz Nordrhein-Westfalen umgesetzt, beispielsweise in Köln, Dortmund, Münster und im Rhein-Erft-Kreis.

Arbeit, Gesundheit und Soziales

Fahrerinnen und Fahrer von Essenslieferdiensten arbeiten unter teils ausbeuterischen Bedingungen. Unter Nutzung von Subunternehmen umgehen schwarze Schafe der Branche arbeitsrechtliche Standards. Gerade ausländische Beschäftigte fallen ihnen zum Opfer, denn sie haben meist sprachliche Barrieren, kaum Wissen über ihre Rechte und sind wenig organisiert. Umso wichtiger ist es, die Betroffenen direkt zu erreichen und zu beraten. Aus diesem Grund hat das Arbeitsministerium eine Aktionswoche im Bereich der Essenslieferdienste der landesgeförderten Beratungsprojekte aus dem Netzwerk gegen Arbeitsausbeutung durchgeführt, deren Ergebnisse Eingang in die Überwachungstätigkeit der Arbeitsschutzverwaltung finden.

„Die Praktiken in der Essenslieferung, insbesondere die Auslagerung der Fahrerinnen und Fahrer an Subunternehmen, sind mir schon lange ein Dorn im Auge. Wir erhalten immer wieder Berichte, dass dieses Vorgehen zu prekärer Beschäftigung führt”, so Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. „Die Fahrerinnen und Fahrer kommen mehrheitlich aus Drittstaaten, häufig verschulden sie sich, um nach Deutschland zu kommen und erhalten hier einen Lohn, der nicht auskömmlich ist. Sie sind eine besonders vulnerable Gruppe, kaum organisiert und schwer zu erreichen. Das müssen wir aber schaffen, wenn wir umfassend über die Praktiken in der Branche Bescheid wissen und dagegen angehen wollen. Unserer Aktionswoche der Beratungsstellen Arbeit haben wir genau deshalb in diesem Jahr auf Lieferfahrerinnen und -fahrer ausgerichtet. Die Beraterinnen und Berater sind gezielt auf die Beschäftigten auf der Straße zugegangen, um zu informieren, aufzuklären und Unterstützung anzubieten. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Fahrerinnen und Fahrer direkt bei den Essenslieferdiensten angestellt sein sollten. Kontrollbehörden haben so auch bessere Möglichkeiten, schwarze Schafe ausfindig zu machen. Ich unterstütze daher die Forderung nach einem Direktanstellungsgebot.” 

In der Woche vom 5. bis 9. Oktober 2026 haben die Partnerinnen und Partner im landesweiten Beratungsnetzwerk gegen Arbeitsausbeutung insgesamt 41 Aktionen, darunter Informationsstände, aufsuchende Ansprachen oder Kundgebungen, für Fahrerinnen und Fahrer von Essenslieferdiensten an 34 Orten in ganz Nordrhein-Westfalen umgesetzt, beispielsweise in Köln, Dortmund, Münster und im Rhein-Erft-Kreis. Mehr als 380 Fahrerinnen, fast alle aus dem Ausland und vor allem aus den Ländern Syrien, Indien, Pakistan und Bangladesch, konnten erreicht und unter anderem zu den Themen gesetzlicher Mindestlohn, Arbeitsverträge, Arbeitszeiten, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch und Arbeitsmittel angesprochen werden. Deutlich erkennbar war ein hoher Arbeitsdruck, durch den meist nur kurze Gespräche möglich waren. Es wurden aber vielfach weitere Beratungstermine vereinbart. Die Informationen aus der Aktionswoche sowie aus Folgeberatungen wertet das Arbeitsministerium kontinuierlich aus und erörtert diese mit den Kontrollbehörden. Die Ergebnisse finden Eingang in die Überwachungstätigkeit der Arbeitsschutzverwaltung. 

Minister Laumann: „Wir treten menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen entschieden entgegen und richten mit unseren Informationsaktionen ein klares Signal an jene Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten in prekäre Arbeitsbedingungen drängen. Gleichzeitig schützen wir die Unternehmen, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fair behandeln. Ich freue mich über die zahlreichen regionalen Aktivitäten der Beratungsstellen Arbeit und ihrer Beratungsprojekte. Aufklärung, Beratung und Begleitung sind zentrale Bausteine bei der Förderung menschengerechter Arbeitsbedingungen.”

Hintergrundinformationen

Mit dem landesweiten Beratungsangebot für prekär Beschäftigte und Menschen in ausbeuterischer Beschäftigung stellt das Arbeitsministerium Unterstützungsangebote für diejenigen bereit, die ihre Rechte auf dem Arbeitsmarkt nicht oder nur unzureichend kennen. Die Beraterinnen und Berater unterstützen Betroffene bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Die Beratungsstellen sind als niedrigschwellige, ortsnahe Anlaufstellen in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen präsent und zentraler Baustein des landesweiten Beratungsnetzwerks. Zum Netzwerk gehören auch die spezialisierten muttersprachlichen Beratungsangebote von Arbeit und Leben NRW für Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten. Die Angebote werden mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes gefördert. Die Aktionswoche im Bereich der Lieferdienstfahrerinnen und -fahrer ging einher mit dem Welttag für menschenwürdige Arbeit.

 

Weitere Informationen zu den Beratungsstellen gibt es hier: https://www.mags.nrw/beratungsstellen-arbeit 

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