Obere Diemel im Sauerland als bundesweites Vorbild für erfolgreiche Renaturierung ausgezeichnet
DWA-Gewässerentwicklungspreis 2026 geht nach Nordrhein-Westfalen / Minister Krischer: Natürliche Flüsse schützen vor Folgen des Klimawandels
Zwischen Giershagen, Bredelar und Marsberg hat ein Bündnis aus Ehrenamtlern, Wissenschaft und Wasserverband dem Fluss auf anderthalb Kilometern seine natürliche Dynamik zurückgegeben.
Über Jahrzehnte wurden viele Gewässer in Nordrhein-Westfalen künstlich begradigt und eingeengt. Wie man einen Fluss erfolgreich renaturiert, zeigt das Beispiel der Oberen Diemel. Zwischen Giershagen, Bredelar und Marsberg hat ein Bündnis aus Ehrenamtlern, Wissenschaft und Wasserverband dem Fluss auf anderthalb Kilometern seine natürliche Dynamik zurückgegeben. Für diese herausragende Leistung hat die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) das Projekt mit dem DWA-Gewässerentwicklungspreis 2026 ausgezeichnet.
Umweltminister Oliver Krischer gratulierte den Preisträgern vor Ort: „Wir müssen unseren Flüssen wieder mehr Platz geben, damit sie sich bei starkem Regen ausbreiten können und bei Trockenheit mehr Wasser in der Landschaft halten. Gleichzeitig schaffen wir wertvollste Lebensräume. Die vielen engagierten Menschen hier an der Oberen Diemel haben eindrucksvoll bewiesen: Man braucht keine gigantischen Budgets, um Flüsse klimarobust zu machen, sondern clevere Ideen, Fachwissen und viel Herzblut.“
Dr. Lisa Irwin-Broß, Vorständin der DWA erklärte zu diesem Projekt: „Die Renaturierung der Diemel zeigt beispielhaft, wie aus einer mutigen Initiative ein bundesweites Vorbild wird. Die hohe Kosteneffizienz und die enge Zusammenarbeit aller Akteure haben uns überzeugt.“
Viel Wirkung für wenig Geld
Das Besondere an der Oberen Diemel: Das Projekt kostete insgesamt rund 120.000 Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen förderte die Maßnahme mit 80 Prozent. Mit wenig Einsatz von schwerem Gerät setzte der Verein planar e.V. gemeinsam mit Studierenden der Universität Kassel und dem Wasserverband Diemel auf kleine, gezielte Eingriffe. In nur vier bis fünf Wochen reiner Bauzeit wurde der Fluss in neue Rinnen gelenkt, Totholz eingebaut und Kiesplätze geschaffen, auf denen Fische laichen können. Den Rest der Arbeit übernimmt die Natur.
Jens Eligehausen, Vorsitzender des Planungsnetzwerks planar e.V. sagte: „Wir haben dem Fluss nur die Fesseln genommen – den Rest hat er selbst gemacht. Dass die Natur so schnell und kraftvoll zurückkehrt, übertrifft all unsere Erwartungen.“
Biber, Otter und sinkende Flutwellen
Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Kassel belegen den immensen Erfolg der Maßnahme bereits im ersten Jahr: Die Wasseroberfläche des Flusses hat sich verdoppelt. Die angrenzenden Auen halten Hochwasser bei starkem Regen nun deutlich besser zurück, gleichzeitig stabilisiert sich der Grundwasserspiegel in der Region, was wiederum bei anhaltenden Dürren wichtig ist. Auch die Tierwelt profitiert enorm: Seltene Fischarten wie die Äsche laichen wieder in der Diemel, und selbst Biber und Fischotter haben die renaturierten Abschnitte bereits besiedelt.
Weitere Informationen
- Projektseite: https://diemel.renaturiert.org/
- Website der DWA zu den Preisträgern: www.dwa.info/gewaesserentwicklungspreis
- Fotos für die Berichterstattung (werden im Laufe des Tages eingefügt): https://www.umwelt.nrw.de/bildergalerie/renaturierung-der-diemel
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