Löhrmann: Gemeinsames Erinnern im interreligiösen Dialog

Sylvia Löhrmann gedenkt der Opfer des Völkermords von Srebrenica und mahnt zum entschiedenen Einsatz gegen Ausgrenzung

23. September 2026
Sylvia Löhrmann legte gemeinsam mit Dr. Ludger Hiepel, Prof, Mouhanad Khorchide, Boaz Munz und Amina Kišić  Lilien am Gedenkstein des Srebrenica-Friedhofs nieder

Die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, Sylvia Löhrmann, nahm vom 15. bis zum 19. September 2026 auf Einladung von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide und Dr. Ludger Hiepel von der Universität Münster an einer Reise nach Bosnien und Herzegowina teil. Zur Reisegruppe gehörten auch Studierende und Promovierende der Universität Münster sowie Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Münster Mitte.

Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, Sylvia Löhrmann, nahm vom 15. bis zum 19. September 2026 auf Einladung von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide und Dr. Ludger Hiepel von der Universität Münster an einer Reise nach Bosnien und Herzegowina teil. Zur Reisegruppe gehörten auch Studierende und Promovierende der Universität Münster sowie Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Münster Mitte. Die Delegation vereinte Menschen jüdischen, muslimischen und christlichen Glaubens sowie Menschen ohne religiöses Bekenntnis.

Die Reise widmete sich dem interreligiösen Zusammenleben und der Erinnerungskultur in Bosnien und Herzegowina. Zum Programm gehörten unter anderem Begegnungen mit dem Interreligiösen Rat, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Islamischen Gemeinschaft sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der jüdischen, muslimischen, katholischen und orthodoxen Gemeinden in Sarajevo. Die Gespräche eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf Erfahrungen, Herausforderungen und Voraussetzungen eines friedlichen Zusammenlebens. Sarajevo mit seiner vielfältigen religiösen Geschichte bot dafür einen besonderen Rahmen in Europa.

Die Auseinandersetzung mit der gewaltvollen Vergangenheit des Landes bildete einen weiteren Schwerpunkt der Reise. Mit dem Besuch der Gedenkstätte Srebrenica in Potočari erinnerte die Delegation an die mehr als 8.000 bosniakischen muslimischen Männer und Jungen, die im Juli 1995 Opfer eines brutalen Völkermords durch bosnisch-serbischen Kräfte wurden. Auf dem Gedenkfriedhof gedachten alle Teilnehmenden gemeinsam der Opfer. Angehörige der drei abrahamitischen Religionen legten gemeinsam Blumen nieder und gedachten im Gebet der Ermordeten und ihrer Hinterbliebenen. 

Sylvia Löhrmann erklärt: „Srebrenica steht für unermessliches Leid und für das Versagen, Menschen vor Verfolgung und Ermordung zu schützen. Dieser Ort mahnt uns, Verantwortung zu übernehmen und Ausgrenzung, Hass und Entmenschlichung von Anfang an entschieden entgegenzutreten.“ Dabei lässt sich die nordrhein-westfälische Beauftragte von einem Zitat des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber lenken und Hoffnung schöpfen: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ In Sarajevo werde dieser Anspruch vom „Du“ zum „Ich“ auf besondere Weise tagtäglich gelebt: Begegnung schaffe Verbindung, und aus dem gegenseitigen Anerkennen und Stützen sei ein gemeinsames „Wir“ geworden. „Dies hier zu erleben ist für alle Mitreisenden Ermutigung für ihr Wirken auch in Nordrhein-Westfalen“, so Löhrmann. 

Mit Blick auf das gemeinsame Gedenken in Srebrenica erklärt Professor Mouhanad Khorchide: „In Srebrenica wurde für uns alle spürbar: Erinnerung verbindet. Dass Angehörige der drei abrahamitischen Religionen gemeinsam der Opfer gedacht haben, ist ein Zeichen der Hoffnung und ein Auftrag, den wir mit nach Münster nehmen.“

Dr. Ludger Hiepel zieht ein positives Fazit der gemeinsamen Reise: „Die Begegnungen in Sarajevo und Srebrenica haben gezeigt, wie wichtig es ist, Geschichte auch vor Ort zu betrachten. Wenn Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen gemeinsam unterwegs sind, miteinander sprechen und einander zuhören, entsteht ein Lernen, das weit über den Seminar- und Klassenraum hinausreicht.“

Hintergrund zum Völkermord von Srebrenica

Während des Krieges in Bosnien und Herzegowina wurden im Juli 1995 in und um Srebrenica mehr als 8.000 bosniakische muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Truppen unter dem Kommando von General Ratko Mladić ermordet. In Potočari bei Srebrenica befinden sich die zentrale Gedenkstätte und der zugehörige Gedenkfriedhof. 

Dort wird jedes Jahr am 11. Juli der Opfer gedacht. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag hat die Verbrechen als Völkermord eingestuft und Verantwortliche verurteilt. Die Suche nach den sterblichen Überresten vermisster Opfer und deren Identifizierung dauern bis heute an. 

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