Landesregierung berät mit Partnern aus dem Gesundheitswesen über die Herausforderungen des Hitzeschutzes
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat sich a in Düsseldorf mit Vertreterinnen und Vertretern des Gesundheitswesens über die aktuellen Herausforderungen des Hitzeschutzes für die Krankenhäuser, die Rettungsdienste und die Pflege ausgetauscht.
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat sich am Donnerstag, 9. Juli 2026, in Düsseldorf mit Vertreterinnen und Vertretern des Gesundheitswesens über die aktuellen Herausforderungen des Hitzeschutzes für die Krankenhäuser, die Rettungsdienste und die Pflege ausgetauscht. Im Zentrum standen dabei vor allem die Erfahrungen der jüngsten Hitzeperiode sowie die Frage, welche Rückschlüsse daraus für künftige Hitzeperioden zu ziehen sind. Die Beteiligten waren sich dabei einig, dass Handlungsbedarf besteht – kurzfristig etwa mit Blick auf eine bessere Sensibilisierung der Allgemeinbevölkerung und der Einrichtungen des Gesundheitswesens, die Einrichtung einer flächendeckenden Warnsystematik im Gesundheitswesen, die Berücksichtigung von Hitzewellen bei der Krankenhausalarmplanung aller Krankenhäuser und der breiteren Nutzung von kühlen Orten. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe sowie die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen verständigten sich in dem Zusammenhang auf eine gemeinsame Erklärung (https://www.mags.nrw/erklaerung-hitzedialog-gesundheitswesen-nrw).
Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: „Die Folgen des Klimawandels, die historische Hitzewelle, die wir kürzlich erlebt haben, und die neuesten Zahlen des Robert Koch-Instituts zur hitzebedingten Mortalität zeigen uns sehr deutlich: Wir müssen uns als Gesellschaft im Allgemeinen und unser Gesundheitssystem im Speziellen auf extreme Hitzeperioden einstellen. Das beginnt bei ganz einfachen Regeln, damit gar nicht erst der Rettungsdienst gerufen werden muss: genug trinken, körperliche Anstrengungen vermeiden oder aufgeheizte Räume verlassen. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen geben zudem ihr Bestes und wir haben grundsätzlich ein hervorragendes Fundament an Strukturen. Aber wenn sich die Rahmenbedingungen für die Strukturen ändern, und die extreme Hitze stellt in der Form eine neue Rahmenbedingung dar, müssen wir über zusätzliche Maßnahmen reden. Ich bin froh, dass ich mich gestern darüber mit Praktikerinnen und Praktikern in diesem Bereich austauschen konnte, was bereits gut läuft und wo wir kurz- und langfristig nachbessern müssen.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gesprächs in Düsseldorf dankten zunächst den Beschäftigten und Ehrenamtlichen in den Krankenhäusern, den Rettungsdiensten, den Pflegeeinrichtungen und -diensten sowie den weiteren medizinischen Einrichtungen. Diese hätten in einer so noch nie dagewesenen Situation einen vorbildlichen Einsatz gezeigt – teilweise bis an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Auf diese Weise hätten sie dafür gesorgt, dass Notfälle, alte Menschen, Pflegebedürftige sowie Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bestmöglich versorgt werden konnten. Einig waren sich alle Beteiligten auch, dass in vielen Einrichtungen schon eine Vielzahl wichtiger Hitzeschutzmaßnahmen geplant und umgesetzt werden.
Sascha Klein, Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen: „Die nordrhein-westfälischen Krankenhäuser haben sich in den vergangenen Jahren intensiv auf zunehmende Hitzewellen vorbereitet und standortspezifische Hitzeschutzkonzepte entwickelt. Diese werden kontinuierlich anhand neuer Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen weiterentwickelt. Das historische Ausmaß der jüngsten Hitzewelle hat jedoch gezeigt, dass nicht nur die Krankenhäuser, sondern weite Teile der öffentlichen Infrastruktur an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Um künftig noch besser auf solche Extremereignisse reagieren zu können, braucht es einerseits eine noch engere Verzahnung aller relevanten Akteure vor Ort. Deutlich wurde andererseits, dass es bei den Krankenhäusern einen erheblichen Investitionsbedarf gibt, der eine langfristige Lösung braucht. Es ist ein erster guter Schritt, dass die Richtlinien der Krankenhausförderung des Gesundheitsministeriums vorsehen, den Krankenhäusern in bedeutendem Umfang die notwendigen Investitionen für Klimaanpassungsmaßnahmen zu ermöglichen.“
Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein: „Wir benötigen eine durchgreifende Information der Bevölkerung über die schon bestehenden lokalen Hitzeaktionspläne. Insbesondere Angebote von kühlen Räumen wie Kirchen, Bibliotheken oder anderen öffentlichen Gebäuden müssen ausgebaut und der Bevölkerung bekannt sein – analog dem Vorgehen bei anhaltender Kälte im Winter. Wir sollten außerdem gemeinsam an einer stärkeren Sensibilisierung der Bevölkerung arbeiten, welche massiven Gesundheitsgefahren von Hitze ausgehen.“
Dr. Hanns-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Da Krankenhäuser und Arztpraxen zur kritischen Infrastruktur gehören, müssen sie auch bei langanhaltenden Hitzewellen ausreichend leistungsfähig bleiben. Wir schlagen deshalb ein verbindliches Warnsystem für Kliniken, Rettungsdienste, die Bereitschaftsdienste der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung und Gesundheitseinrichtungen vor, damit Dienstpläne angepasst und benötigte Kapazitäten rechtzeitig freigehalten werden können.”
Kalle Heitkötter, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Düsseldorf: „Die vorgeplanten Konzepte des Rettungsdienstes sowie die enge Abstimmung mit unseren Kliniken haben maßgeblich dazu beigetragen, diese für die präklinische Notfallversorgung außerordentlich herausfordernden Tage erfolgreich zu bewältigen. Auch wenn die Auswertung der zurückliegenden Hitzewelle noch nicht abgeschlossen ist, zeichnen sich bereits erste Erkenntnisse ab, die uns dabei helfen, die Notfallversorgung für zukünftige Hitzeereignisse noch resilienter aufzustellen. Konkret werden wir unter anderem das im Rahmen der Hitzewelle eingeführte Konzept zur präklinischen Kühlung von Patientinnen und Patienten dauerhaft etablieren. Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeitenden der Notfallversorgung, die die Patientinnen und Patienten während dieser außergewöhnlichen Belastung mit großem persönlichen Einsatz und hoher Professionalität versorgt haben.“
Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen: „Dass das Ministerium kurzfristig so viele relevante Akteurinnen und Akteure zusammengebracht hat, ist ein wichtiges Signal. Jetzt gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse in verbindliche Strukturen zu überführen – mit klaren Auslösekriterien und den notwendigen Befugnissen für Pflegefachpersonen, um gefährdete Menschen frühzeitig zu schützen. Die Pflegekammer NRW bringt ihre Expertise aus der Versorgung aktiv in diesen Prozess ein.“
Beim Treffen in Düsseldorf, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, der Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe, der Pflegekammer, der Freien Wohlfahrtspflege NRW, des Rettungsdienstes der Stadt Düsseldorf sowie des Landesamtes für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen (LfGA NRW) teilnahmen, ist noch einmal darauf hingewiesen worden, dass das LfGA NRW und das MAGS gemeinsam mit den beteiligten Akteuren umfangreiche Handreichungen, Arbeitshilfen und Empfehlungen zum Hitzeschutz für die unterschiedlichen Akteure (zum Beispiel für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Kommunen) entwickelt haben. Diese sind über das „Infoportal Hitze und Gesundheit” des LfGA unter www.hitze.nrw.de abrufbar.
Auch wurde betont, dass Krankenhäuser, Rettungsdienste und Pflegeeinrichtungen in der zurückliegenden Hitzewelle bereits eine Vielzahl von Maßnahmen zum Schutz der Menschen ergriffen haben – etwa durch zusätzliches Personal, zusätzliche Fahrzeuge oder einrichtungsbezogene Alarm- und Hitzepläne. Weitere gute Beispiele für pragmatische Maßnahmen waren die Nutzung einer klimatisierten Messehalle als temporäre Behandlungsstelle für Patientinnen und Patienten, der Einsatz aufsuchender Kältewagen zur unterstützenden Herunterkühlung überhitzter Personen oder die Nutzung von Spezialwesten, die mit Kühlpads gefüllt werden konnten, für die Beschäftigten in Gesundheitseinrichtungen.
Mit Blick auf mittel- und langfristige Maßnahmen verständigten sich das MAGS und die an dem Gespräch beteiligten Partnerinnen und Partner abschließend darauf, den Dialog innerhalb des Zentralen Netzwerks gesundheitsbezogener Hitzeschutz (ZNGH) fortzusetzen und dabei weitere konkrete Maßnahmen zum Hitzeschutz im Gesundheitswesen zu entwickeln.
Für die Landesregierung ist die Steigerung der Krisenresilienz des Gesundheitswesens ein zentrales Anliegen. Seit dem 1. Dezember 2025 gibt es die „Koordinierungsgruppe krisenfeste Gesundheitsversorgung in Nordrhein-Westfalen“ im MAGS. Ziel ist es, im Jahr 2026 mit allen Akteuren des Gesundheitswesens einen Rahmenplan für eine Gesundheitsversorgung im Krisenfall zu erarbeiten.
Kontakt
Pressekontakt
Arbeit, Gesundheit und Soziales
| Telefon: | 0211 855-3118 |
|---|---|
| E-Mail: | Presse [at] mags.nrw.de |