Land unterstützt Kommunen bei der Klimaanpassung
Die nächsten 19 Projekte erhalten 23,9 Millionen Euro im Wettbewerb „Klimaanpassung.Kommunen.NRW“
Aus 42 Bewerbungen wurden 19 Vorhaben von einem unabhängigen Begutachtungsausschuss zur Förderung mit EU- und Landesmitteln empfohlen.
Der Klimawandel zählt zu den größten Herausforderungen für Städte und Gemeinden in den kommenden Jahrzehnten. Die aktuelle Hitzewelle in Deutschland mit hoher bis extremer Wärmebelastung für die Bevölkerung verdeutlicht den Handlungsbedarf. Das Land unterstützt die Kommunen seit vielen Jahren bei der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen. Zwischen 2020 und 2026 wurden rund 200 Millionen Euro bereitgestellt, um lokale Projekte wie die Entsiegelung von Flächen oder Dachbegrünungen zu unterstützen. Nordrhein-Westfalen war auch das erste Bundesland, das 2021 ein Klimaanpassungsgesetz beschlossen hat. Zurzeit wird die Novelle im Landtag beraten, sie soll im Herbst beschlossen werden.
Eines der großen Förderangebote zur kommunalen Klimaanpassung ist der Förderaufruf „Klimaanpassung.Kommunen.NRW“ im Rahmen des EFRE/JTF-Programms 2021–2027, das im November letzten Jahres in die vierte Runde gestartet ist. Aus 42 Bewerbungen wurden 19 Vorhaben von einem unabhängigen Begutachtungsausschuss zur Förderung mit EU- und Landesmitteln empfohlen. Insgesamt stehen für diese Projekte 23,9 Millionen Euro bereit, um eine klimaresiliente Entwicklung voranzubringen.
Umweltminister Oliver Krischer: „Klimaanpassung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. Wir müssen unsere Städte und Gemeinden widerstandsfähiger machen, um die Menschen vor Hitze, Dürre und Starkregen zu schützen. Nordrhein-Westfalen hat diese Notwendigkeit früh erkannt und treibt viele konkrete Projekte an.“
Diese Projekte wurden vom Begutachtungsausschuss ausgewählt und sollen gefördert werden:
Projekt-Steckbriefe
Dem Klimawandel begegnen: Coole Bildungsorte für Gummersbach, Stadt Gummersbach
Wenn Sommer immer heißer werden und Starkregen häufiger auftritt, brauchen gerade Schulen und Kitas besseren Schutz. In Gummersbach werden an insgesamt vierzehn Bildungsstandorten gezielt Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehören Sonnensegel, außenliegende Verschattungen und ein öffentlicher Trinkwasserspender. Auch Vorsorge gegen Starkregen ist durch bauliche Anpassungen geplant. So entstehen sichere und angenehmere Lernorte für Kinder und Jugendliche.
Neubau Grundschulstandort Lerbeck, Stadt Porta Westfalica
Ein neuer Schulstandort bietet die Chance, von Anfang an klimafreundlich zu planen. In Porta Westfalica wird der Außenbereich der künftigen Schule Lerbeck neugestaltet. Versiegelte Flächen werden entfernt, damit Regenwasser wieder versickern kann, und möglichst viele bestehende Bäume bleiben erhalten. Ergänzt wird dies durch Gründächer, neue Pflanzungen und schattenspendende Elemente. Auch ein durchdachtes Regenwassermanagement ist vorgesehen. So entsteht ein Schulgelände, das resilienter gegen Hitze und Starkregen ist.
Starkregenschutz Weihgarten, Stadt Billerbeck
Starkregen kann ganze Stadtteile überfluten – hier setzt das Projekt in Billerbeck an. Im besonders gefährdeten Gebiet Weihgarten werden mehrere Maßnahmen kombiniert, um Regenwasser besser aufzufangen, zu speichern und kontrolliert abzuleiten. Ziel ist es, Schäden durch plötzlich auftretende Wassermassen deutlich zu verringern.
Klimafittes Drensteinfurt, Stadt Drensteinfurt
Wie lässt sich eine Stadt gleichzeitig lebenswerter und widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen? Drensteinfurt zeigt es am Beispiel seines Marktplatzes und mehrerer Bildungseinrichtungen. Dort werden Dächer und Fassaden begrünt, Flächen entsiegelt und neue Möglichkeiten geschaffen, Regenwasser zu nutzen. Gleichzeitig sorgen Verschattung und Begrünung für kühlere Temperaturen im Sommer. Begleitet wird das Projekt durch Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie eine wissenschaftliche Auswertung.
Multifunktionale Retentionsfläche Auf der Heide in Sankt Augustin, Stadt Sankt Augustin
Ein Spielplatz kann mehr sein als nur ein Ort zum Spielen. In Sankt Augustin wird er so umgestaltet, dass er auch bei Starkregen eine wichtige Funktion erfüllt. Die Fläche kann künftig Wasser aufnehmen und speichern, wodurch umliegende Straßen besser vor Überflutung geschützt werden. Gleichzeitig sorgen neue Begrünung und Verschattung für mehr Aufenthaltsqualität. Das Projekt verbindet damit Klimaanpassung und Freizeitnutzung auf sinnvolle Weise.
Klimaoase und nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung am Turnplatz, Stadt Paderborn
Mitten in Paderborn entsteht eine grüne Oase, die aktiv zur Klimaanpassung. Der bisher stark versiegelte Turnplatz wird umgebaut, sodass Regenwasser künftig gespeichert und genutzt werden kann. Unterirdische Anlagen und intelligente Steuerungssysteme sorgen dafür, dass Wasser gezielt zurückgehalten wird. Oberirdisch entstehen bepflanzte Flächen, die kühlen und zur Verdunstung beitragen. Neue Bäume verbessern zusätzlich das Mikroklima. So wird der Platz deutlich lebenswerter gestaltet.
Gleispark Köln – Multifunktionale Klimaanpassungsmaßnahme zur Reduzierung von Hitze- und Starkregenrisiken im urbanen Raum, Stadt Köln
Aus einer brachliegenden Industriefläche wird in Köln ein neuer Grünraum mit vielen Funktionen. Der sogenannte Gleispark soll Hitze reduzieren, Regenwasser aufnehmen und gleichzeitig ein attraktiver Aufenthaltsort sein. Dafür werden versiegelte Flächen entfernt, neue Pflanzen gesetzt und ein Gewässer angelegt. Auch das Gelände selbst wird so modelliert, dass Wasser gezielt abfließen kann.
Revitalisierung zweier urbaner Kleingewässer: Hochwasserschutz, ökologische Aufwertung und Verbesserung des Kleinklimas, Stadt Borgholzhausen
Verrohrte und eingeengte Bäche können bei Starkregen schnell zum Problem werden. In Borgholzhausen werden deshalb Abschnitte des Hengbergbachs und Sundernbachs wieder freigelegt und naturnah gestaltet. So kann Wasser besser abfließen und die Hochwassergefahr reduziert werden. Zusätzlich entstehen neue Grünflächen mit Bäumen und Sträuchern. Ein Regenrückhaltebecken ergänzt die Maßnahmen. Das verbessert nicht nur den Hochwasserschutz, sondern auch das lokale Klima.
Regenwald lernen – klimaresiliente Außenanlagen im Artenschutzzentrum Südamerika, Tiergarten Kleve e.V.
Im Tiergarten Kleve wird Klimaanpassung erlebbar gemacht. Die Außenanlagen des Artenschutzzentrums werden so umgestaltet, dass sie besser mit Hitze und Starkregen umgehen können. Versiegelte Flächen werden reduziert, Regenwasser gesammelt und neue Pflanzen sorgen für Schatten und Kühlung. Auch Dächer werden begrünt. Besucherinnen und Besucher können so direkt sehen, wie Klimaanpassung praktisch funktioniert.
Klimaangepasste naturnahe Schulhofumgestaltung der Gemeinschaftsgrundschule Millrath in Erkrath, Stadt Erkrath
Ein Schulhof kann aktiv zur Klimaanpassung beitragen. In Erkrath wird die Fläche der Grundschule Millrath umfassend umgestaltet. Versiegelte Bereiche werden entfernt, neue Grünflächen angelegt und Regenwasser gezielt gespeichert. Zusätzlich entstehen Gründächer und neue Baumpflanzungen. Das sorgt für kühlere Temperaturen und mehr Aufenthaltsqualität für die Kinder.
Klimagerechte Umgestaltung des Schulhofes der Julia-Koppers-Gesamtschule und Remigius-Grundschule, Stadt Borken
In Borken wird der gemeinsame Schulhof von Gesamt- und Grundschule neugestaltet. Mehr Grünflächen, neue Bäume und ein intelligenter Umgang mit Regenwasser sorgen künftig für Abkühlung und Schutz vor Überflutung. Das sogenannte Schwammstadtprinzip spielt dabei eine zentrale Rolle. Ziel ist ein Schulgelände, das Lernen, Bewegung und Klimaanpassung miteinander verbindet.
Trinkbrunnen für eine klimaresiliente und nachhaltige Stadt Münster, Stadt Münster
An heißen Tagen wird der Zugang zu Trinkwasser immer wichtiger. In Münster entstehen deshalb im gesamten Stadtgebiet neue öffentliche Trinkbrunnen, die leicht zugänglich und hygienisch sicher sind. Bestehende Anlagen werden modernisiert und an einheitliche Standards angepasst. Die Auswahl der Standorte basiert auf aktuellen Klimadaten und dem Bedarf der Bevölkerung. Begleitend informiert eine Kampagne über Hitzeschutz und die Nutzung der Brunnen. So wird die Stadt besser auf steigende Temperaturen vorbereitet.
Lennep – Hochwasserschutz zwischen Geschichte und Klimawandel, Stadt Remscheid
Manchmal liegen Lösungen für aktuelle Probleme in der Vergangenheit. In Remscheid-Lennep wird eine alte Entwässerungsanlage wieder in Betrieb genommen, um das Hochwasserrisiko zu senken. Gleichzeitig werden die Menschen vor Ort aktiv eingebunden und über Gefahren durch Starkregen informiert. Digitale und anschauliche Darstellungen machen das Projekt verständlich. So entsteht nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch ein besseres Bewusstsein für den Umgang mit Wasser.
QSA - Begrünung eines Parkhauses zur Verbesserung des Mikroklimas, Stadt Lippstadt
Auch Gebäude können helfen, Städte abzukühlen. In Lippstadt wird ein neues Parkhaus mit einer begrünten Fassade ausgestattet. Pflanzen sorgen dort für Schatten und kühlen die Umgebung durch Verdunstung. Gleichzeitig verbessert sich die Aufenthaltsqualität im angrenzenden Quartier. Die Auswahl der Pflanzen ist an die lokalen Bedingungen angepasst. So entsteht ein Bauwerk, das Funktion und Klimaschutz miteinander verbindet.
Oase im Stadtteil Heckinghausen – Raum zum Leben, DRK Schwesternschaft Wuppertal e. V.
Mitten in Wuppertal entsteht ein Ort zum Durchatmen. Ein bisher versiegeltes Parkdeck wird entsiegelt und in eine grüne Fläche verwandelt. Neue Pflanzen, begrünte Dächer und schattenspendende Elemente sorgen für ein angenehmes Mikroklima. Gleichzeitig kann Regenwasser gespeichert werden. Besonders für Menschen aus umliegenden medizinischen Einrichtungen bietet der neue Ort mehr Lebensqualität und Erholung im Alltag.
Klimagerechter Umbau des Schulhofs der Grundschule Ergste, Stadt Schwerte
Ein Schulhof, der Schatten spendet und Wasser speichert, wird immer wichtiger. In Schwerte wird die Fläche der Grundschule Ergste deshalb Schritt für Schritt umgebaut. Zunächst werden versiegelte Flächen entfernt, damit der Boden wieder Wasser aufnehmen kann. Anschließend werden neue Bäume gepflanzt, die langfristig natürlichen Schatten bieten.
Klimawandelangepasster Umbau der Freiflächen an der Grundschule Lindlar-Ost, Gemeinde Lindlar
Wie kann ein Schulgelände gleichzeitig kühlen, Wasser speichern und Natur erlebbar machen? In Lindlar wird genau das umgesetzt. Durch Entsiegelung und Begrünung entstehen Flächen, die Hitze reduzieren und Regenwasser aufnehmen. Ein sogenannter Tiny Forest – ein kleiner, dichter Wald – schafft zusätzlich ein eigenes Mikroklima. Verschiedene Bereiche bieten unterschiedliche Nutzungen und sorgen für ein angenehmes Umfeld für Kinder und Lehrkräfte.
Lebenswerter Ostmarkt - klimaangepasste Gestaltung und gemeinschaftliche Nutzung, Stadt Bielefeld
Ein zentraler Platz kann viel mehr sein als nur Verkehrsfläche. In Bielefeld wird der Ostmarkt so umgestaltet, dass er grüner, kühler und vielseitiger nutzbar wird. Versiegelte Flächen werden reduziert, neue Bäume gepflanzt und Regenwasser gezielt genutzt. Eine Mobilitätsstation ergänzt das Angebot. Durch ein intelligentes Bewässerungssystem wird das Wasser effizient eingesetzt. So entsteht ein Ort, der sowohl dem Klima als auch den Menschen zugutekommt.
Schaffung von fehlendem UV- und Sonnenschutz in städtisch betriebenen Einrichtungen wie KiTa, OGS und OEfK, Stadt Moers
Gerade Kinder brauchen Schutz vor intensiver Sonne. In Moers werden die Außenbereiche von Kitas, Offenen Ganztagsschulen und weiteren Einrichtungen gezielt beschattet. Markisen und neu gepflanzte Bäume sorgen dafür, dass sich die Flächen auch an heißen Tagen sicher nutzen lassen. Gleichzeitig wird die Belastung durch UV-Strahlung reduziert.
Hintergrund
Für zukunftsweisende, nachhaltige und innovative Vorhaben in Nordrhein-Westfalen stehen im EFRE/JTF-Programm NRW 2021-2027 EU-Mittel in Höhe von 1,9 Milliarden Euro des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Just Transition Funds (JTF) zur Verfügung. Hinzu kommen eine Ko-Finanzierung des Landes Nordrhein-Westfalen und Eigenanteile der Projekte. Unterstützt werden Projekte aus den Themenfeldern Innovation, Nachhaltigkeit, Mittelstandsförderung, Lebensqualität, Mobilität, Strukturwandel in Kohlerückzugsregionen sowie strategische Technologien und Wettbewerbsfähigkeit.
Hinweis zur Fördersumme: Die formalen Förderzusagen erteilen die Bezirksregierungen. Jedes Projekt hat sich um eine individuelle Fördersumme beworben.
Weitere Informationen
Alle Förderprogramme des Landes für Klimaanpassung in Kommunen: https://www.umwelt.nrw.de/klimaanpassung-nrw#foerderung
Mehr Informationen zum Förderprogramm „Klimaanpassung.Kommunen.NRW“: https://www.efre.nrw.de/einfach-machen/foerderung-finden/klimaanpassungkommunennrw
Broschüre „Klimakrise in Nordrhein-Westfalen. Wie die Folgen und Auswirkungen unser Land verändert“: https://broschuerenservice.nrw.de/munv/files?download_page=0&product_id=2135&files=0/1/0117e2198c4efe646962eb96a713e566.pdf
Klimaanpassungsstrategie NRW: https://broschuerenservice.nrw.de/munv/shop/klimaanpassung-nordrhein-westfalen-2024-2029%7C2246
Klimafolgenmonitoring: www.klimaatlas.nrw.de
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