Erntejahr 2025: Getreideernte in Nordrhein-Westfalen mit überdurchschnittlichen Erträgen

Ministerin Gorißen: Die Erträge bei wichtigsten Getreidearten sind erfreulich. Doch die niedrigen Preise auf den Getreidemärkten machen Betrieben zu schaffen

25. August 2025
Ansicht eines Getreidefeldes

Für die nordrhein-westfälischen Landwirtinnen und Landwirte war das Erntejahr 2025 insgesamt positiv.

Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Für die nordrhein-westfälischen Landwirtinnen und Landwirte war das Erntejahr 2025 insgesamt positiv. Bei allen Wintergetreidearten sind die Hektarerträge sehr hoch. Anders als noch im regenreichen Vorjahr sorgten die diesjährigen Witterungsbedingungen für sehr gute Erträge, zum Teil sogar mit knapp 30 Prozent Zuwachs etwa beim Winterweizen. Auch dank günstiger Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst und ausreichender Wasserversorgung im Winter kamen die Bestände gut in das Frühjahr und konnten vielerorts in Nordrhein-Westfalen schon bis August vollständig geerntet werden. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Karl Werring, hat Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen vor der Landespressekonferenz am 25. August über die diesjährigen Ernteergebnisse informiert.

„Die Erträge bei den wichtigsten Getreidearten – Weizen, Roggen, Gerste und Triticale – sind dieses Jahr erfreulich“, so Ministerin Silke Gorißen. „In diesem Erntejahr wurde Nordrhein-Westfalen, zumindest in weiten Teilen, vom Wetter begünstigt.“

Bei Winterweizen, der nach wie vor wichtigsten Getreideart mit der größten Anbaufläche in Nordrhein-Westfalen, liegt der Durchschnittsertrag mit etwa 9 Tonnen pro Hektar deutlich über den Ergebnissen der vergangenen Jahre. Im fünfjährigen Mittelwert hat sich der Winterweizenertrag um rund 11 Prozent gesteigert. Im Vergleich zum verregneten Erntejahr 2024 gibt es hier ein Plus von knapp 30 Prozent. Auch bei Roggen mit 6,9 Tonnen pro Hektar und Wintergerste mit 8,6 Tonnen pro Hektar waren die Erträge deutlich überdurchschnittlich. Bei den Sommergetreiden sieht es ebenfalls gut aus: So konnte bei Hafer mit mehr als 5,7 Tonnen pro Hektar nochmals mehr als im guten Vorjahr geerntet werden. 

Bisherige Kartoffelernte lässt gute Erträge erwarten

Auch die bisherige Kartoffelernte verlief sehr zufriedenstellend. Frühkartoffeln erzielten überdurchschnittliche Erträge, die Tendenz bei den mittleren und späten Sorten zeigt ebenfalls nach oben. Im Gegensatz zum Vorjahr waren die äußeren Bedingungen sehr gut, auch die Qualität stimmt. 

Auch bei anderen Kulturen wie Raps, Körnerleguminosen und im Obstanbau sind die Erträge in diesem Jahr gut bis sehr gut. Beim Grünland hat das Wetter ebenfalls mitgespielt. Ausreichende Niederschläge sorgten für gute Wachstumsbedingungen, Anfang August konnte bereits der vierte Schnitt eingefahren werden. Noch offen sind hingegen die Ertragsaussichten für Mais und Zuckerrüben.

„Die guten Erträge sorgen dafür, dass die Getreideversorgung auch in diesem Jahr wieder gesichert ist. Gleichzeitig wird die erfreuliche Getreideernte auf vielen Betrieben durch die angespannte Marktlage und die aktuelle Trockenheit überschattet. Viele Landwirtinnen und Landwirte blicken mit Sorge auf die noch nicht eingebrachten Kulturen“, sagte Kammerpräsident Karl Werring. 

Erntepreise im Keller 

Trotz der überdurchschnittlich guten Ernteerträge und insgesamt zufriedenstellender Qualitäten machen Landwirtinnen und Landwirten in Nordrhein-Westfalen die aktuellen Erzeugerpreise Sorgen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. 

Ministerin Silke Gorißen: „Aufgrund der in vielen Teilen der Welt guten bis sehr guten Ernteerwartungen sind die Getreidepreise deutlich gesunken. Der hohe Eurokurs und gestiegene Transport- und Umschlagkosten drücken auf die Preise. Das bekommen leider unsere Landwirtinnen und Landwirte zu spüren.“ 

Wetterglück keine verlässliche Basis – Landwirtschaft benötigt Verlässlichkeit und stabile Rahmenbedingungen 

Trotz der in diesem Jahr guten Erträge bleiben viele Herausforderungen für den Pflanzenbau bestehen. „Die diesjährigen guten Erträge sind auf die passenden Witterungsbedingungen zurückzuführen“ sagte Ministerin Gorißen. „Sie sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Betriebe sich gerade vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels nicht auf Wetterglück verlassen können. Sie brauchen zugleich stabile Rahmenbedingungen und ein geeignetes Spektrum an produktionstechnischen Maßnahmen, um selbst angemessen reagieren zu können.“ 

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es bei Weizen, Roggen und Hafer im mehrjährigen Durchschnitt keinen erkennbaren Ertragszuwachs mehr, die jährlichen Schwankungen nehmen zu.

Die entscheidenden Werkzeuge des Pflanzenbaus wie ein effektiver Pflanzenschutz, bedarfsgerechte Düngung und alle Möglichkeiten für einen echten Züchtungsfortschritt müssten zur Verfügung stehen und flexibel genutzt werden können, so die Ministerin. Die Entwicklung der letzten Jahre sei aber in die entgegengesetzte Richtung gegangen. 

„Ich setze mich für praxisnahe und bedarfsgerechte Lösungen ein. Gute Erträge und Qualitäten auf nordrhein-westfälischen Äckern sind wichtig, um die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln abzusichern“, sagte Ministerin Silke Gorißen, und weiter: „Eine bedarfsgerechte, effiziente Düngung ist ein Eckpfeiler für gute Erträge und Qualitäten. Einschränkungen müssen verursachergerecht erfolgen. In diesem Sinne muss das Düngerecht weiterentwickelt werden.“

Pflanzenschutz muss verbessert werden

Beim Pflanzenschutz fehlt es an Wirkstoffen, weil Genehmigungs- und Zulassungsverfahren zu bürokratisch sind und häufig eine praxisnahe Nutzen-Risiko-Abwägung fehlt. Das bekommen aktuell zum Beispiel Salat-Anbauer in Nordrhein-Westfalen zu spüren, deren Kulturen sehr stark von Blattläusen befallen sind. Ministerin Gorißen: „Deshalb unterstütze ich Bundesminister Alois Rainer in seinem Engagement, das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel in Deutschland weiter praxisnah zu verbessern.“ 

Die Ministerin wird sich weiterhin in Brüssel und Berlin auch dafür einsetzen, dass der dringend notwendige Bürokratieabbau für landwirtschaftliche Betriebe fortgesetzt wird. Unter Federführung der Bundesländer wurden unter Mitwirkung des Bundes und von Verbänden 194 Vorschläge erarbeitet. Die Bundesregierung wird die 194 Vorschläge der Länder zum Bürokratierückbau neu bewerten und Bürokratie-Praxischecks einführen. Mit der Aufhebung der Stoffstrombilanz hat die neue Bundesregierung bereits einen wichtigen Schritt vollzogen.

Zahlen und Fakten zur Getreideernte 2025 in Nordrhein-Westfalen:

  • Gute Aussaatbedingungen und normale Jugendentwicklung, nach Frühjahrstrockenheit rechtzeitig ausreichende Niederschläge, vor allem auf schweren Böden gute bis sehr gute Bedingungen.
  • Insgesamt geringer Krankheitsdruck aufgrund günstiger Witterung.
  • Deutlicher Flächenzuwachs bei Winterweizen, -roggen und Triticale gegenüber Vorjahren.
  • Früher Erntebeginn; die Ernte ist (nach regenbedingten Unterbrechungen im Juli) Ende August bei allen Getreidearten abgeschlossen.
  • Qualität: überwiegend wird gute Qualität (Hektolitergewichte, Fallzahlen), bei allerdings vergleichsweise geringen Proteingehalten, erwartet.
  • Hektarerträge bei allen Wintergetreiden sehr hoch. Im Ökolandbau vergleichsweise gute, aber nicht überdurchschnittliche Ernte.

Winterraps

  • Ertrag Ø 41,2 Dezitonnen (dt) /ha,
  • überdurchschnittliche Ölgehalte (oft über 45 Prozent).
  • Rapserträge werden seit 2024 in der „Besonderen Ernteermittlung“ (BEE) erfasst (Volldruschverfahren)

Kartoffeln

  • Frühkartoffeln bei mittlerer bis überdurchschnittlicher Ernte mit guten Qualitäten,
  • Mittelfrühe und späte Speisekartoffeln und Industrieware mit hohen Ertragserwartungen, gute Qualitäten, kaum Krautfäule,
  • deutliche Ausweitung der Anbaufläche (47.800 Hektar), auch in Nachbarländern.
  • Sehr niedrige Preise, keine Besserung in Sicht.

Zuckerrüben

  • Überdurchschnittlicher Zuckerertrag erwartet, hängt aber noch von weiterem Witterungsverlauf ab.
  • Termingerechte Bestellung/Aussaat,
  • gute Wachstumsbedingungen bei ausreichender Feuchtigkeit.
  • Ernteprognose bei Silo- und Körnermais regional unterschiedlich

Mais

  • Termingerechte Bestellung/Aussaat,
  • gute Wachstumsbedingungen bei ausreichender Feuchtigkeit.
  • Ernteprognose bei Silo- und Körnermais regional unterschiedlich

 

Die konkreten Erntezahlen finden Sie auf den Seiten des Landesbetriebs IT.NRW:

https://www.it.nrw/system/files/media/document/file/242_25.xlsx

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