Erinnerung bewahren, Antisemitismus entschlossen bekämpfen: Ministerpräsident Wüst besucht Auschwitz-Birkenau
Ministerpräsident Wüst: Die Würde des Menschen verteidigt sich nicht von selbst – Auschwitz hat uns das auf grausamste Weise gelehrt
Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist zentraler Bestandteil der politisch-historischen Bildung, die die Landesregierung mit zahlreichen Maßnahmen fördert, unter anderem mit ihrer aktuellen Bewerbung als Standort für das Yad-Vashem-Bildungszentrum in Deutschland.
Ministerpräsident Hendrik Wüst besucht am Mittwoch, 20. Mai 2026, das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist zentraler Bestandteil der politisch-historischen Bildung, die die Landesregierung mit zahlreichen Maßnahmen fördert, unter anderem mit ihrer aktuellen Bewerbung als Standort für das Yad-Vashem-Bildungszentrum in Deutschland. Darüber hinaus setzt sich die Landesregierung entschieden gegen Antisemitismus, Hass und Hetze ein. Dazu gehört unter anderem auch die Kampagne #NieWiederIstJetzt mit dem 10-Punkte-Plan gegen Antisemitismus. Das Land Nordrhein-Westfalen schützt mit den darin enthaltenen Maßnahmen jüdisches Leben und macht es noch sichtbarer und sicherer. Den Besuch der Gedenkstätte begleitet auch die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, Sylvia Löhrmann.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Erinnerung ist kein Ritual der Vergangenheit, sondern ein Auftrag für die Gegenwart. Die Verantwortung aus Auschwitz endet nicht mit dem Erinnern. Sie beginnt dort. Auschwitz steht wie kein anderer Ort für das unfassbare Menschheitsverbrechen der Shoah, für millionenfaches Leid, Entmenschlichung und Mord. An diesem Ort zeigt sich das ganze Ausmaß der brutalen Verbrechen des Nationalsozialismus. Gerade deshalb bleibt die Erinnerung auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine dauerhafte Verantwortung unseres Landes. Die Botschaft von Auschwitz lautet: ‚Nie wieder!‘ – und sie verpflichtet uns, jeder Form von Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten. Erinnerung ohne Konsequenz bleibt bloße Geste. Es erschüttert mich, dass Jüdinnen und Juden auch heute wieder Angst haben müssen und antisemitische Straftaten zunehmen – auch bei uns in Nordrhein-Westfalen. Das dürfen wir niemals hinnehmen. Um Antisemitismus nachhaltig zu bekämpfen, braucht es Bildung, Aufklärung und persönliche Begegnung mit der Geschichte. Erinnerungsorte wie Auschwitz machen Geschichte greifbar und vermitteln Verantwortung für Gegenwart und Zukunft. Auschwitz ist nicht Vergangenheit. Auschwitz ist Verantwortung – für heute und morgen.“
Der Ministerpräsident weiter: „Deshalb ist es das Ziel der Landesregierung, allen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, während ihrer Schulzeit ein ehemaliges Konzentrationslager, eine NS-Gedenkstätte oder einen Erinnerungsort zu besuchen. Wir arbeiten Schritt für Schritt und mit Entschlossenheit daran, dieses Ziel zu erreichen. Wir bauen die Förderung von Gedenkstättenfahrten konsequent weiter aus und entwickeln die Programme fortlaufend weiter, damit noch mehr junge Menschen die Möglichkeit bekommen, Erinnerungsorte zu besuchen und sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen. Gleichzeitig denken wir weiter und beziehen künftig auch gezielt angehende Lehrkräfte, Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter sowie Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare stärker in Gedenkstättenfahrten ein. Denn Verantwortung für Demokratie, Menschenwürde und den Kampf gegen Antisemitismus beginnt mit Wissen, Erinnerung und persönlicher Erfahrung. Die Würde des Menschen verteidigt sich nicht von selbst – Auschwitz hat uns das auf grausamste Weise gelehrt.“
Die Landesregierung fördert Gedenkstättenfahrten von Schülerinnen und Schülern seit 2018 und hat die Mittel dafür kontinuierlich ausgeweitet – von zunächst 250.000 Euro auf heute mehr als zwei Millionen Euro pro Haushaltsjahr (2,06 Millionen Euro). Ziel ist es, möglichst allen jungen Menschen in Nordrhein-Westfalen im Laufe ihrer Schulzeit den Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers, einer NS-Gedenkstätte oder eines Erinnerungsortes zu ermöglichen. Erinnerungsorte wie Auschwitz leisten einen unverzichtbaren Beitrag dazu, Geschichte greifbar zu machen und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu vermitteln. Angesichts zunehmender antisemitischer Straftaten und gesellschaftlicher Polarisierung kommt der historisch-politischen Bildung eine besondere Bedeutung zu.
Die Zahl der geförderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert werden: von rund 9.000 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2022/23 auf 15.962 im Schuljahr 2023/24 und zuletzt 19.058 im Schuljahr 2024/25. Damit hat sich die Zahl der geförderten Gedenkstättenfahrten innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Auch der Mittelabruf zeigt die steigende Nachfrage: Im Schuljahr 2023/24 wurden rund 1,27 Millionen Euro abgerufen, im Schuljahr 2024/25 bereits rund 1,54 Millionen Euro. Im laufenden Schuljahr 2025/26 sind bereits im ersten Halbjahr rund 800.000 Euro gebunden.
Zugleich entwickelt die Landesregierung die Programme weiter und bezieht gezielt weitere Berufsgruppen in Gedenkstättenfahrten und Erinnerungsformate ein. Seit 2025 ermöglicht das Land auch allen angehenden Lehrkräften entsprechende Fahrten und stellt hierfür bis zu 500.000 Euro jährlich bereit. Das Programm richtet sich an Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter aller Schulformen und Fachrichtungen und soll das Bewusstsein für die Bedeutung demokratischer Werte stärken sowie die Vermittlung historisch-politischer Bildung im Unterricht fördern. Darüber hinaus setzen sich auch Polizei, Justiz und Verwaltung intensiver mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander. Für Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare gehören verpflichtende Unterrichtseinheiten zum Umgang mit NS-Unrecht inzwischen ebenso zur Ausbildung wie Workshops, Ausstellungen oder Gedenkstättenfahrten. Auch Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter befassen sich verpflichtend mit der NS-Geschichte und besuchen im Rahmen ihrer Ausbildung Erinnerungsorte und Gedenkstätten. Damit stärkt die Landesregierung historisch-politische Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und fördert Verantwortung, demokratisches Bewusstsein und Haltung in zentralen Bereichen des öffentlichen Dienstes.
Im Anschluss an die Führung durch das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht Ministerpräsident Wüst die Internationale Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim und tauscht sich dort unter anderem mit dem nordrhein-westfälischen Pfarrer Manfred Deselaers sowie deutschen Freiweilligen aus. Die deutsch-polnische Begegnungsstätte steht seit Jahrzehnten für Verständigung, Erinnerung und Versöhnung in Europa. In unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau vermittelt sie insbesondere jungen Menschen Wissen über die Verbrechen des Nationalsozialismus und schafft Räume für Dialog, Reflexion und interkulturellen Austausch. Mit internationalen Jugendbegegnungen, pädagogischen Programmen und gemeinsamen Lernformaten leistet die Jugendbegegnungsstätte einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und Extremismus.
Zum Abschluss seines Besuchs besichtigt Ministerpräsident Wüst den Ausstellungspavillon „Gerhard Richter: Birkenau“. Das Ausstellungshaus zeigt eine Edition des Zyklus „Birkenau“ des Künstlers und Staatspreisträgers des Landes Nordrhein-Westfalen Gerhard Richter. Zu sehen sind vier abstrakte Kompositionen sowie ein acht Meter langer grauer Spiegel. Ebenfalls sind Kopien von vier Fotografien ausgestellt, die 1944 von Mitgliedern des Sonderkommandos heimlich in der Nähe der Gaskammer und des Krematoriums V in Birkenau aufgenommen wurden. Diese vier Fotografien gelten als die einzigen fotografischen Dokumente des Holocaust, die Frauen auf dem Weg zur Gaskammer und die Verbrennung der Leichen von Jüdinnen und Juden in Auschwitz zeigen.
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