Ein Jahr Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität: Erfolgsbilanz im Kampf gegen organisierte Finanzkriminalität

Erste Landesbehörde ihrer Art setzt Maßstäbe bei Ermittlungen in schwerwiegenden Kriminalitätsbereichen

9. Januar 2026
zwei Ermittler stehen mit schwarz-gelben Westen mit der Aufschrift "Fahndung NRW" vor einer Wiese in einem Park

Die einzigartige Landesbehörde hat sich als Taktgeber bei der Aufklärung schwerer Steuerstraftaten in Deutschland und als Partner für internationale Behörden etabliert.

Finanzen

Seit genau einem Jahr ist die Expertise der gesamten nordrhein-westfälischen Steuerfahndung mit mehr als 1.200 Expertinnen und Experten unter dem Dach des Landesamtes zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) gebündelt. Die einzigartige Landesbehörde hat sich als Taktgeber bei der Aufklärung schwerer Steuerstraftaten in Deutschland und als Partner für internationale Behörden etabliert. „Die Erfahrung des ersten Jahres LBF NRW zeigt: Mit der Konzentration unserer Kräfte erhöhen wir die Schlagkraft der Steuerfahndung deutlich“, erklärt Minister der Finanzen Dr. Marcus Optendrenk.

„Die neue Behörde hat sich als einer der wichtigsten Fahndungspartner der Europäischen Staatsanwaltschaft im Kampf gegen große Umsatzsteuerbetrug-Kartelle etabliert. Es hilft, dass es jetzt für alle Behörden einen zentralen Kontakt zur Steuerfahndung in Nordrhein-Westfalen gibt. Wir haben Personal und Expertise an entscheidenden Stellen gebündelt, um schwerwiegende Finanzkriminalität etwa im Bereich von Cum-Ex und Cum-Cum oder Geldwäsche zu verfolgen, und bringen hier zusätzlich Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Das LBF NRW hat zudem Licht in bisherige Dunkelfelder etwa beim Steuerbetrug mit Krypto-Gewinnen oder Einnahmen von Influencern gebracht, was auch präventiv starke Wirkung entfalten dürfte. Wir haben angekündigt, ein Schnellboot für die Jagd auf große Fische zu bauen, und das haben wir getan. Unser Land geht den richtigen Weg, um den Rechtsstaat auf allen Ebenen zu stärken.“

Partner der EU-Behörden im Kampf gegen Umsatzsteuerbetrug

Fälle von organisiertem internationalen Umsatzsteuerbetrug durch sogenannte Karussellgeschäfte sind hochkomplex und verursachen hohe Millionenschäden. Durch fingierte Warenketten über mehrere europäische Staaten lassen sich die Täternetzwerke Umsatzsteuer erstatten, die tatsächlich nie gezahlt wurde. Seit 2021 liegt die Verfahrensherrschaft für die Ermittlungen in diesen internationalen Fällen mit hohem Steuerschaden bei der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA). Seit der Gründung des LBF NRW steigt die Zahl der Großverfahren, in denen es die Europäischen Staatsanwaltschaft unterstützt, deutlich an und liegt aktuell bei 22. „So viele Umsatzsteuer-Großverfahren hat kaum eine andere Fahndungsstelle in Europa. Dies unterstreicht die wichtige Rolle, die das LBF NRW schon jetzt als Partner im Kampf gegen internationale Finanzkriminalität für die EU-Behörden spielt“, erklärt Stephanie Thien, Leiterin des LBF NRW. 

Influencer und Krypto-Deals: Datenpakete bringen Licht ins Dunkel

Diese Meldung des LBF NRW ging im vergangenen Jahr viral: Ein großes Datenpaket mehrerer Social-Media-Plattformen über Einnahmen mit Werbung, Abos oder Klicks legt den Verdacht nahe, dass professionelle Influencerinnen und Influencer teilweise in großem Stil an der Steuer vorbei Gewinne einfahren. Die Aufbereitung des Materials war aufwendig, ist jedoch inzwischen abgeschlossen: Datensätze zu mehr als 7.000 Steuerpflichtigen in Nordrhein-Westfalen mussten vereinheitlicht, strukturiert und ergänzt werden. Nun kann in den zuständigen Dienststellen ein Abgleich zwischen den Umsätzen und den Steuererklärungen – so diese überhaupt vorhanden sind – vorgenommen werden. „Die Bearbeitung eines solchen Datenpakets ist kein Sprint, sondern ein echter Marathon“, erklärt LBF-Chefin Thien. „Aber das Echo in der Szene hat gezeigt: Das LBF NRW hat hier in ein Wespennest gestochen und ein bislang wenig beleuchtetes Phänomen aufgedeckt.“ Deshalb setze man bei den komplizierten Ermittlungen weiter auf Professionalisierung: Das Influencer-Team wurde inzwischen zu dem Dezernat „Digital agierende Steuerpflichtige“ erweitert und personell verstärkt. 

Auch bei der Aufdeckung von Steuerhinterziehung bei Krypto-Gewinnen geht das LBF NRW voran und hat im vergangenen Jahr bereits das zweite große Sammelauskunftsersuchen gestellt. Die Daten sind aufbereitet und können jetzt in Nordrhein-Westfalen, aber auch von den Partnerbehörden in anderen Ländern ausgewertet werden. Zum Auftakt hat das Landesamt für März 2026 Kryptofahnderinnen und -fahnder aus ganz Deutschland zu einem Austausch nach Düsseldorf eingeladen. 

Geballte Kompetenz gegen Cum-Cum und Geldwäsche

In der Zentrale des LBF NRW befassen sich insgesamt fünf Sachgebiete mit der Aufklärung der Cum-Ex- und Cum-Cum-Sachverhalte. Die neuen Strukturen wurden zunächst aus den eigenen Reihen der Steuerfahndung aufgebaut und bereits verstärkt. Zudem wurden im vergangenen Jahr Fahndungsexpertinnen und -experten von außen ins Boot geholt, aktuell verstärkt sich das LBF NRW mit weiteren IT-Fachleuten, um die Auswertung des umfangreichen Beweismaterials zu forcieren. „Für die Menschen in unserem Land ist es schier unglaublich, wie sich mit solchen Deals zahlungskräftige Investoren die Taschen auf Kosten der Steuerzahler vollgemacht haben sollen. Hier müssen wir als Landesamt klare Kante zeigen: Wir stehen auf der Seite der Ehrlichen und sammeln unsere Kräfte, um dem Betrug im ganz großen Stil Einhalt zu gebieten“, so Stephanie Thien. 

Auch für die Unterstützung der Geldwäschebekämpfung gibt es in der LBF-Zentrale ein eigenes Sachgebiet, welches eng mit den Ansprechpersonen für Geldwäsche des LBF in den Regionalabteilungen in der Fläche zusammenarbeitet. Das Sachgebiet hat auch den Kontakt zur Financial Intelligence Unit (FIU) und zur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) intensiviert. Die enge Kooperation mit nur einer Schnittstelle zur Steuerfahndung in Nordrhein-Westfalen sorgt für reibungslosere Arbeitsabläufe und hilft dabei, Geldwäschephänomene gezielter zu erkennen. Sichtbarer Erfolg: Im April 2025 hat das LBF NRW gemeinsam mit zahlreichen Partnerbehörden illegale Finanzströme im Rahmen des Hawala-Bankings in den Fokus genommen – der großangelegte „Action Day“ in zahlreichen deutschen Städten brachte diverse Verstöße gegen Geldwäschevorschriften ans Licht und den Ermittlungsbehörden wertvolle Erkenntnisse über das Schattenbankensystem.

Digitale Transformation in der Steuerfahndung

Mit dem IT-Kompetenzzentrum hat das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität eine digitale Speerspitze. Die Expertise zu allen fahndungsspezifischen IT-Themen wird hier versammelt und weiterentwickelt. Zudem wurden auch die IT-Fahndungssachgebiete aus den bisherigen zehn Finanzämtern für Steuerstrafsachen im LBF NRW zentralisiert. Das Ziel: Der Rechtsstaat muss digital auf Augenhöhe mit der Organisierten Kriminalität bleiben. Das IT-Kompetenzzentrum entwickelt eigene KI-Lösungen für die Analyse von Beweismaterial und implementiert leistungsfähige Systeme zur Verarbeitung von Massendaten. 

Erster Coup der neuen Zentralstelle für Datenankäufe

Mit der Gründung des Landesamtes wurde die Aufgabe der Zentralstelle für den Datenankauf vom Steuerfahndungsamt Wuppertal auf die Zentralabteilung „Analyse und Strategie“ des LBF NRW übertragen. Damit wird auch die jahrelang gewachsene Kompetenz im Umgang mit eingehenden Datenankaufsangeboten bewahrt und weiterhin die professionelle Abwicklung der Datenofferten gewährleistet. Einen ersten öffentlichen Erfolg verzeichnete Nordrhein-Westfalen im Dezember 2025 mit einem Datenankauf zu Offshore-Beteiligungen in Steueroasen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, den Cayman Islands, Mauritius oder Panama. Das IT-Kompetenzzentrum bereitet das Material aktuell auf und stellt es den nationalen sowie internationalen Partnern zur Verfügung. 

Ansprechpartner für Behörden in Deutschland und Europa

Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität ist in seiner Form einzigartig in Deutschland. Es hat seit seiner Gründung erhebliches Interesse innerhalb der Bundesrepublik erregt, aber auch darüber hinaus. Mit der französischen Steuerfahndung gab es bereits zwei Treffen in Präsenz, bei denen es beispielsweise um die Herausforderung von Massendaten und organisiertem Umsatzsteuerbetrug ging. Ein vertiefender Workshop zu Kryptowerten und Auswertetools ist für 2026 geplant. Das IT-Kompetenzzentrum des LBF NRW kooperiert bereits mit der niederländischen Steuerfahndung, im Juli 2025 haben Vertreterinnen und Vertreter das LBF NRW besucht. Das Ziel ist eine intensivierte Kooperation bei der Entwicklung von Softwarelösungen für die IT-Forensik. Auch eine Delegation aus dem Senegal hat das LBF NRW bereits besucht. Und der erste Austausch für 2026 ist bereits terminiert: Im Januar kommen Vertreterinnen und Vertreter aus dem österreichischen Bundesministerium für Finanzen nach Düsseldorf, um die Struktur des neuen Landesamtes kennenzulernen. 

Fotos zum Thema können Sie hier herunterladen: url.nrw/1-Jahr-LBF

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