Zur Sicherung der Ernten und der regionalen Landwirtschaft: Diskussionsveranstaltung zur aktuellen EU-Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln auf Einladung von Ministerin Gorißen
Der Zuckerrübenanbau hat in vielen Regionen Deutschlands eine lange Tradition – auch in Nordrhein-Westfalen. Aber die Herausforderungen sind derzeit größer als je zuvor. Der Klimawandel führt zu ausbleibenden Niederschlägen und die milderen Winter sorgen dafür, dass sich wärmeliebende Schädlingsarten immer weiter nach Norden ausbreiten.
Der Zuckerrübenanbau hat in vielen Regionen Deutschlands eine lange Tradition – auch in Nordrhein-Westfalen. Aber die Herausforderungen sind derzeit größer als je zuvor. Der Klimawandel führt zu ausbleibenden Niederschlägen und die milderen Winter sorgen dafür, dass sich wärmeliebende Schädlingsarten immer weiter nach Norden ausbreiten. Ein Beispiel dafür ist die Schilf-Glasflügelzikade: Das kleine Insekt überträgt verschiedene Pflanzenkrankheiten und verursacht zum Teil hohe Ernteverluste. Damit in Zukunft Ernten gesichert werden können, braucht es eine Weiterentwicklung des europäischen Rechtsrahmens zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Deshalb hat Ministerin Silke Gorißen in Brüssel am Mittwoch, 25. März 2026, zu der Diskussionsveranstaltung „Vom Acker zur Agenda – Unsichtbare Bedrohung, sichtbare Folgen. Warum SBR/Stolbur Europas Ernährungspolitik herausfordert“ in die Vertretung des Landes bei der Europäischen Union eingeladen. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt und dem nordrhein-westfälischen Unternehmen Pfeifer & Langen durchgeführt.
Ministerin Silke Gorißen: „Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen, dazu gehört auch der Klimawandel mit seinen Folgen für Erträge auf unseren Feldern. Deshalb setzt sich Nordrhein-Westfalen für Anpassungen auf nationaler und europäischer Ebene ein, die die prekäre Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln abwenden. Diese Anpassungen widersprechen keineswegs dem Ziel der Pflanzenschutzmittelreduktion. Es müssen wirksame Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, damit die Ernten der Landwirtinnen und Landwirte gesichert sind.“
Die Ministerin weiter: „Wir begrüßen grundsätzlich die Bemühungen der Europäischen Kommission, das Zulassungssystem für Pflanzenschutzmittel zu vereinfachen, Verfahren zu beschleunigen und bürokratische Belastungen zu reduzieren. Eine verbesserte Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel ist eine zentrale Voraussetzung für die Sicherstellung von Pflanzengesundheit, Ertragssicherheit und einer stabilen Lebensmittelproduktion in der Europäischen Union.“
Die vorgesehenen Maßnahmen ließen jedoch nur begrenzte Verbesserungen erwarten. Die Ministerin: „Die Landwirtschaft braucht dringend weitere Anpassungen, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten – beispielsweise die Weiterentwicklung der europäischen Wirkstoffzulassung. Wenn wir eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft in Europa sichern und keine Abhängigkeit von Lebensmittelimporten wollen, brauchen wir einen innovationsfreundlichen Rechtsrahmen. Der heutige Austausch ist dafür ein wichtiger Schritt, denn die entscheidenden Weichen werden auf europäischer Ebene gestellt.“
Stolbur-Krankheit/SBR bedroht heimischen Kartoffelanbau
Trotz der derzeit noch regional begrenzten Verbreitung der Schilf-Glasflügelzikade in Nordrhein-Westfalen besteht ein erhöhtes Risiko einer weiteren Ausbreitung. Die Zikade ist sehr mobil und kann neue Regionen schnell besiedeln, wodurch sich die Krankheit schrittweise von südlichen Anbaugebieten Deutschlands nach Norden ausbreitet. Daher wird in Nordrhein-Westfalen ein intensives Monitoring durchgeführt, um frühzeitig Befall zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Schilf-Glasflügelzikaden übertragen die Krankheiten SBR (Syndrome Basses Richesses – Syndrom der niedrigen Zuckergehalte) sowie Stolbur (auch „Bakterielle Kartoffelknollen-Welke“ genannt), verursachen dadurch in Zuckerrüben und Kartoffeln enorme Schäden und bedrohen so die Anbauwürdigkeit und Wirtschaftlichkeit der Feldfrüchte. Auch weitere Kulturen des Gemüsebaus wie etwa Karotte und Rote Bete werden befallen. Die Bekämpfung der Pflanzenkrankheit Stolbur fällt schwer, weil seit einigen Jahren keine wirksamen Pflanzenschutzmittel mehr auf EU-Ebene genehmigt werden, jedoch laufend Wirkstoffe wegfallen. Auch Notfallzulassungen können das Problem auf lange Zeit nicht lösen – daher braucht es einen belastbaren europäischen Rechtsrahmen, um der Landwirtschaft Planungssicherheit zu geben. Ansonsten droht der Abbau wertvoller regionaler Ackerbaukulturen wie der Zuckerrüben oder Kartoffeln. Damit verbunden steigt die Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland.
Auch die Züchtung resistenter Sorten braucht Zeit. Selbst wenn heute geeignete Resistenzgene identifiziert werden, dauert es viele Jahre, bis daraus leistungsfähige Sorten entstehen. Die Veranstaltung in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung dient dazu, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen, um Risiken einzuordnen, Handlungsoptionen zu diskutieren und Perspektiven für eine resiliente europäische Lebensmittelproduktion aufzuzeigen.
Neben den Auswirkungen von SBR/Stolbur auf landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten geht es bei der Veranstaltung auch um die Rolle Neuer Genomischer Techniken (NGT) im Spannungsfeld von Wissenschaft, Regulierung und Versorgungssicherheit. „Der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Neuregelung der neuen Züchtungstechnologien ist ein wichtiger und sinnvoller Schritt“, so Ministerin Silke Gorißen. „Moderne Technologien eröffnen die Möglichkeit, Züchtungsprozesse deutlich zu beschleunigen, Resistenzen schneller in praxistaugliche Sorten zu integrieren und somit die Abhängigkeit vom chemischen Pflanzenschutz zu reduzieren.“
Auf dem Podium diskutieren Dr. Klaus Berend, Direktor für Lebensmittelsicherheit, Nachhaltigkeit und Innovation, Europäische Kommission, Generaldirektion Sante, Dr. Björn Küstermann, Landwirt und Vorsitzender des Zuckerrübenanbauerverbandes Könnern e.V., Prof. Dr. Anne-Katrin Mahlein, Leiterin des Instituts für Zuckerrübenforschung (IfZ), Dr. Sabine Andert, Leiterin des Fachinstituts für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland, Julius-Kühn-Institut (JKI) und Norbert Lins, MdEP, Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments.
Gespräch mit EU-Kommissar Várhelyi: Zusätzliche Aufzeichnungspflichten im Pflanzenschutz wieder abschaffen
Im Rahmen ihres Besuchs in Brüssel kommt Ministerin Gorißen auch mit Olivér Várhelyi, EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, zu einem Gespräch zusammen. Thema sind die aktuelle Situation der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und der hieraus resultierende Anpassungsbedarf. Ministerin Gorißen bittet den Kommissar zudem darum, die seit dem Anfang des Jahres zusätzlichen Aufzeichnungspflichten im Bereich Pflanzenschutz wieder abzuschaffen: „Diese zusätzlichen Aufzeichnungspflichten bieten keinen Mehrwert für den Schutz der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen, stellen jedoch einen unangemessenen bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe dar.“
Darüber hinaus tauscht sich Ministerin Gorißen mit EU-Kommissar Várhelyi über die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest und weiterer Tierseuchen aus. Die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (GD SANTE), für die Kommissar Várhelyi zuständig ist, kontrolliert die Umsetzung von Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung in den Mitgliedsstaaten. Ministerin Gorißen dankt dem EU-Kommissar für die enge Abstimmung und gute Zusammenarbeit für mehr Lebensmittelsicherheit und mehr Schutz von Nutztierhaltungen in Nordrhein-Westfalen.
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