Sechste Station der Tour „Starke Zukunft in NRW: KI in Landwirtschaft und Wald“ von Ministerin Gorißen

Mit KI und Drohnen für den Wald von morgen: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg stellt Forschungsprojekt „Garrulus“ im Arnsberger Wald vor

6. August 2026
phb Wald

Bei der sechsten Station ihrer Tour „Starke Zukunft in NRW: KI in Landwirtschaft und Wald“ besuchte sie das Forschungsprojekt „Garrulus“ der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Der Klimawandel setzt dem Wald in Nordrhein-Westfalen stark zu – Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer verursachen dem Wald große Schadflächen. Zugleich ist der Wald wichtiger Klimaschützer, einzigartiger Raum der Natur, wichtiger Lieferant des Rohstoffs Holz und Raum der Erholung. Um bestehende Schadflächen durch eine nachhaltige Wiederbewaldung zu beseitigen, braucht es innovative und effiziente Lösungen. Wie solche Lösungen aussehen können, davon hat sich Ministerin Silke Gorißen am Donnerstag, 6. August 2026, im Arnsberger Wald ein Bild gemacht. Bei der sechsten Station ihrer Tour „Starke Zukunft in NRW: KI in Landwirtschaft und Wald“ besuchte sie das Forschungsprojekt „Garrulus“ der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Bei „Garrulus“ wird über eine Drohne punktgenau Saatgut für die Wiederbewaldung ausgebracht. 

„Unsere Wälder sind unverzichtbar – als Lebensraum, Klimaschützer, Erholungsort und Holzlieferant“, sagte Ministerin Silke Gorißen vor Ort. „Gleichzeitig stehen sie durch den Klimawandel unter enormem Druck. Deshalb brauchen wir neue Ideen und moderne Technologien, um die Wiederbewaldung zu unterstützen. Das Projekt ‚Garrulus‘ zeigt eindrucksvoll, wie Künstliche Intelligenz, Drohnentechnik und wissenschaftliche Expertise dazu beitragen können, geschädigte Waldflächen präzise und effizient mit Saatgut wiederzubewalden. Die Landesregierung fördert ‚Garrulus‘ ganz bewusst, weil das Projekt das Potenzial hat, die Forstwirtschaft nachhaltig zu stärken.“

Zwei unterschiedliche Garrulus-Drohnen kommen zum Einsatz

Im Mittelpunkt des vom Land Nordrhein-Westfalen mit 1,78 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekts steht eine Saatdrohne. Diese Drohne bringt Saatgutkapseln mithilfe eines speziell entwickelten Druckluftmechanismus punktgenau an Stellen in den Waldboden ein, wo die Keimung die größten Erfolgsaussichten hat.

Zuvor kommt noch eine Messdrohne zum Einsatz. Sie erfasst die Fläche mit verschiedenen Sensoren und liefert hochauflösende Daten. Anschließend analysieren Modelle der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens die Aufnahmen. Sie erkennen unter anderem Baumstümpfe, Konkurrenzvegetation oder freiliegenden Mineralboden und berechnen automatisch die optimalen Aussaatpunkte sowie die Flugroute der Saatdrohne, die dann ihre Kapseln in den Boden schießt.

„Als Informatiker hätten wir vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass uns unsere Forschung einmal mitten in den Wald führt“, so Prof. Alexander Asteroth. „Aber genau hier zeigt sich, ob aus einem Ansatz echter Nutzen entsteht: Wenn im Frühjahr ein Keimling genau dort steht, wo unser Modell einen guten Standort vorhergesagt hat, sagt das mehr als jede Simulation.“

Das Verfahren unterscheidet sich deutlich von bisherigen Drohnensaat-Systemen. Während andere Ansätze Saatgut meist breitwürfig über einer Fläche verteilen, setzt Garrulus auf eine punktgenaue Platzierung. Dadurch können das begrenzt verfügbare Saatgut effizienter eingesetzt und die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Anwachsens erhöht werden.

Garrulus wird kontinuierlich weiterentwickelt

Nach ersten Versuchen des seit 2021 laufenden Projektes wird durch kontinuierliche Weiterentwicklung der Saatgutkapseln, ihrer Flugstabilität sowie der verwendeten Materialien eine immer höhere Keimrate erzielt. Ende 2025 konnte auf einer Versuchsfläche im Arnsberger Wald erstmals der gesamte technische Ablauf unter realen Bedingungen erfolgreich getestet werden – von der Vermessung über die KI-gestützte Planung bis zur automatisierten Aussaat. Im laufenden Jahr werden die Entwicklung der Keimlinge sowie weitere Optimierungen des Verfahrens wissenschaftlich begleitet. Die aktuelle Projektphase läuft noch bis Ende 2026. Ziel ist es, eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für zukünftige marktreife Anwendungen zu schaffen. Die entwickelten Technologien könnten künftig nicht nur bei der Wiederbewaldung eingesetzt werden, sondern auch für weitere Aufgaben der digitalen Forstwirtschaft – etwa bei der automatisierten Erfassung und Kartierung von Waldflächen.

Das Garrulus-Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie eng Forschungseinrichtungen, Landesverwaltung und forstliche Praxis in Nordrhein-Westfalen zusammenarbeiten. Neben der finanziellen Förderung durch das Land unterstützt der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen das Forschungsvorhaben mit fachlicher Expertise, Infrastruktur und Versuchsflächen. So können neue Verfahren unter realistischen Bedingungen entwickelt und getestet werden.

Der Name „Garrulus“ ist übrigens kein Zufall: Er leitet sich vom wissenschaftlichen Namen des Eichelhähers (Garrulus glandarius) ab. Der Vogel gilt als natürlicher „Waldgärtner“, weil er Eicheln im Boden versteckt und so maßgeblich zur natürlichen Verjüngung von Eichenwäldern beiträgt. Genau dieses Prinzip greift das Forschungsprojekt mit modernster Technik auf.

Hintergrund Tour „Starke Zukunft in NRW: KI in Landwirtschaft und Wald“

Die Tour „Starke Zukunft in NRW: KI in Landwirtschaft und Wald“ hat Ministerin Gorißen bereits an verschiedene Forschungs- und Praxisstandorte im Land geführt. Dabei hat sie Projekte sichtbar gemacht, die zeigen, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz dazu beitragen können, Landwirtschaft und Forstwirtschaft nachhaltiger, leistungsfähiger und widerstandsfähiger zu gestalten. Es ging etwa um gezielte Bewässerung von bedürftigen Pflanzen, die umweltschonende Unkrautbekämpfung durch Maschinen, den Schutz von Ernten durch präzise Wetterprognosen oder ein Verfahren zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im Ei. Ende September besucht Ministerin Gorißen Haus Düsse in Bad Sassendorf, wo sie sich über sensorgestützte Nutztierhaltung informiert.

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