Lehrkräfteausbildung in Nordrhein-Westfalen wird modernisiert

Praxisnäheres Studium, gestärkter Vorbereitungsdienst und neue Wege zur Gewinnung von Lehrkräften / Schul- und Wissenschaftsausschuss empfiehlt Reform

4. Juni 2026
Studenten Laptop Frau Mann

Der Ausschuss für Schule und Bildung sowie der Wissenschaftsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags haben die Beratungen für die Modernisierung der Lehrkräfteausbildung abgeschlossen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags soll die Ausbildung angehender Lehrkräfte mit Änderungen im Lehrerausbildungsgesetz und in der Lehramtszugangsverordnung weiterentwickelt werden.

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Der Ausschuss für Schule und Bildung sowie der Wissenschaftsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags haben die Beratungen für die Modernisierung der Lehrkräfteausbildung abgeschlossen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags soll die Ausbildung angehender Lehrkräfte mit Änderungen im Lehrerausbildungsgesetz und in der Lehramtszugangsverordnung weiterentwickelt werden. Ziel ist es, die Ausbildung praxisnäher, attraktiver und zukunftsfester zu gestalten und zugleich zusätzliche Potenziale für die Gewinnung von Lehrkräften zu erschließen.

Schulministerin Dorothee Feller erklärte: „Die Lehrkräfteausbildung in Nordrhein-Westfalen bildet das Fundament für gute Schule. Mit der Reform entwickeln wir sie gezielt weiter und stärken die Qualität. Wir richten die Ausbildung noch enger an den Anforderungen des Schulalltags aus und schaffen zusätzliche Zugänge zum Lehrerberuf. Wir schaffen damit gute Voraussetzungen dafür, dass sich auch künftig viele junge Menschen für den Lehrerberuf entscheiden.“

Wissenschaftsministerin Ina Brandes: „Gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer sind der Schlüssel für eine anspruchsvolle Schulbildung. Mit der Modernisierung der Lehrkräfteausbildung schaffen wir bessere Ausbildungsmöglichkeiten und erleichtern Zugänge zum Lehramt in Bereichen, die besondere Bedarfe haben, etwa Deutsch als Fremdsprache und den naturwissenschaftlichen Fächern. Mein großer Dank gilt den Hochschulen. Sie werden ihrer Verantwortung für eine qualitativ hochwertige Lehrkräfteausbildung mit klugen Ideen und hoher Innovationsbereitschaft vorbildlich gerecht.“

Die Reform ist ein wichtiger Baustein des Schulkompasses NRW 2030. Grundlage der Weiterentwicklung ist der Bericht zur Lehrkräfteausbildung, den die Landesregierung im vergangenen Jahr vorgelegt hatte. Verbände, Hochschulen, Kirchen, Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und weitere Akteure hatten ihre Erfahrungen und Anregungen in den Prozess eingebracht.

Mehr Praxis im Studium

Künftig werden angehende Lehrkräfte während des Studiums noch stärker an den Schulalltag herangeführt. Das Eignungs- und Orientierungspraktikum wird verlängert. Zudem soll das Berufsfeldpraktikum künftig grundsätzlich an Schulen stattfinden. Damit sammeln Studierende frühzeitig zusätzliche Erfahrungen im Unterricht und lernen die Anforderungen des Lehrerberufs noch besser kennen.

Sonderpädagogische Förderung wird gestärkt

Ein Schwerpunkt der Reform liegt auf dem Lehramt für sonderpädagogische Förderung. Die Ausbildung wird stärker auf ein – vertieft zu studierendes – Unterrichtsfach konzentriert und stärker auf die Vermittlung von Basiskompetenzen und Diagnosekompetenzen ausgerichtet. Künftig erwerben alle angehenden Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen Kenntnisse sowohl in der sprachlichen als auch in der mathematischen Grundbildung. Gleichzeitig bleibt die breite Einsatzfähigkeit in verschiedenen Schulformen und Förderschwerpunkten erhalten.

Ministerin Feller betont: „Gerade für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf sind starke Kompetenzen beim Lesen, Schreiben und Rechnen wichtig. Deshalb stärken wir diese Bereiche gezielt in der Ausbildung der künftigen Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen.“

Neues Lehramtsfach „Deutsch als Zweitsprache“

Nordrhein-Westfalen reagiert zudem auf die wachsende Bedeutung sprachlicher Bildung. Erstmals wird „Deutsch als Zweitsprache“ als eigenständiges Lehramtsfach eingeführt. Das neue Angebot soll zunächst für das Lehramt an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen eingerichtet und regelmäßig evaluiert werden.

Damit stärkt das Land die Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Allein im vergangenen Schuljahr befanden sich zeitweise rund 100.000 neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in der schulischen Erstförderung.

Neue Wege für die Berufskollegs

Um zusätzliche Lehrkräfte für technische Fachrichtungen zu gewinnen, ermöglicht die Reform einen Modellversuch mit Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Diese können künftig unter bestimmten Voraussetzungen lehramtsbezogene Masterabschlüsse in technischen Fachrichtungen anbieten. Ziel ist es, neue Zielgruppen für den Lehrerberuf zu erschließen und den Fachkräftebedarf insbesondere an Berufskollegs besser zu decken.

Zusätzliche Chancen durch erweiterten Seiteneinstieg

Die Reform eröffnet außerdem neue Möglichkeiten für qualifizierte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten künftig auch Bewerberinnen und Bewerber mit nur einem Unterrichtsfach Zugang zum berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst. Dies erleichtert zugleich die Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse. Damit werden zusätzliche Potenziale für den Lehrerberuf erschlossen, ohne die Qualitätsstandards der Ausbildung abzusenken.

Die grundständige Lehrkräfteausbildung mit zwei Unterrichtsfächern bleibt dabei auch im Seiteneinstieg weiterhin der Regelfall.

Neben diesen Kernbereichen umfasst das beschlossene Paket zahlreiche weitere strukturelle und fachliche Anpassungen, die das System der Lehrkräfteausbildung in Nordrhein-Westfalen zukunftsfest aufstellen.

Vorbereitungsdienst wird praxisnäher

Bereits Anfang des Jahres wurde der Vorbereitungsdienst der angehenden Lehrkräfte weiterentwickelt: Unterrichtsbesuche werden stärker als Lern- und Entwicklungsinstrument ausgestaltet. Einheitliche Rückmeldeformate sorgen künftig für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit. Gleichzeitig werden die schriftlichen Vorbereitungen schlanker und stärker auf die Anforderungen des Schulalltags ausgerichtet.

Darüber hinaus wurde die Staatsprüfung modernisiert. Die kontinuierliche Ausbildungsleistung erhält künftig ein höheres Gewicht, während die Bedeutung einzelner Prüfungssituationen reduziert wird. Damit wird die Gesamtleistung über die gesamte Ausbildungszeit stärker berücksichtigt.

Beitrag zur Sicherung der Unterrichtsversorgung

Die Landesregierung verbindet mit der Reform unter anderem das Ziel, noch mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen und sie bestmöglich auf ihre spätere Tätigkeit vorzubereiten.

Schulministerin Dorothee Feller erklärt abschließend: „Diese Reform ist ein wichtiger Baustein unseres Schulkompasses NRW 2030. Wir machen die Lehrkräfteausbildung moderner, praxisnäher und attraktiver und stärken damit die Qualität nachhaltig.“

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