Land unterhält Samenplantagen für die Wälder von morgen
Ministerin Gorißen pflanzt junge Wildbirne als Zeichen für den Erhalt der genetischen Vielfalt
Die Wildbirne (Pyrus pyraster) als heimische Laubbaumart ist in Nordrhein-Westfalen selten geworden. Lange war sie in Eichenmischwäldern, Hartholzauen oder an Waldrändern verbreitet.
Die Wildbirne (Pyrus pyraster) als heimische Laubbaumart ist in Nordrhein-Westfalen selten geworden. Lange war sie in Eichenmischwäldern, Hartholzauen oder an Waldrändern verbreitet. Heute wird sie häufig von anderen Baumarten verdrängt. Deshalb steht sie auf der Liste der gefährdeten Arten. Dabei ist die Wildbirne für die Vielfalt der Wälder der Zukunft in Nordrhein-Westfalen wichtig: Sie verträgt Trockenheit und wächst vor allem an Waldrändern. Zudem können gut bekronte Exemplare über 200 Jahre alt werden und bieten zahlreichen Tierarten Nahrung und Lebensraum – all das macht sie als Baum im Klimawandel besonders wertvoll.
Die Landesregierung setzt sich dafür ein, seltene heimische Laubbaumarten zu erhalten. Ministerin Silke Gorißen hat daher am Freitag, 13. März 2026, im Arnsberger Wald eine neue Samenplantage der Wildbirne eingeweiht – ein bedeutendes Schutzprojekt für die Zukunft der Wälder in Nordrhein-Westfalen.
„Die Wildbirne ist ein alter Schatz unserer heimischen Wälder – ökologisch wertvoll, anpassungsfähig und bemerkenswert langlebig. Die Wildbirne passt – nach heutigem Wissensstand – sehr gut in den Mischwald der Zukunft. Deshalb ist es so wichtig, sie zu erhalten. Mit Projekten wie dieser Samenplantage sichern wir genetische Vielfalt und stärken unsere Wälder im Klimawandel“, betonte Ministerin Silke Gorißen.
Klimaanpassung durch genetische Vielfalt in neuer Samenplantage
Das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft, Sachgebiet Forstgenetik und -vermehrungsgut, unterhält die neue Samenplantage. Insgesamt unterhält das Land 74 Samenplantagen, sie sichern genetische Ressourcen und leisten einen wichtigen Beitrag zur klimaangepassten Weiterentwicklung der Wälder in Nordrhein-Westfalen. In den letzten drei Jahren wurden auf den 74 Plantagen rund 15 Tonnen Rohsaatgut geerntet, sowohl von Baumarten, die besonders geschützt werden müssen, als auch von Baumarten, die bereits jetzt wichtige Bestandteile der Wälder in Nordrhein-Westfalen sind und es auch bleiben sollen – wie Eiche oder Buche.
Die Samenplantage in Arnsberg bündelt verschiedene Individuen an einem Standort. Von extra für diesen Zweck in unterschiedlichen Regionen Nordrhein-Westfalens aufgesuchten Wildbirnenbäumen wurden Edelreiser entnommen, im Gewächshaus veredelt und zu jungen Bäumen herangezogen.
Anders als im geschlossenen Waldbestand stehen die Bäume in der Samenplantage in weiten Abständen – ähnlich einer Streuobstwiese. So können sie breite Kronen ausbilden und reichlich Blüten und Früchte tragen. Ab einem Alter von etwa zehn Jahren ist eine Saatguternte möglich.
„Die Vorteile der Samenplantage liegen auf der Hand: Hier können wir eine hohe genetische Vielfalt des Saatguts durch viele beteiligte Individuen bei der Befruchtung sicherstellen“, erklärt Dr. Marius Zimmermann, Leiter Sachgebiet Forstgenetik und -vermehrungsgut. „Außerdem ist die spätere Ernte der Wildbirnenfrüchte effizient und damit auch kostengünstig möglich.“
Genetische Vielfalt bedeutet, dass sich Pflanzen an sich ändernde Wuchsbedingungen anpassen können und so auch unter neuen Rahmenbedingungen überleben können. Vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen gewinnt die genetische Vielfalt an Bedeutung. Gleichzeitig verbessern und erleichtern Samenplantagen die Saatguternte, da die freistehenden Bäume mehr Früchte bilden, die auch leichter geerntet werden können.
„Gerade bei der Wildbirne ist dies entscheidend. Da sie in der Landschaft häufig nur als Einzelbaum vorkommt, gehört sie zu den besonders seltenen Baumarten. Wir sichern so also den Erhalt dieser heimischen Art“, ergänzt Thomas Wälter, Leitung Zentrum für Wald und Holzwirtschaft NRW.
Von der Frucht zum Zukunftsbaum
Die Wildbirne blüht im April und Mai, geerntet werden die kleinen, rundlichen Früchte im Oktober. Aus einem Kilogramm Früchten können – je nach Jahr – zwischen 50 und 750 Samen gewonnen werden. Da nicht jeder Samen keimt, entstehen aus 100 Samen durchschnittlich 40 bis 70 junge Pflanzen. Das Saatgut ist, abhängig von seiner Qualität, drei bis sieben Jahre lagerfähig.
Nach der maschinellen Aufbereitung, gründlichen Reinigung und anschließenden Qualitätsprüfung im Saatgutlabor in Arnsberg werden aus den Samen junge Pflanzen herangezogen. Diese werden später gezielt in geeigneten Waldstandorten in Nordrhein-Westfalen eingebracht – als Beitrag zu artenreichen, stabilen und klimaangepassten Mischwäldern.
Mit der heutigen Pflanzung unterstreicht die Ministerin die Bedeutung langfristiger Investitionen in genetische Ressourcen: „Samenplantagen sind ein langfristiges Projekt des Aufbaus nachhaltiger Wälder. Plantagen wie diese hier im Arnsberger Wald liefern hochwertiges, heimisches Saatgut, das wir für die Wälder von morgen brauchen,“ so Ministerin Silke Gorißen.
Die spezielle Samenplantage dient in gewisser Weise auch der Fortbildung. An ihr führt der Ruhrradweg vorbei. Daher können interessierte Bürgerinnen und Bürger, die an der Plantage vorbeiradeln, auf einem Schild nachlesen, was auf dieser Fläche passiert.
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