Land startet neue Qualifizierung für mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr
Pilotprojekt mit der IHK bereitet Bahnmitarbeitende auf Konfliktsituationen vor
Seit dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz ist die Sicherheit von Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr noch stärker in den Fokus gerückt. Nordrhein-Westfalen hat nach dem Angriff ein Maßnahmenpaket mit dem flexibleren Einsatz von Doppelbesetzungen in Zügen, Bodycams, verbesserten Alarmierungs- und Videosystemen sowie zusätzlichen Deeskalations- und Sicherheitstrainings vorangetrieben.
Nordrhein-Westfalen stärkt die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr: Eine neue IHK-zertifizierte Weiterbildung bereitet Bahnmitarbeitende künftig gezielt auf Konfliktsituationen vor. Das Programm „Sicherheitskraft im ÖPV“ startete jetzt in Gelsenkirchen, gefördert vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr. Es ist der nächste Baustein, mit dem das Land gezielt für mehr Schutz der Mitarbeitenden sorgt, die im Job häufig mit Konfliktsituationen umgehen müssen. Verkehrsminister Oliver Krischer besuchte den Pilotlehrgang: „Die Beschäftigten im Bahnverkehr brauchen diesen Rückhalt. Deshalb ermöglichen wir diese bisher einmalige Qualifizierung, die den Selbstschutz stärkt und natürlich auch die Sicherheit der übrigen Fahrgäste verbessern soll.“
Seit dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz ist die Sicherheit von Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr noch stärker in den Fokus gerückt. Nordrhein-Westfalen hat nach dem Angriff ein Maßnahmenpaket mit dem flexibleren Einsatz von Doppelbesetzungen in Zügen, Bodycams, verbesserten Alarmierungs- und Videosystemen sowie zusätzlichen Deeskalations- und Sicherheitstrainings vorangetrieben. Die neue IHK-Zusatzqualifizierung knüpft an die gesteckten Ziele an. Sie wurde von den Aufgabenträgern im Schienenpersonennahverkehr, dem Kompetenzcenter Sicherheit NRW und der IHK Nord Westfalen entwickelt.
Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Konfliktmanagement, Deeskalationstechniken, Kommunikation, Körperspracheanalyse sowie praktisches Englisch. Die Ausbildung umfasst insgesamt 300 Unterrichtsstunden, das entspricht knapp drei Monaten in Vollzeit. Sie kombiniert theoretische Inhalte mit realitätsnahen Trainingssituationen, in denen typische Einsatzlagen aus dem Bahnalltag unter kontrollierten Bedingungen geübt werden. „Sicherheit ist ein Thema, das mit physischer Präsenz wahrgenommen wird. Die Absolventen im IHK-Lehrgang erwerben die notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen für mehr persönlich wahrnehmbare Sicherheit im ÖPV“, erklärt Sven Wolf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord und Standortleiter in Gelsenkirchen.
Neben dem ersten Pilotlehrgang in Gelsenkirchen wird im Juni ein weiterer in Dortmund beginnen. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Pilotprojekt mit rund 230.000 Euro für Entwicklung, Durchführung und wissenschaftliche Begleitung. Nach dem erfolgreichen Abschluss sollen die Absolventinnen und Absolventen mindestens ein Jahr bei den beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen VIAS Rail, Regiobahn und WestfalenBahn eingesetzt werden.
Bereits vor dem offiziellen Start wurde die Qualifizierung national ausgezeichnet: Bei den Outstanding Security Performance Awards 2025 erhielt das Projekt den Preis für die beste Initiative im Bereich Sicherheitsschulungen. Dies zeigt: „Das Projekt stößt bereits jetzt auch über Nordrhein-Westfalen hinaus auf Interesse. Die Projektpartner planen, ihre Erfahrungen künftig mit anderen Bundesländern und Verkehrsunternehmen zu teilen“, erklärt Kilian Schäfer, Leiter des Kompetenzcenter Sicherheit NRW.
Langfristig soll das Angebot „Sicherheitskraft im ÖPV“ bei Interesse auch bundesweit angeboten und in Nordrhein-Westfalen ab 2028 schrittweise als Standard in neuen SPNV-Verträgen verankert werden. Nach Vorstellung der Landesregierung sollen so Mitarbeitende mit Sicherheitsaufgaben im Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen entsprechend qualifiziert werden.
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