Bolzplatzkultur und Martinstradition sind jetzt immaterielles Kulturerbe des Bundes

Auf Landesebene gibt es vier neue Einträge. Kulturministerin Ina Brandes: Starke Auszeichnung für gelebte Kultur aus Nordrhein-Westfalen

24. April 2026
Nahaufnahme eines grünen Fußballnetzes, das im Vordergrund scharf zu sehen ist. Im unscharfen Hintergrund erkennt man einen Ball am rechten Bildrand und eine Spielfläche im Freien.

Damit stammen nun 26 der insgesamt 173 bundesweiten Einträge aus Nordrhein-Westfalen.

Kultur und Wissenschaft

Helmut Rahn, Ernst Kuzzorra, Günter Netzer, Wolfgang Overath, Stan Libuda, Lars Ricken, Bernhard Dietz, Florian Wirtz, Thomas Helmer und die Rummenigge-Brüder – sie alle gehören seit Generationen und für Generationen zu den große Fußballhelden aus Nordrhein-Westfalen. Und sie alle haben ihre Karrieren auf dem Bolzplatz begonnen. Auch deshalb wurde der Bolzplatz jetzt in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Denn: Fußball verbindet Menschen jeden Alters und ist Teil unseres kulturellen Erbes.

Außerdem wurde auch die Martinstradition aus dem Rheinland von der Kulturministerkonferenz der Länder und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit einem Eintrag im bundesweiten Verzeichnis als „kreative, inklusive und innovative“ Kulturform gewürdigt. Damit stammen nun 26 der insgesamt 173 bundesweiten Einträge aus Nordrhein-Westfalen. Zugleich wurde das Landesinventar Nordrhein-Westfalens um vier neue Einträge erweitert.

Kulturministerin Ina Brandes: „Woche für Woche pilgern Millionen Menschen zu den Spielen der Fußballbundesliga. Im Stadion zählen weder Alter, Herkunft noch soziale Unterschiede. Und diese Begeisterung für das Runde und das Eckige hat immer seinen Ursprung auf dem Bolzplatz. Fußball und Kultur ist kein ‚entweder-oder‘, sondern ‚sowohl als auch’. Ebenso wie die Bolzplatz-Kultur verbindet auf ganz andere Weise auch die Martinstradition im Rheinland Menschen, die sich über gemeinsame Erlebnisse freuen, die Gemeinschaft stiften und den Zusammenhalt fördern. Die Aufnahme der beiden Traditionen in das Bundesverzeichnis für Immaterielles Kulturerbe ist eine starke Auszeichnung für gelebte Kultur aus Nordrhein-Westfalen.“

Während die Bolzplatzkultur und die Martinstradition aufgestiegen sind in die bundesweite Top-Liga, wurden in Nordrhein-Westfalen im siebten Bewerbungs- und Auswahlverfahren vier neue Traditionen ins Landesinventar eingetragen: der Blumenkorso, das Divertissementchen der Cäcilia Wolkenburg, der Gymnicher Ritt sowie der Teckel (Dackel, Dachshund).

Seit 2013 dokumentiert Nordrhein-Westfalen mit dem Landesinventar kulturelle Ausdrucksformen im Land. Gruppen und Gemeinschaften können ihre Praxis selbst zur Aufnahme vorschlagen. Die Entscheidung erfolgt auf Empfehlung der unabhängigen Landesjury für immaterielles Kulturerbe und wird durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft bestätigt.

Mit den aktuellen Neuaufnahmen wächst das Verzeichnis auf nunmehr 23 Einträge und bildet die kulturelle Vielfalt des Landes in besonderer Weise ab: von mündlich überlieferten Traditionen und Ausdrucksformen über darstellende Künste sowie gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste bis hin zu Wissen und Praktiken im Umgang mit Natur und Universum und traditionellen Handwerkstechniken.

Der Start der nächsten Bewerbungsphase für die Aufnahme ins Landesinventar und Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes ist für das Frühjahr 2028 geplant. Die Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW an der Universität Paderborn berät und unterstützt Interessierte im Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Weitere Informationen und die bisherigen Einträge im Landesinventar finden Sie hier.

Die Neuaufnahmen im Auswahlverfahren 2025-27 in das Landesinventar des Immateriellen Kulturerbes in Nordrhein-Westfalen sind:

Blumenkorso

Beim Blumenumzug werden kunstvoll mit Blüten geschmückte Wagen in Umzügen präsentiert. Ein besonders prägnantes Beispiel stellt der Blumenkorso in Legden dar, bei dem Nachbarn, Familien und Vereine in aufwendiger Handarbeit Motivwagen gestalten. Charakteristisch ist, dass ausschließlich Kinder auf den Wagen mitfahren und damit in besonderer Weise im Zentrum der Traditionsweitergabe stehen.

Divertissementchen der Cäcilia Wolkenburg

Das Divertissementchen ist eine jährlich zur Karnevalszeit aufgeführte Bühnenpraxis, die Elemente von Operette, Revue, Schauspiel und Chorgesang miteinander verbindet. Getragen von der Bühnenspielgemeinschaft im Kölner Männer-Gesang-Verein ist die Kulturform fest in der Kölner Stadtkultur verankert und wird generationenübergreifend weitergegeben. Die Aufführung in kölscher Mundart trägt zur Bewahrung und zugleich zur lebendigen Weiterentwicklung sprachlicher Vielfalt bei.

Gymnicher Ritt

Jedes Jahr zu Christi Himmelfahrt pilgern Reiterinnen und Reiter sowie Fußgängerinnen und Fußgänger durch Erftstadt-Gymnich. Die Kulturform verbindet religiöse, gesellschaftliche und kulturelle Elemente und Traditionen, lokales Selbstverständnis sowie soziale Begegnung miteinander. Unter Mitwirkung zahlreicher lokaler Vereine wird die Praxis generationenübergreifend weitergegeben und prägt als identitätsstiftendes Ereignis den lokalen Jahreslauf.

Teckel (Dachshund, Dackel)

Die um den Teckel entwickelte kulturelle Praxis stellt eine vielschichtige Ausdrucksform gelebter Alltagskultur dar. Sie verbindet Haltung und Nutzung mit sozialen, symbolischen und gemeinschaftlichen Dimensionen. In Vereinsstrukturen wird Wissen zwischen alten und jungen Mitgliedern weitergegeben, ausgetauscht und so eine aktive Gemeinschaft gepflegt. Darüber hinaus ist die Figur des Teckels in der Alltagskultur, Bildtradition, Literatur, Karikatur und populärkulturellen Kontexten präsent.

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