Ausbildungskonsens NRW: Weitere Maßnahmen vereinbart, um die berufliche Ausbildung in Zeiten der Pandemie zu stärken

21. Januar 2021
phb Homeschooling, Mädchen, Laptop (2020)

Bei der Sitzung der nordrhein-westfälischen Spitzen im Ausbildungskonsens am heutigen Donnerstag, 21. Januar 2021, haben die Partner weitere Maßnahmen vereinbart, damit Jugendliche auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Distanzunterricht eine bestmögliche berufliche Orientierung und Ausbildungsplatzvermittlung erhalten.

Arbeit, Gesundheit und Soziales

Bei der Sitzung der nordrhein-westfälischen Spitzen im Ausbildungskonsens am heutigen Donnerstag, 21. Januar 2021, haben die Partner weitere Maßnahmen vereinbart, damit Jugendliche auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Distanzunterricht eine bestmögliche berufliche Orientierung und Ausbildungsplatzvermittlung erhalten.
 
„Wir müssen auch unter den widrigen Umständen der Corona-Pandemie dafür sorgen, dass möglichst allen jungen Menschen der Einstieg ins Berufsleben gelingt und Betriebe ihren Fachkräftenachwuchs sichern können“, sagt Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. „Mit vereinten Kräften werden die Partner des Ausbildungskonsenses weiterhin dafür Sorge tragen, dass Auszubildende und Ausbildende zusammenfinden und Unternehmen ermutigt werden, auch in schwierigen Zeiten auszubilden. Wir können es uns nicht leisten, die Ausbildung zu vernachlässigen“, betont Minister Laumann. 
 
In den Regionen wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Kräfte mobilisiert und mit viel Engagement neue Wege beschritten, um das Erfolgsmodell Ausbildung auch in Zeiten von Corona zu sichern.
 
Verstärkt wurden neue, auch digitale Angebote der Orientierung und Vermittlung bei der Besetzung von Ausbildungsstellen entwickelt und umgesetzt. Zur Bekämpfung des Passungsproblems zwischen nachfragenden Jugendlichen und angebotenen Ausbildungsstellen wurden ergänzende personelle Kapazitäten geschaffen. Rund 800 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze sind mit dem „Ausbildungsprogramm NRW“ gefördert worden. Und unter der Dachmarke „Ausbildung jetzt!“ wurden Jugendliche landesweit mit zielgruppengerechten Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit zur Ausbildungsplatzsuche animiert.
 
Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer: „Es ist eine wichtige Aufgabe unserer Schulen, Jugendliche und junge Erwachsene auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben vorzubereiten. Über die Landesinitiative ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ ist eine Vielzahl von Informations- und Orientierungsangeboten ins Schulleben fest integriert. Ich freue mich, dass viele engagierte Schulen in der Coronavirus-Pandemie Wege gefunden haben, ihre Schülerinnen und Schüler auch digital bei der Berufswahl und auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen.“
 
„Junge Menschen nutzen in der Pandemie verstärkt digitale Angebote bei der Berufswahl und der Ausbildungsplatz-Suche. Die zahlreichen neuen Services können das Erleben der beruflichen Praxis und persönliche Beratungsgespräche zwar nicht vollständig ersetzen. Sie sind aber eine sinnvolle Ergänzung, die über die Krise hinaus Bestand haben wird“, so Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart. 
 
Insgesamt wurden viele gute Erfahrungen gemacht, die auch über die Zeit der Pandemie hinaus wirken werden. Gleichzeitig müssen aber noch bestehende Herausforderungen angegangen werden. Nicht überall sind ausreichend Ausbildungsstellen vorhanden, um jedem Jugendlichen, der eine Lehrstelle sucht, ein Angebot zu unterbreiten. Und die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen ist in Nordrhein-Westfalen insgesamt zu hoch. Deshalb fördert das Land bereits seit Beginn dieses Jahres in Regionen mit besonders starken Unterschieden zwischen Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage zusätzlich befristete personelle Matching-Kapazitäten, um dem Passungsproblem entgegenzuwirken.
 
Für die Regionen mit weiterhin besonders schwierigen Ausbildungsmärkten haben die Partner des Ausbildungskonsenses in enger Zusammenarbeit einen Plan „B“ entwickelt und weitere Maßnahmen vereinbart.
 
Demnach sollen unversorgt gebliebene Bewerberinnen und Bewerber aus dem letzten Jahr durch Coaches besonders unterstützt werden und bei Bedarf ein landesgefördertes und trägergestütztes Ausbildungsangebot erhalten.
 
Für Auszubildende technischer Berufe, deren fachpraktische Ausbildung im Ausbildungsbetrieb pandemiebedingt nicht mehr durchgeführt oder simuliert werden kann und deren Abschluss dadurch akut gefährdet ist, sollen zusätzliche Ausbildungsangebote gefördert werden.
 
Die Maßnahmen der Berufsberatung, Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung werden insgesamt (auch digital) weiterentwickelt. Ergänzend zu den notwendigen analogen Praxiseinblicken bei Arbeitgebern gilt es auch im Jahr 2021 erneut flexible und digitale Angebote zu ermöglichen.
 
Die Partner des Ausbildungskonsenses werden die Wirkung der genannten Maßnahmen und der darüberhinausgehenden Aktivitäten fortlaufend erörtern und bei Bedarf optimieren.
 
Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit
„Gerade jetzt ist es wichtig, in Ausbildung und Praktika zu investieren - für Unternehmen und für Jugendliche. Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren Partnern in NRW gute Angebote zur beruflichen Orientierung verabredet und umgesetzt, damit junge Menschen erfolgreich ihren Weg ins Berufsleben finden. Wir haben die Videokommunikation in der Berufsberatung weiter ausgebaut, nutzen virtuelle Messen als Begegnungsort und mit dem Online-Selbsterkundungstool ‚Check U‘ für Jugendliche und ‚New Plan‘ für Erwachsene machen wir ein fachlich fundiertes und zugleich sehr individuelles Informationsangebot, das die Veränderungen der Arbeitswelt sichtbar macht. Auch in Zukunft werden wir unsere Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten weiter ausbauen, um Jugendliche sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber kompetent zu beraten, in die passende Ausbildung zu vermitteln beziehungsweise bei der Suche passender Azubis erfolgreich unterstützen zu können."
 
Anja Weber, Vorsitzende DGB NRW
„Der DGB sieht mit Sorge auf die aktuelle Entwicklung am Ausbildungsmarkt. In 2021 droht ein neuer Negativrekord bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Wir befürchten, dass wir die Marke von 100.000 Ausbildungsverträgen das erste Mal unterschreiten werden. Unsere Beschlüsse von heute sind ein erster Schritt in die richtige Richtung, weitere müssen folgen. Dank der Europäischen Union stehen für die Stärkung der beruflichen Bildung Mittel in erheblichem Umfang zur Verfügung. Diese sollten wir nutzen.”
 
Arndt G. Kirchhoff, Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw)
„Die nordrhein-westfälische Wirtschaft weiß, wie wichtig die eigene Ausbildung für die Fachkräftesicherung ist. Unternehmen beschreiten daher mit viel Engagement neue, oft digitale Wege, um auch in Corona-Zeiten ihre Ausbildungsplätze besetzen und Ausbildung sicherstellen zu können. Fundament für dieses Engagement sind allerdings positive wirtschaftliche Perspektiven. Was Wirtschaft stärkt, ist daher auch der beste Impuls für Ausbildung.”
 
Ralf Stoffels, Präsident IHK NRW
„Die NRW-Unternehmen wissen: Nach der Krise ist wieder Fachkräftemangel. Weiter auszubilden ist deshalb ihr ureigenes Interesse. Damit sie das können, brauchen die besonders krisengebeutelten Betriebe vor allem zweierlei: einfache, schnelle und ausreichende Wirtschaftshilfen sowie nachhaltige Öffnungsperspektiven.“
 
Hans Hund, Präsident Westdeutscher Handwerkskammertag
„Das Handwerk hat aufgrund seiner nach wie vor guten Auftragslage deutlich mehr Ausbildungsstellen zu besetzen als dies im letzten Jahr gelungen ist. Absolute Priorität hat für uns die Unterstützung durch die Schulen in NRW, um die Berufliche Orientierung voranzubringen und vor allem den Kontakt zu den Jugendlichen zu erhalten. Ohne diese Kontakte können keine Ausbildungsverträge geschlossen werden.“
 
Bernd Zimmer, Vorsitzender des Verbandes der Freien Berufe NRW
„Die Freien Berufe können bisher mit großer Zufriedenheit auf die Arbeitsleistung zur Sicherung der dualen Ausbildung während der Corona-Krise zurückblicken. Nun gilt es, diesen Trend bei den bevorstehenden Abschlussprüfungen fortzuführen. Zur Berufsorientierung wurde unter www.freie-berufe-bilden-aus-nrw.de ein Webauftritt geschaffen, der alle notwendigen Informationen rund um die Ausbildungsmöglichkeiten bei den Freien Berufen bereithält.“ 
 
„Auch in Zeiten von Corona-Einschränkungen zeigt sich, dass die Kommunalen Koordinierungsstellen gut aufgestellt sind, um junge Menschen an berufliche Ausbildungsangebote heranzuführen und sie mit den Betrieben vor Ort zusammenzubringen“, sagen die Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy, Städtetag NRW, Dr. Martin Klein, Landkreistag NRW, und Christof Sommer, Städte- und Gemeindebund NRW. „Jugendlichen muss trotz Kontaktbeschränkungen und Distanzunterricht ein guter Start ins Berufsleben ermöglicht werden. Dafür engagieren sich Kommunen in NRW, um trotz veränderter Ausbildungsbedingungen die berufliche Ausbildung vor Ort zu stärken.“
 
Nähere Informationen zur Initiative „Ausbildung jetzt!” des Ausbildungskonsenses NRW und Beispiele guter Praxis aus den Kommunen unter: https://www.mags.nrw/ausbildungjetzt
 
Hintergrund
Der Ausbildungskonsens NRW ist das Spitzengremium von Landesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kammern und dem Verband Freier Berufe Nordrhein-Westfalen, der Bundesagentur für Arbeit und den Kommunalen Spitzenverbänden. Es legt wichtige Weichenstellungen im Bereich Berufsorientierung und Ausbildung. Seit über 20 Jahren setzt der Ausbildungskonsens NRW sich dafür ein, dass junge Menschen in Nordrhein-Westfalen, die ausgebildet werden wollen, eine größere Chance auf einen Ausbildungsplatz erhalten.
 

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