Realitätscheck Wasserstoff: Nordrhein-Westfalen legt acht Vorschläge für einen erfolgreichen europäischen Wasserstoffhochlauf vor
Ministerpräsident Wüst: Mit unseren Vorschlägen wollen wir dazu beitragen, dass aus politischem Anspruch praktische Umsetzung wird
Ministerpräsident Hendrik Wüst hat die Ergebnisse des „Realitätscheck Wasserstoff“ an den Exekutiv-Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Stéphane Séjourné am Rande des Austauschs mit elf Vertretern von Mittelstand und Handwerk aus Nordrhein-Westfalen in Brüssel übergeben.
Ministerpräsident Hendrik Wüst hat am Montag, 22. Juni 2026, die Ergebnisse des „Realitätscheck Wasserstoff“ an den Exekutiv-Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Stéphane Séjourné am Rande des Austauschs mit elf Vertretern von Mittelstand und Handwerk aus Nordrhein-Westfalen in Brüssel übergeben. Zuvor hatte der Ministerpräsident gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Europaminister Nathanael Liminski das Papier an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übersandt. In der Erwartung eines neuen Momentums für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft soll dieser Impuls mit industriepolitischen Bezügen die Arbeit der Europäischen Kommission unterstützen.
Mit dem Papier löst Nordrhein-Westfalen eine Vereinbarung ein, die beim gemeinsamen Austausch mit der EU-Kommissionspräsidentin und führenden nordrhein-westfälischen Unternehmen im Juli 2025 in Brüssel getroffen wurde: Die europäischen Wasserstoffregelungen einem Praxistest zu unterziehen und konkrete Vorschläge für einen schnelleren Hochlauf zu erarbeiten. Gemeinsam mit Industrie- und Wirtschaftsunternehmen hat die Landesregierung dazu acht Handlungsempfehlungen entwickelt, die den Wasserstoffhochlauf in Europa beschleunigen und Investitionen erleichtern sollen. Die Landesregierung wirbt dafür, die Ergebnisse in die Weiterentwicklung der europäischen Wasserstoffpolitik einzubeziehen und die notwendigen Schritte gemeinsam umzusetzen.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Vor einem Jahr haben wir in Brüssel gemeinsam mit der Europäischen Kommission darüber gesprochen, wie Europa seine Wettbewerbsfähigkeit stärken und den Wasserstoffhochlauf beschleunigen kann. Jetzt legen wir konkrete Vorschläge auf den Tisch. Europa kommt beim Wasserstoffhochlauf nicht schnell genug voran. Dabei ist Wasserstoff eine Schlüsseltechnologie für Klimaschutz, wirtschaftliche Stärke und eine sichere Energieversorgung. Viele Unternehmen sind bereit zu investieren, stoßen jedoch weiterhin auf regulatorische Hürden, fehlende Infrastruktur und große Planungsunsicherheiten. Mit unseren Vorschlägen wollen wir dazu beitragen, dass aus politischem Anspruch praktische Umsetzung wird. Die Europäische Union muss jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit aus Investitionsbereitschaft auch Investitionen werden.“
Stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie Mona Neubaur: „Wasserstoff ist keine Zukunftstechnologie mehr – er ist die Antwort auf eine Frage, die sich Europas Industrie jetzt stellt: Wie werden wir unabhängiger von geopolitischen Krisen und nehmen unsere Energie- und Rohstoffversorgung stärker in die eigenen Hände? Der Realitätscheck zeigt konkret, wo Europa regulatorische Hürden abbauen muss, damit Investitionen fließen und der Hochlauf gelingt. Nordrhein-Westfalen ist bereit – jetzt brauchen wir europäische Rahmenbedingungen, die mit diesem Anspruch mithalten.“
Europaminister Nathanael Liminski: „Der Aufbau einer europäischen Wasserstoffwirtschaft kann nur gemeinsam gelingen. Mit dem Realitätscheck bringen Nordrhein-Westfalen und seine Unternehmen ihre praktischen Erfahrungen in die notwendige europäische Arbeit ein. Wir setzen darauf, dass die Europäische Kommission die Vorschläge aufgreifen wird – und wir so gemeinsam mit starken Industrieregionen wie Nordrhein-Westfalen und den Unternehmen die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf schaffen. So leisten wir unseren Beitrag zur Weiterentwicklung einer starken europäischen Wasserstoffstrategie.“
Der Realitätscheck Wasserstoff ist ab sofort über https://www.wirtschaft.nrw/dokument/realitaetscheck-wasserstoff abrufbar.
Die acht Handlungsfelder des Realitätscheck Wasserstoff im Einzelnen:
- Schnelle und verbindliche Realisierung eines EU Hydrogen Backbones: Ein europaweites Wasserstoffnetz ist die Voraussetzung dafür, Erzeugungsregionen mit industriellen Nachfragezentren zu verbinden. Der zügige Ausbau des European Hydrogen Backbone stärkt die Versorgungssicherheit, erleichtert Investitionen und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit Europas.
- De-Risking im Wasserstoffmarkt: Unternehmen, die Wasserstoff transportieren, speichern und handeln, spielen eine Schlüsselrolle beim Markthochlauf. Durch geeignete Garantie- und Absicherungsinstrumente können Risiken reduziert, Investitionen erleichtert und die Kosten für den Hochlauf gesenkt werden.
- Auktionsrahmen der Europäischen Wasserstoffbank technologisch erweitern: Die Europäische Wasserstoffbank sollte künftig neben Elektrolyseuren auch weitere Technologien zur Bereitstellung von grünem Wasserstoff stärker berücksichtigen, etwa Import- und Umwandlungsinfrastrukturen. So können regionale Ungleichgewichte abgebaut, die Versorgung verbessert und Fördermittel effizienter eingesetzt werden.
- Wasserstoffproduktionskosten senken: Die derzeitigen Anforderungen für die Produktion von grünem Wasserstoff erschweren viele Projekte und erhöhen die Kosten. Übergangsregelungen sollten verlängert und bestehende Wettbewerbsnachteile für Elektrolyseure abgebaut werden, um Investitionen in Europa zu ermöglichen.
- Planungssicherheit für Projekte zur Produktion von Low Carbon Hydrogen: Für Projekte im Bereich CO₂-armer Wasserstoff fehlen weiterhin verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen. Unternehmen benötigen schnell Klarheit bei Zertifizierung und Emissionsberechnung, damit Investitionsentscheidungen getroffen und Projekte umgesetzt werden können.
- Internationalisierung des Wasserstoffmarktes: Für den Aufbau internationaler Lieferketten sollten in einer Übergangsphase auch CO₂-Quellen aus Industrieprozessen in Drittstaaten genutzt werden können. Dies schafft zusätzliche Rohstoffquellen, stärkt den Markthochlauf und erhöht die Versorgungssicherheit Europas.
- Eckpunkte einer europäischen Wasserstoff-Importstrategie entwickeln: Europa benötigt eine gemeinsame Strategie für den Import von Wasserstoff und Wasserstoffderivaten. Eine koordinierte Vorgehensweise stärkt die Verhandlungsmacht gegenüber Drittstaaten, verhindert ineffiziente Konkurrenz zwischen Mitgliedstaaten und erhöht die Resilienz der europäischen Energieversorgung.
- Problem der fehlenden Wasserstoffinfrastruktur in den frühen Jahren adressieren: Solange ein flächendeckendes Wasserstoffnetz noch nicht verfügbar ist, sollten flexible Übergangslösungen ermöglicht werden. Ein bilanzieller Handel kann den Markthochlauf unterstützen und Unternehmen frühzeitig den Zugang zu erneuerbarem Wasserstoff eröffnen.
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