Nordrhein-Westfalen-Plan: 18,8 Millionen Euro für Erdwärme an der FH Münster
Auf dem Technologie-Campus Steinfurt lernen Studentinnen und Studenten im Reallabor, wie Wärmepumpen noch effizienter werden
Mit insgesamt 60 Milliarden Euro in den kommenden zwölf Jahren ist der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. 2,3 Milliarden Euro sind für die Bereiche Hochschule, Forschung, Lehre und Transfer vorgesehen. 18,8 Millionen Euro erhält die FH Münster.
Mit insgesamt 60 Milliarden Euro in den kommenden zwölf Jahren ist der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. 2,3 Milliarden Euro sind für die Bereiche Hochschule, Forschung, Lehre und Transfer vorgesehen. 18,8 Millionen Euro erhält die FH Münster für den Ausbau der Geothermie (Erdwärme) auf ihrem Technologie-Campus in Steinfurt. Damit können die Hochschulgebäude an der Stegerwaldstraße in Zukunft zu großen Teilen per Erdwärme aus eigener Produktion beheizt und auch gekühlt werden. Zugleich wird die Wärmepumpe auch für die Lehre und Forschung genutzt. Studentinnen und Studenten werden an der eigenen Anlage erforschen, wie sie noch effizienter und alltagstauglicher betrieben werden kann.
Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes überreichte am Donnerstag, 27. August 2026, die Finanzierungszusage für die „Geothermie-Anpassung auf dem Technologie-Campus Steinfurt“ an den Präsidenten der FH Münster Prof. Dr. Frank Dellmann. Die Mittel in Höhe von 18,8 Millionen Euro stammen aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur. Umgesetzt wird die Baumaßnahme gemeinsam mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW.
Wissenschaftsministerin Ina Brandes: „Wir investieren das Geld aus dem NRW-Plan für gute Infrastruktur konsequent in die großen Zukunftsthemen und die hervorragende Ausstattung unserer Hochschulen. Die Geothermie-Anlage in Steinfurt erfüllt sogar einen doppelten Nutzen: Sie wird dafür sorgen, dass sich der Campus weitgehend selbst mit Energie zum Heizen und Kühlen versorgen kann. Und darüber hinaus wird die Wärmepumpe auch in der Forschung und Lehre eingesetzt. An der eigenen Anlage können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie solche Anlagen im Alltag der Menschen noch effizienter und nachhaltiger eingesetzt werden können.“
Wärmepumpen sind eine klimafreundliche Alternative zur fossilen Energieversorgung mit Öl oder Gas und funktionieren ähnlich wie der natürliche Wasserkreislauf. Denn das Kältemittel, das im Kreislauf der Wärmepumpe eingesetzt wird, ändert ständig seinen Aggregatzustand (von flüssig zu gasförmig und zurück). Damit verändern sich auch Druck und Temperatur, die in ein Heizungssystem überführt werden kann. Die Grundwärme kommt aus Bohrlöchern. So gewinnt eine Wärmepumpe rund 75 Prozent der Energie gratis aus der Natur. Strom wird nur noch für den Betrieb der Pumpe selbst benötigt. Ein weiterer Vorteil: Dieser Prozess lässt sich auch umkehren, so dass man im Sommer per Geothermie kühlen kann und Wärme an den Boden abgibt. Im Jahresverlauf wird der Boden so als saisonaler Energiespeicher genutzt.
2023 wurde auf dem Technologie-Campus Steinfurt der FH Münster eine erste 150 Meter tiefe Bohrung gesetzt – dort liegen die Temperaturen gleichbleibend bei etwa 12 Grad Celsius. Damit werden heute das Labor für Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik sowie eine große Versuchslüftungsanlage versorgt. Nun soll die Geothermieleistung deutlich erhöht werden, indem die Bohrungen auf 250 Meter Tiefe erweitert werden. Inzwischen sind 37 Sonden hinzugekommen und weitere 80 Sonden werden unter zwei neu zu bauenden Institutsgebäuden folgen. So wird zusätzliche Wärmeenergie zur Verfügung gestellt. Die Bestandsgebäude und insbesondere die Wärmeverteilung müssen hierfür an das niedrigere Temperaturniveau der Geothermie durch unterschiedliche bauliche und technische Maßnahmen angepasst werden – mit Mitteln aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan.
Präsident der FH Münster Prof. Dr. Frank Dellmann: „Auf dem Technologie-Campus Steinfurt setzen wir konsequent auf Erdwärme aus eigener Produktion: Zukünftig werden unsere Hochschulgebäude geothermisch im Umfang von rund 64 Prozent des Gesamtwärmebedarfs beheizt, während wir zugleich erforschen, wie Wärmepumpen noch effizienter und alltagstauglicher betrieben werden können. Damit entwickeln wir einen klimaneutralen Hochschulstandort für die Fachkräfteausbildung in Schlüsseltechnologien und leisten einen konkreten Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität 2030 des Landes Nordrhein-Westfalen.“
Der Technologie-Campus Steinfurt zeigt zudem, wie die Fachkräfteentwicklung von morgen aussehen kann. Der Energiepark dient gleichzeitig als Reallabor, in dem die Studentinnen und Studenten an einer Anlage mit Daten unter realistischen Betriebsbedingungen arbeiten können. Die in die Bohrlöcher eingelassenen Stäbe sind Sonden, über die die angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure ihre Daten sammeln. Sie sehen in Echtzeit, was die Wärmepumpe leistet.
Zukunftsinvestitionen für Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschungseinrichtungen
Aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur stehen insgesamt 2,3 Milliarden Euro für die Bereiche Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschung zur Verfügung. Mit dem Geld werden Investitionen finanziert, die auf die großen Zukunftsthemen einzahlen und den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen nachhaltig stärken und nach vorne bringen: Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, die Bekämpfung der großen Volkskrankheiten sowie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Gefördert werden hochwirksame Investitionen, die maximale Wirkung entfalten können und deren Finanzierung aus dem laufenden Haushalt nicht vorgesehen war.
Hintergrund Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur
Mit insgesamt 60 Milliarden Euro in den kommenden zwölf Jahren ist der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. Zusätzlich entlastet das Land die Kommunen unter anderem durch eine anteilige Übernahme kommunaler Altschulden.
Aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan entfallen rund 21,3 Milliarden Euro auf die Kommunen, während knapp 10 Milliarden Euro in die Infrastruktur des Landes investiert werden. Schwerpunkte des Programms sind insbesondere der Ausbau und die Modernisierung von Kitas und Schulen sowie der Verkehrsinfrastruktur. Darüber hinaus sind Investitionen in Gesundheitsversorgung, energetische Sanierung und Klimaschutz, Sport, Digitalisierung sowie in Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft vorgesehen. Grundlage der Finanzierung sind neben Landesmitteln dem Land zustehende Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz, aus dem Nordrhein-Westfalen rund 21,1 Milliarden Euro erhält, sowie Kompensationsmittel für Steuerausfälle aus dem steuerlichen Investitionssofortprogramm des Bundes.
Insgesamt soll der Nordrhein-Westfalen-Plan dazu beitragen, bestehende Investitionsrückstände abzubauen, wichtige Infrastruktur zu modernisieren und neue Projekte schneller umzusetzen. Städte, Gemeinden und weitere Träger erhalten damit verlässliche Rahmenbedingungen, um zentrale Vorhaben vor Ort anzustoßen und Infrastruktur langfristig zu stärken.