Anerkennung für innovative Suizidpräventionsarbeit: JVA Köln ausgezeichnet

10. Juli 2026
phb Justizia

Die Justizvollzugsanstalt Köln ist am Donnerstag, 9. Juli 2026, mit dem Suizidpräventionspreis der Bundesarbeitsgemeinschaft für Suizidprävention (BAG) ausgezeichnet worden. Damit wird erstmals eine Justizvollzugsanstalt aus Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

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Die Justizvollzugsanstalt Köln ist am Donnerstag, 9. Juli 2026, mit dem Suizidpräventionspreis der Bundesarbeitsgemeinschaft für Suizidprävention (BAG) ausgezeichnet worden. Damit wird erstmals eine Justizvollzugsanstalt aus Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Der Preis wird seit dem Jahr 2012 bundesweit verliehen und würdigt innovative, kreative und praxisbewährte Maßnahmen, die einen wirksamen Beitrag zur Suizidprävention leisten und zugleich Vorbildcharakter für andere Einrichtungen besitzen.

Die Suizidpräventionsabteilung der JVA Köln richtet sich an akut suizidgefährdete und psychisch schwer belastete Inhaftierte. Sie verbindet psychologische, pädagogische, seelsorgerische und vollzugliche Angebote zu einem interdisziplinären und niederschwelligen Gesamtkonzept. Eine Annäherung an die Gefangenen erfolgt über alltagsnahe Aktivitäten wie gemeinsames Kochen, Stricken oder kreative Angebote, die eine Vertrauensbasis schaffen. Durch diese alltagsnahen Gruppenangebote sowie sprachliche Unterstützung – insbesondere für Erstinhaftierte – und eine eng abgestimmte Begleitung ermöglicht die Abteilung auch Zugänge für Inhaftierte, die klassischen Hilfsangeboten zunächst zurückhaltend begegnen. Der ganzheitliche Ansatz der Suizidpräventionsabteilung der JVA Köln geht damit weit über reine Krisenintervention hinaus.

Minister Dr. Limbach: „Suizidprävention gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in unseren Justizvollzugsanstalten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeit der JVA Köln verdienen meine Anerkennung für eine herausragende und hoch engagierte Arbeit zum Schutz von Menschen in besonders vulnerablen Situationen.“

Die Suizidpräventionsabteilung der JVA Köln wurde 2026 zudem mit dem Hans-Rost-Preis der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention als besonders herausragendes Projekt ausgezeichnet. Weitere Justizvollzugsanstalten beabsichtigen bereits, sich bei ihrer Präventionsarbeit am Konzept der JVA Köln zu orientieren. Auch die Leiterin der JVA Köln, Frau Angela Wotzlaw, formulierte in ihrer Laudatio zukunftsorientiert: „Wir verstehen die Auszeichnung als Anerkennung und Verpflichtung, die Suizidprävention auch künftig als wesentlichen Bestandteil eines verantwortungsvollen und humanen Justizvollzugs weiterzuentwickeln.“

Über die Suizidprävention im Justizvollzug:

Herzstück des 2022 modernisierten Konzepts der Suizidprävention im nordrhein-westfälischen Justizvollzug ist die Ernennung von Suizidpräventionsbeauftragten in allen Anstalten. Diese Beauftragten – vollzugserfahrene Psychologen mit umfangreicher Fachschulung – sind für die Erstellung anstaltsbezogener Präventionskonzepte, die regelmäßige Schulung aller Bediensteten, die Überprüfung suizidpräventiver Strukturen sowie die systematische Aufarbeitung stattgefundener Suizide und Suizidversuche in Suizidkonferenzen zuständig.

Ergänzt wird dies durch ein mehrstufiges Screening-System: Neben dem Erstscreening bei Aufnahme erfolgen Folgescreenings im ersten Jahr des Haftverlaufs sowie anlassbezogen, etwa nach einem Gerichtsurteil oder privaten Krisen. Suizidgefährdete Gefangene werden intensiv je nach Gefährdungsgrad in verschiedenen Stufen betreut. Dabei stehen als Sicherungsmaßnahmen unter anderem die gemeinschaftliche Unterbringung, unregelmäßige Beobachtungen sowie die ununterbrochene Kameraüberwachung zur Verfügung.

Die Qualitätssicherung erfolgt über jährliche Kurzberichte der Suizidpräventionsbeauftragten, die vom Fachreferat im Justizministerium ausgewertet und in der Landesarbeitsgruppe Suizidprävention sowie auf jährlichen Dienstbesprechungen erörtert werden. 

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