Schulterschluss gegen queerfeindliche Gewalt: Familien- und Innenministerium richten gemeinsamen Fachtag aus

Angesichts zunehmend registrierter queerfeindlicher Straftaten bringen das Familien- und das Innenministerium erstmals Polizei, Soziale Arbeit und queere Selbstorganisationen an einen Tisch

1. Oktober 2026
Fahne in Regenbogenfarben, im Hintergrund leicht verschwommen ein gelbes Mehrfamilienhaus

Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und das Ministerium des Innern richten die Veranstaltung „Queerfeindliche Gewalt im Fokus – Anforderungen und Handlungsperspektiven von Polizei und Sozialer Arbeit“ am Donnerstag, 1. Oktober 2026, im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP NRW) aus.

Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration
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Erstmals kommen rund 150 Fachkräfte aus Sicherheitsbehörden, Sozialer Arbeit, Wissenschaft sowie Vertretungen queerer Selbstorganisationen zu einem gemeinsamen Fachtag zusammen, um den interdisziplinären Schutz vor Hasskriminalität und Gewalt gegen queere Menschen zu stärken. Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und das Ministerium des Innern richten die Veranstaltung „Queerfeindliche Gewalt im Fokus – Anforderungen und Handlungsperspektiven von Polizei und Sozialer Arbeit“ am Donnerstag, 1. Oktober 2026, im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP NRW) aus. Eröffnet wird die Tagung von Familienministerin Verena Schäffer und Innenminister Herbert Reul.

Anlass für die enge Zusammenarbeit der Ressorts ist der Anstieg queerfeindlicher Straftaten. In den Jahren 2021 bis 2025 wurden in der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität in Nordrhein-Westfalen ca. 800 Straftaten gegen queere Menschen erfasst. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Gewaltdelikten: Die Zahl der gegen queere Menschen gerichteten angezeigten Gewalttaten ist in diesem Zeitraum um 300 Prozent gestiegen. Da nur rund jede zehnte betroffene Person Anzeige erstattet, liegt die tatsächliche Belastung im Dunkelfeld noch deutlich höher. Dies belegt auch die vom Familienministerium geförderte Lebenslagenstudie „Queer durch NRW“. Demnach sind über 37 Prozent der mehr als 5.000 befragten LSBTIQ*-Personen in den vergangenen fünf Jahren Opfer eines Übergriffs geworden.

Diese Bedrohungslage spiegelt sich auch im öffentlichen Raum wider: In Nordrhein-Westfalen kam es zuletzt mehrfach zu gezielten Angriffen und Störungen auf Veranstaltungen zum Christopher Street Day.

Familienministerin Verena Schäffer erklärt: „Wir reagieren mit einem entschlossenen Schulterschluss zwischen Polizei, Sozialer Arbeit und Zivilgesellschaft auf die steigende Anzahl von Übergriffen und die zunehmenden Ängste in den queeren Communitys. Wir schaffen Vertrauen, indem wir unser Engagement für die queeren Selbstorganisationen und die psychosoziale Versorgung fortführen und stärken. Durch enge Kooperationen zwischen den verschiedenen Systemen führen wir Prävention, Opferschutz und Strafverfolgung zusammen. So gehen wir konsequent gegen queerfeindliche Hetze und Gewalt vor – für ein Nordrhein-Westfalen, in dem alle Menschen frei, sicher und selbstbestimmt leben können.“

Innenminister Herbert Reul erklärt: „In Nordrhein-Westfalen hat jeder Mensch das Recht, nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Der Staat hat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass das sicher möglich ist. Denn wo Menschen angegriffen werden, wird das Sicherheitsversprechen des Staates angegriffen. Queerfeindliche Gewalt darf deshalb weder verharmlost werden noch im Dunkelfeld verborgen bleiben. Ich möchte, dass queere Menschen wissen, dass sie von der Polizei gesehen, gehört und beschützt werden. Der Fachtag bringt Polizei, Beratung und queere Selbstorganisationen an einen Tisch, damit sie Erfahrungen bündeln und Betroffene noch besser schützen können.“

Aus Anlass der Tagung verweist die Landesregierung auf konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Prävention und des Opferschutzes:

  • Ausbau der Anti-Gewalt-Strukturen: Die Ressourcen der Landesfachstelle Queere Anti-Gewalt-Arbeit (QUAGA) beim rubicon e.V. in Köln wurden im laufenden Jahr um eine Vollzeitstelle aufgestockt. Die Arbeit der Fachstelle QUAGA ist eng mit den Sicherheitsbehörden wie dem Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen verzahnt.
  • Verlässliche Krisenhilfe: Das Land sichert die kontinuierliche Förderung von sieben psychosozialen Beratungsstellen für LSBTIQ* und deren Familien zur Bewältigung von akuten Krisen und Gewalterfahrungen.
  • Systematisches Monitoring des Dunkelfelds: Die neue Melde- und Informationsstelle für Queerfeindlichkeit (MIQ) hat mit ihrem ersten Jahresbericht 2025 erstmals einen Lichtkegel auf das große Dunkelfeld im Bereich Queerfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen geworfen. Die Stelle bietet eine niedrigschwellige Möglichkeit, Vorfälle von Diskriminierung und Ausgrenzung offenzulegen, die sonst nicht sichtbar werden.
  • Unterstützung vulnerabler Gruppen: Selbstorganisationen wie die Landeskoordinationen für Trans* und Inter* werden gezielt gefördert.
  • Inkrafttreten des Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG NRW): Zum Datum des Fachtags tritt das Gesetz offiziell in Kraft. Mit dieser gesetzlichen Verankerung etabliert Nordrhein-Westfalen einen verlässlichen Rahmen für einen wirksamen Diskriminierungsschutz, der allen Menschen im Land zugutekommt.

Als nachhaltiges Ergebnis des Fachtags erarbeiten die Polizei Nordrhein-Westfalen und die Fachstelle QUAGA im Nachgang einen gemeinsamen Handlungsleitfaden, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Arbeitsalltag fest im Handeln der Institutionen zu verankern.

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