Ministerpräsident Hendrik Wüst verleiht Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an 15 Persönlichkeiten
Ministerpräsident Wüst: Mit Haltung, Mut und großem persönlichem Engagement stärken sie den Zusammenhalt und zeigen, wie wichtig Respekt, Gleichberechtigung und gegenseitige Anerkennung für unser Zusammenleben sind
Mit dem Verdienstorden ehrt die Landesregierung traditionell den herausragenden Einsatz für das Gemeinwohl und das Land Nordrhein-Westfalen.
Ministerpräsident Hendrik Wüst verleiht am Dienstag, 2. Juni 2026, den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an 15 Menschen, die sich in besonderer Weise für ein offenes, vielfältiges und respektvolles Miteinander in Nordrhein-Westfalen einsetzen und damit auch die Gleichberechtigung queerer Menschen stärken. Mit dem Verdienstorden ehrt die Landesregierung traditionell den herausragenden Einsatz für das Gemeinwohl und das Land Nordrhein-Westfalen. Die Veranstaltung findet in der Staatskanzlei in Düsseldorf statt.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Die 15 neuen Trägerinnen und Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise für ein respektvolles, offenes und diskriminierungsfreies Miteinander in Nordrhein-Westfalen ein. Sie schaffen Sichtbarkeit und Teilhabe und stoßen so gesellschaftliche Debatten an. Damit tragen sie dazu bei, dass unterschiedlichste Lebensrealitäten selbstverständlich ihren Platz in unserer Gesellschaft haben. Mit klarer Haltung und großem persönlichem Einsatz stärken sie den Zusammenhalt und zeigen, wie wichtig Respekt, Gleichberechtigung und gegenseitige Anerkennung für unser Zusammenleben sind. Sie sind Vorbilder, denen unser tief empfundener Dank und unsere höchste Anerkennung gilt.“
Mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet werden am 2. Juni 2026:
Volker Beck
Volker Beck gehört zu den maßgeblichen Wegbereitern des Lebenspartnerschaftsgesetzes für gleichgeschlechtliche Paare. Mit seinem langjährigen politischen und gesellschaftlichen Engagement setzt er wichtige Impulse für die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Anerkennung queerer Menschen. Zudem engagiert er sich im LSVD+-Verband Queere Vielfalt, in der Hirschfeld-Eddy-Stiftung, der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld sowie im Tikvah Institut.
Carolina Brauckmann
Carolina Brauckmann ist eine politisch engagierte Liedermacherin. Über viele Jahre setzt sie sich bei rubicon e.V. für die Gleichstellung vielfältiger Lebensformen ein. Dabei koordiniert sie in der „lesbischen ALTERnative“ Angebote für lesbische Frauen über 50. Zudem hat sie sich im Netzwerk „Lesben und Alter“ und dessen bundesweiter Struktur engagiert. Darüber hinaus wirkt sie an Kölner Projekten zur Stärkung der queeren Community mit.
Hans W. Geißendörfer
Hans W. Geißendörfer initiierte 1985 gemeinsam mit dem WDR die TV-Dauerserie „Lindenstraße“, die gesellschaftliche Themen wie AIDS und gleichgeschlechtliche Beziehungen früh im deutschen Fernsehen aufgriff. Zudem fördert er den Filmnachwuchs und engagiert sich mit „Schätze des deutschen Films“ für den Erhalt des deutschen Filmerbes.
Ricarda Hofmann
Ricarda Hofmann ist Moderatorin und Autorin. Mit ihrem Podcast „Busenfreundin“ schafft sie seit 2018 Sichtbarkeit für die LSBTIQ*-Community und fördert gesellschaftliche Debatten. Sie nutzt soziale Medien und ein Online-Magazin, um queere Themen zu stärken, und initiiert in Köln LSBTIQ*-freundliche Veranstaltungsräume. Mit ihrem Kinderbuch „Meine Lieblingsfarbe ist bunt“ vermittelt sie Vielfalt, Diversität und Zusammenhalt auf kindgerechte Weise.
02.06.2026
2018 startete Ricarda Hofmann ihren Podcast „Busenfreundin“. Das Ziel: Sichtbarkeit für queere Lebensrealitäten schaffen und wichtige gesellschaftliche Debatten anstoßen.
Seitdem ist viel passiert: Sie hat ein erfolgreiches Online-Magazin aufgebaut, queere Veranstaltungsräume in Köln initiiert und hat mit „Meine Lieblingsfarbe ist bunt“ auch ein Kinderbuch geschrieben.
Peter Hölscher
Peter Hölscher engagiert sich seit rund einem Jahrzehnt für die Akzeptanz queerer Menschen in Nordrhein-Westfalen, besonders für die Gleichstellung queerer Menschen mit Behinderung. Er prägt das Projekt LSBTIQ*inklusiv, war Mitinitiator des Queeren Zentrums Düsseldorf e.V. und ist Delegierter des Inklusionsbeirats des Landes Nordrhein-Westfalen.
Heike Kivelitz
Heike Kivelitz ist seit vielen Jahren in der lesbisch-queeren Selbstvertretung in Nordrhein-Westfalen aktiv. Sie prägte die Fusion der LAG Lesben in NRW mit dem Queeren Netzwerk NRW, gründete den lesbischen Selbsthilfeverein Leslie e.V. und war Mitgründerin des Dachverbands Queers an der Niers e.V., der die regionale Vernetzung queerer Strukturen stärkt. Seit 2024 engagiert sie sich außerdem im Vorstand der ARCUS Stiftung.
Reinhard Klenke
Reinhard Klenke engagiert sich in der HIV-/AIDS- und queeren Selbstorganisation in Nordrhein-Westfalen. Er war Mitbegründer der Aidshilfe Paderborn und des Schwulen Netzwerks NRW. Zudem gehört er zu den Organisatoren des ersten Kölner Christopher Street Day (CSD). Über viele Jahre wirkt er in landes- und bundesweiten AIDS- und Netzwerkgremien mit und engagiert sich in der ARCUS-Stiftung, zeitweise als Vorsitzender.
Ralph Morgenstern
Ralph Morgenstern engagiert sich seit Jahrzehnten für die Sichtbarkeit und Gleichberechtigung homosexueller Menschen – zunächst in der „Gay Liberation Front“. Auch als Schauspieler setzt er sich für eine vielfältige Darstellung der LSBTIQ*-Community ein und wirkt stereotypen Rollenbildern entgegen. Außerdem ist er Schirmherr des gemeinnützigen Online-Portals „PINK.LIFE“ für queere Kunst, Kultur und Performance.
Jochen Saurenbach
Jochen Saurenbach zählt seit den siebziger Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten der Kölner LSBTIQ*‑Community. Als Aktivist, Organisator und Publizist setzte er vielfältige Impulse für die frühe Emanzipationsbewegung. Mit dem bedeutenden Treffpunkt in der Disco Pimpernel hat er einen wichtigen Treffpunkt der queeren Szene geschaffen. Darüber hinaus engagierte er sich viele Jahre ehrenamtlich für die Aidshilfe Köln.
Reinhard Schmidt
Reinhard Schmidt engagiert sich seit den 1970er Jahren in der queeren Community – von der Homosexuellen Aktionsgruppe Bochum über die „Aidshilfe Düsseldorf e.V.“ bis hin zum Förderkreis „Heartbreaker“ und dem Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt SCHLAU NRW. Als Herausgeber veröffentlicht er verschiedene Publikationen zu queeren Themen.
Steffen Schwab
Steffen Schwab engagiert sich seit den 1990er Jahren in der queeren Vereins- und Verbandsarbeit – zunächst bei der Schwulen Initiative Siegen e.V., später viele Jahre im Vorstand des Queeren Netzwerks NRW. Dort setzt er sich für die Weiterentwicklung vom Schwulen Netzwerk zum Queeren Netzwerk ein und begleitet als dessen Vorstandsvorsitzender die Gründung und Entwicklung der ARCUS-Stiftung, in der er Vorsitzender des Stiftungsrates ist.
Erik Tenberken
Erik Tenberken engagiert sich seit Beginn der AIDS-Krise im Kampf gegen HIV und AIDS. Gemeinsam mit der Aidshilfe Köln, der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V. sowie Partnern aus Medizin und Pharmaindustrie trug er zur Entwicklung lebenswichtiger Infusionslösungen bei. 2002 war er Mitgründer der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V. und entwickelte später ein bundesweit prägendes Konzept zur Etablierung der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) als Kassenleistung.
Georg Uecker
Georg Uecker wurde insbesondere durch seine Rolle als Dr. Carsten Flöter in der „Lindenstraße“ bekannt und war Teil des ersten gleichgeschlechtlichen Kusses im deutschen Vorabendprogramm. Seit den 1980er Jahren engagiert er sich für die queere Community, insbesondere in der HIV‑ und AIDS‑Aufklärung und gegen Stigmatisierung. Zudem unterstützt er als Pate das Projekt „Holzwickede ohne Rassismus – Holzwickede mit Courage“ für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Marcus Velke-Schmidt
Marcus Velke-Schmidt engagiert sich seit rund 20 Jahren im Centrum Schwule Geschichte e.V., dessen Vorstand er seit 2012 – zeitweise als Vorsitzender – angehört. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Dokumentation und Bewahrung queerer Lebensgeschichten. Er arbeitet zudem für die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und unterstützt nach Inkrafttreten des Rehabilitierungsgesetzes 2017 die Beratung und Begleitung Betroffener.
Claus Vinçon
Claus Vinçon engagiert sich seit vielen Jahren öffentlich für Aufklärung, Prävention und gesellschaftliche Vielfalt. Als Botschafter der Herzenslust-Kampagne der Aidshilfe NRW setzt er sich insbesondere für HIV/AIDS-Prävention bei schwulen und bisexuellen Männern ein und wirkt auch im Kuratorium der Organisation mit. Darüber hinaus engagiert er sich im Arbeiter-Samariter-Bund Köln e.V. sowie kommunalpolitisch für Bündnis 90/Die Grünen.
Über den Landesverdienstorden
Der Verdienstorden des Landes ist eine der höchsten Auszeichnungen und wurde 1986 aus Anlass des 40. Geburtstags des Landes Nordrhein-Westfalen gestiftet. Als Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste für die Allgemeinheit wird er an besonders engagierte Persönlichkeiten verliehen.
Die Laudationes an die neuen Ordensträgerinnen und Ordensträger im Wortlaut:
Es gilt das gesprochene Wort.
Volker Beck
Seit Ende der 80er Jahre kämpft Volker Beck für die rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen.
2001 hat er zu den prägenden Kräften bei der Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes gehört. 2017 hat sich erfüllt, wofür er jahrzehntelang hart gekämpft hat: die Ehe für alle wurde beschlossen.
Volker Beck zählt auch zu den Gründern des Schwulenverbands in Deutschland, des heutigen „Verbands Queere Vielfalt“.
Als Mitglied des Bundesvorstands treibt er zentrale Reformen voran, etwa die Stärkung von Regenbogenfamilien, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und das Selbstbestimmungsgesetz.
Auch das Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus im Berliner Tiergarten trägt seine Handschrift.
Volker Beck engagiert sich seit vielen Jahren für die Hirschfeld-Eddy-Stiftung und im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Dort stärkt er die Erinnerung an historische Diskriminierung und arbeitet daran, die Gleichberechtigung von queeren Menschen in der heutigen Gesellschaft weiter zu stärken.
Ebenso entschieden setzt sich Volker Beck für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ein.
2020 hat Volker Beck das Tikvah-Institut mitgegründet.
Die Organisation verbindet Forschung, Bildung und den Kampf gegen Antisemitismus – bis heute ist er als Geschäftsführer und Gesellschafter aktiv.
Seit 2022 steht Volker Beck auch an der Spitze der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
Erst vor kurzem wurde öffentlich, dass Sie wegen Ihres Engagements sogar Ziel eines geplanten Mordanschlags geworden sind. Das zeigt auf ganz erschütternde Weise, dass der Einsatz für Menschenwürde, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt auch heute noch sehr viel Mut erfordert.
Sie haben sich nicht einschüchtern lassen. Sie beweisen seit Jahren Zivilcourage. Sie setzen sich für eine freie Gesellschaft ein.
Dafür gilt Ihnen großer Respekt und großer Dank.
Für Ihr herausragende Engagement verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Herzlichen Glückwunsch!
Carolina Brauckmann
Carolina Brauckmann hat viele Talente. Eins davon ist ihre besondere Stimme. Und ihre Stimme setzt sie sowohl auf als auch neben der Bühne ein.
Als prägende Persönlichkeit der feministischen Liedermacherinnen-Szene steht sie seit vielen Jahren für Haltung, Sichtbarkeit und gesellschaftliches Engagement.
Ihr Engagement hat früh begonnen. Als junge Studentin war sie Mitgründerin und Redaktionsmitglied der Freiburger Frauenzeitung für Frauenrechte und hat sich für unabhängigen feministischen Journalismus eingesetzt.
Nach ihrer Zeit in Freiburg hat es die gebürtige Sauerländerin zurück nach Nordrhein-Westfalen verschlagen.
Anfang der 2000er-Jahre hat Carolina Brauckmann ihre Arbeit im Kölner Beratungszentrum „rubicon“ begonnen. Bei „rubicon“ engagiert sie sich besonders für lesbische Frauen, ältere queere Menschen und die Vernetzung untereinander.
Wenig später ist Carolina Brauckmann erste Koordinatorin der lesbischen ALTERnativen geworden. Das „ALTER“ wird hier im Namen großgeschrieben und das ist ganz bewusst gewählt: Das Projekt richtet sich an Lesben, Schwule und trans-Personen ab 50 Jahren.
Auch auf Landesebene bringt Carolina Brauckmann wichtige Themen voran. Mit der Gründung der Landesfachberatung für gleichgeschlechtliche Lebensweisen baut sie die Seniorenarbeit weiter aus.
Ihr Ziel ist klar: Mehr Gleichstellung, mehr Akzeptanz, mehr Selbstbestimmung und mehr Teilhabe.
Deshalb setzt sie sich auch ein im bundesweiten Netzwerk „Lesben und Alter“, im Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren der Stadt Köln und als Gründungsmitglied der ARCUS-Stiftung.
Zudem hat Carolina Brauckmann viele Ihrer zahlreichen kreativen Ideen in konkrete Projekte verwandelt, darunter den Kölner Frauen-Stadtplan, das Netzwerk „Amigas“ für lesbische Selbstständige oder das bundesweite Seglerinnen-Netzwerk.
Für dieses bemerkenswerte Engagement möchte ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verleihen.
Herzlichen Glückwunsch!
Hans W. Geißendörfer
Hans W. Geißendörfer kann heute leider nicht persönlich bei uns sein. Umso mehr freue ich mich, dass Sie, liebe Hana Geißendörfer, stellvertretend für Ihren Vater heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen entgegennehmen.
Ihr Vater, Hans W. Geißendörfer, hat das deutsche Fernsehen geprägt wie nur wenige andere. Als Autor und Regisseur hat er mit Dokumentarfilmen und Autorenkino begonnen.
Früh ist allen klar geworden: Hier arbeitet jemand, der Fernsehen macht und dabei auch die Gesellschaft hinterfragt.
Erste große Erfolge haben nicht lange auf sich warten lassen.
1979 der erste Meilenstein. Mit „Die gläserne Zelle“ wurde nach 20 Jahren erstmals wieder ein deutscher Film für den Oscar nominiert.
Mitte der 80er Jahre hat das begonnen, was heute ganz viele Menschen mit Hans W. Geißendörfer verbinden: die „Lindenstraße“. Die „Lindenstraße“ ist mehr als Unterhaltung im Vorabendprogramm. Sie ist ein echtes Stück Zeitgeschichte.
Über drei Jahrzehnte hinweg hat die „Lindenstraße“ auch unser Land widergespiegelt: Die Entwicklung in Deutschland. Die Veränderungen in unserer Gesellschaft.
Die „Lindenstraße“ ist immer nah am Leben der Menschen gewesen. Und oft ihrer Zeit voraus.
Hans W. Geißendörfer hat Themen aufgegriffen, die noch nicht immer selbstverständlich waren. Er hat gesellschaftliche Realität gezeigt, auch dort, wo sie unbequem war.
Er ist einer der ersten gewesen, der AIDS im deutschen Fernsehen thematisiert hat. Und er hat einen Kuss gezeigt – den ersten Kuss eines homosexuellen Paares im Vorabendprogramm.
Das ist mutig gewesen. Und das hat gesessen.
Genauso wie all die Dinge, die er neben der „Lindenstraße“ angepackt hat. Er hat Nachwuchs gefördert, er war Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie und hat die Filmkultur in Deutschland aktiv mitgestaltet.
Hans W. Geißendörfer hat Vielfalt im deutschen Fernsehen geprägt.
Wir ehren heute das Lebenswerk Ihres Vaters.
Bitte übermitteln Sie ihm unseren herzlichen Glückwunsch und unseren Dank für dieses außergewöhnliche Engagement.
Ricarda Hofmann
„Busenfreundin“ – das ist ein ganz besonderer Podcast. „Busenfreundin“ ist der Podcast von Ricarda Hoffmann.
Ein Podcast, der für offene Worte steht. Für ehrliche und vertrauensvolle Gespräche.
Seit 2018 gibt sie mit ihrem Podcast „Busenfreundin“ vielen Menschen Raum, ihre Geschichten zu erzählen.
Mehr als 350 Folgen sind bisher erschienen, mit vielen prominenten Gästen aus Medien, Sport und Politik. Vor allem mit Menschen aus der queeren Community.
Ricarda Hofmann hört zu. Sie fragt nach. Sie spricht offen über ihre eigenen Erfahrungen.
Ihr Podcast ist mehr als Unterhaltung. Er ist ein Ort für gesellschaftliche Debatten, für Vielfalt, für Sichtbarkeit und für Gleichberechtigung.
Ricarda Hoffmann schafft es, auch schwierige Themen für alle verständlich zu machen. Und sie bringt die wichtigen Themen dahin, wo sie hingehören: mitten in die Gesellschaft.
Auch abseits des Podcasts setzt sie sich für queere Themen ein auf Social Media, mit ihrem eigenen Online-Magazin „Busenfreundin“ und mit Angeboten für die FLINTA+-Community
Ricarda Hofmann hat gemeinsam mit anderen in Köln Veranstaltungen wie „Disco Babes“ und „Love Cruise“ auf die Beine gestellt. Das sind vor allem: Geschützte Räume, in denen Menschen einfach sie selbst sein können.
Und auch künstlerisch ist sie unterwegs und zeigt sie Haltung: Zum Beispiel in Kampagnen gegen Queerfeindlichkeit. Oder mit dem Lied „Liebe an die Macht“ gemeinsam mit der Band „Graustufe West“.
Besonders beeindruckend finde ich ihr Kinderbuch „Meine Lieblingsfarbe ist bunt“. Darin vermittelt sie auf einfache und klare Weise: Vielfalt ist normal.
„Die Welt ist erst richtig schön, wenn sie bunt ist.“ Dieser Satz aus ihrem Buch passt zu ihrem Engagement.
Für Ihr starkes und vielfältiges Engagement verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Peter Hölscher
Seit fast zehn Jahren setzt sich Peter Hölscher dafür ein, dass queere Menschen in unserer Gesellschaft dazugehören – und zwar alle. Er kämpft für die Gleichstellung von queeren Menschen mit Beeinträchtigung.
Seit 2017 ist Peter Hölscher im Vorstand von „queerhandicap e.V.“. Der Verein gibt queeren Menschen mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung eine Stimme.
Der Verein sorgt für ganz konkrete Unterstützung, für Aufklärung und für echte Teilhabe im Alltag.
Und Peter Hölscher entwickelt Projekte und baut die Arbeit des Vereins immer weiter aus. So entstehen Workshops zu „Sexualität und Behinderung“.
Sein Ziel ist, dass das wichtige Thema „Barrierefreiheit“ ganzheitlich gedacht wird.
Auch über den Verein hinaus wirkt Peter Hölscher. Im Vorstand des queeren Netzwerks Nordrhein-Westfalen hat er sich bis letzten November eingebracht.
Ein anderes Beispiel für seine Arbeit ist der „Runde Tisch LSBTIQ*inklusiv“, bei dem Verbände und Politik gemeinsam diskutieren, was man bewegen kann.
2021 hat Peter Hölscher außerdem ein queeres Zentrum auf den Weg gebracht und in den ersten Jahren aktiv im Vorstand begleitet.
Peter Hölschers engagiert sich auf vielen Ebenen in Deutschland. In Düsseldorf bringt er sich im Forum LSBTIQ* ein und als sachkundiger Bürger im Gleichstellungsausschuss. Auf Bundesebene wirkt er am „Aktionsplan Queer leben!“ mit. Ebenso im Verein RAR e.V. – „Richtig am Rand“.
Es freut mich sehr, dass er seit Oktober 2025 auch als Delegierter des Inklusionsbeitrat des Landes engagiert ist.
Für Ihr außergewöhnliches Engagement verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Herzlichen Glückwunsch!
Heike Kivelitz
„Leslie“ – das steht für „Lesbische Liebe“. Ende der neunziger Jahre gründete Heike Kivelitz in Mönchengladbach den Selbsthilfeverein „Leslie“.
Einen Ort für Mädchen und Frauen, die lesbisch sind. Einen Ort für Mädchen und Frauen, die sich fragen, wo sie hingehören. Einen Ort zum Reden und Austauschen, zum Ankommen.
Darum ist es Heike Kivelitz von Anfang an gegangen: um Unterstützung und Zusammenhalt. Bis heute prägt Heike Kivelitz die Arbeit des Vereins im Vorstand.
In Mönchengladbach hat Heike Kivelitz immer weiter daran gearbeitet, queeres Leben sichtbar zu machen – mit Ausdauer. Und mit viel Beharrlichkeit.
Aber ihr Einsatz geht weit über Mönchengladbach hinaus.
Heike Kivelitz gehört auch zu den Mitgründerinnen der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen. Und den Zusammenschluss mit dem Queeren Netzwerk NRW hat sie entscheidend mit begleitet, ist weiter im Vorstand aktiv.
2020 hat sie den Dachverband „Queers an der Niers“ initiiert und den Vorsitz übernommen. Unter diesem Dach ist auch das Queere Zentrum in Mönchengladbach entstanden – heute eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in der Region.
Auch in der ARCUS Stiftung ist Heike Kivelitz im Vorstand aktiv, um queere Projekte und Selbsthilfeangebote besser zu fördern.
Heike Kivelitz bringt Menschen zusammen. Ihr Engagement schafft Räume, in denen Menschen sich sicher fühlen können.
Mit ihrem langjährigen Engagement haben Sie insbesondere lesbischen Frauen Sichtbarkeit, Unterstützung und Gemeinschaft gegeben.
Für diesen außergewöhnlichen Einsatz verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Reinhard Klenke
Mit Reinhard Klenke ehren wir heute einen Pionier der schwulen Aufklärungsarbeit und einen starken Kämpfer gegen HIV und AIDS.
Seit den 1970er Jahren setzt Reinhard Klenke sich für Aufklärung, Selbstbestimmung und Anerkennung ein – noch in einer Zeit, in der Ausgrenzung und Angst für viele Alltag waren.
Die HIV- und AIDS-Krise ist für Reinhard Klenke zu einem persönlichen und politischen Auftrag geworden. Reinhard Klenke hat viele Freunde an die Krankheit verloren. Und er hat sich entschlossen zu handeln, um Menschen mit HIV zu unterstützen und ihnen eine Stimme zu geben.
1987 hat Reinhard Klenke die Aidshilfe in Paderborn mitgegründet.
Auch in Köln hat er wichtige Arbeit geleistet: In der Aidshilfe Köln und in der politischen Interessenvertretung schwuler und lesbischer Menschen.
Ohne Reinhard Klenke gäbe es den CSD nicht. Er ist einer der Hauptorganisatoren des ersten Kölner Christopher Street Days gewesen.
Reinhard Klenke hat sich in Stadt, Land und Bund engagiert.
1991 hat er das Schwule Netzwerk Nordrhein-Westfalen mitgegründet. Von 1999 bis 2016 ist er stellvertretender Landesgeschäftsführer der Aidshilfe Nordrhein-Westfalen gewesen. Über viele Jahre hat er in der Landeskommission AIDS des Gesundheitsministeriums gearbeitet.
Und er hat Verantwortung übernommen in vielen Organisationen wie der Bundeskonferenz schwul-lesbischer Netzwerke und als Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der ARCUS-Stiftung.
Auch in seinem Ruhestand ist Reinhard Klenke aktiv geblieben und hat die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren mitgegründet.
Sie haben etwas aufgebaut, das bis heute wirkt.
Sie haben Generationen von Menschen Mut gemacht, für ihre Rechte einzustehen.
Für Ihre Pionierarbeit verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Ralph Morgenstern
Ralph Morgenstern steht seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit: Auf Bühnen im ganzen Land und vor der Fernsehkamera.
Viele kennen ihn aus dem Fernsehen – zum Beispiel aus der ZDF-Sendung „Kaffeeklatsch“ oder dem „ZDF-Fernsehgarten“. Für Ralph Morgenstern ist vor allem das Theaterspiel eine Herzenssache.
Viele Jahre hat er am Schauspielhaus Köln gespielt – zum Beispiel in „Faust“, „Mephisto“ oder zuletzt in „Don Karlos“.
Und Ralph Morgenstern hat sich früh entschieden, offen seine Sexualität zu leben. Als homosexueller Mann in die Öffentlichkeit zu gehen, das hat Mut gebraucht.
Und genau diesen Mut zeigt Ralph Morgenstern bis heute.
Seit mehr als vier Jahrzehnten setzt er sich dafür ein, queeres Leben sichtbar zu machen – im Fernsehen, auf der Bühne und in gesellschaftlichen Debatten.
Ralph Morgenstern nutzt seine Bekanntheit, um für Offenheit, Vielfalt und einen respektvollen Umgang miteinander zu werben.
Ralph Morgenstern organisiert erste Pride-Demonstrationen mit und gehört zur Gay Liberation Front – einer der ersten Organisationen in Deutschland, die sich für die Rechte homosexueller Menschen eingesetzt haben.
Seit der Corona-Pandemie engagiert sich Ralph Morgenstern außerdem als Schirmherr der Plattform PINK.LIFE.
Während der Pandemie sind viele kulturelle Angebote und persönliche Begegnungen plötzlich weggebrochen. PINK.LIFE. bringt queere Künstlerinnen und Künstler zusammen und sorgt dafür, dass queere Kunst und Kultur mehr Aufmerksamkeit bekommen. Damit stärkt PINK.LIFE Kunst und Kultur und genauso das Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft.
Sie geben queeren Menschen Sichtbarkeit und stärken Mut zur Offenheit.
Für Ihren jahrzehntelangen Einsatz für Gleichberechtigung und Vielfalt verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Herzlichen Glückwunsch.
Jochen Saurenbach
Jochen Saurenbach hat Räume geschaffen: Räume für Freiheit, für Begegnung, für Sichtbarkeit.
Ende der 1960er Jahre hat Jochen Saurenbach in Köln das „Café Kreml“ eröffnet. Kurz darauf ist daraus das „Pimpernel“ geworden – eine Diskothek, die weit über Köln hinaus bekannt geworden ist.
Aber das „Pimpernel“ ist mehr als eine Diskothek.
Es ist zu einem Zentrum queeren Lebens in Nordrhein-Westfalen geworden – zu einem Schutzraum, einem Treffpunkt und auch zu einem politischen Ort.
Jochen Saurenbach hat nicht nur hinter dem Tresen gestanden. Er hat wichtige Veränderungen angestoßen. Er hat sich engagiert bei „Schwule Aktion Köln“, die „Schwusos“ mitgegründet – den ersten Arbeitskreis queerer Menschen in der SPD und später auch die „Schwulen Grünen“ im Sprecherrat vertreten.
Jochen Saurenbach hat der Community immer eine Stimme gegeben – auf der Straße und in den Medien.
In den 1970er Jahren hat er zu den frühen Mitgliedern der Gay Liberation Front gehört und den „Gay Freedom Day“ mitorganisiert.
Später hat er die Zeitschrift „Kölner Palmwedel“ und das bundeweite Magazin „BOX“ herausgegeben.
Als Jochen Saurenbach erfahren hat, dass er HIV-positiv ist, ist er damit offen umgegangen. Er hat die Präventionsgruppe „Cologne Jacks“ gegründet und einen Vorläufer des heutigen Checkpoints der Kölner Aidshilfe e.V. mit auf den Weg gebracht.
Vor allem aber ist er für viele Menschen eines geworden: Ein Bindeglied. Jemand, der Menschen zusammengebracht und die Gemeinschaft gestärkt hat.
Sie haben nie darauf gewartet, dass andere etwas verändern. Sie haben immer selbst angefangen.
Heute verleihe ich Ihnen den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen – Herzlichen Glückwunsch.
Reinhard Schmidt
Reinhard Schmidts Engagement hat in den 1970er Jahren begonnen. Damals hat sich Reinhard Schmidt in der Homosexuellen Aktionsgruppe Bochum engagiert – einer der ersten Gruppen in Deutschland, die offen für die Rechte homosexueller Menschen gekämpft haben.
Diese Gruppe hat viel bewegt: Sie hat Diskussionen angestoßen. Und vor allem hat sie anderen Mut gemacht: Mut, offen zu leben. Mut, für die eigenen Rechte einzustehen. Und Mut, man selbst zu sein.
Anfang der 90er Jahre hat dann ein weiteres Kapitel begonnen: Das Engagement von Reinhard Schmidt bei der Aidshilfe Düsseldorf e.V. Zunächst in der Telefonberatung, im direkten Kontakt, im persönlichen Gespräch.
Gerade in einer Zeit, in der viele Betroffene Angst, Unsicherheit und Ausgrenzung erlebt haben, war das enorm wichtig.
Später hat Reinhard Schmidt einen weiteren Schwerpunkt gesetzt: bei Bildung und Aufklärung. Von 2009 bis 2014 hat er als Projektkoordinator bei SCHLAU NRW mit jungen Menschen gearbeitet – in Schulen, in Workshops und im direkten Austausch.
Dabei ging es nicht nur um Information. Es ging ihm um Respekt, um Offenheit und um die Frage, wie wir gut miteinander leben.
Besonders am Herzen liegt ihm auch die vorurteilsfreie Aufklärung und Beratung. Im Checkpoint Düsseldorf der Aidshilfe unterstützt Reinhard Schmidt ein niedrigschwelliges Testangebot für schwule und bisexuelle Männer. Anonym, ohne große Hürden, einfach erreichbar.
Veränderung beginnt dort, wo sie jemand anstößt. Genau das haben Sie getan.
Ich freue mich, Ihnen dafür den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen zu verleihen.
Steffen Schwab
Seit vielen Jahren gehört Steffen Schwab zu den Menschen, die die queere Community in Nordrhein-Westfalen zusammenhalten und voranbringen. Manchmal vielleicht leise – aber immer mit großer Beharrlichkeit, viel Weitblick und einem unglaublichen Einsatz.
Angefangen hat alles Mitte der 1990er Jahre in Siegen. 1996 hat sich Steffen Schwab bei der damaligen Schwulen Initiative Siegen engagiert, der heutigen „Queeren Initiative Siegen“.
Dort hat er schnell Verantwortung übernommen. Er hat sich um die Vereinsarbeit vor Ort gekümmert und auch dafür gesorgt, dass der Verein finanziell auf sicheren Beinen steht und sich über die Region hinaus besser vernetzt.
Nur zwei Jahre später ist er in den Vorstand des damaligen Schwulen Netzwerks NRW gewechselt. Viele Jahre hat er an der Spitze des Verbandes gestanden und ihn entscheidend geprägt.
Besonders wichtig war ihm dabei eines: das Schwule Netzwerk zu einem Verband zu entwickeln, der die ganze Vielfalt der Community sichtbar macht.
So ist das heutige Queere Netzwerk NRW entstanden – ein starkes Bündnis mit inzwischen mehr als 90 Mitgliedsorganisationen.
Für Steffen Schwab ist queere Politik vor allem eines: Menschen zusammenzubringen. Viele Jahre hat er sich deshalb auch beim gemeinsamen CSD-Empfang des Queeren Netzwerks NRW und der Aidshilfe NRW engagiert.
Bis heute setzt diese Veranstaltung ein starkes Zeichen für Sichtbarkeit, Akzeptanz und Zusammenhalt.
Und auch die ARCUS-Stiftung trägt seine Handschrift – Steffen Schwab hat ihren Aufbau von Anfang an mit begleitet. Seit 2024 ist er Co-Vorsitzender des Stiftungsrates und kümmert sich dort besonders um Finanzen und Projektförderung.
Sie bringen Menschen zusammen. Und Sie schaffen Perspektiven.
Ihr Engagement hat das queere Leben in Nordrhein-Westfalen sichtbar geprägt und verbessert.
Ich freue mich deshalb sehr, Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen zu verleihen.
Erik Tenberken
Als Erik Tenberken im April 1993 die Birken-Apotheke in Köln eröffnet hat, hat Deutschland mitten in der AIDS-Krise gesteckt.
Für viele Menschen mit HIV hat die Diagnose damals vor allem Angst bedeutet: Angst vor der Krankheit und dem eigenen Tod. Und Angst vor Stigmatisierung, Ausgrenzung und Ablehnung.
Oft hat die richtige medizinische Versorgung gefehlt.
Als andere weggeschaut haben, hat Erik Tenberken hingeschaut und Verantwortung übernommen. Er hat seine Apotheke Schritt für Schritt zu einer spezialisierten Anlaufstelle für Menschen mit HIV und AIDS ausgebaut. Bald sind Menschen aus ganz Deutschland zu ihm gekommen.
Dabei hat er eng mit der Aidshilfe Köln zusammengearbeitet, mit Ärztinnen und Ärzten und auch mit der Pharmaindustrie. Besonders beeindruckend ist sein Mut, neue Wege zu gehen.
Damals hat es kaum Medikamente und nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gegeben. Erik Tenberken hat deshalb dringend benötigte Infusionslösungen selbst hergestellt – etwas, das es in Deutschland so bis dahin praktisch nicht gegeben hat.
Abends nach Ladenschluss hat er die Medikamente oft persönlich mit dem Fahrrad zu HIV- und Aids-Patienten nach Hause gebracht.
Erik Tenberken hat sich auch dafür eingesetzt, dass damals in Deutschland noch nicht zugelassene Medikamente aus dem Ausland besorgt wurden.
Bis heute unterstützt er Ärztinnen, Ärzte und ambulante Pflegedienste im Umgang mit Menschen mit HIV und Aids. Er berät, organisiert und hilft oft auch finanziell weiter – gerade dort, wo niemand sonst zahlt.
Auch bundesweit hat Erik Tenberken wichtige Impulse gesetzt – zum Beispiel bei der„Prä-Expositions-Prophylaxe“, der sogenannten PrEP.
Mit viel Beharrlichkeit hat er für niedrigere Preise bei den Medikamenten gekämpft – damit sie möglichst vielen Betroffenen helfen. Mit Erfolg: Seit 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.
Bis heute bleibt Erik Tenberken der Aidshilfe Köln eng verbunden. Und er unterstützt das queere Jugendzentrum „anyway“ und den Trägerverein des Kölner CSD, „den ColognePride“, auch finanziell.
Neben der Versorgung von Menschen mit HIV und Aids hat sich Erik Tenberken immer auch dafür engagiert, dass Drogenabhängige in Köln medizinisch versorgt werden.
Für Ihr herausragendes Engagement verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Georg Uecker
Georg Uecker setzt sich seit vielen Jahren für Offenheit, Respekt und ein gutes Miteinander ein. Als Schauspieler – vor allem als Mensch.
Viele Menschen erinnern sich bis heute an den besonderen Fernsehmoment: Es war am 25. März 1990 – plötzlich lief im Abendprogramm etwas, das in der damaligen Gesellschaft noch ein Tabu war, das verdrängt und verschwiegen worden ist: Liebe und Zärtlichkeit zwischen Männern.
Und auf einmal war es im Fernsehen – In den deutschen Wohnzimmern. Der erste Kuss zweier Männer in der „Lindenstraße“ war damals ein Skandal. Aber auch ein ganz starkes Signal.
Ein Zeichen dafür, dass Menschen unterschiedlich leben und lieben – und dass genau das in unserer freiheitlichen Gesellschaft selbstverständlich sein sollte.
Georg Uecker hat damals den Mut zu diesem Kuss gehabt. Er war bereit, sich in den Wind zu stellen, um gesellschaftlichen Wandel voranzubringen.
Georg Uecker hat diesen Wandel mitgeprägt – klar und glaubwürdig. Dabei ist sein Engagement nie auf die Bühne oder die Kamera beschränkt geblieben.
Über Jahrzehnte hat er seine Bekanntheit genutzt, um Menschen zu unterstützen und schwierige Themen zu thematisieren. Besonders eng verbunden ist er der Aidshilfe Köln.
Mit großem persönlichem Einsatz engagiert er sich dort für Benefizveranstaltungen, Spendenaktionen und in der Prävention. Er spricht offen über das Leben mit HIV, wirbt für Solidarität und macht Mut.
Auch darüber hinaus erhebt Georg Uecker immer wieder seine Stimme: Gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit, gegen Rassismus und Intoleranz. Und für ein gesellschaftliches Miteinander, das von Respekt und Zusammenhalt geprägt ist.
Der Titel seiner Autobiografie könnte deshalb kaum passender sein: „Ich mach’ dann mal weiter!“ Denn genau das tut Georg Uecker seit vielen Jahren und mit einem großen Herzen für seine Mitmenschen.
Sie prägen unser Land weit über Bühne und Bildschirm hinaus.
Und deshalb verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Herzlichen Glückwunsch!
Marcus Velke-Schmidt
Seit fast zwanzig Jahren gehört Marcus Velke-Schmidt zu den Menschen, die dafür sorgen, dass queere Geschichte erhalten bleibt. Geschichte, die lange verdrängt wurde. Über die geschwiegen wurde. Und die manche Menschen am liebsten vergessen hätten.
Im Centrum Schwule Geschichte in Köln hat Marcus Velke-Schmidt dafür unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit investiert. Heute steht er an der Spitze des Vereins.
Als Historiker verbindet er wissenschaftliche Genauigkeit mit großem gesellschaftlichem Engagement. Besonders sichtbar wird das bei der Wanderausstellung „Im Namen des Volkes!? § 175 StGB im Wandel der Zeit“. Diese Ausstellung – die mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen entstanden ist, gilt heute als wichtiger Meilenstein queerer Erinnerungskultur.
Marcus Velke-Schmidt hat daran entscheidend mitgearbeitet – ebenso am begleitenden Ausstellungskatalog.
Auch bei der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld engagiert er sich seit vielen Jahren. Dort hilft er mit, queere Lebensgeschichten für Forschung und Bildung zu sichern.
Besonders bewegend ist dabei das „Archiv der anderen Erinnerungen“, in dem Menschen von ihrem Leben erzählen – von Ausgrenzung und Angst, aber auch von Mut und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Auch die Ausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933–1945“ trägt seine Handschrift. Sie ist schon in vielen Städten gezeigt worden und erinnert daran, wie wichtig Freiheit, Menschenwürde und Demokratie sind.
Als Historiker hat Marcus Velke-Schmidt einen besonderen Blick auf die Geschichte. Er kümmert sich aber auch um Menschen, die die Folgen von Verfolgung und Diskriminierung bis heute spüren – etwa ältere schwule Männer, die jahrzehntelang Ablehnung und Unrecht erleben mussten.
Sie bewahren Geschichte. Sie geben Menschen ihre Stimme zurück. Und Sie stärken das Bewusstsein für Freiheit, Würde und Vielfalt in unserem Land.
Für diese herausragenden Verdienste verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Claus Vinçon
Viele Menschen in Deutschland kennen Claus Vinçon aus der „Lindenstraße“. Als „Georg Eschweiler“ ist er über Jahre ein vertrautes Gesicht im deutschen Fernsehen.
Claus Vinçon will sich engagieren und Verantwortung übernehmen – auch außerhalb des Rampenlichts. Schon vor rund dreißig Jahren engagiert er sich für die Präventionskampagne „Herzenslust“ der Aidshilfe NRW. HIV und AIDS sind damals mit großer Angst, Vorurteilen und Ausgrenzung verbunden.
Viele schweigen. Claus Vinçon tut das nicht. Er klärt auf.
Er spricht offen über Verantwortung und über den Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Über viele Jahre unterstützt er die Aidshilfe NRW, arbeitet im Kuratorium mit und setzt sich auch für andere Aidshilfen und die Deutsche AIDS-Stiftung ein.
Besonders bemerkenswert ist dabei sein persönlicher Mut.
Claus Vinçon lebt früh offen als schwuler Mann in der Öffentlichkeit – er setzt ein wichtiges Zeichen: selbstverständlich, unaufgeregt und mit großer Klarheit.
Für viele Menschen wird er damit zum besonderen Vorbild.
Claus Vinçon ist aber auch an vielen anderen Stellen umtriebig: Beim Arbeiter-Samariter-Bund, wo er zum Beispiel Erste-Hilfe-Kurse gibt. In seiner Heimatstadt Köln, wo er seit mehr als zehn Jahren politisch in der Bezirksvertretung engagiert und sich einsetzt für Barrierefreiheit, gute Bedingungen für ältere Menschen und eine Stadt, in der sich alle zuhause fühlen können.
Sie nutzen Ihre Stimme, Ihre Zeit und Ihr Engagement für andere Menschen – mit Mut, Menschlichkeit und großer Glaubwürdigkeit.
Für diesen vielfältigen und besonderen Einsatz verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Herzlichen Glückwunsch!
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