Ministerin Brandes eröffnet europaweit einzigartigen Erinnerungs- und Lernort in Essen
Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein können Hologramme von Holocaust-Überlebenden befragt werden. Die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bekommen eine Stimme für die Ewigkeit
Der Holocaust und das damit verbundene, unermessliche Leid der Jüdinnen und Juden prägt die deutsche Geschichte – auch 80 Jahre nach dem Ende der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus. Die Erinnerung an die Gräuel, verbunden mit der Mahnung, die Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus zu erheben, gehören zu den bleibenden Aufgaben deutscher Erinnerungskultur.
Der Holocaust und das damit verbundene, unermessliche Leid der Jüdinnen und Juden prägt die deutsche Geschichte – auch 80 Jahre nach dem Ende der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus. Die Erinnerung an die Gräuel, verbunden mit der Mahnung, die Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus zu erheben, gehören zu den bleibenden Aufgaben deutscher Erinnerungskultur.
Am Dienstag, 27. Januar 2026, dem internationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, hat Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes einen in Europa einzigartigen, neuen Erinnerungs- und Lernort auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen eröffnet.
Mit dem Projekt HOLO-VOICES des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Technischen Universität Dortmund wird den Überlebenden des Holocausts eine Stimme für die Ewigkeit gegeben. Für HOLO-VOICES wurden lange Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen digitalisiert und aus den Aufnahmen fotorealistische, dreidimensionale Hologramme erstellt. Dank Künstlicher Intelligenz wird es möglich sein, den Hologrammen Fragen zu stellen. Die KI ermittelt anhand von Schlüsselbegriffen die Antwort, die am besten zur Frage passt. Die Antworten der Holocaust-Überlebenden werden nicht verfremdet, zusammengeführt, gekürzt oder ergänzt. Der Fragesteller bekommt immer die Original-Schilderung der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu hören, so dass eine direkte Begegnung und eine lebendige Interaktion möglich werden. Die persönlichen Geschichten der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bleiben mit einem klaren Auftrag für nachfolgende Generationen erhalten: Nie wieder ist jetzt!
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „In Nordrhein-Westfalen stellen wir uns Antisemitismus entschieden entgegen. Unsere Aufgabe und Verantwortung ist es, die Erinnerung an die Opfer und Überlebenden der Shoah auch nach mehr als 80 Jahren wachzuhalten. Mit einzigartigen Projekten wie HOLO-VOICES geben wir den Überlebenden des Holocaust auch für die Zukunft eine Stimme. Der Einsatz innovativer digitaler Mittel und Künstlicher Intelligenz eröffnet hierbei neue Wege der Begegnung und kann insbesondere junge Menschen nachhaltig erreichen. Unser Ziel ist es, allen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, während ihrer Schulzeit ein Konzentrationslager oder eine NS-Gedenkstätte zu besuchen. Erinnerungsorte sind unverzichtbar, um Geschichte greifbar zu machen und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu vermitteln. Das Projekt HOLO-Voices ergänzt die bereits breit und kompetent aufgestellten NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen eindrucksvoll.“
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: „Die Erfahrung und die Eindrücke einer persönlichen Begegnung mit Überlebenden des Holocaust sind unersetzlich. Gleichwohl sind viele der Holocaust-Überlebenden 90 Jahre und älter. Sie werden uns ihre Geschichte nicht mehr lange erzählen können. Deshalb schaffen wir mit HOLO-VOICES eine Möglichkeit, mit Überlebenden der Shoah auch in Zukunft in einen Dialog treten zu können, um zu erfahren, was ihnen passiert ist – und was wir heute daraus lernen können.“
Eine der Holocaust-Überlebenden, die im September 2024 für HOLO-VOICES von Studentinnen und Studenten der TU Dortmund interviewt wurde, ist Eva Weyl. Die Tochter eines Textilkaufmanns aus Kleve kam 1935 in den Niederlanden zur Welt, nachdem ihre Eltern Deutschland verlassen und sich dort niedergelassen hatten. Nach ersten unbeschwerten Jahren im Exil wurden sie Ende 1942 ins Lager Westerbork verschleppt. Westerbork war ein Durchgangslager zu Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau und Sobibor und war im Zweiten Weltkrieg als „Portal zur Hölle“ bekannt. 1945 wurden Eva Weyl und ihre Eltern von kanadischen Soldaten befreit. Noch heute feiert sie mit ihrer Familie den 12. April 1945 als Tag der Befreiung. Bei der Eröffnung von HOLO-VOICES ist die 90-Jährige als Ehrengast in Essen und wird demnächst als Hologramm auf Zollverein zu sehen sein.
Zeitzeugin Eva Weyl: „Die moderne Technik mit KI ist fantastisch. So kann ich mithelfen, dass die Geschichte bewahrt bleibt. Besonders den jungen Menschen möchte ich sagen: Ihr müsst die Vergangenheit kennen, um zu helfen, dass der Frieden bewahrt bleibt. Helft mit gegen Intoleranz, gegen Respektlosigkeit und gegen Entwürdigung. Und sprecht über das, was ihr bei HOLO-VOICES erfahrt. Erzählt es Euren Eltern, sprecht zu Hause darüber – und seid menschlich!“
Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden: „Jüdinnen und Juden müssen sich zu jeder Zeit überall in Nordrhein-Westfalen sicher fühlen. In Zeiten, in denen der Antisemitismus in beunruhigendem Ausmaß erstarkt, ist das Hologramm-Projekt ein Leuchtturm. Ich bin Ministerin Brandes und allen Projektpartnern sehr dankbar, dass sie die Erinnerungen der Shoah-Überlebenden auch für kommende Generationen erhalten und hautnah erlebbar machen. HOLO-VOICES ist ein leuchtendes Zeichen für den Dialog und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“
Prof. Dr. Manfred Bayer, Rektor der Technischen Universität Dortmund: „Als ein führender Standort der KI-Forschung bringen wir mit großem Engagement unsere Expertise ein, jungen Menschen einen Dialog mit Zeitzeugen des Holocaust dauerhaft zu ermöglichen. HOLO-VOICES ist für uns zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt geworden. Gemeinsam erarbeiten Expertinnen und Experten aus Journalismus und KI zusammen mit Historikerinnen und Historikern einen wertvollen Beitrag gegen Antisemitismus und Rassismus.“
Neben den Hologrammen gehört zu HOLO-VOICES auch die Ausstellung „Frag nach!“ zum Leben von Inge Auerbacher und Kurt Salomon Maier des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek. Außerdem wird es eine vom Verein ZWEITZEUGEN kuratierte Ausstellung „Unter Tage – Unter Zwang“ zur Zwangsarbeit im Steinkohlenbergbau geben. Diese entsteht in Kooperation mit dem Ruhr Museum.
Angesichts der herausragenden gesellschaftlichen Bedeutung und der europaweiten Einzigartigkeit des Projekts ist es gelungen, mehrere Förderer für HOLO-VOICES zu gewinnen. Die RAG-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Brost-Stiftung tragen rund 35 Prozent der Gesamtkosten von rund 3,2 Millionen Euro. Die restliche Finanzierung liegt beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und wird der TU Dortmund als Projektträger zweckgebunden zur Verfügung gestellt.
Weitere Stimmen von Förderern zu HOLO-VOICES:
Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung: „Die Geschichte der Nazi-Diktatur, das Thema Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau und die schrecklichen Ereignisse und Folgen des Holocausts dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund sind wir von diesem wichtigen Kooperationsprojekt überzeugt: Es vermittelt gerade einem jungen Publikum einen immersiven und eindrücklichen Einblick in das Leid, das insbesondere durch die Shoah, aber auch durch die Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau, verursacht wurde. Die Botschaften, die von dieser besonderen Ausstellung ausgehen, sind wichtiger denn je: Junge Menschen müssen informiert und sensibilisiert werden gegen eine zunehmend rechte Radikalisierung unserer Gesellschaft. Es braucht den mutigen Einsatz gegen einen wieder erstarkenden Antisemitismus. Wir investieren mit diesem bedeutenden Gemeinschaftsprojekt in ein Wissen über die Bedeutung von Freiheit und Demokratie sowie in Haltung, Bildung und Menschlichkeit!“
Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Gather, Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung: „Das Projekt HOLO-VOICES liegt uns besonders am Herzen, weil es jungen Menschen auf eindrückliche Weise ermöglicht, Geschichte hautnah zu erleben und daraus verantwortungsbewusstes Handeln für die Zukunft abzuleiten. Die Krupp-Stiftung sieht es seit jeher als Teil ihres Auftrags, Erinnerungskultur lebendig zu halten und einen Beitrag zu Toleranz und Verständigung zu leisten.“
Prof. Bodo Hombach, Vorsitzender der Brost-Stiftung: „HOLO-VOICES ist kein Mahnmal zum Vorbeigehen. Es ist eine Einladung zum Zuhören und Nachfragen – in einer Zeit, die wieder verdrängen will. Wenn Zeitzeugen verstummen, dürfen ihre Erfahrungen nicht still werden. Geschichte meldet sich hier zurück – ungefiltert, unbequem, persönlich. Erinnerung schützt nicht automatisch. Sie verpflichtet. Und Bildung ist die Kraft, die daraus Haltung macht.“
Dr. Sylvia Asmus, Direktorin Deutsches Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek: „Wir freuen uns, mit ‚Frag nach!‘ Teil des Lern- und Bildungsortes auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein zu sein. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder erstarkt und der Ruf nach einem Schlussstrich lauter wird, ist es ein starkes Signal, dass Frau Ministerin Brandes dieses Projekt auf den Weg gebracht hat.“
Ruth-Anne Damm, Geschäftsführerin ZWEITZEUGEN e. V.: „Die persönlichen Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden helfen besonders jungen Menschen, Geschichte zu begreifen, und ermutigen dazu, heute aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzutreten. HOLO-VOICES schafft eine Brücke in die Zukunft: Es macht persönliche Erinnerungen weiterhin erlebbar. Wir freuen uns, mit unseren Bildungsangeboten für Jugendliche und Erwachsene Teil dieses außergewöhnlichen Projekts zu sein und so zu einer lebendigen Erinnerungskultur beizutragen.“
Hintergrund HOLO-VOICES – begegnen • fragen • weitersagen
Die Idee zu HOLO-VOICES wurde auf einer Delegationsreise von Ministerin Brandes in die Vereinigten Staaten im Jahr 2024 geboren. Im Illinois Holocaust Museum in Chicago werden bereits Hologramme von Holocaust-Überlebenden erfolgreich für die Bildungsarbeit eingesetzt. Schnell war klar, dass Nordrhein-Westfalen einen solchen Erinnerungs- und Lernort braucht.
Voraussetzung für HOLO-VOICES sind oft mehrtägige Interview-Sitzungen mit Holocaust-Überlebenden. Das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek hat bereits vor einigen Jahren solche Gespräche mit den Zeitzeugen Inge Auerbacher (Jahrgang 1934) und Kurt Salomon Maier (Jahrgang 1930) geführt und aufgezeichnet. Diese Aufnahmen wurden jetzt für die Hologramm-Technik genutzt und werden zur Eröffnung ab dem 27. Januar 2026 zu sehen sein.
Darüber hinaus haben Studentinnen und Studenten des Journalistik-Studiengangs der TU Dortmund gemeinsam mit Historikerinnen und Historikern für HOLO-VOICES einen umfangreichen Interview-Fragenkatalog für weitere Holocaust-Überlebende zusammengestellt. Die Interviews werden aufgezeichnet und in einem technisch aufwendigen Verfahren zu dreidimensional erlebbaren Hologrammen verarbeitet, die schließlich im Hologramm-Saal auf Zollverein gezeigt werden.
Mit Hilfe modernster Holografie-Technologie von Branchenführer
EventWorks4D aus Cleveland wird es möglich sein, den Holocaust-Überlebenden persönlichen Fragen zu stellen. Die KI ermittelt die passendste Original-Antwort, die die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zuvor exakt so im Interview gegeben haben. Nichts an den Antworten wird verändert oder neu zusammengesetzt. Die KI ist nicht generativ. Sie unterstützt die Übereinstimmungssuche von Frage und Antwort. So kommt es zu einer lebendigen Interaktion zwischen Fragesteller und Holocaust-Überlebendem.