Eine starke Stimme der Kultur im ländlichen Raum! Dritte Orte gründen eigenen Verein
Land fördert das Dritte-Orte-Programm seit 2019 mit 31,5 Millionen Euro
Der Verein sichert dem Netzwerk eine dauerhafte organisatorische Struktur und eine gemeinsame Stimme für die Zukunft.
Mit dem Dritte-Orte-Programm sind die ländlichen Räume in Nordrhein-Westfalen (noch) lebenswerter geworden. Im ganzen Land sind 45 Dritte Orte mit einem attraktiven Kulturangebot entstanden. Räume, in denen Menschen spontan, ohne Konsumzwang zusammenkommen und sich zu Hause fühlen können. Seit Ende 2019 fördert das Ministerium für Kultur und Wissenschaft das Programm mit rund 31,5 Millionen Euro.
Vereine, Initiativen, Ehrenamtliche, Kommunen und Gemeinden aus ganz Nordrhein-Westfalen haben aus leerstehenden Ladenlokalen, aufgegebenen Dorfkneipen, Museen und Bibliotheken mit klugen Ideen und großem bürgerschaftlichem Engagement Orte der Kunst, Kultur und der Begegnung gemacht.
24 Dritten Orten aus der ersten Förderrunde ist es nach einjähriger Konzeptphase, vierjähriger Umsetzungsphase und dreijähriger Verstetigungsphase durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gelungen, auch finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Um den Familiengedanken mit 21 weiteren Dritten Orten aus der zweiten Generation zu pflegen, hat sich jetzt der Verein „Dritte Orte NRW – Räume für Kultur und Begegnung e. V.“ gegründet. Der Verein sichert dem Netzwerk eine dauerhafte organisatorische Struktur und eine gemeinsame Stimme für die Zukunft.
Kulturministerin Ina Brandes: „Den Dritten Orten gilt mein doppelter Glückwunsch. Ich gratuliere den Dritten Orten der ersten Generation, weil es ihnen gelungen ist, jetzt selbstständig auf eigenen Beinen weiter zu arbeiten. So war es von Anfang an geplant, und dass dieser Plan aufgegangen ist, zeigt, was für ein attraktives Kulturangebot im ländlichen Raum entstanden ist. Außerdem gratuliere ich allen Dritten Orten zur Vereinsgründung. So schaffen wir Strukturen, die dauerhaft tragen und dafür sorgen, dass sich die vielen ehrenamtlich Engagierten austauschen, voneinander lernen und so ihre Dritten Orte noch schneller erfolgreich weiterentwickeln.“
Der Verein übernimmt künftig zentrale Aufgaben: Er vernetzt die Dritten Orte landesweit, fördert den fachlichen Austausch, entwickelt gemeinsame Formate weiter und stärkt die Sichtbarkeit des Netzwerks. Dem Vorstand des Vereins gehören an: Dr. Sigrun Brunsiek (Wasserschloss Reelkirchen, Blomberg) als Vorsitzende, Lars Schulz (Dritter Ort Life House, Stemwede) als stellvertretender Vorsitzender sowie Olivia Gurowiec (Dritter Ort 3ECK, Borken) als Schatzmeisterin. Die Vorstandsmitglieder vertreten Projekte der ersten Fördergeneration.
Vorstandsvorsitzende Dr. Sigrun Brunsiek: „Mit dem Verein stärken wir ein Netzwerk, das weit über einzelne Projekte hinausgewachsen ist. Die Dritten Orte stehen für kulturelle Teilhabe, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie schaffen Räume, in denen Kultur nicht nur erlebt, sondern gemeinsam gestaltet wird. Der Verein bietet konkrete Mehrwerte für jedes einzelne Projekt: Erfahrungen werden geteilt, Kooperationen entstehen und gemeinsame Projekte werden entwickelt.“
Die Mitgliedschaft steht allen Einrichtungen offen, die die in Satzung und Präambel beschriebenen Merkmale eines Dritten Ortes erfüllen und ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen haben. Damit können künftig auch Einrichtungen Teil des Netzwerks werden, die bislang keine Förderung im Rahmen des Landesprogramms erhalten haben oder außerhalb bisheriger Förderkulissen liegen.
Die Gründungsfeier des Vereins versteht sich auch als Einladung an weitere Kulturorte, Teil des Netzwerks zu werden und die kulturelle Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen aktiv mitzugestalten. Weitere Informationen unter www.dritteorte.nrw bzw. info@dritteorte.nrw.
Das Land Nordrhein-Westfalen bleibt auch künftig Förderer der Dritten Orte in den ersten beiden Projektphasen und gleichzeitig ein verlässlicher Partner der Dritten Orte, die jetzt auf eigenen Beinen stehen. Die Rolle des Landes entwickelt sich dabei weiter – von der projektbezogenen Förderung hin zu einer strategischen Begleitung und strukturellen Unterstützung. In der Budgetplanung des Landesprogramms sind bereits Mittel vorgesehen, um den Verein ab 2027 beim Aufbau nachhaltiger Strukturen zu unterstützen.
Hintergrund
In den 1980er Jahren prägte der amerikanische Soziologe Ray Oldenburg den Begriff des Dritten Ortes. Damit sind öffentliche Orte für Begegnung und Austausch gemeint, die sich vom Ersten Ort, dem Zuhause, und dem Zweiten Ort, der Arbeit, durch ein niederschwelliges Kultur- und Mitmachangebot abgrenzen. Das Förderprogramm Dritte Orte charakterisiert diese Kulturzentren zudem durch folgende Merkmale: eine einladende Atmosphäre mit moderner technischer Ausstattung und gastronomischem Angebot, verschiedene Nutzungsoptionen und die Möglichkeit, den möglichst barrierefreien Ort spontan zu besuchen und sich selbst aktiv einzubringen.
Die Dritten Orte der ersten Generation haben in der einjährigen Konzeptphase 50.000 Euro, in der vierjährigen Umsetzungsphase bis zu 450.000 Euro und in der dreijährigen Verstetigungsphase degressiv 2024: 50.000 Euro, 2025: 40.000 Euro und 2026: 30.000 Euro erhalten. Eine Fachjury hatte nach einer einjährigen, mit bis zu 50.000 Euro pro Projekt geförderten Konzeptphase im April weitere 21 Dritte Orte einer zweiten Generation für die dreijährige Umsetzungsphase ausgewählt.