NRW-Staatspreis 2016 für Christel und Dr. Rupert Neudeck

9. September 2016

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: NRW-Staatspreis 2016 für Christel und Dr. Rupert Neudeck

Der Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen wird in diesem Jahr an Christel Neudeck und Dr. Rupert Neudeck (posthum) aus Troisdorf verliehen. Das hat Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Düsseldorf bekanntgegeben. „Christel Neudeck und Rupert Neudeck werden ausgezeichnet, um ihr humanitäres Lebenswerk zu würdigen und ihre herausragenden Verdienste für Menschen in Not und Flüchtlinge aus aller Welt anzuerkennen. Beide mit der höchsten Auszeichnung des Landes auszuzeichnen, ist mir eine große Ehre“, sagte die Ministerpräsidentin.

 
Die Staatskanzlei teilt mit:

Dr. Rupert Neudeck habe sich vor Ort in zahlreichen Krisengebieten der Welt mit weiteren Helferinnen und Helfern engagiert. Christel Neudeck habe von Deutschland aus die strategischen Entscheidungen für die internationalen Hilfseinsätze getroffen, wichtige Kontakte geknüpft und gehalten, den Einsatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern koordiniert und Konzepte entwickelt. „Christel und Rupert Neudeck haben gemeinsam über Jahrzehnte ein großartiges Engagement gezeigt – als Team. Dabei haben beide mit großer Leidenschaft und mit einer wirkungsvollen Arbeitsteilung gemeinsam dafür gekämpft, Menschenleben zu retten“, betonte Ministerpräsidentin Kraft.

Kinder, Frauen, Männer – hilflos eingepfercht in kleinen, seeuntüchtigen Booten, die über das große Meer trieben. Es waren diese Bilder, erinnerte die Ministerpräsidentin, die Rupert und Christel Neudeck vor fast 40 Jahren aus einer christlichen und humanistischen Grundhaltung heraus aktiv werden ließen. So wie die Bilder, die uns seit Monaten immer wieder aus dem Mittelmeer erreichen, waren es damals die Nachrichten über vietnamesische Flüchtlinge, die nach dem Vietnamkrieg vor den kommunistischen Machthabern schutzlos über das Südchinesische Meer zu fliehen versuchten. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: „Damals wie heute war die Verzweiflung der Flüchtenden so groß, dass sie keinen anderen Ausweg wussten, als ihr Leben und das ihrer Kinder skrupellosen Schleppern anzuvertrauen und darauf zu hoffen, dass Rettung nahen und die Welt nicht einfach zusehen werde. Tausende, damals wie heute, haben diese Hoffnung mit ihrem Leben bezahlt. Angesichts dieser humanitären Katastrophe haben Christel und Rupert Neudeck gehandelt, nicht zugesehen. Sie haben Mut und Menschlichkeit bewiesen und uns allen gezeigt, dass ein Jeder und eine Jede dazu beitragen kann, die Welt besser zu machen.

Für die Neudecks waren die Bilder der „boatpeople“ eine Initialzündung für ihr weiteres Wirken. Sie gründeten gemeinsam mit dem aus Köln stammenden Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll das deutsche Komitee „Ein Schiff für Vietnam“. Drei Jahre später wurde daraus das „Komitee Cap Anamur – Deutsche Notärzte“. Zahlreiche Hilfsprojekte in Vietnam aber auch in Kolumbien, Äthiopien und im Nordirak wurden in den Folgejahren aufgebaut. 2003 gründete das Ehepaar gemeinsam mit Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, das internationale und religionsübergreifende Friedenskorps „Grünhelme e.V.“, das unter anderem in Afghanistan, Pakistan, Palästina, Mauretanien, Burkina Faso, Kenia, Ruanda, die Demokratische Republik Kongo und auch auf den Philippinen aktiv wurde.

„Dieser einzigartige Einsatz von Christel und Rupert Neudeck verdient unser aller Respekt“, sagte Ministerpräsidentin Kraft. „Sie haben Menschenleben gerettet und der Weltöffentlichkeit vor Augen geführt, dass und wie wir alle den Opfern von Krieg, Flucht und Vertreibung helfen können. Mit der höchsten Auszeichnung unseres Landes würdigen wir diese herausragende Lebensleistung, die beide erbracht haben.

Die feierliche Verleihung des Staatspreises findet am Abend des
21. September 2016 im Ständehaus in Düsseldorf statt.


Hintergrund

Der Staatspreis wurde 1986 als höchste Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen gestiftet. Zum ersten Mal in seiner 30-jährigen Geschichte wird der Staatspreis 2016 auch posthum verliehen.

Christel und Rupert Neudeck sind die 53. und 54. Persönlichkeiten, die mit dem Staatspreis ausgezeichnet werden. Der Staatspreis ist mit 25.000 Euro dotiert. 

Der Journalist Dr. Rupert Neudeck wurde am 14. Mai 1939 in Danzig geboren. Nach der Flucht 1945, die ihn tief prägte, fand die Familie in Hagen ein neues Zuhause. Nach Abitur und Studium promovierte er über die politische Ethik bei Jean Paul Sartre und Albert Camus. Rupert Neudeck war Mitgründer des „Cap Anamur – Deutsche Notärzte e.V.“ sowie Vorsitzender des Friedenskorps „Grünhelme e.V.“. Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter im Jahr 2007 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Rupert Neudeck starb im Mai dieses Jahres nach einer Herzoperation. 

Christel Neudeck, geb. Schänzer, wurde am 12. Dezember 1942 in Dinslaken geboren. Sie ist von Beruf Sozialpädagogin. Das Paar heiratete 1970 und hat drei Kinder. Im Team mit ihrem Mann koordinierte und steuerte sie den Einsatz von Helferinnen und Helfern und traf die strategischen Entscheidungen der Hilfsorganisation.

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