Antisemitismusbeauftragte von Bund und Ländern verurteilen antisemitische Werke auf der documenta

Kunstfreiheit rechtfertigt keinen Antisemitismus

23. Juni 2022
phb Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, redend Pult, Fahnen (2021)

Auf ihrer Tagung der „Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens“ (BLK) haben sich die Antisemitismusbeauftragten von Bund und Ländern intensiv mit den antisemitischen Inhalten einiger auf der documenta fifteen ausgestellten Werke beschäftigt. Sie verurteilen auf das Schärfste, dass es überhaupt zur Aufstellung des großen Bildes „People‘s Justice“ kommen konnte, auf dem antisemitische Stereotype sehr drastisch und für jede und jeden sichtbar dargestellt sind.

Der Bundesbeauftragte Dr. Felix Klein sagt: „Es darf nicht dabei bleiben, das Bild nur zu entfernen. Nicht nur, weil die Ausstellung mit öffentlichen Geldern gefördert wird, ist jetzt eine Aufarbeitung dringend angezeigt, lokal wie global. Anhand dieses Skandals lässt sich die internationale Verbreitung antisemitischer Hassbilder zeigen, die es hier unhinterfragt in den Mainstream geschafft haben.“

Die Co-Vorsitzende der BLK, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, erläutert dazu: „Der Beitrag des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi arbeitet mit einer eindeutigen antisemitischen Bildsprache. Damit ist die Grenze der im Grundgesetz garantierten Kunstfreiheit klar überschritten. Volksverhetzende Darstellungen werden von ihr nicht gedeckt.“

Es zeigt die Doppelstandards von Taring Padi, dass sie ihre Installation in China ausstellen und gleichzeitig Israel dämonisieren. Dass israelische Künstlerinnen und Künstler von Anfang nicht einbezogen wurden, entspricht dem Vorgehen von BDS.

Die Rechtfertigung der Gruppe, die Bilder „seien kulturspezifisch auf die eigenen Erfahrungen bezogen“, zeugt von Naivität, bewusster Schmähung oder Uneinsichtigkeit. Nichts kann diese Diffamierung von Jüdinnen und Juden rechtfertigen, auch keine nachkoloniale Erzählung.

Neben dem entfernten Werk des Künstlerkollektivs Taring Padi stehen noch weitere ausgestellte Werke in der Kritik, antisemitische Inhalte darzustellen. Die Verantwortlichen wären in allen Fällen von Anfang an gefordert gewesen, klar Position zu beziehen.

Die Antisemitismusbeauftragten fordern, die Versäumnisse und Fehler bei Planung, Vorbereitung und Durchführung der documenta klarzustellen und  Konsequenzen zu ziehen. Die Antisemitismusbeauftragten sind sich einig, dass es keine finanzielle Förderung für Antisemitismus geben darf. Die Feststellung der Verantwortlichkeiten im Umgang mit antisemitischer Bildsprache und anderen judenfeindlichen Inhalten ist dringend notwendig. Ansonsten wäre die documenta als die international bedeutendste Veranstaltung der Gegenwartskunst vollständig gescheitert.